Gastfreundschaft: unser aller Recht und Pflicht

Immer wieder stellt uns das weltweite Flüchtlingsproblem vor den ethischen Imperativ der Gastfreundschaft sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Wir erleben zurzeit eine Völkerwanderung wie zu Zeiten des Untergangs des Römischen Reichs. Millionen Menschen sind auf der Suche nach einer neuen Heimat, wo sie überleben können oder einfach, um dem Krieg zu entkommen und ein Minimum an Frieden zu finden. Wir alle haben sowohl ein Recht auf Gastfreundschaft als auch die Pflicht, Gastfreundschaft zu gewähren. Immanuel Kant (1724-1804) erkannte deutlich die Überschneidung von Rechten und Pflichten und der Gastfreundschaft für die Schaffung dessen, was er den „Ewigen Frieden“ nannte (Zum ewigen Frieden, 1795). Kant war seiner Zeit voraus, als er eine Weltrepublik oder einen Völkerstaat entwarf, der auf dem Weltbürgerrecht aufbaut. Die vordringliche Aufgabe, so Kant, ist die „allgemeine Hospitalität“ (§ 357).
Warum Gastfreundschaft? Für Kant „weil sich alle Menschen auf der Erde befinden und ausnahmslos alle das Recht haben, auf ihr zu leben und Orte zu besichtigen sowie die Völker, welche sie bewohnen. Die Erde gehört allen gemeinsam“ (§ 358).
Diese Bürgerschaft, entstanden durch allgemeine Gastfreundschaft, wird durch Rechte regiert und niemals durch Gewalt. Kant schlägt vor, die ganze Kriegsmaschinerie zu demontieren und auf jegliche Armeen zu verzichten, so wie es auch die Erd-Charta vorsieht. Denn solange solche Mittel der Gewalt existieren, wird der Starke den Schwachen bedrohen und werden Spannungen unter den Staaten bestehen, die die Grundlage für fortwährenden Frieden unterminieren.
Die Macht eines Rechtsstaats und die Verbreitung allgemeiner Gastfreundschaft müssen zu einer Rechtskultur führen, die Herz und Verstand aller Weltbürger und Weltbürgerinnen durchdringt und so eine Völkergemeinschaft schafft. Diese Völkergemeinschaft, so Kant, kann sich dahingehend ausdehnen, dass weltweit spürbar wird, wenn es an einer Stelle der Erde zu einer Rechtsverletzung kommt (§ 360). Diese Idee machte sich Ernesto Che Guevara viel später zu Eigen. Der Geist der Gastfreundschaft und Solidarität drückt sich so aus, dass das Leid eines Einzelnen zum Leid aller wird und die Vorteile des Einen zu den Vorteilen aller werden. Dieser Gedanke findet bei Papst Franziskus ein Echo, der von Menschen als von Beziehungen spricht, die am Leiden anderer teilhaben.
Wenn es uns um anhaltenden Frieden geht und nicht nur um einen Waffenstillstand oder eine momentane Befriedung, dann müssen wir universelle Gastfreundschaft und den Respekt universeller Rechte umsetzen.
Frieden ergibt sich laut Kant aus der Rechtskraft des Gesetzes, aus rechtskräftiger Mitbestimmung und aus der institutionalisierten Kooperation unter den Staaten und Völkern. Für Kant sind Rechte „Gottes Augapfel“ oder „das Heiligste, das Gott der Erde geschenkt hat“. Das Respektieren der Rechte ermöglicht die Entstehung einer Friedensgemeinschaft, die dem „schändlichen Kriegstreiben“ endgültig ein Ende setzt.
Zu unserer Zeit hat sich Jacques Derrida (1930-2004) in seinem Buch „Über die Gastfreundschaft“ (De l’hospitalité, Paris, 1977) dem Thema Gastfreundschaft angenommen, indem er ihr einen bedingungslosen Charakter für alle verleiht.
Dennoch war Kant es, der ihr das beste Fundament verlieh. Für ihn besteht die Grundlage aus dem guten Willen, der für ihn die einzige makellose Tugend darstellt. In seinem Buch Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785) stellt Kant etwas sehr Wichtiges fest: „Man kann sich nichts innerhalb oder auch außerhalb der Welt vorstellen, das ohne Vorbehalt so gut sein kann wie der gute Wille.“ Um diese schwierige Ausdrucksweise in heutige Sprache zu übersetzen: Der gute Wille ist das einzig Gute, das in sich selbst gut und das unbeschränkt ist. Der gute Wille ist gut, oder es ist eben nicht guter Wille. Erscheint der gute Wille suspekt, so ist er nicht gut. Guter Wille setzt eine Öffnung für den anderen und bedingungsloses Vertrauen voraus. Dies ist für Menschen machbar. Wenn wir mit dem guten Willen nicht ernst machen, werden wir keinen Weg aus der verzweifelten Sozialkrise finden, die ganze Gesellschaften an den Rändern der Erde zerreißt und die für die Millionen von Flüchtlingen verantwortlich ist, die sich auf den Weg nach Europa begeben haben.
Der gute Wille ist das letzte zur Verfügung stehende Rettungsboot. Die Situation der Welt ist ein Desaster. Wir leben in einem permanenten Zustand der Besetzung oder eines globalen Bürgerkriegs. Niemand, nicht einmal die beiden heiligen Männer Papst Franziskus und der Dalai Lama, nicht die intellektuellen oder moralischen Eliten, noch die Techno-Science haben einen weltweit gültigen Ausweg parat. In Wirklichkeit sind wir einzig auf unseren guten Willen angewiesen. An dieser Stelle sollten wir uns daran erinnern, was Dostojewski 1877 in seiner fantastischen Kurzgeschichte „Der Traum eines lächerlichen Menschen“ schrieb: „Wenn es alle wirklich wollten, würde sich die Erde innerhalb von einem Augenblick verwandeln.“

