Der gute Gebrauch der herzlichen und sensiblen Vernunft                           

Leonardo Boff

Angesichts der aktuellen Krise, die den gesamten Planeten in gefährlicher Weise betrifft, weil sie zu einem dritten Weltkrieg führen könnte, der die Biosphäre und das menschliche Leben gefährden würde, müssen wir retten, was den Lauf der Geschichte verändern könnte.

Ich teile die Ansicht, dass der derzeitige Zustand der Welt auf mindestens zwei große Ungerechtigkeiten zurückzuführen ist: die eine ist sozialer Art, mit der Entstehung perverser sozialer Ungleichheiten einerseits und andererseits einer Anhäufung von Reichtum, wie es sie in der Geschichte noch nie gegeben hat, bis zu dem Punkt, an dem acht Personen (nicht Unternehmen) mehr Reichtum besitzen als mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung Die andere Ungerechtigkeit ist ökologischer Art: Der Planet Erde mit seinen Biomen ist seit Jahrhunderten so ausgebeutet worden, dass wir mehr als anderthalb Erden benötigen, um den menschlichen Konsum zu decken, insbesondere in den konsumorientierten Ländern des globalen Nordens.

Die Reaktion von Gaia, der Erde als lebendem Superorganismus, zeigt sich in einer Vielzahl von Viren und der zunehmenden, wahrscheinlich irreversiblen Erwärmung, die Taifune, Wirbelstürme und äußerst zerstörerische Tornados hervorruft, die die biologische Vielfalt, Kinder und ältere Menschen bedrohen, die sich nicht anpassen können und dem Tod geweiht sind.

Ich komme auf das Thema zurück: Diese ökosoziale Tragödie ist das Ergebnis einer Art von Vernunft, die zum Rationalismus (Despotismus der Vernunft) entartet ist und sich in Techniken niedergeschlagen hat, die einerseits unserem modernen Leben zugute kommen, andererseits aber so tödlich sind, dass sie alles zerstören können, was wir im Laufe der Jahrtausende aufgebaut haben, und die ökologischen Grundlagen bedrohen, die das Lebenssystem erhalten.

Sie entstand im Westen im 5. Jahrhundert v. Chr. an der Wende vom mythischen Denken zum rationalen Denken der griechischen Meister. Ursprünglich wurde ein großes Gleichgewicht zwischen den wichtigsten existenziellen Elementen aufrechterhalten: Pathos (die Fähigkeit zu fühlen), Logos (die Art und Weise, die Realität zu verstehen), Ethos (unsere Art, gut zu leben und zu sozialisieren), Eros (unsere Lebenskraft) und Daimon (die Stimme des Gewissens).

Dieses Ideal wurde von Perikles (495-429 v. Chr.), dem großen demokratischen Staatsmann, Feldherrn und hervorragenden Redner in Athen, in hervorragender Weise zum Ausdruck gebracht: „Wir lieben das Schöne, aber nicht das Vulgäre; wir widmen uns der Weisheit, aber ohne Prahlerei; wir verwenden den Reichtum für notwendige Unternehmungen, aber ohne nutzlose Prahlerei; Armut ist für niemanden eine Schande; es ist eine Schande, nicht alles zu tun, um sie zu vermeiden.“

Dies ist ein Beispiel für das richtige Maß. Nicht umsonst steht auf allen Säulengängen griechischer Tempel: „méden ágan“(nichts Übertriebenes).

Doch schon bald brachte der Machthunger Alexanders des Großen (356-323 v. Chr.), der im Alter von 33 Jahren sein Reich bis nach Indien ausdehnte, das Gleichgewicht durcheinander. Die Vernunft, umgewandelt in einen Willen zur Macht und ein Instrument zur Beherrschung von anderen und der Natur, gewann die Oberhand. Das ist es, was auch heute noch die Grundlage für die Organisation unserer Gesellschaften bildet, vor allem für ihre exzessivste und unmenschlichste Form, den Kapitalismus, der den gesamten Planeten übernommen hat. Diese Art westlicher instrumentell-analytischer Vernunft ist global geworden – wie könnte es anders sein? War sie unvermeidlich? Was wir sagen können, ist, dass es eine sozialgeschichtliche Entscheidung war, unser „manifestes Schicksal“, das sich heute in einer radikalen Krise seiner Grundlagen befindet.

