Wehklage über Versklavung und Befreiung: Tag der Ermordung des Schwarzen Joao Alberto Freitas in Porto Alegre, am Tag des Selbstbewusstseins der Schwarzen

Leonardo Boff

An diesem Tag, dem 20. November 2020, wenn wir den Tag des Selbstbewusstseins der Schwarzen, einen Tag der Reflexion gegen Rassismus und der Anerkennung der Würde der schwarzen Bevölkerung in Brasilien (die mehr als die Hälfte der Bevölkerung darstellt) begehen, wurde der 40-jährige Schwarze Joao Alberto Freitas von zwei Wachen und einem Polizisten in Porto Alegre feige durch Schläge und Erstickung ermordet. Die Szenen des Todes zeigen unsägliche Brutalität und Feigheit und all den Rassismus, der in Teilen der Gesellschaft vorhanden ist, und wie unmenschlich und grausam wir sein können.

Als Hommage an Joao Alberto Freitas veröffentliche ich einen Text von vor einiger Zeit, der aber von bleibender Relevanz ist.

Die Passion Christi setzt sich seit Jahrhunderten unaufhörlich in den Körpern der Gekreuzigten fort. Jesus wird bis ans Ende der Welt in Qualen liegen, solange auch nur ein einziger Seiner Brüder oder Schwestern zum Kreuzesopfer wird, wie die buddhistischen Bodhisattvas (die Erleuchteten), die an der Schwelle zum Nirwana verharren, nicht eintreten, sondern in die Welt des Leidens – Samsara – zurück kehren in Solidarität mit allen Leidenden: Menschen, Tieren und Pflanzen. Aus dieser Überzeugung legt die Katholische Kirche in der Karfreitagsliturgie Jesus diese bewegenden Worte in den Mund:

„Mein Volk, sag mir, was habe ich getan, womit habe ich dich gekränkt? Was hätte ich noch für dich tun können? Woran habe ich es dir fehlen lassen? Ich ließ dich aus Ägypten ziehen und gab dir Manna zu essen. Ich bereitete dir ein gutes Land, aber du bereitetest ein Kreuz für deinen König.“

Wenn wir Brasilianer die Abschaffung der Sklaverei (13. Mai 1888) feiern, wird uns bewusst, dass sie immer noch nicht komplett abgeschafft ist. Die Passion Christi setzt sich in der Passion der Schwarzen fort. Wir brauchen eine zweite Abschaffung: die des Elends und des Hungers. Die Schreie aus Gefangenen und nach Befreiung sind immer noch zu hören. Sie kommen aus den „Senzalas“ (Sklavenunterkünften) und nun aus den Favelas, die sich um unsere Städte herum befinden. Die schwarze Bevölkerung spricht noch immer zu uns durch Klagen und Flehen.

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Ich inspirierte dich mit Musik voller „banzo“ (Traurigkeit) und ansteckender Rhythmen. Ich lehrte dich, auf „bumbo“, „cuica“ und „atabaque“ (brasilianische Trommeln) zu spielen. Ich war es, der dir den „Rock“ und die „Ginga des Samba“ gab. Und du nahmst, was mein war, machtest dir einen Namen, einen großen Namen, häuftest Geld an mit deinen Kompositionen und schenktest mir nichts im Gegenzug.

Ich kam herab von den Bergen und zeigte dir eine Welt voller Träume, eine Welt grenzenloser Geschwisterlichkeit. Ich schuf für dich Tausende von farbenfrohen Fantasien, und ich bereitete dir das größte Fest der Welt: Ich tanzte den Karneval für dich. Und du warst so sehr glücklich, dass du mir stehende Ovationen dafür gabst. Doch bald, sehr bald, vergaßt du mich, schicktest mich zurück in die Berge, in die Favelas, in die nackte und raue Wirklichkeit der Arbeitslosigkeit, des Hungers und der Unterdrückung…

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Als Erbe gab ich dir Bohnen und Reis, deine tägliche Nahrung. Aus den Resten bereitete ich dir „Feijoada“, „Vatapá“, „Efó“ und „Acarajé“: die typische Küche Bahias und Brasiliens. Und du ließest mich Hunger leiden und meine Kinder an Mangelernährung sterben oder an irreversiblen Gehirnschäden leiden, die sie dauerhaft unterentwickelt bleiben ließen.