An Brasilien lässt sich das Drama der Welt in Miniaturformat ablesen. Die sozialen Wunden, die in fünfhundert Jahren Vernachlässigung der Bedürfnisse des Volkes entstanden, führten zu einem Blutvergießen. Die Mehrheit unserer Eliten hat auf der Suche nach einer Problemlösung nie an Brasilien als Ganzes gedacht, sondern immer nur an sich selbst. Den Eliten geht es mehr um die Verteidigung ihrer eigenen Privilegien als um die Sicherung der Rechte für alle. Durch tausende von politischen Manövern, selbst durch Androhung von Amtsenthebung, gelang es ihnen, die demokratisch gewählten Regierungen dazu zu bringen, ihre Interessen auf der Agenda durchzusetzen und soziale Veränderungen zu vermeiden oder zu hinauszuzögern. Im Gegensatz zum Großteil der brasilianischen Bevölkerung, die einen unglaublich guten Willen aufbringt, verweigert ein Großteil der brasilianischen Elite den guten Willen, den sie ihrem Land schuldet.

Wenn der gute Wille so ausschlaggebend ist, muss er dringend in allen hervorgerufen werden. Alle haben die Pflicht, Gastfreundschaft zu gewähren, und das Recht aufgenommen zu werden, da wir alle in dem einen gemeinsamen Haus leben.

Übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

A Carta de Apoio ao Papa nos vários idiomas

                Carta de apoyo al Papa Francisco – Texto en Español

Querido Papa Francisco:

En América Latina, en Brasil y en el Caribe y en otras partes del mundo somos muchos los que seguimos con preocupación la cerrada oposición y los ataques que le hacen minorías conservadoras, pero poderosas, desde dentro y fuera de la Iglesia. Perplejos, hemos presenciado algo inusitado en los últimos siglos: la rebelión cardenales conservadores contra su modo de conducir el Sínodo y, sobre todo, la Iglesia Universal.

La carta estrictamente personal, dirigida a Usted, fué vasada a la imprensa como anticipadamente la encíclica Laudato Si’ en clara violación los principios de un periodismo ético.

Tales grupos conservadores postulan una vuelta al modelo de Iglesia del pasado, concebida como una fortaleza cerrada más que como «un hospital de campaña con las puertas abiertas para acoger a quien llama»; Iglesia que deberá «buscar y acompañar a la humanidad de hoy, con las puertas abiertas, ya que con las puertas cerradas se traiciona a sí misma y a su misión y, en vez de ser puente, se convierte en barrera». Estas fueron sus valientes palabras.

Las actitudes pastorales del tipo de Iglesia propuesto en sus discursos y en sus gestos simbólicos se caracterizan por el amor cálido, por el encuentro vivo entre las personas y con Cristo presente entre nosotros, por la misericordia sin límites, por la “revolución de la ternura” y por la conversión pastoral. Esto implica que el pastor tenga “olor a oveja”, porque convive con ella y la acompaña a lo largo del camino.

Lamentamos que tales grupos conservadores, lo que más haden, es decir no. No a la comunión de los divorciados vueltos a casar; no al reconocimiento de los homoafectivos; no a cualquier apertura al mundo que implique cambios sustantivos.

Tenemos que recordar a estos hermanos las cosas más obvias del mensaje de Jesús. Él no vino a decir no. Al contrario, él vino a decir sí. San Pablo, en la segunda epístola a los Corintios, nos recuerda que “en el Hijo de Dios todo ha sido sí… porque todas las promesas de Dios son sí en Jesús” (2Cor 1,20).

En el Evangelio de San Juan, Jesús dice explícitamente: “Si alguno viene a mí yo no le rechazaré nunca” (Jn 6,37). Podía ser una prostituta, un leproso, un teólogo temeroso como Nicodemo: a todos acogió con su amor y su misericordia.