Ich möchte ein Beispiel für eine Kultur anführen, die das Herz und nicht die Vernunft zur strukturierenden Achse ihrer sozialen Organisation gemacht hat: die Nahuatl-Kultur Mexikos und Mittelamerikas (heute etwa 3,3 Millionen Einwohner). Die Nahuatl-Sprache wird in mehreren mexikanischen Bundesstaaten von 1,6 Millionen Menschen gesprochen. Für die Nahuatl steht das Herz im Mittelpunkt. Die Definition des Menschen ist nicht, wie bei uns, die eines rationalen Tieres, sondern die eines „Besitzers eines Gesichts und eines Herzens“.

Die Art des Gesichts identifiziert und unterscheidet von anderen Gesichtern. Von Angesicht zu Angesicht ergibt sich der ethische Imperativ, wie uns Levinas lehrte.  Das Gesicht zeigt, ob wir den anderen willkommen heißen, ihm misstrauen oder ihn ausschließen. Das Herz wiederum bestimmt das Wesen und den Charakter eines Menschen, die Sensibilität gegenüber anderen, die herzliche Aufnahme und das Mitgefühl für die Leidenden.

Die verfeinerte Erziehung der Nahuatl, die in schönen Texten überliefert ist, zielte darauf ab, in den jungen Menschen ein „klares, freundliches und unbeschattetes Gesicht“ zu formen, verbunden mit einem „festen und warmen Herzen, entschlossen und gastfreundlich, unterstützend und respektvoll gegenüber heiligen Dingen“. Ihrer Meinung nach entstand die Religion aus dem Herzen heraus, indem sie „Blumen und Gesang“ zur Verehrung ihrer Gottheiten einsetzten. Alles, was sie taten, taten sie mit Herz. Diese Herzensgüte übertrug sich auf die schönen Kunstwerke, so dass der deutsche Renaissance-Maler Albrecht Dürer bei ihrem Anblick verzaubert war.

Lassen Sie uns von dieser Kultur des Herzens und der Wärme etwas lernen.

1. In alles, was Sie denken und tun, Herz legen. Eine Rede ohne Herz klingt kalt und förmlich. Worte, die mit Herz gesprochen werden, berühren die Herzen der Menschen. Das macht sie leicht verständlich und gewinnt sie für sich.

2. Versuchen Sie, eine klare Argumentation mit warmen Gefühlen zu verbinden. Erzwingen Sie es nicht, denn es sollte spontan Ihre tiefe Überzeugung von dem, was Sie glauben und sagen, zum Ausdruck kommen. Nur so können Sie das Herz Ihres Gesprächspartners berühren und ihn überzeugen.

3. Die intellektuelle Intelligenz, die für die Organisation unserer komplexen Gesellschaften unverzichtbar ist, erzeugt, wenn sie die herzliche Intelligenz verdrängt, eine reduktionistische und partielle Wahrnehmung der Realität. Ein Übermaß an herzlicher und sensibler Intelligenz kann aber auch in süßliche Sentimentalität und populistische Verlautbarungen ausarten. Es ist immer wichtig, das richtige Gleichgewicht zwischen Verstand und Herz zu finden, aber die beiden Pole von Herzen zu artikulieren.

4. Wenn Sie vor einem Publikum oder einer Gruppe sprechen müssen, sprechen Sie nicht nur mit dem Kopf, sondern geben Sie Ihrem Herzen den Vorrang. Es ist das Herz, das fühlt, das vibriert und dich zum Vibrieren bringt. Die Gründe der intellektuellen Intelligenz sind nur wirksam, wenn sie mit der Sensibilität des Herzens verschmolzen sind.