Ich wurde gewaltsam aus meinem afrikanischen Heimatland herausgerissen.  Ich kannte das Sklaven-Gespensterschiff. Ich wurde zu einem Objekt gemacht, einem „Ding“, einem Sklaven. Ich war die schwarze Mutter für deine Kinder. Ich bestellte die Felder, erntete den Tabak und pflanzte das Zuckerrohr. Ich erledigte all diese Arbeiten. Ich war es, der die schönen Kirchen baute, die alle bewundern, und die Paläste, in denen die Sklavenbesitzer leben. Und du bezeichnest mich als träge und verhaftest mich wie einen Landstreicher. Du diskriminierst mich wegen meiner Hautfarbe und behandelst mich, als wäre ich noch immer ein Sklave.

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Ich konnte standhalten. Es gelang mir fortzulaufen und “Quilombos” zu gründen: geschwisterliche Gesellschaften ohne Sklaven, arm, aber frei: Schwarze, Mestizen und Weiße. Trotz der Peitschen-hiebe auf meinen Rücken schenkte ich der brasilianischen Seele Herzlichkeit und Süße. Und du schicktest mich zum „Capitão-Do-Mato“, jagtest mich wie ein Tier. Du zerstörtest meine „Quilombos“, und bis heute sorgst du dafür, dass die Abschaffung des versklavenden Elends keine ewig währende und effektive Wahrheit ist.

Ich zeigte dir, was es heißt, der lebendige Tempel Gottes zu sein, und darum auch, wie man Gott in einem Körper spürt, der angefüllt ist mit „Axé“ (brasilianische Musikrichtung), und Gott im Rhythmus, Tanz und Essen zu zelebrieren. Doch du unterdrücktest meine Religionen, nanntest sie „afro-brasilianische Riten“ oder betrachtetest sie als simple Folklore. Du drangst in meine „terreiros“ (Kultstätten) ein, bewarfst sie mit Dreck und zerstörtest unsere heiligen Figuren. Nicht selten machtest du aus der Macumba einen Kriminalfall. Die Mehrheit der umgebrachten Jugendlichen in den Randbezirken zwischen 18 und 24 Jahren sind Schwarze, und weil sie schwarz sind, werden sie verdächtigt, der Drogenmafia zu dienen. Die meisten von ihnen sind jedoch einfache Arbeiter.

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Wenn ich durch so viel Arbeit und Hingabe mein Leben verbessere, einen schwerverdienten Lohn erhalte, mein kleines Haus kaufe, meine Kinder erziehe, meine Samba singe, meinen Lieblingsverein anfeuere und mir am Wochenende ein kaltes Bier mit meinen Freunden leisten kann, sagst du, ich sei ein Schwarzer mit der Seele eines Weißen. Dadurch herabwürdigst du den Wert unserer Seelen als würdige und hart arbeitende Schwarze. Und bei der Jobvergabe gehe ich fast immer leer aus zugunsten eines Weißen, ungeachtet derselben Fähigkeiten.

Und als die Politik sich weiterentwickelte, um für die historische Perversität zu entschädigen und mir das zu ermöglichen, was du mir immer verweigertest: zu studieren und mich an den Universitäten und Technischen Hochschulen weiterzubilden, sodass ich meine Lebensumstände verbessern kann und die meiner Familie, dann ruft die Mehrheit deines Volkes: Das verstößt gegen die Verfassung, das ist Diskriminierung, ist soziale Ungerechtigkeit.

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Meine schwarzen Brüder und Schwestern, an diesem 20. November, dem Tag von Zumbí und des Schwarzen Bewusstseins, möchte ich dir meine Ehrerbietung erweisen. Dir und allen, denen es gelang, während dieser langen Zeit zu überleben, denn die Fröhlichkeit, die Musik, der Tanz und das Heilige sind alles in euch trotz dieses Kreuzwegs der Leiden, die euch ungerechterweise aufgebürdet werden.

