GUSTAVO GUTIÉRREZ, VATER DER BEFREIUNGSTHEOLOGIE, IST GESTORBEN

Leonardo Boff

Am 22. Oktober dieses Jahres ist der Begründer der BEFREIUNGSTHEOLOGIE, Gustavo Gutiérrez (1928-2024), im Alter von 96 Jahren in Lima gestorben.

Er war ein enger Freund, mit dem wir seit den 1970er Jahren zusammenarbeiteten, um eine Theologie zu entwickeln, die der Situation in Lateinamerika, die von sozialer Ungerechtigkeit und erniedrigender Armut geprägt ist, angemessen ist.

Wie jeder Theologe steht Gott im Mittelpunkt seiner Betrachtung. Aber zuerst Gott als Lebenserfahrung, besonders unter dem Gesichtspunkt des menschlichen Leidens, und erst dann als ehrfürchtige Reflexion.

Das beunruhigende Thema, das ihn sein ganzes Leben lang begleitete, war das Leiden. Er selbst litt an Kinderlähmung und war jahrelang an den Rollstuhl gefesselt. Nach einer Operation konnte er nur noch mit Mühe gehen. Er war klein, lahm, stämmig, mit dem Gesicht eines Quechua-Indianers und ausgestattet mit einer außergewöhnlichen, kreativen Intelligenz, voller Humor und schöner „Trouvaillen“ wie dieser: „Die Politiker denken nur an eine Absicht, nämlich die zweite“, kurzum, er war im Grunde ein guter, einfacher, bescheidener und geistreicher Mensch.

Seine große Frage mit biografischem Hintergrund lautete: Wie kann man Gott angesichts des Leidens der Unschuldigen verstehen; wie kann man den auferstandenen Jesus in einer Welt verstehen, in der Menschen aufgrund von Unterdrückung vor ihrer Zeit sterben; wie kann man den befreienden Gott in einer Welt finden, in der es an Geschwisterlichkeit und Solidarität fehlt?

Die christliche Botschaft betrifft nicht nur das ewige Leben und das Reich Gottes, sondern bietet auch Anreize, das gegenwärtige Leben zu verbessern, insbesondere das der Armen und Unterdrückten, in der Überzeugung, dass das ewige Leben und das Reich Gottes bereits hier auf Erden beginnen. Darüber hinaus war der historische Jesus selbst arm und hatte kein Dach über dem Kopf. Daher versteht Gutiérrez die Theologie als „kritische Reflexion der historischen Praxis im Licht des Wortes der Offenbarung“.

Das Gründungsbuch von 1971 war THEOLOGIE DER BEFREIUNG, PERSPEKTIVEN. Kurioserweise schrieb ich im selben Jahr, ohne dass wir uns kannten, JESUS CHRISTUS DER BEFREIER, und Juan Luis Segundo in Uruguay und Segundo Galea in Chile arbeiteten ebenfalls aus einer Befreiungsperspektive. Wir kannten einander nicht, aber wir hörten einen Ruf, der, wie ich glaube, vom Geist kam (Hegel würde sagen, vom Weltgeist), und wir waren lediglich die Mikrofone, die den Klang dieses Rufs unterstrichen.

Die strukturierende Achse dieser Art von Theologie ist die nicht-exklusive Option für die Armen, gegen die Armut und für soziale Gerechtigkeit und Befreiung. Sie stützt sich immer auf die Tradition der Propheten und die Praxis des historischen Jesus. Gustavo hat es gut ausgedrückt: „Die Armen sind Gottes Lieblinge, nicht weil sie christlich, religiös oder gut sind, sondern weil Gott, der sich mit ihnen identifiziert, gut und barmherzig ist“. Der lebendige Gott wählt diejenigen aus, die das geringste Leben haben. Dies ist die theologische Grundlage der Option für die Armen, für ihr unterdrücktes Leben und für ihre Befreiung.

Als zutiefst spiritueller Mann lebte er mit den Armen im Randviertel Rimac von Lima. Fast alle seine Werke sind aus dieser Einfügung entstanden, insbesondere TRINKEN AUS DEM EIGENEN BRUNNEN; DER GOTT DES LEBENS; Die historische Stärke der Armen; WO DIE ARMEN SCHLAFEN WERDEN; AUF DER SUCHE NACH DEN ARMEN JESU CHRISTI: DER GEDANKE VON BARTOLMEU DE LAS CASAS u. a.