5. Glauben heißt nicht, über Gott nachzudenken. Glauben heißt, Gott mit der Gesamtheit unseres Wesens zu spüren, von innen heraus, vom Herzen her. Dann erkennen wir, dass wir nicht einem richtenden Gott unterworfen sind, sondern einer liebenden und mächtigen Wirklichkeit, die uns immer begleitet.

Leonardo Boff schrieb Die Rechte des Herzens,Litverlag 2024.

Do bom uso da razão cordial e sensível

Leonardo Boff

Face à crise atual que afeta  o inteiro planeta de forma perigosa pois pode desembocar na terceira guerra mundial que poria em risco a biosfera e a vida humana, devemos resgatar o que poderia mudar o rumo da história.

Comungo da interpretação  que sustenta ser o atual estado do mundo deriva de, pelo menos duas grandes injustiças: uma social com a geração, por um lado, de uma desigualdade sociais perversas e, por outro, de uma acumulação de riqueza como jamais houve há história a ponto de 8 pessoas (não empresas) deterem mais riqueza que mais da metade da população mundial. A outra é a injustiça ecológica: o planeta Terra com seus biomas está sendo, há séculos, depredado a ponto de que precisamos de mais de uma Terra e meia para atender o consumo humano,preferencialmente dos países consumistas do Norte Global.

A reação de Gaia, a Terra  como Super-Organism vivo, se mostra por uma gama significativa de vírus e pelo a aquecimento crescente, provavelmente irreversível,  que causa tufões, ciclones e tornados altamente destrutivos, ameaçando a biodiversidade, crianças e idosos, incapazes de se adaptar e condenados a morrer.

Retomo o tema: esta tragédia eco-social é fruto da razão que degenerou  em racionalismo (despotismo da razão) e se traduziu em técnicas, por um lado benéficas à nossa vida moderna e por outro tão mortal que pode destruir tudo o que temos construído em milênios de história, ameaçando as bases ecológicas que sustentam o sistema-vida.

Ela teve origem lá no passado, pelo século Vº a.C, da virada do pensamento mítico para o pensamento racional dos mestres gregos. Inicialmente mantinha-se grande equilíbrio entre todos os principais eixos existenciais: do Pathos (capacidade de sentir), do  Logos (forma de compreender o real), o Ethos (nossa forma de bem viver e conviver), do Eros (nossa potência de vida) e do Daimon (a voz da consciência).

Esse ideal foi excelemente expresso por Péericles (495-429 a.C),grande estadista democrático, general, exímio orador, em Atenas:”Amamos o belo mas não o vulgar; dedicamo-os à sabedoria, mas sem vanglória; usamos a riqueza para empreendimentos necessários, sem ostentações inúteis; a pobreza não é vergonhosa para ninguém; vergonhoso é não se fazer o possível para evitá-la”.

Eis um exemplo da justa medida. Não sem razão em todos os pórticos dos templos gregos, podia-se ler: “méden ágan”(nada de excessivo).

Mas logo, a fome de poder, característica de Alexandre,o Grande (356-323 a.C), aquele que com 33 anos de idade estendeu seu império até à Índia, rompeu o equilíbrio. A razão, transformada em vontade de poder e de instrumento de dominação dos outros e da natureza ganhou a primazia. É o que ainda subjaz ao atual modo de organizarmos nossas sociedades, especialmente, a sua forma mais excessiva e desumana, o capitalismo que tomou conta de todo o orbe. Poderia ser diferente? Era inevitável? O que podemos dizer é que foi uma opção histórico-social, o nosso “destino manifesto”, hoje numa radical crise de seus fundamentos.

Quero dar o exemplo de uma cultura que colocou o coração e não a razão, como eixo estruturador de sua organização social: cultura náuatle do México e da América Central, (hoje são cerca de 3,3 milhões de habitantes), sendo desta etnia os aztecas e toltecas. Para os nauatles o coração ocupava a centralidade. A definição de ser humano não é, como entre nós, a de um animal racional, mas a de um “dono de um rosto e de um coração”.