Voll Liebe und Zuneigung

Leonardo Boff Theologe, Philosoph und Schriftsteller

Übersetzung von Bettina Goldharnack

Lo cotidiano, la fantasía, el carisma

Leonardo Boff*

Nosotros venimos del útero común de donde vinieron todas las cosas, de la Energía de Fondo, de aquel océano sin orillas, del big bang, del bosón de Higgs que originó el topquark, el ladrillo material más primordial del edificio cósmico, pasando por todas las fases de la evolución hasta llegar al computador actual y la inteligencia artificial. Y somos hijos e hijas de la Tierra, o mejor, somos la Tierra que anda y danza, que tiembla de emoción y piensa, que quiere y ama, que se extasía y adora al Ser que hace ser a todos los seres.

Todas estas cosas estuvieron primero en el universo, se condensaron en nuestra galaxia, adquirieron forma en nuestro sistema solar e irrumpieron concretas en nuestra Tierra, gran madre, generadora de vida.

El principio cosmogénico, es decir, aquellas energías directoras que conducen llenas de propósito todo el proceso evolutivo, obedecen a la dinámica siguiente, tan bien estudiada por Ilya Prigogine y Edgar Morin: orden, desorden, relación, nuevo orden, nuevo desorden nuevamente relación y así siempre de nuevo. 

Mediante esa lógica se crean siempre más complejidades y diferenciaciones; en la misma proporción se van creando interioridad y subjetividad en todos los seres hasta alcanzar su expresión lúcida y consciente en la mente humana. Sólo puede estar en nosotros lo que estaba antes en el universo, aun en gestación.

Simultáneamente y también en la misma proporción se va gestando el tejido de relaciones, de intercambios y de interdependencias de todos con todos (tesis básica de la física cuántica de Bohr/Heisenberg) que funciona como un ritornello en las encíclicas del Papa Francisco Laudato si (2015) e Fratelli tutti (2020). Todo está relacionado con todo en todos los momentos y en todas las situaciones. Diferenciación/interioridad/relación es la trinidad cósmica que preside el funcionamiento del universo. Lo normal del universo no es la permanencia sino el cambio.

Como fruto del tejido de relaciones, reciprocidades y simbiosis existentes en todo, en la Tierra y en nosotros mismos, emerge un nuevo orden que, a su vez, va a seguir la misma trayectoria de desorden, relación y nuevo orden. Mientras estemos vivos estamos siempre en una situación de no-equilibrio en búsqueda continua de adaptaciones que generen un nuevo equilibrio. Cuanto más nos acerquemos al equilibrio total más próximos estamos de la muerte. La muerte es la fijación del equilibrio y el fin del proceso cosmogénico. O su paso hacia otro tipo de nivel, que demanda un nuevo tipo de reflexión.

¿Cómo se manifiesta esta estructura concretamente en nuestra vida? Primeramente en lo cotidiano y en lo prosaico. Cada cual los vive a su manera, que comienza con el aseo personal, cómo se viste, cómo toma su café, cómo echa una ojeada al periódico o escucha las primeras noticias por la tv o por la radio, cómo busca su felicidad y cómo se enfrenta a la tarea de la vida mediante el trabajo.

Lo cotidiano es rutinario, gris y con escasas novedades. La mayoría de la humanidad vive restringida a lo cotidiano con el anonimato que implica. Algunos son conocidos por primera vez cuando mueren, pues el anuncio puede aparecer en el periódico, si aparece. Es la trayectoria normal de las personas. 

Pero los seres humanos también están habitados por la imaginación, llamada por algunos “la loca de la casa”. Ella rompe las barreras de lo cotidiano, permite lo poético y da saltos. La imaginación es por esencia inventiva; es el reino de las probabilidades y posibilidades, de por sí infinitas. Imaginamos nueva vida, nueva casa, nuevo trabajo, nuevos placeres, nuevas relaciones, nuevo amor. 