La característica fundamental del Dios de Jesús, “Abba”, es su misericordia sin límites (Lc 6,36) y su amor preferencial por los pobres, los enfermos y los pecadores (Lc 5,32; 6,21). Más que fundar una nueva religión con feligreses piadosos, Jesús vino a enseñarnos a vivir y a realizar los bienes de su mensaje central, el Reino de Dios, que son: el amor, la compasión, el perdón, la solidaridad, el hambre y sed de justicia y el hacernos sentir hijos e hijas amados de Dios.

Los intentos de deslegitimar su modo de ser Obispo de Roma y Papa de la Iglesia universal serán vanos, porque nada se resiste a la bondad y a la ternura de las que Usted nos da un ejemplo espléndido. Por la historia sabemos que cuando prevalece el poder, como a ellos les gustaría que prevaleciese, desaparece el amor y se extingue la misericordia, valores centrales de su predicación y de la de Jesús.

En este contexto, nosotros cristianos abiertos a los desafíos del mundo actual, ante la nueva fase planetaria de la historia y las amenazas que pesan sobre el sistema-vida y el sistema-Tierra, valientemente señaladas en su encíclica Laudato Si’ sobre “el cuidado de la Casa Común”, queremos cerrar filas a su alrededor y mostrar nuestro total apoyo a su persona y a su ministerio, a su visión pastoral y abierta de Iglesia y a la forma carismática por la cual hace que sintamos nuevamente a la Iglesia como nuestro hogar espiritual. Y tanta gente de otras Iglesias y religiones y del mundo secular lo apoyan y lo admiran por su manera de hablar y de actuar.

No es destituido de significación el hecho de que la gran mayoría de los católicos viva en las Américas, en África y en Asia, donde se constata una gran vitalidad y creatividad en diálogo con las distintas culturas, mostrando múltiples rostros de la misma Iglesia de Cristo. La Iglesia católica es hoy una Iglesia del Tercer Mundo, pues sólo el 25% de católicos vive en Europa. El futuro de la Iglesia se juega en estas regiones donde el Espíritu sopla con fuerza. No darse cuenta de este hecho es seguir siendo eurocéntrico y vaticanocéntrico.

La Iglesia Católica no puede ser rehén de la cultura occidental, que es una cultura regional, por grandes que sean los méritos que haya acumulado. Es necesario que se desoccidentalice, abriendose al proceso de mundialización que favorece el encuentro de culturas y caminos espirituales.

Querido Papa Francisco: Usted participa del destino del Maestro y de los apóstoles, que también fueron malentendidos, calumniados y perseguidos.

Pero estamos tranquilos porque sabemos que Usted asume tales tribulaciones según el espíritu de las bienaventuranzas. Las soporta con humildad. Pide perdón por los pecados de la Iglesia y sigue los pasos del Nazareno.

Queremos estar a su lado, apoyarle en su visión evangélica y liberadora de la Iglesia, darle coraje y fuerza interior para actualizarnos, con palabras y gestos, la tradición de Jesús hecha de amor, de misericordia, de compasión, de intimidad con Dios y de solidaridad con la humanidad que sufre.

En fin, querido Papa Francisco, siga mostrándonos a todos que el evangelio es una propuesta buena para toda la humanidad, que el mensaje cristiano es una fuerza inspiradora en el “cuidado de la Casa Común” y generadora de una pequeña anticipación de una Tierra reconciliada consigo misma, con todos los seres humanos, con la naturaleza, y en especial con el Padre que mostró tener características de Madre de infinita bondad y ternura. Al final, juntos podremos decir: “todo es muy bueno” (Gn 1,31).

Los apoyos pueden ser enviados al siguiente mail apoyoalpapafrancisco@yahoo.com

Texto en Portugués

Querido Papa Francisco:

Somos muitos na América Latina, no Caribe e noutras partes do mundo que acompanhamos com preocupação a oposição e os ataques que lhe fazem minorias conservadoras, mas poderosas de dentro e de fora da Igreja. Perplexos, assistimos a algo inusitado nos últimos séculos: a tomada de posição de alguns cardeais contra o seu modo de conduzir o Sínodo e, mais que tudo, a Igreja Universal.

A carta estritamente pessoal, dirigida ao Sr. por un grupo de cardeais, foi vasada para a imprensa, como já havia sucedido com sua encíclica Laudato Si’, em clara violação dos princípios de um jornalismo ético.

Tais grupos postulam uma volta ao modelo de Igreja do passado, concebida mais como uma fortaleza fechada do que como “um hospital de campanha sempre aberto para acolher quem lhe bata às portas”; Igreja que deverá “procurar e acompanhar a humanidade de hoje não com portas fechadas, o que trairia a si mesma e a sua missão e que, em vez de ser uma ponte, se tornaria uma barreira”. Estas foram suas corajosas palavras.