O tipo de rosto  identifica e  distingue o ser humano de outros seres humanos. No rosto a rosto, no cara a cara, nasce o sentimento ético, nos ensinou Levinas.  No rosto fica estampado se o acolhemos,  se dele desconfiamos, se o excluímos. O coração, por sua vez,  define o modo-de-ser e o caráter da pessoa, a sensibilidade face ao outro  a acolhida cordial e a compaixão com quem sofre.

A educação refinada dos náuatles, conservada  em belíssimos textos, visava formar nos jovens um “rosto claro, bondoso e sem sombras”, aliado a um “coração  firme e caloroso, determinado e hospitaleiro, solidário e respeitoso das coisas sagradas”. Segundo eles, era do coração que nascia a religião que utilizava “a flor e o canto” para venerar suas divindades. Colocavam coração em todas as coisas que faziam. Essa cor-dialidade passava às belíssimas obras de arte a ponto de encantar o pintor renascentista alemão Albert Dürer ao contemplá-las.

Tiremos algumas lições desta cultura do coração e da cor-dialidade.

1.Em tudo o que pensar e fizer coloque coração. A fala sem coração soa fria e formal. Palavras ditas com coração tocam o coração das pessoas. É isso que facilita a compreensão e conquista a adesão.

2.Procure junto com o raciocínio articulado colocar a emoção cordial. Não a force porque ela deve espontaneamente revelar a profunda convicção naquilo que crê e diz. Só assim comove o  coração do outro  e se faz convincente.

3.A inteligência intelectual,indispensável para organizar nossas sociedades complexas, quando recalca a inteligência cordial gera uma percepção   reducionista e distanciada da realidade. Mas também o excesso da inteligência cordial e sensível pode decair para o sentimentalismo adocicado e para proclamas populistas. Importa sempre buscar a justa medida entre mente e coração mas articulando os dois polos a partir do coração.

4.Quando tiver que falar a um auditório ou a um grupo, não fale só a partir da cabeça mas dê primazia ao coração. É ele que sente, vibra e faz vibrar. Só são eficazes as razões da inteligência intelectual quando elas vêm amalgamadas pela sensibilidade do coração.

5.Crer não é pensar Deus. Crer é sentir Deus a partir da totalidade de nosso ser,começando pelo interior, pelo  coração. Então nos damos conta de que não estamos submetido a um Deus julgador, mas um Realidade amorosa e poderosa que sempre nos acompanha.

Un mondo che ha perso il cuore

Leonardo Boff

Seguendo l’attuale corso del mondo, sia a livello internazionale che nazionale, assistiamo ad un vero e proprio tsunami di odio, di menzogne, di esclusioni, di veri e propri genocidi e stermini di massa come quello nella Striscia di Gaza, che ci lascia perplessi. Fino a che punto può arrivare il male umano? Non ci sono limiti al male. Esso può persino portare all’auto-sterminio degli esseri umani.

Pensando al nostro paese [il Brasile], alle morti, alle uccisioni di giovani neri nelle comunità periferiche, ai bambini vittime di proiettili vaganti, sia della polizia (che uccide) sia delle fazioni criminali, ai femminicidi quotidiani e alle centinaia di stupri di ragazze e donne, lo smembramento delle persone rapite, lasciano un’intera città come Rio de Janeiro continuamente in balia della paura e delle minacce. Rio sta perdendo tutto il suo fascino. È ciò che avviene in quasi tutte le grandi città del nostro paese, considerate da Sérgio Buarque de Holanda “cordiali” (Raízes do Brasil, 1936). La maggior parte degli interpreti, però, non ha letto la nota al termine “cordiale” dove egli osserva: “L’inimicizia può essere tanto cordiale quanto l’amicizia, poiché entrambe nascono dal cuore” (n.6). Pertanto, il brasiliano sta mostrando, soprattutto sotto il governo dell’Ineleggibile [n.r. Bolsonaro], l’inimicizia tra amici e nelle famiglie, la banalità delle parolacce, dei cattivi costumi e della menzogna: essendo tutto “cordiale” in quanto nasce da un cuore “cordiale” (perverso).