Es de la sabiduría de cada uno articular lo cotidiano con lo imaginario y construir cierto equilibrio en la vida. Si alguien se entrega sólo a lo imaginario, puede estar haciendo un viaje, volar como un águila por las nubes olvidado de la Tierra y, en el límite, puede acabar en una clínica psiquiátrica.

Puede también sepultarse en la rutina de lo cotidiano y de lo prosaico, quedando como una gallina, ciscando o con vuelo rastrero. Entonces se muestra pesado, poco interesante y aburrido.

Cuando alguien, sin embargo, sabe abrirse al dinamismo de lo imaginario y a las oportunidades escondidas en lo cotidiano, vivificándolo con un toque de lo imaginario, su vida se hace una construcción continua y se vuelve una jornada interesante. El efecto pronto se hace notar: empieza sin darse cuenta a irradiar una rara energía interior. De él sale una fuerza misteriosa que se comunica a los otros.

A esta fuerza la llamamos carisma. Ella es la energía cósmica que vitaliza y rejuvenece todo, la fuerza que hace atraer a las personas y fascinar a los espíritus. 

¿Quiénes son carismáticos? Todos. A nadie le es negada la fuerza cosmogénica que mueve, en palabras de Dante, el cielo y todas las estrellas. Por eso la vida de cada uno está llamada a brillar y no a permanecer apagada. Cada cual es desafiado a despertar el carisma escondido en él o en ella.

Pero hay carismáticos y carismáticos. Hay alguno en los cuales esta fuerza de irradiación implosiona y explosiona. Es como una luz en la noche oscura. Puede ser débil pero basta para mostrar el camino. 

Se puede hacer desfilar a todos los obispos y cardenales ante los fieles reunidos en un salón, puede haber figuras notables en varios campos de la vida, la mirada de todos se fija en Dom Hélder Câmara. Porque él es carismático. La figura es minúscula. Parece el siervo sufriente sin belleza ni ornamento, pero de él sale una fuerza de ternura unida al vigor que se impone a todos.

Muchos pueden hablar y hay buenos oradores que atraen la atención. Pero dejen hablar a dom Hélder. Su voz empieza bajito, pero de repente es tomado por una fuerza mayor que él. Hay tanta energía y tanto convencimiento que las personas quedan boquiabiertas. Él, pequeño, frágil y débil, parece un gigante.

Algo parecido pasa con Lula. Déjenlo subir al estrado delante de las multitudes. Empieza hablando bajo, asume un tono narrativo, va buscando la mejor vía para la comunicación. Y lentamente adquiere fuerza, las conexiones sorprendentes irrumpen, la argumentación gana su ensamblaje seguro, el volumen de su voz sube, sus ojos se incendian, los gestos ondulan su discurso, en un momento todo su cuerpo es comunicación y comunión con la multitud, que de barullenta pasa a silenciosa y en un momento culminante irrumpe en gritos y aplausos de aprobación.

Es el carisma haciendo su adviento en el político Luiz Inácio Lula da Silva, el emigrante nordestino, el líder sindical, el fundador del Partido de los Trabajadores, el presidente que insertó a millones de personas en la sociedad e hizo que muchos que estuvieron siempre excluidos desde hace 500 años, sintiesen el gusto de ser considerados gente. Las oligarquías jamás admitieron, ni ayer ni hoy, que alguien del piso de abajo subiera al piso de arriba. Hicieron de todo hasta, con razones ridículas, meterlo en la cárcel durante más de 500 días. El carisma le dio fuerzas para soportar todo y salir más fuerte de lo que entró. No se apaga una estrella que surgió un día.

No sin razón Max Weber, el gran estudioso del carisma, lo llamó estado naciente. El carisma está siempre en estado de nacimiento y suscita energía en las personas que lo rodean. La función del carismático es la de ser partero del carisma presente en las personas. Su misión no es dominarlas con su brillo, ni seducirlas para que lo sigan ciegamente, sino despertarlas del letargo de lo cotidiano y descubrir la fuerza creadora de la fantasía. Y, despiertas, percibir que lo cotidiano en su trivialidad guarda secretos, novedades, energías ocultas que siempre pueden despertar y conferir un renovado sentido y brillo a la vida, a nuestro corto paso por este planeta.