Wie andere Befreiungstheologen stieß er auf Unverständnis und Verfolgung, insbesondere durch den Kardinal von Lima, Cipriani, vom Opus Dei, mit der Anschuldigung, es handele sich um eine marxistische Theologie. Diese Vorstellung wurde durch den größten Gegner, ja Verfolger der Befreiungstheologie, Kardinal Lopez Trujillo de Medellin in Kolumbien, noch verstärkt. Dieser Vorwurf ist nicht haltbar und wurde immer gegen diejenigen erhoben, die wie Dom Helder Câmara die Situation der Armen als Opfer einer Gesellschaft der Ungerechtigkeit und Ausbeutung sehen, die eine historische und soziale Umgestaltung erfordert. In Lateinamerika wurde der Begriff der Armen auf Indigene, Schwarze, Frauen, wirtschaftlich Arme, kulturell Arme und Menschen mit anderer sexueller Orientierung ausgeweitet. So sind die verschiedenen Strömungen der Befreiungstheologie entstanden. Für jede spezifische Gruppe gibt es eine geeignete Methode und die entsprechende Befreiung. Die Methode ist immer die folgende: die leidende Realität sehen; mit wissenschaftlichen Mitteln und im Lichte des Glaubens urteilen; handeln, um diese Anti-Realität zu verändern, wobei die Unterdrückten selbst die Hauptakteure sind.

Daher Befreiung durch Glauben. Marx war nie der Vater oder Pate der Befreiungstheologie, wie manche ihr auch heute noch haltlos vorwerfen. Ihre Inspiration findet sich in den Quellen des christlichen Glaubens, in der Heiligen Schrift und in der Tradition von Persönlichkeiten wie dem Heiligen Franziskus von Assisi, dem Heiligen Vinzenz von Paul und anderen, die den Armen den Mittelpunkt einräumten.

Für seine Ernsthaftigkeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden. Er legte keinen Wert auf diese Anerkennungen, da er sich immer auf seinen Herkunftsort, die Armut und die Armen, mit denen er sein Leben teilte, besann.

Papst Franziskus empfing ihn in Rom als Geste der Anerkennung für seine Überlegungen, die für die ganze Kirche von großem Wert sind. Anlässlich der Beerdigung sandte der Papst diese kurze Botschaft: „Heute denke ich an Gustavo Gutiérrez, einen großen Mann, einen Mann der Kirche, der es verstand, still zu sein, wenn er still sein musste, der es verstand, zu leiden, wenn er an der Reihe war zu leiden, der es verstand, so viel apostolische Frucht und so viel reiche Theologie weiterzugeben. Möge er in Frieden ruhen“.

Wir, die wir ihn in seiner Arbeit und in seinem täglichen Leben kannten, bezeugen, dass er mit deutlichen Zeichen persönlicher Heiligkeit lebte und starb. Und wir werden ihn sehr vermissen.

Leonardo Boff


Übersetzung von Bettina Gldhartnack

È MORTO GUSTAVO GUTIÉRREZ, PADRE DELLA TEOLOGIA DELLA LIBERAZIONE

Leonardo Boff

Il 22 ottobre di quest’anno è morto a Lima, all’età di 96 anni, l’iniziatore della TEOLOGIA DELLA LIBERAZIONE, Gustavo Gutiérrez (1928-2024).

Era un amico intimo con il quale insieme abbiamo collaborato, a partire dagli anni ’70, per creare una teologia adeguata alla situazione dell’America Latina, piena di ingiustizie sociali e di povertà degradante.

Come per ogni teologo, il centro della sua indagine è Dio. Ma Dio innanzitutto come esperienza di vita, specialmente a partire dalla sofferenza umana e, solo dopo, come riflessione riverente.

Il tema inquietante che lo ha sempre accompagnato per tutta la vita è stata la sofferenza. Lui stesso soffriva di poliomielite, rimanendo per anni su una sedia a rotelle. Dopo l’intervento chirurgico camminava con difficoltà. Era piccolo, zoppo, rude, con la faccia da indio quechua e dotato di un’intelligenza straordinaria, creativa, piena di umorismo e di belle “trouvailles” come questa: “i politici pensano solo a un’intenzione, cioè alla seconda”. Insomma, era fondamentalmente un uomo buono, semplice, umile e spiritoso.

La sua grande domanda, a sfondo biografico, era: come comprendere Dio di fronte alla sofferenza degli innocenti; come comprendere Gesù risorto in un mondo in cui le persone muoiono prematuramente a causa dell’oppressione; come incontrare il Dio liberatore in un mondo dove mancano fraternità e solidarietà?