As atitudes pastorais do tipo de Igreja proposto em seus discursos e em seus gestos simbólicos se caracterizam pelo amor caloroso, pelo encontro vivo entre as pessoas e com o Cristo presente entre nós, pela misericórdia sem limites, pela “revolução da ternura” e pela conversão pastoral. Esta implica que o pastor tenha “cheiro de ovelha” porque convive com ela e a acompanha ao longo de todo o percurso.

Lamentamos que tais grupos, o mais que fazem é dizer não.            Recordamos a esses nossos irmãos as coisas mais óbvias da mensagem de Jesus. Ele não veio dizer não. Ao contrário, ele veio dizer sim. São Paulo na segunda Epístola aos Coríntios nos recorda que “o Filho de Deus sempre foi sim, porque todas as promessas de Deus são sim em Jesus” (2 Cor 1,20).

No evangelho de São João, Jesus afirma explicitamente: ”Se alguém vem a mim eu não o mandarei embora”(Jo 6,37). Podia ser uma prostituta, um leproso, um teólogo medroso como Nicodemos: a todos acolhia com amor e misericórdia.

A característica fundamental do Deus de Jesus, “Abba”, é sua misericórdia ilimitada (Lc 6,36) e seu amor preferencial pelos pobres, doentes e pecadores (Luc 5,32; 6,21). Mais que fundar uma nova religião com fieis piedosos, Jesus nos veio ensinar a viver e a realizar a mensagem central do Reino de Deus, cujos bens são: o amor, a compaixão, o perdão, a solidariedade, a fome e sede de justiça e a alegria de todos sentirem-se filhos e filhas amados de Deus.

Os intentos de deslegitimar seu modo de ser bispo de Roma e Papa da Igreja universal, guiando-se mais pela caridade do que pelo direito canônico, mais pela colegialidade e pela cooperação do que pelo exercício solitário do poder serão vãos, porque nada resiste à bondade e à ternura das quais o Sr. nos dá um esplêndido exemplo. Da história aprendemos que, onde prevalece o poder, desaparece o amor e se extingue a misericórdia, valores centrais da sua pregação e da de Jesus.

Neste contexto, face à nova fase planetária da história e às ameaças que pesam sobre o sistema-vida e o sistema-Terra corajosamente apontadas em sua encíclica Laudato Si’sobre “o cuidado da Casa Comum” queremos cerrar fileiras ao seu redor e mostrar nosso inteiro apoio à sua pessoa e ministério, à sua visão pastoral e aberta de Igreja e à forma carismática pela qual nos faz sentir novamente a Igreja como um lar espiritual. E são tantos de outras igrejas e religiões e do mundo secular que o apoiam e o admiram pelo seu modo de falar e de agir.

Não é destituído de significação o fato de que a maioria dos católicos vive nas Américas, na África e na Ásia, onde se constata grande vitalidade e criatividade em diálogo com as diferentes culturas, mostrando vários rostos da mesma Igreja de Cristo. A Igreja Católica é hoje uma Igreja do Terceiro Mundo, pois somente 25% dos católicos vivem na Europa. O futuro da Igreja se decide nessas regiões onde sopra fortemente o Espírito.

A Igreja Católica, não pode ficar refém da cultura ocidental que é uma cultura regional, por maiores méritos que tenha acumulado. É preciso que se des-ocidentalize, abrindo-se ao processo de mundialização que favorece o encontro das culturas e dos caminhos espirituais.

Querido Papa Francisco: o Sr. participa do mesmo destino do Mestre e dos Apóstolos que também foram incompreendidos, caluniados e perseguidos.

Mas estamos tranquilos porque sabemos que o Sr. assume tais tribulações no espírito das bem-aventuranças. Suporta-as com humildade. Pede perdão pelos pecados da Igreja e segue as pegadas do Nazareno.

Queremos estar ao seu lado, apoiá-lo em sua visão evangélica e libertadora de Igreja, e de mundo, conferir-lhe coragem e força interior para nos atualizar, por palavras e gestos, a Tradição de Jesus feita de amor, de misericórdia, de compaixão, de intimidade com Deus e de solidariedade para com a humanidade sofredora.

Enfim, querido Papa Francisco, continue a mostrar a todos que o evangelho é uma proposta boa para toda a humanidade, que a mensagem cristã é um força inspiradora no “cuidado da Casa Comum” e geradora de uma pequena antecipação de uma Terra reconciliada consigo mesma, com todos os seres humanos, com a natureza e principalmente com o Pai que mostrou ter características de Mãe de infinita bondade e ternura. Ao final, poderemos juntos dizer: “tudo é muito bom”(Gn 1,31).