Somos todo eso, seres complejos y contradictorios, históricos y utópicos, prosaicos y poéticos, en fin, una expresión de la Energía Creadora (Bergson) que en nosotros se hace consciente hasta el punto de identificar a Aquel Ser que subyace a todas las cosas y que sustenta al universo entero y a nosotros mismos. 

*Leonardo Boff es autor de El despertar del águila: lo simbólico y lo diabólico en la construcción de la realidad, Trotta 2000.

Traducción de Mª José Gavito Milano

Por que conhecer Engels, em seus 200 anos

Parceiro teórico de Marx entusiasmou-se com o “comunismo primitivo”, presente até hoje entre grupos indígenas. Ele frisou que é possível superar as classes sociais e o Estado; e rechaçou a crença no “progresso” como sentido único da História

Publicado 04/12/2020 às 11:47 – Atualizado 04/12/2020 em A Terra é Redonda

                                   Michael Löwy,  

Michael Löwy é um brasileiro-francês conhecido de nosso blog. É um dos maiores conhecedores da tradição marxiana e do próprio marxismo sem a aura ideológica que lhe foi colada. Sendo judeu é ainda um dos melhores conhecedores da Teologia da Libertação com vários livros sobre o assunto, de alta qualidade e conhecimento minucioso de seus vários contextos. Publicamos este seu estudo sobre Engels que estudou o comunismo primitivo também aquele dos Atos dos Apóstolos. É esclarecedor pois o tira de  uma leitura distorcida e até mal intencionada para mostrar como suas ideias são atuais nesse momento da história em que a humanidade busca novos caminhos. Este que percorremos até agora e dominante no mundo levou um choque enorme com a intrusão do coronavírus. Seus mantras e sua forma de organizar a sociedade se mostraram incapazes de enfrentar a epidemis e de apresentar qualquer saída viável que conferisse esperança à humanidade e ao seu futuro. LBoff

Em novembro 2020 os socialistas do mundo inteiro celebraram o bicentenário do nascimento de Friedrich Engels. É um erro, repetido com frequência, considerar Engels simplesmente como um vulgarizador das ideias de Marx. Não só ele contribuiu, junto com Marx em 1844-48, para a formação de uma nova visão do mundo – a filosofia da práxis ou materialismo histórico – mas ele desenvolveu análises e argumento sobre temas que Marx não se dispôs ou não teve a oportunidade de estudar. Um deles é a questão do comunismo primitivo – que não está ausente em Marx, sobretudo em seus “Cadernos Etnográficos” inéditos, mas se encontra muito mais elaborada no livro de Engels A Origem da Família, da Propriedade Privada e do Estado (1884).

Partindo dos trabalhos do antropólogo norte-americano Lewis H. Morgan sobre a sociedade gentílica da pré-história, Engels vai estudar, com grande interesse, e mesmo entusiasmo, esta forma primitiva de sociedade sem classes, sem propriedade privada e sem Estado. Uma passagem de Origem da família ilustra bem esta simpatia: “Que maravilha era a constituição gentílica! Sem soldados, sem gendarmes ou policiais, sem aristocratas, reis, regentes, juízes, sem prisões (…) Todos iguais e livres – inclusive as mulheres. (..) A civilização é uma degradação, uma queda, em relação à simples grandeza moral da antiga sociedade gentílica”.

Esta análise engelsiana do comunismo primitivo – outro termo para designar o que os antropólogos chamavam de “sociedade gentílica” (de “gens”, comunidade tribal, clânica ou familial) tem várias implicações metodológicas importantes para a concepção materialista da história:

(1). Ela deslegitima a tentativa da ideologia burguesa de “naturalizar” a desigualdade social, a propriedade privada e o Estado como características essenciais de todas as sociedades humanas. O comunismo primitivo revela que estas instituições sociais são produtos históricos. Elas não existiam durante os milhares de anos da pré-história e elas poderão deixar de existir no futuro.