Il messaggio cristiano non riguarda solo la vita eterna e il Regno di Dio, ma offre stimoli per migliorare la vita presente, soprattutto quella dei poveri e degli oppressi, nella convinzione che la vita eterna e il Regno di Dio già iniziano qui sulla Terra. In più lo stesso Gesù storico era un povero e non aveva dove posare il capo. Da qui Gutiérrez intende la teologia come “una riflessione critica della prassi storica alla luce della Parola della rivelazione”.

Il libro fondatore fu «TEOLOGIA DELLA LIBERAZIONE, PROSPETTIVE» del 1971. Curiosamente, in quello stesso anno, senza che ci conoscessimo, io scrivevo «JESUS ​​​​CHRIST LIBERTADOR», anche Juan Luis Segundo in Uruguay e Segundo Galea in Cile lavoravano in una prospettiva di liberazione. Noi non ci conoscevamo, ma sentivamo una chiamata, credo, proveniente dallo Spirito (Hegel direbbe dal Weltgeist) e noi eravamo appena i semplici microfoni che evidenziavano il suono di questa chiamata.

L’asse strutturante di questo tipo di teologia è l’opzione non esclusiva per i poveri, contro la povertà e a favore della giustizia sociale e della liberazione. Affidandosi sempre alla tradizione dei profeti e alla pratica del Gesù storico. Gustavo bene affermava: “I poveri sono i prediletti di Dio non perché sono cristiani, religiosi o buoni, ma perché Dio, identificandosi con loro, è buono e misericordioso”. Il Dio vivo opta per quelli che dispongono di meno vita. Questo è il fondamento teologico dell’opzione per i poveri, per la loro vita oppressa e per la loro liberazione.

Uomo profondamente spirituale, visse con i poveri nel quartiere periferico Rimac di Lima. Da questo inserimento sono nate quasi tutte le sue opere, specie «BERE AL PROPRIO POZZO»; «IL DIO DELLA VITA»; «LA FORZA STORICA DEI POVERI»; «DOVE DORMIRANNO I POVERI»; «ALLA RICERCA DEI POVERI DI GESÙ CRISTO»; «IL PENSIERO DI BARTOLOMÉ DE LAS CASAS» e altri.

Come altri teologi della liberazione, ha sofferto incomprensioni e persecuzioni, specialmente da parte del cardinale di Lima, Cipriani, dell’Opus Deus, con l’accusa che si trattasse di una teologia marxista. Questa idea era rafforzata dal più grande oppositore, direi persino, persecutore della Teologia della Liberazione, il cardinale Lopez Trujillo di Medellin in Colombia. Questa accusa non è sostenibile ed è sempre stata rivolta contro tutti coloro, come Dom Helder Câmara, che collocano la situazione dei poveri come vittime di una società di ingiustizia e di sfruttamento che richiede una trasformazione storico-sociale. In America Latina si è esteso il concetto di povero fino a includere gli indigeni, i neri, le donne, i poveri per ragioni economiche, culturali e per altri orientamenti sessuali. Così sono emerse le varie correnti della Teologia della Liberazione. Per ogni gruppo specifico, il suo metodo adeguato e la sua corrispondente liberazione. Il metodo è sempre questo: vedere la realtà sofferente: giudicare con mezzi scientifici e alla luce della fede; agire per trasformare questa anti-realtà, avendo come protagonisti principali gli stessi oppressi.

Da qui la liberazione a partire dalla fede. Marx non è mai stato il padre o il padrino della Teologia della Liberazione, come alcuni la accusano ancora oggi, senza fondamento. La sua ispirazione si incontra nelle fonti della fede cristiana, nelle Scritture e nella tradizione di figure come San Francesco d’Assisi, San Vincenzo di Paola e altri che hanno dato centralità ai poveri.

Per la sua serietà ha ricevuto numerosi premi e titoli di dottore honoris causa. Non dava importanza a questi riconoscimenti, collocandosi sempre nel luogo d’origine, nella povertà e tra i poveri con cui condivideva la vita.

Papa Francesco lo ha ricevuto a Roma come gesto di riconoscimento per la sua riflessione, che rappresenta una ricchezza per tutta la Chiesa. In occasione delle esequie, il Papa ha inviato questo breve messaggio: «Oggi penso a Gustavo Gutiérrez, un grande, un uomo di Chiesa che ha saputo stare in silenzio quando doveva tacere, che ha saputo soffrire quando gli è toccata la sofferenza, che ha saputo portare avanti tanto frutto apostolico e tanta meravigliosa teologia. Che riposi in pace.