Podem enviar os apoios al mail apoyoalpapafrancisco@yahoo.com

Texto en Inglés

Dear Pope Francis:

Many of us in Latin America, the Caribbean, and in other parts of the world are following with concern the opposition and attacks against you by a conservative but powerful minority in and outside the Church. Perplexed, we have witnessed something unheard of in recent centuries — a stand taken by some cardinals against your way of conducting the Synod and, most of all, the universal Church.

A strictly personal letter addressed to you was leaked to the press, as happened with your encyclical Laudato Si’, in clear violation of the principles of ethical journalism.

Such groups posit a return to the model of Church of the past, conceived more as a closed fortress than as “a field hospital always open to welcome those who knock at her doors,” a Church that should “seek to welcome humankind today not with closed doors, which would betray herself and her mission, and that instead of being a bridge, would become a barrier.” These were your brave words.

The pastoral attitude of the kind of Church proposed in your speeches and in your symbolic gestures, is characterized by warm love, by a living encounter between people and with Christ present among us, by mercy without limits, by the “revolution of tenderness,” and by pastoral conversion. This implies that the pastor has a “sheep smell” because he lives with them and accompanies them along the way.

We regret that the most such groups do is say “no.” We remind our brothers of the most obvious things in Jesus’ message. He didn’t come to say “no.” On the contrary, he came to say “yes.” Paul in the Second Letter to the Corinthians reminds us that “the Son of God was always ‘yes,’ because all of God’s promises are ‘yes’ in Jesus.” (2 Cor. 1:20)

In the Gospel of John, Jesus states explicitly, “If anyone comes to me, I will not send them away.” (Jn. 6:37) It could be a prostitute, a leper, a fearful theologian like Nicodemus – he welcomed everyone with love and mercy.

The basic characteristic of the God of Jesus, “Abba,” is His limitless mercy (Lk. 6:36) and His preferential love for the poor, the sick, and sinners (Lk. 5:32, 6:21). Rather than founding a new religion with the pious faithful, Jesus came to teach us to live and carry out the central message of the Kingdom of God whose properties are love, compassion, forgiveness, solidarity, hunger and thirst for justice, and the joy of everyone feeling like the beloved sons and daughters of God.

The attempts to delegitimize your way of being Bishop of Rome and Pope of the universal Church, being guided more by charity than by canon law, more by collegiality and cooperation than by the solitary exercise of power, will be in vain because nothing resists goodness and tenderness, of which you have given us a splendid example. From history, we learn that where power prevails, love disappears and mercy becomes extinct, core values of your preaching and of Jesus’.

In this context, given the new planetary phase of history and threats to the life-system and system-Earth boldly pointed out in your encyclical Laudato Si’ on “care for our common home,” we want to close ranks around you and show our full support for you and your ministry, your open pastoral vision of the Church and the charismatic manner through which you makes us feel like the Church is our spiritual home again. And there are many from other denominations and religions and in the secular world who support and admire you for your way of speaking and acting.

It is not insignificant that most Catholics live in the Americas, in Africa, and in Asia where one notes great vitality and creativity in dialogue with the different cultures, showing various faces of the same Church of Christ. The Catholic Church today is a Third World church since only 25% of Catholics live in Europe. The future of the Church is being decided in these regions where the Holy Spirit is blowing strongly.

The Catholic Church can not remain hostage to Western culture which is a regional culture, however great the merits that it has accumulated. It is necessary for it to de-westernize, opening up the process of globalization which favors the meeting of cultures and spiritual paths.

Dear Pope Francis: You share the fate of the Master and the Apostles who were also misunderstood, maligned and persecuted.

But we are calm because we know that you take such tribulations in the spirit of the Beatitudes. You bear them with humility. You ask forgiveness for the sins of the Church and follow in the footsteps of the Nazarene.

We want to be by your side, supporting you in your liberating gospel vision of the Church, giving you courage and inner strength to refresh for us, through words and gestures, the tradition of Jesus, made of love, mercy, compassion, intimacy with God and solidarity with suffering humanity.

Finally, dear Pope Francis, continue to show everyone that the gospel is good for all humankind, that the Christian message is an inspirational force in the “care for our common home,” generating a bit of anticipation of an Earth reconciled with herself, with all human beings, with nature, and especially with the Father who has shown a Mother’s traits of infinite goodness and tenderness. In the end, we can say together, “all is very good” (Gen. 1:31).

 

The support can be sent to

apoyoalpapafrancisco@yahoo.com

 Texto en Alemán

Lieber Papst Franziskus,

in Brasilien, in der Karibik, in ganz Lateinamerika und in anderen Teilen der Welt gibt es viele Menschen, die sehr besorgt sind angesichts der starken Opposition und der Angriffe gegen Dich durch eine kleine, doch mächtige, konservative Minderheit sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche. Wir sind verblüfft, dass etwas so Ungewöhnliches geschieht, das es während der letzten Jahrhunderte nicht gab: eine Rebellion konservativer Kardinäle gegen Deinen Stil, eine Synode abzuhalten und vor allem, wie Du die Weltkirche leitest.