O mesmo vale para o patriarcado. Engels utiliza, seguindo Morgan e outros antropólogos da época (Bachofen), o conceito de “matriarcado” para definir o comunismo primitivo. Trata-se de um termo discutível, que tem provocado, até hoje, muitas controversas entre historiadoras, antropólogas e/ou teóricas do feminismo. Creio que o mais importante é o que diz Engels na passagem que citamos: nestas sociedades primitivas, havia um alto grau de igualdade entre homens e mulheres. Se trata, também aqui, de desmitificar a autoproclamação do patriarcado como estrutura intemporal, comum a todas as formações sociais.

(2). Ela rompe com a visão burguesa – mas compartilhada por boa parte da esquerda – da história como progresso linear, avanço continuo das “luzes”, da civilização, da liberdade e/ou das forças produtivas. Engels propõe, em lugar desta doutrina conformista, uma visão dialética do processo histórico: sob vários aspectos, a civilização representou um progresso, mas sob outros, ela foi uma regressão social e moral em relação ao que foi o comunismo primitivo.

(3). Ela sugere a existência, no curso da história humana, de uma dialética entre o passado e o futuro: o comunismo moderno obviamente não será uma volta ao passado primitivo, mas ele retoma, sob uma nova forma, aspectos desta primeira forma de sociedade sem classes: ausência de propriedade privada, de dominação estatal, de poder patriarcal.

É importante observar que, em A origem da família…, Engels não se refere só ao passado pré-histórico. Assim como Morgan, ele constata que mesmo em sua época, existiam ainda comunidades indígenas com este tipo de organização social igualitária. Ele vai se entusiasmar, por exemplo, pela Confederação dos Iroqueses, uma aliança de nações indígenas da América do Norte : o comunismo primitivo está presente também no século XIX.

Estas ideias de Engels foram retomadas por alguns dos melhores pensadores marxistas do século XX. Por exemplo, Rosa Luxemburgo em seu livro (póstumo) Introdução à Crítica da Economia Política  dedica quase metade da obra ao comunismo primitivo. Ela considera a luta pela defesa destas formas sociais comunitárias contra a brutal imposição da propriedade privada capitalista como uma das razões da resistência dos povos da periferia face ao colonialismo. Segundo Luxemburgo, o comunismo primitivo está presente em todos os continentes; no caso da América Latina, ela constata a persistência, até o século XIX, do que ela chama de “o comunismo inca”.

Sem conhecer este livro de Rosa Luxemburgo (ele não lia o alemão), José Carlos Mariategui, o fundador do marxismo latino-americano, usa exatamente o mesmo termo, comunismo inca, para descrever as comunidades indígenas (ayllus) na base da sociedade inca anterior à colonização hispânica. Para ele, estas tradições comunitárias indígenas se mantêm até o século XX e podem constituir uma das principais bases sociais – junto com o proletariado urbano – para desenvolver o movimento comunista moderno nos países andinos.

Hoje, no século XXI, diante da crise ecológica que ameaça a vida humana neste planeta, um outro aspecto – mencionado mas pouco estudado por Engels – tem de ser levado em conta. O “comunismo primitivo” era um modo de vida em autêntica harmonia com a natureza e até hoje as comunidades indígenas se caracterizam por um profundo respeito pela Mãe Terra. Não é portanto um acaso se elas se encontram, de Norte a Sul do continente americano, na primeira linha da resistência à destruição das florestas e ao envenenamento dos rios e das terras pelas multinacionais do petróleo, pelos oleodutos, e pelo agronegócio exportador. Berta Caceres, a líder indígena assassinada em Honduras, é um símbolo desta luta tenaz, que tem por centro, no Brasil, o combate dos indígenas para salvar a Amazônia da sanha destruidora dos reis do gado e da soja – com o apoio descarado do governo neofascista e ecocida de Jair Bolsonaro.