A livello internazionale lo scenario si rivela ancora più atroce. Con il sostegno illimitato e complice degli Stati Uniti e quello vergognoso della Comunità Europea, che ha tradito il suo lascito dei diritti del cittadino, della democrazia e di altri valori di civiltà, si stanno perpetrando veri crimini di guerra contro 40 mila civili e innegabili genocidi di circa 13.800 bambini innocenti nella Striscia di Gaza, tutti ad opera del governo di estrema destra di Benjamin Netanhyau. Si tratta di una ritorsione del tutto sproporzionata per un altro crimine, non meno orrendo, compiuto dal gruppo terroristico Hamas. Netanhyau permette tali genocidi perché non ha cuore, non si mette nei panni delle madri e delle vittime innocenti. Non gli importa se, per uccidere un leader di Hezbollah, deve uccidere decine di altre persone in un bombardamento. L’odio lo ha reso crudele e spietato. Crimini simili si stanno verificando nella guerra che la Russia sta conducendo contro l’Ucraina con migliaia di vittime, con la distruzione di un’antica cultura-sorella e con innumerevoli vittime innocenti. Fermiamoci qui, in questa via-crucis degli orrori che ha più stazioni di quella del Figlio di Dio che porta la sua croce.

La domanda è come sia possibile che ciò avvenga alla luce del sole senza che esista un’autorità riconosciuta che possa fermare questo sterminio di persone e di intere città? Qual è la radice che soggiace a questa iniquità? La storia nel passato ha conosciuto stermini, persino compiuti in nome di Dio, come nel terribile libro dei Giudici della Bibbia giudaico-cristiana e in tante guerre del passato. Ma noi le superiamo in crudeltà a tutti i livelli. Israele ha ucciso più di 207 funzionari delle Nazioni Unite, ha bombardato ospedali, scuole, università, moschee e ha distrutto l’80% di Gaza. Oggi corriamo il serio rischio di una guerra totale tra le potenze militariste in disputa per l’egemonia del mondo, che rappresenterebbe l’inizio della nostra autodistruzione.

Sostenendo l’interpretazione che tutto questo è diventato possibile perché abbiamo perso il cuore, l’esprit de finesse (di Pascal) e la dimensione dell’anima (la sensibilità di C.G. Jung). La cultura moderna è stata costruita sulla volontà di potenza come dominio, utilizzando la ragione, separata dal cuore e dalla coscienza, tradotta in tecno-scienza per il nostro bene e ancor più per scopi bellici. Come ha osservato Papa Francesco nella Laudato Sì: «l’esseri umano non è stato educato al retto uso del potere… perché non è stato accompagnato in quanto alla responsabilità, ai valori e alla coscienza» (n.105). La ragione ha stabilito il suo dispotismo sotto forma di razionalismo, svilendo altri modi di conoscere e di sentire la realtà. Cosi il sentimento (pathos) è stato represso nel falso presupposto che avrebbe ostacolato l’obiettività dell’analisi. Oggi è evidente che non esiste un’oggettività assoluta. Il soggetto ricerca con i suoi presupposti e con i propri interessi, in questo modo soggetto-oggetto sono sempre intrecciati.

Il fatto è che la dimensione del cuore e della cordialità è stata repressa. A parte il cervello rettile, che è il più antico, il cervello limbico costituisce la nostra vera base fondamentale. Sorse nei paleo-mammiferi tra 150-200 milioni di anni fa e nei mammiferi superiori a 40-50 milioni di anni fa con i quali abbiamo il condominio. Siamo mammiferi razionali, quindi, esseri senzienti. Il cervello limbico è la sede delle nostre emozioni, che si tratti di odio, di rabbia e altre negatività, ma principalmente ospita il mondo delle eccellenze, dell’amore, dell’amicizia, dell’empatia, dei valori, dell’etica e della spiritualità. Il cervello neo-corticale è emerso con l’uomo 7-8 milioni di anni fa ed è culminato circa 100 mila anni fa con la comparsa dell’homo sapiens, di cui noi siamo gli eredi. È il mondo della ragione, dei concetti, del linguaggio, dell’ordinamento logico delle cose.