Diese Gruppe von Kardinälen schrieb Dir einen streng vertraulichen Brief, der an die Presse durchsickerte und veröffentlicht wurde, ebenso wie Deine Enzyklika “Laudato Si”, bevor sie freigegeben worden war, was ganz klar gegen die Prinzipien des ethischen Journalismus verstößt.

Diese konservativen Gruppierungen sehnen sich danach, zu einem Modell von Kirche zurückzukehren, wie sie früher war, als sie eher als eine geschlossene Festung wahrgenommen wurde denn als ein „funktionierendes Krankenhaus mit offenen Türen, das alle willkommen heißt“; eine Kirche, die „die Menschheit von heute mit offenen Türen sucht und sich zu ihr gesellt, denn mit geschlossenen Türen begeht sie Verrat an sich selbst und an ihrer Aufgabe, und anstatt als Brücke zu fungieren, wird sie zu einer Barriere“. Dies waren Deine mutigen Worte.

Der pastorale Zugang der Art von Kirche, die Du in Deinen Reden und symbolischen Gesten vorschlägst, ist gekennzeichnet von Herzenswärme, lebendigen Begegnungen unter Menschen und mit dem unter uns gegenwärtigen Christus, von grenzenloser Barmherzigkeit, von einer „Revolution der Zärtlichkeit“ und von einer pastoralen Umkehr. Dies bedeutet, dass der Hirte den “Geruch der Schafe” aushalten muss, denn der Hirte lebt mit den Schafen und begleitet sie auf ihrem ganzen Weg.

Wir beklagen, dass das Beste, was solch konservative Gruppierungen tun können, ist “nein” zu sagen. „Nein“ zur Kommunion für die Geschiedenen und Wiederverheirateten, „nein“ zur Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen; „nein“ zu jeglicher Öffnung hin zur Welt, die substantielle Veränderungen mit sich bringen würde.

Wir müssen diese Brüder an die offensichtlicheren Aspekte der Botschaft Jesu erinnern. Er ist nicht gekommen, um „nein“ zu sagen. Im Gegenteil, Er kam, um “ja” zu sagen. Der Hl. Paulus erinnert uns im 2. Korintherbrief daran, dass im Sohn Gottes alles ein “Ja” war, denn „Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat” (2 Kor 1,20).

Im Johannesevangelium sagt Jesus ausdrücklich: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ (Joh 6,37). Es könnte sich um eine Prostituierte handeln, um einen Leprakranken oder um einen ängstlichen Theologen wie Nikodemus: Er heißt alle in seiner Liebe und Barmherzigkeit willkommen.

Die grundlegenden Züge des Gottes Jesu, „Abba“, sind Seine grenzenlose Barmherzigkeit (Lk 6,36) und Seine Vorliebe für die Armen, die Kranken und die Sünder (Lk 5,32; 6,21). Jesus kam nicht so sehr, um eine neue Religion für fromme Gläubige zu gründen, sondern um zu lehren, wie wir leben sollen, und um der Lehre Seiner zentralen Botschaft vom Reich Gottes Leben einzuhauchen, d. h.: Liebe, Mitgefühl, Vergebung, Solidarität, Hunger und Durst nach Gerechtigkeit und dass wir spüren, dass wir die geliebten Söhne und Töchter Gottes sind.

Die Versuche, die Legitimität Deiner Art und Weise Bischof von Rom und Papst der Weltkirche zu sein, zu leugnen, werden vergebens sein, denn nichts kann der Güte und Zärtlichkeit widerstehen, von denen Du uns ein so leuchtendes Beispiel gibst. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass, wenn die Macht so vorherrscht, wie diese es wünschen, die Liebe verschwindet und Barmherzigkeit ausgelöscht wird – und somit die zentralen Werte eliminiert werden, die Du predigst und die auch Jesus predigte.
Wir Christen, die offen sind für die Herausforderungen der heutigen Welt und die der neuen planetarischen Phase der Geschichte ins Auge sehen sowie den Drohungen, die über dem Lebenssystem und dem Erdsystem schweben, welche Du mutig in Deiner Enzyklika “Laudato Si” über die “Sorge für das Gemeinsame Haus” angesprochen hast, möchten uns in diesem Kontext zusammenschließen und Dir unsere volle Unterstützung zusagen für Deine Person und Dein Amt, für Deine pastorale Vision einer offenen Kirche und für die charismatische Art, mit der es Dir gelingt, dass die Kirche für uns wieder zu einer spirituellen Heimat wird. Ebenso unterstützen und bewundern Dich viele Menschen aus anderen Kirchen und Religionen und aus der säkularen Welt für Dein Handeln und Sprechen. Es ist von großer Bedeutung, dass eine große Mehrzahl der Katholiken in beiden Teilen Amerikas leben, in Afrika und in Asien, wo eine große Vitalität und Kreativität im Dialog mit den unterschiedlichen Kulturen zu beobachten ist, die die vielfältigen Gesichter derselben Kirche Christi reflektieren. Die Katholische Kirche ist nun eine Kirche der Dritten Welt, denn nur 25 % der Katholiken leben in Europa. Die Zukunft der Kirche entfaltet sich in diesen Regionen mit großer Kraft, wo der Geist weht. Dies zu übersehen heißt weiterhin Europa- und Vatikan-zentriert zu denken.