*Michael Löwy é diretor de pesquisas do Centre National de la Recherche Scientifique (França). Autor, entre outros livros, de Marxismo contra positivismo (Cortez).

Kotscho é um dos mais sérios e premiados jornalistas do Brasil. Publicamos sua coluna por ser esclarecedora do que está sucedendo em nosso país: seu desmonte

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Bolsonaro & Moro: como eles se uniram para destruir o Brasil em quatro anos

Sergio Moro e Jair Bolsonaro, agora de costas um para o outro, foram parceiros na obra de destruição de um país - Marcos Oliveira/Agência Senado; Fernando Frazão/Agência Brasil
Sergio Moro e Jair Bolsonaro, agora de costas um para o outro, foram parceiros na obra de destruição de um país Imagem: Marcos Oliveira/Agência Senado; Fernando Frazão/Agência Brasil

Ricardo Kotscho Balaio do Kotscho

Colunista do UOL

05/12/2020 13h53

Apenas quatro anos atrás, os dois eram figuras menores no cenário político nacional.

Em 2016, um era juiz de primeira instância no Paraná e dava início à Operação Lava Jato, mas ninguém lhe dava muita atenção.

O outro era deputado folclórico do baixíssimo clero, um ex-tenente insubordinado, reformado como capitão, que resolveu se candidatar a presidente da República, mas ninguém o levava a sério.

Dois anos depois, o deputado virou presidente e o juiz se tornou seu ministro da Justiça. https://s.dynad.net/stack/928W5r5IndTfocT3VdUV-AB8UVlc0JbnGWyFZsei5gU.html

Não foi nada combinado, ao que parece, mas aconteceu.

Para que isso se tornasse possível, derrubou-se um governo, “com o Supremo, com tudo”, quebrou-se o sistema político-partidário e grandes empresas, prendeu-se o candidato favorito nas eleições de 2018 e se instalou uma nova ordem em nome do combate à corrupção, com o apoio dos generais, do mercado e de grande parte da mídia.

E assim chegamos ao final de 2020, sem vacinas e sem governo, com a economia e as instituições em frangalhos, o Judiciário e o Congresso desmoralizados, a pandemia fora de controle, contaminando e matando milhares de brasileiros todos os dias, a tropa de choque do Centrão de volta ao poder e o meio ambiente em combustão.

Em conflito com a China, a União Europeia e o novo governo americano, viramos párias na política internacional e motivo de deboche na mídia do mundo inteiro.

Agora, cada qual segue em caminhos separados: um já está em campanha pela reeleição, para completar o serviço de não deixar pedra sobre pedra, enquanto o outro acaba de assinar contrato milionário com uma consultoria americana para salvar as empresas brasileiras que ajudou a destruir.

Nem o mais alucinado roteirista de Hollywood seria capaz de criar um enredo como esse, em que 212 milhões de habitantes assistem impavidamente à destruição do seu país, correndo risco de vida, diante da inépcia do governo, que anuncia o início da imunização só para março e adia a compra de vacinas e seringas. Negacionismo e fundamentalismo matam.

Até lá, mantida a média atual de 775 óbitos por dia registrados em 24 horas, morrerão mais 44.545 brasileiros, como alerta hoje meu velho amigo Ascânio Seleme, em sua coluna no Globo.

“Difícil dizer quantas exatamente, mas muitas das dezenas de milhares de mortes que vão ocorrer nos primeiros meses do ano que vem devem ser atribuídas às estúpidas diretrizes políticas de Bolsonaro, obedecidas cegamente pelo imprevidente ministro Eduardo Pazuello”, escreve o colunista.

Em hospitais de São Paulo e do Rio, e em várias outras regiões do país, crescem as filas para quem aguarda uma vaga em UTI, e o sistema público de saúde já ameaça entrar em colapso.

Em Washington, onde vai morar, o ex-juiz Sergio Moro talvez tenha mais sorte de ser vacinado, deixando para trás um cenário de terra arrasada.

Entramos no modo salve-se quem puder.

Vida que segue.