Pertanto, esso è comparso tardi. Ma con il suo sviluppo ha fondato il regno della ragione. Ma è importante non dimenticare che si tratta di un unico cervello che coinvolge queste tre dimensioni sempre correlate (nella versione del cervello trino di MacLean: rettile, limbico, neo-corticale). L’eccessiva concentrazione sulla razionalità con cui dominiamo il mondo, la donna (patriarcato) e la natura a scapito del sentimento, ha causato gli errori storico-sociali, di cui stiamo raccogliendo le conseguenze nefaste. È urgente unire il cervello neo-corticale (ragione/logos) con il cervello limbico (cuore/phatos), il cuore che arricchisce di umanità e sensibilità i progetti razionali; viceversa investire nella ragione, cioè dando indirizzo e giusta misura al mondo dei sentimenti e al cuore. Solo così troveremo l’equilibrio necessario. Poiché affoghiamo il sentimento di mutua appartenenza, come esseri umani, senza eccezione, siamo tutti diventati crudeli genocidi (di fronte alla nostra specie) ed ecocidi (di fronte alla natura). Abbiamo schiavizzato, sottomesso e discriminato i nostri fratelli e sorelle.

Per il fatto che non abbiamo recuperato la dimensione del cuore, dell’esprit de finesse (di Pascal), della sensibilità essenziale (anima), l’umanesimo occidentale, liberal-capitalista, è in fallimento. Il cosiddetto “ordine basato su regole” (che cambiano sempre in base alla convenienza dei potenti) si è rivelato un errore.

Come ha avvertito un’alta funzionaria di organismi delle Nazioni Unite, Chelsea Ngnoc Minh Nguyen: “La violenza e la brutalità degli ultimi anni dovrebbero spingere tutti noi – sia nel Sud sia nel Nord, nell’Oriente o nell’Occidente – a realizzare un’onesta e profonda introspezione sul tipo di mondo in cui vorremmo vivere” (IHU 4/10/24). Non vedo altra alternativa, oltre quella di cambiare il paradigma della civiltà (dal domus al frater), se non quella di fondare un nuovo umanesimo, radicato nella nostra stessa natura. In essa troviamo le costanti antropologiche, intrinseche alla nostra umanità: l’amore incondizionato, la cura essenziale, la cooperazione, l’empatia, la compassione, il riconoscimento dell’altro come nostro prossimo, il rispetto per la natura e per la Terra che tutto ci dona, l’incanto verso il bello e il bene e il rispetto verso il Mistero. Tali valori sarebbero il fondamento di un altro mondo possibile e necessario. In caso contrario, andremo incontro all’inimmaginabile.

Traduzione de Gianni Aliotti

Die Welt hat ihr Herz verloren

Leonardo Boff

Verfolgt man den gegenwärtigen Lauf der Welt, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene, so sieht man einen regelrechten Tsunami von Hass, Lügen, Ausgrenzung, regelrechtem Völkermord und Massenvernichtung, wie im Gazastreifen, der uns ratlos macht. Wie weit kann das menschliche Böse gehen? Es gibt keine Grenzen für das Böse. Es kann bis zur Selbstauslöschung des Menschen gehen.

Wenn ich an unser Land denke, die Todesfälle, die Morde an jungen Schwarzen in den Randbezirken, die Kinder, die Opfer verirrter Kugeln werden, sei es von der Polizei (die tötet) oder von kriminellen Vereinigungen, die täglichen Frauenmorde und die Hunderte von Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen, die Zerstückelung von Entführten, lassen eine ganze Stadt wie Rio de Janeiro ständig in Angst und Bedrohung leben. Sie verliert ihren ganzen Glanz. Dies geschieht in fast allen großen Städten unseres Landes, die Sérgio Buarque de Holanda als „herzlich“ bezeichnete (Raízes do Brasil, 1936). Die meisten Interpreten haben jedoch die Fußnote zu dem Begriff „herzlich“ nicht gelesen, in der er bemerkt: „Feindschaft kann ebenso herzlich sein wie Freundschaft, da beide aus dem Herzen geboren werden“ (Nr. 6). Brasilien zeigt also, vor allem unter der Regierung der Unwählbaren, die Feindschaft zwischen Freunden und in den Familien, die Banalität des Fluchens, des schlechten Benehmens und der Lüge: alle sind „herzlich“, weil sie aus einem „herzlichen“ (perversen) Herzen geboren werden.