Die Katholische Kirche kann nicht von der abendländischen Kultur in Geiselhaft genommen werden. Dies ist eine regionale Kultur, wie groß und wichtig ihre gesammelten Verdienste auch sein mögen. Die Kirche muss aufhören, abendländisch zu sein, und sie muss sich dem Prozess öffnen, weltweit zu werden, dem Prozess. der Begegnungen unter den kulturellen und spirituellen Wegen favorisiert.

Lieber Papst Franziskus: Du nimmst Teil am Geschick des Meisters und der Apostel, die ebenfalls missverstanden, verleumdet und verfolgt wurden. Doch wir sind gelassen, denn wir wissen, dass du solches Leiden im Geist der Seligpreisungen annimmst. Du erträgst sie mit Demut. Du bittest um Vergebung für die Sünden der Kirche und wandelst in den Fußstapfen des Nazareners.

Wir wollen Dir nahe sein, Dich in deiner evangeliumsgemäßen und befreienden Vision der Kirche unterstützen, Dir inneren Mut und die Kraft geben, die Tradition Jesu mit Worten und Taten ins Heute zu bringen, d. h. Liebe, Barmherzigkeit, Mitgefühl, Nähe zu Gott und Solidarität mit der leidenden Menschheit.

Und schließlich, lieber Papst Franziskus, bitten wir Dich, dass Du uns weiterhin zeigst, dass das Evangelium für die Menschheit ist, dass die christliche Botschaft eine inspirierende Kraft für die “Sorge um das Gemeinsame Haus” ist und ein kleiner Vorläufer für eine Erde, die mit sich selbst versöhnt ist, mit der ganzen Menschheit, mit der Natur und insbesondere mit dem Vater, der die Eigenschaften einer Mutter zum Vorschein bringt: grenzenlose Güte und Zärtlichkeit. Am Ende werden wir gemeinsam in der Lage sein zu sagen: „Alles ist sehr gut“ (Gen 1,31).

Der Träger kann auf mail apoyoalpapafrancisco@yahoo.com

Texto en Francés

Cher Pape François,

En Amérique latine, au Brésil, aux Caraïbes et dans d’autres parties du monde, nous sommes nombreux à nous inquiéter de l’attitude fermée et des attaques commises à votre encontre par des groupes conservateurs, minoritaires mais puissants, provenant de l’intérieur et de l’extérieur de l’Eglise. Nous avons assisté, perplexes, à un phénomène qui ne s’était pas produit durant les derniers siècles : la rébellion de cardinaux conservateurs contre votre manière de conduire le Synode et surtout l’Eglise Universelle.

La lettre, strictement personnelle qu’ils vous ont envoyée, a été diffusée à la presse, comme lors de la parution de l’encyclique Laudato Si’, violant clairement les principes de l’éthique journalistique.

Ces groupes conservateurs revendiquent un retour à un modèle d’Eglise du passé, davantage conçue comme une forteresse fermée que comme un « hôpital de campagne aux portes ouvertes pour accueillir quiconque frappe pour demander aide et soutien » ; une Eglise qui doit « chercher, accueillir et accompagner l’homme de notre temps, parce qu’une Eglise aux portes closes se trahit elle-même et trahit sa mission, et au lieu d’être un pont devient une barrière ». Voilà les courageuses paroles que vous avez prononcées.

Les attitudes pastorales d’une Eglise que vous proposez dans vos discours et gestes symboliques se caractérisent par un amour chaleureux, par une rencontre vivante entre les personnes et avec le Christ présent en nous, par une miséricorde sans limite, par une « révolution de la tendresse » et par la conversion pastorale. Ceci implique que le pasteur porte « l’odeur de ses brebis », parce qu’il vit avec elles et les accompagne tout au long de leur chemin.

Nous regrettons que ces groupes conservateurs soient uniquement capables de dire non. Non à l’eucharistie pour les divorcés remariés ; non à la reconnaissance des homosexuels, non à une quelconque ouverture au monde qui implique des changements substantiels.

Nous devons rappeler à ces frères les éléments les plus évidents du message de Jésus. Lui, n’est pas venu au monde pour dire non. Au contraire, il est venu dire oui. Saint Paul, dans la seconde lettre aux Corinthiens nous rappelle qu’« en Jésus il n’y a que le Oui. En effet, pour toutes les promesses de Dieu, c’est en Jésus que se trouve le Oui » (2Cor 1,20).