Noi che lo abbiamo conosciuto nel suo lavoro e nella sua quotidianità testimoniamo che egli è vissuto e morto con chiari segni di santità personale. E di lui conserveremo molta saudade.

Traduzione di Gianni Alioti

MORRE GUSTAVO GUTIÉRREZ, PAI DA TEOLOGIA DA LIBERTAÇÃO

Leonardo Boff

No dia 22 de outubro do corrente ano, morreu em Lima o iniciador da TEOLOGIA DA LIBERTAÇÃO com a idade de 96 anos,Gustavo Gutiérrez (1928-2024).

Era um entranhável amigo com o qual juntos, a partir dos anos de 1970, colaboramos para fazer uma teologia adequada à situação da América Latina que é feita de injustiças sociais e de pobreza aviltante.

Como para todo teólogo, o centro de sua indagação é Deus. Mas primeiramente Deus como experiência de vida em especial a partir do sofrimento humano e só depois como reflexão reverente.

O tema perturbador que sempre o acompanhou pela vida afora era o sofrimento. Ele mesmo sofreu de poliomelite ficando  por anos em cadeira de rodas. Depois, operado, andava com dificuldade. Era pequeno, manco, atacarrudo, cara de índio quéchua e dotado de uma inteligência extraordinária, criativa, cheia de humor e de belas “trouvailles” como esta:’os políticos só pensam numa intenção, isto é, na segunda”.Em suma, era fundamentalmente um hom em bom, simples, humilde e espirituoso.

Sua grande questão, com fundo biográfico, era: como compreender Deus diante do sofrimento do inocente; como compreender Jesus ressuscitado em um mundo onde as pessoas pela opressão morrem antes do tempo; como encontrar o Deus libertador em um mundo onde falta fraternidade e solidariedade?

A mensagem cristã não apenas concerne à vida eterna e ao Reino de Deus, mas oferece estímulos para melhorar a vida presente, especialmente a dos pobres e oprimidos, na convicção de que a vida eterna e o Reino de Deus começam já aqui na Terra. De mais a mais o próprio Jesus histórico foi um pobre e não tinha onde pôr a cabeça. Dai que entende a teologia,segundo Gutiérrez como “uma reflexão crítica da práxis histórica à luz da Palavra da revelação”.

O livro fundador de 1971 foi TEOLOGIA DA LIBERTAÇÃO, PERSPECTIVAS. Curiosamente, neste mesmo ano, sem que nos conhecêssemos, eu escrevia JESUS CRISTO LIBERTADOR, Juan Luis Segundo no Uruguai e Segundo Galea no Chile trabalhavam também numa perspectiva de libertação. Não nos conhecíamos mas ouvíamos um chamado, creio, que vindo do Espírito (Hegel diria do Weltgeist) e nós éramos apenas os meros microfones que realçavam o som  desse chamado.

O eixo estruturador deste tipo de teologia é a opção não excludente pelos pobres, contra a pobreza e a favor da justiça social e da libertação. Sempre se apoiando na tradição dos profetas e da prática do Jesus histórico. Bem afirmava Gustavo:” Os pobres são os privilegiados de Deus não porque são cristãos, religiosos ou bons, mas porque Deus, identificando-se com eles, é bom e misericordioso“. O Deus vivo, o Deus da vida opta por aqueles que menos vida têm. Este é o fundamento teológico da opção pelos pobres, por sua vida oprimida e por sua libertação.

Homem profundamente espiritual, viveu com os pobres no bairro periférico Rimac de Lima. Dessa inserção nasceram quase todas as suas obras, especialmente BEBER DO PRÓPRIO POÇO; O DEUS DA VIDA; A FORÇA HISTÓRICA DOS POBRES; ONDE DORMIRÃO OS POBRES; EM BUSCA DOS POBRES DE JESUS CRISTO: O PENSAMENTO DE BARTOLOMEU DE LAS CASAS e outros mais.

Como outros teólogos da libertação sofreu incompreensões e perseguições, especialmente do Cardeal de Lima, Cipriani, da Opus Deus, com a acusação de que seria uma teologia marxista. Essa ideia era reforçada pelo maior opositor, diria até, perseguidor da Teologia da Libertação, o Cardeal Lopez Trujllo de Mdellin na Colômbia. Essa acusação, não se sustenta e sempre foi assacada contra todos, como a Dom Helder Câmara, que colocam a situação dos pobres como vítimas de uma sociedade de injustiças e de exploração que demanda uma transformação histórico-social. Na América Latina se estendeu o conceito de pobre para os indígenas, os negros, as mulheres, pobres econômicos, culturais e de outra opção sexual.Assim surgiram as várias vertentes da Teologia da libertação. Para cada grupo específico, o seu método adequado e  sua correspondente libertação. O método é sempre este: ver a realidade sofrida;julgar com meios científicos e à luz da fé; agir para transformar esta anti-realidade tendo como protagonistas principais os próprios oprimidos.