Auf internationaler Ebene ist das Szenario noch abscheulicher. Mit der uneingeschränkten und mitschuldigen Unterstützung der USA und der beschämenden Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft, die ihr Erbe der Bürgerrechte, der Demokratie und anderer zivilisatorischer Werte verraten hat, werden von der rechtsextremen Regierung Benjamin Netanjaus wahre Kriegsverbrechen an 40.000 Zivilisten und der unbestreitbare Völkermord an rund 1.300 unschuldigen Kindern im Gazastreifen verübt. Dies ist eine völlig unverhältnismäßige Vergeltungsmaßnahme für ein anderes, nicht weniger schreckliches Verbrechen der Terrorgruppe Hamas.  Netanhyau lässt solche Völkermorde zu, weil er kein Herz hat, weil er sich nicht in die Mütter und unschuldigen Opfer hineinversetzen kann. Es ist ihm egal, ob er, um einen Hisbollah-Führer zu töten, Dutzende anderer Menschen bei einem Bombenangriff opfern muss. Ähnliche Verbrechen finden in dem Krieg statt, den Russland gegen die Ukraine führt, mit Tausenden von Opfern, der Zerstörung einer uralten Schwesterkultur und unzähligen unschuldigen Opfern. Bleiben wir hier stehen auf diesem Kreuzweg der Schrecken, der mehr Stationen hat als der des kreuztragenden Gottessohnes.

Es stellt sich die Frage, wie dies am helllichten Tag geschehen kann, ohne dass eine anerkannte Autorität diese Ausrottung von Menschen und ganzen Städten stoppen könnte. Was ist die eigentliche Ursache für diese Ungerechtigkeit? Die Geschichte kennt Ausrottungen in der Vergangenheit, sogar im Namen Gottes, wie im schrecklichen Buch der Richter in der jüdisch-christlichen Bibel und in so vielen Kriegen der Vergangenheit. Israel hat mehr als 207 UN-Beamte getötet, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten und Moscheen bombardiert und 80 Prozent des Gazastreifens zerstört. Heute besteht die ernste Gefahr eines totalen Krieges zwischen den militaristischen Mächten, die um die Vorherrschaft in der Welt wetteifern, was das Prinzip unserer Selbstzerstörung verwirklichen würde.

Ich bleibe bei der Interpretation, dass all dies möglich geworden ist, weil wir das Herz, den esprit de finesse (Pascal) und die Dimension der Anima (die Sensibilität von C.G. Jung) verloren haben. Die moderne Kultur ist auf dem Willen zur Macht als Herrschaft aufgebaut, die sich der Vernunft bedient, losgelöst von Herz und Gewissen, übersetzt in Techno-Wissenschaft für unser Wohl und mehr für kriegerische Zwecke. Wie Papst Franziskus in Laudato Sì feststellte: „Die Menschen sind nicht im richtigen Gebrauch der Macht erzogen worden, … weil sie nicht in Bezug auf Verantwortung, Werte und Gewissen begleitet wurden“ (Nr. 105). Die Vernunft hat ihre Willkür in Form des Rationalismus etabliert, indem sie andere Arten, die Wirklichkeit zu erkennen und zu empfinden, erniedrigt hat. Auf diese Weise wurde das Gefühl (Pathos) unter der falschen Annahme unterdrückt, dass es die Objektivität der Analyse behindern würde. Heute ist klar, dass es keine absolute Objektivität gibt. Das Subjekt forscht mit seinen eigenen Voraussetzungen und Interessen, so dass Subjekt und Objekt immer miteinander verwoben sind.

Tatsache ist, dass die Dimension des Herzens und der Wärme verdrängt wurde. Neben dem Reptiliengehirn, das das älteste ist, ist das limbische Gehirn unsere eigentliche Basis. Es entstand bei den Paläo-Säugetieren vor 150-200 Millionen Jahren und bei den höheren Säugetieren vor 40-50 Millionen Jahren, mit denen wir eine Wohngemeinschaft teilen. Wir sind rationale Säugetiere und daher empfindungsfähige Wesen. Das limbische Gehirn ist der Sitz unserer Emotionen, sei es Hass, Wut oder andere Negativität, aber vor allem beherbergt es die Welt der Exzellenz, der Liebe, der Freundschaft, der Empathie, der Werte, der Ethik und der Spiritualität. Das neokortikale Gehirn entstand mit dem Menschen vor 7-8 Millionen Jahren und erreichte seinen Höhepunkt vor etwa 100.000 Jahren mit der Entstehung des Homo sapiens, dessen Erben wir sind. Es ist die Welt der Vernunft, der Konzepte, der Sprache und der logischen Ordnung der Dinge.

Es war also eine späte Ankunft, aber mit seiner Entwicklung begründete es das Reich der Vernunft. Aber man darf nicht vergessen, dass wir es mit einem einzigen Gehirn zu tun haben, das diese drei Dimensionen umfasst, die immer miteinander verbunden sind (in MacLeans Version des dreieinigen Gehirns: reptilisch, limbisch, Neokortex). Die übermäßige Konzentration auf die Rationalität, mit der wir die Welt, die Frauen (Patriarchat) und die Natur auf Kosten der Gefühle beherrscht haben, hat zu sozio-historischen Missverständnissen geführt, deren schädliche Folgen wir jetzt ernten. Es ist dringend notwendig, das neokortikale Gehirn (Vernunft/Logos) mit dem limbischen Gehirn (Herz/Pathos) zu vereinen, wobei das Herz die rationalen Projekte mit Menschlichkeit und Sensibilität bereichert und umgekehrt in die Vernunft investiert, d.h. der Welt der Gefühle und des Herzens eine Richtung und ein angemessenes Maß gibt. Weil wir das Gefühl der gegenseitigen Zugehörigkeit, dass wir ausnahmslos alle Menschen sind, ertränkt haben, sind wir zu grausamen Völkermördern (gegenüber unserer Spezies) und Umweltmördern (gegenüber der Natur) geworden. Wir haben unsere Brüder und Schwestern versklavt, unterjocht und diskriminiert.

Der westliche, liberal-kapitalistische Humanismus ist bankrott, weil wir die Dimension des Herzens, des Geistes der Finesse (Pascal), der essentiellen Sensibilität (anima) nicht gerettet haben. Die so genannte „regelbasierte Ordnung“ (die sich immer nach der Bequemlichkeit der Mächtigen richtet) hat sich als Trugschluss erwiesen.

Wie eine hochrangige UN-Beamtin, Chelsea Ngnoc Minh Nguyen, warnte: „Die Gewalt und Brutalität der letzten Jahre sollte uns alle – ob im Süden oder im Norden, im Osten oder im Westen – dazu veranlassen, eine ehrliche und tiefe Selbstprüfung über die Art von Welt vorzunehmen, in der wir leben wollen“ (IHU 4/10/24). Ich sehe keine andere Alternative, als das Paradigma der Zivilisation (vom domus zum frater) zu ändern, als einen neuen Humanismus zu gründen, der in unserer eigenen Natur wurzelt. In ihm finden wir die anthropologischen Konstanten, die unserem Menschsein innewohnen: bedingungslose Liebe, essentielle Fürsorge, Kooperation, Empathie, Mitgefühl, Anerkennung des Anderen als Mitmensch, Respekt vor der Natur und der Erde, die uns alles gibt, Verzauberung durch das Schöne und Gute und Ehrfurcht vor dem Mysterium. Diese Werte wären die Grundlage einer anderen möglichen und notwendigen Welt. Andernfalls steuern wir auf das Unvorstellbare zu.

Leonardo Boff,ökotheoge und Schrifsteller.
 Übersetzung von Bettina Goldhartnack