Daí a libertação a partir da fé. Marx nunca foi pai nem padrinho da Teologia da Libertação como a acusam, sem fundamento, alguns ainda hoje. Sua inspiração se encontra nas fontes da fé cristã, nas Escrituras e na tradição de figuras como São Francisco de Assis, São Vicente de Paulo e outros que deram centralidade aos pobres.

Por sua seriedade recebeu inúmeros prêmios e títulos de doutor honoris causa. Não dava importância a estes reconhecimentos, pois se colocava sempre no seu lugar de origem, a pobreza e os pobres com os quais compartilhava a vida.O Papa Francisco o recebeu em Roma como gesto de reconhecimento de sua reflexão com uma riqueza para toda a Igreja. Por ocasião das exéquias, o Papa enviou esta curta mensagem:” Hoy pienso a Gustavo Gutiérrez, un grande, un hombre de Iglesia que supo estar callado cuando tenía que estar callado, supo sufrir cuando le tocó sufrir, supo llevar adelante tanto fruto apostólico y tanta teología rica. Que en paz descanse”.

Nós que o conhecemos no seu trabalho e no seu dia a dia testemunhamos que viveu e morreu com claros sinais de santidade pessoal. E guardaremos muita saudade dele

Podemos perecer por no oír los mensajes de la Tierra

Leonardo Boff*

La conciencia de que la Tierra es viva viene de la más lejana antigüedad. Se la llamaba Magna Mater, Nana, Pachamama, Tonanzin y actualmente Gaia, un Superorganismo que de forma sistémica articula todos los elementos físico-químicos y energéticos que permiten y sostienen la vida. El 22 de abril de 2009, la ONU, unánimemente, hizo oficial el nombre Madre Tierra, reconociendo que se trataba de una Entidad viva, portadora de derechos, a la cual debemos tratar con los mismos predicados con los que tratamos a nuestras madres: con respeto, con cuidado y con veneración. Después se oficializó la expresión Casa Común, que incluye a los seres humanos y a toda la naturaleza. Esto quedó claro en la Carta de la Tierra del año 2000en la cual se afirma: «la Tierra, nuestro hogar, está viva con una comunidad de vida única» (Preámbulo). El Papa Francisco en la encíclica Laudato Sì: sobre el cuidado de la Casa Común (2015), al asumir esta expresión -Casa Común- contribuyó a su universalización.

Por tratarse de una realidad viva, la Tierra está continuamente en acción y re-acción. Nos manda eventos que son mensajes a ser oídos y descifrados. El ser humano al sentirse parte de la naturaleza y, más aún, la parte de la Tierra que alcanzó un alto grado de complejidad hasta el punto de comenzar a sentir, a pensar, a querer, a cuidar y a venerar, disponía de todas las condiciones para captar los mensajes y de la capacidad para descifrarlos. En palabras más pedestres: el ser humano entendía las señales de la atmósfera y sabía si iba a llover o a hacer buen tiempo; al mirar los árboles, sus hojas y flores sabía qué frutos podían producir. Y así en tantos otros casos. Esta escucha de la Tierra y de la naturaleza y cómo descifrar sus señales sigue presente todavía hoy en los pueblos originarios que dominan el código de lectura del mundo circundante y cósmico.

Pero sucede que en los tiempos modernos ha habido un viraje, especialmente con los padres fundadores de nuestro paradigma vigente, fundado en la voluntad de poder y de dominio. Ellos trataron a la Tierra como mera res extensa, una realidad sin propósito, una especie de baúl de recursos naturales a disposición del disfrute humano. Escuchar las voces de la Tierra, sus gemidos y sus susurros, “oír estrellas”, se decía, es cosa de poetas o ser tributario de lo antiguo, del animismo.

La manera moderna de ver la Tierra transformó el saber científico en una operación técnica (el saber es poder según Francis Bacon), un proceso de dominación de todas las esferas de la natureza y de la vida. Y se realizó sin el debido cuidado, próprio de quien escucha atento los mensajes. Al contrario, hizo oídos sordos, explotando prácticamente todas las virtualidades de los biomas, degradándolos. Los reclamos de la Magna Mater se hicieron imperceptibles, ¿por qué escucharlos? ¿no es el ser humano su dueño y señor (maître et possesseur de René Descartes)? Así se perdió el código de lectura del mundo.

Esta es la situación predominante en nuestro mundo transformado por la tecno-ciencia. Oímos mil voces y ruidos producidos por nuestra cultura científico-técnica. No prestamos atención a las voces de la naturaleza y de la Tierra. Estas voces actuales son gemidos y gritos de una vida herida y crucificada. A nuestras agresiones, ya seculares, arrancando todo de ella sin observar los efectos secundarios, peligrosos e incluso nocivos, ella ha replicado con mensajes en forma de tsunamis, terremotos, huracanes, tornados, inundaciones devastadoras, nevadas nunca antes vistas, en una palabra, con eventos extremos. Como no escuchamos los mensajes contenidos en tales eventos, nos mandó otras señales potentes que tocaron directamente nuestras vidas: la inmensa gama de bacterias y virus, desde la simple gripe, el VIH, el ébola hasta culminar en el coronavirus. Este afectó solo a los seres humanos y perdonó a los demás organismos vivos. Todos se movilizaron para encontrar un antídoto, las diferentes vacunas. Pocos se preguntaron de dónde venía. Vino de la naturaleza, en la cual nuestra intervención utilitarista destruye el hábitat de esos micro-organismos. Así que buscaron otro hábitat, viniendo a instalarse en nuestras células. Invisible, puso a todos los poderes militaristas, sus bombas nucleares y químicas, de rodillas e impotentes.

¿Por qué afirmo esto? Porque no hemos aprendido nada de la lección que la Tierra y la naturaleza quisieron darnos con la Covid-19. El aislamiento social que imponía, nos daba la ocasión de pensar sobre lo que hemos hecho hasta ahora con el sistema-vida y sobre qué tipo de mundo queremos habitar. El hecho es que pasada la gran amenaza colectiva, volvimos furiosamente a lo anterior normal, continuando con la depredación de la naturaleza y así con la destrucción de los hábitats de los microorganismos. Inauguramos una nueva era, el antropoceno.

Los eventos ocurridos en 2023 y 2024, tales como las grandes inundaciones en el mundo entero y en el sur de nuestro país, los devastadores incendios de muchos países, las guerras de gran letalidad (pues Tierra y humanidad formamos una única y compleja Entidad, observada por los astronautas, el Overview Effect), las perversas desigualdades sociales a nivel mundial y la gran alarma, verdadero meteoro rasante, el calentamiento global imparable, entre muchas otras señales, son mensajes que la Tierra y la naturaleza nos están enviando. Son poquísimos quienes los escuchan y los interpretan. Predominan el negacionismo, la sordera colectiva y el ignorar consciente, porque obstaculiza la acumulación desenfrenada a costa de vidas humanas y de la naturaleza.

Si no paramos y nos ponemos humildemente a la escucha y la lectura de las señales enviadas por la naturaleza y por la Madre Tierra y no cambiamos colectivamente de ruta, se realizará lo que el Papa Francisco en la encíclica Fratelli tutti (2020) proféticamente advirtió: “estamos en el mismo barco, o nos salvamos todos o no se salva nadie”. Esta vez no hay un Arca de Noé que preserve a representantes del mundo vivo y deje perecer a los demás. Todos podemos estar, inconsciente e irresponsablemente, acercándonos al abismo en el cual podemos precipitarnos.

Será el desenlace siniestro por no haber abierto nuestros oídos y haber descuidado la interpretación de las señales que la naturaleza y la Madre Tierra nos han gritado, suplicando una radical conversión ecológica y la definición de otro camino civilizatorio. El actual nos lleva irremediablemente a un fin trágico. Y así nos sumaríamos a los millares de organismos vivos que, no pudiendo adaptarse a los cambios, acabaron desapareciendo. La Tierra, sin embargo, continuaría, pero sin nosotros.

Como lo impensable y lo inesperado pertenecen a la historia, todo podrá ser diferente. Como decía un filósofo presocrático: si no esperamos lo inesperado, y puede suceder, todos nos perderemos. Entonces, estemos atentos a lo inesperado. En nuestro esperanzar,  puede suceder.

*Leonardo Boff ha escrito: Cuidar de la Casa Común: pistas para evitar el fin del mundo, Dabar 2024.

Traducción de MªJosé Gavito Milano