Dans l’Evangile de Saint Jean, Jésus dit explicitement : « Je ne rejetterai pas celui qui vient à moi » (Jn 6,37). Qu’il s’agisse d’une prostituée, d’un lépreux, d’un théologien craintif comme Nicomède, il les accueillait tous avec amour et miséricorde.

La caractéristique fondamentale du Dieu de Jésus, “Abba”, est sa miséricorde sans limite (Lc 6,36) et son amour préférentiel pour les pauvres, les malades, les pêcheurs (Lc 5,32; 6,21). Plus que de vouloir fonder une nouvelle religion de pieux paroissiens, Jésus est venu nous enseigner à vivre et à concrétiser les manifestations du Royaume de Dieu : l’amour, la compassion, le pardon, la solidarité, la faim et soif de justice et le fait de se sentir aimés comme filles et fils de Dieu.

Les atteintes visant à délégitimer votre manière d’être Evêque de Rome et Pape de l’Eglise universelle resteront vaines. Car rien ne résiste à la bonté et à la tendresse, que vous incarnez merveilleusement. L’histoire nous montre que quand le pouvoir prédomine, comme ceux-ci le souhaiteraient, l’amour disparaît et la miséricorde s’éteint, alors que ce sont les valeurs centrales de votre prédication et de celle de Jésus.

Dans ce contexte, en tant que chrétiens ouverts aux défis du monde actuel, face à une nouvelle phase planétaire et aux menaces qui pèsent sur le système-vie et le système-terre (comme vous les avez courageusement évoquées dans votre encyclique Laudato Si’ pour la « sauvegarde de notre maison commune »), nous voulons resserrer les rangs à vos côtés et vous manifester notre soutien entier. Nous soutenons votre ministère, votre vision pastorale et ouverte de l’Eglise et cette manière charismatique de nous faire sentir de nouveau dans l’Eglise comme dans notre foyer spirituel. Et tant de personnes d’autres Eglises, religions et du monde séculaire encouragent et admirent également votre manière de parler et d’agir.

Il est très significatif que la grande majorité des catholiques vive en Amérique, en Afrique ou en Asie, continents où le dialogue entre les cultures est marqué par la vitalité et la créativité, dévoilant de multiples visages de la même Eglise du Christ. Aujourd’hui, seuls 25% des catholiques vivent en Europe. L’Eglise catholique est donc une Eglise du Sud et de l’Est. Le futur de l’Eglise se joue dans ces régions où l’Esprit souffle avec force. Ignorer ce fait marquant, c’est être européocentré ou vaticanocentré.

L’Eglise catholique ne peut être otage de la culture occidentale, qui reste une culture régionale, même si elle a accumulé de grands mérites. Il est nécessaire qu’elle se désoccidentalise, en s’ouvrant à un processus de mondialisation qui favorise la rencontre des cultures et les chemins spirituels.

Cher Pape François, vous suivez le chemin du Christ et des apôtres, qui furent également à leur époque incompris, calomniés et poursuivis.

Mais nous sommes tranquilles car nous savons que vous vivez ces épreuves dans l’esprit des Béatitudes. Vous les supportez avec humilité. Vous demandez pardon pour les péchés de l’Eglise et vous suivez les pas du Nazaréen.

Nous voulons être à vos côtés et vous appuyer dans votre vision évangélique et libératrice de l’Eglise. Nous voulons vous donner le courage et la force intérieur pour que vous puissiez actualiser, en paroles et en gestes, la tradition de Jésus, faite d’amour, de miséricorde, de compassion, d’intimité avec Dieu et de solidarité avec l’humanité qui souffre.

Enfin, cher Pape François, puissiez-vous continuer à montrer à tous que l’évangile est une bonne nouvelle pour l’ensemble de l’humanité et que le message chrétien est une force inspiratrice pour « la sauvegarde de notre maison commune ». Il annonce avant l’heure une Terre réconciliée avec elle-même, avec tous les êtres humains, avec la nature et surtout, avec le Père nous montrant qu’il possède des traits maternels de bonté infinie et de tendresse. A terme, nous pourrons dire tous ensemble : « Tout cela était bon » (Gn 1,31).

Le soutien peut etre envoyé  mail apoyoalpapafrancisco@yahoo.com

Texto en Italiano

Caro Papa Francesco

Siamo molti in America Latina, in Brasile e in Caraibe e altri parti del mondo che seguiamo preoccupati la stretta opposizione e gli attacchi che ti fanno minoranze conservatrici potenti dentro e fuori della Chiesa. Assistiamo perplessi a qualcosa di inusitato negli ultimi secoli: la ribellione di alcuni cardinali conservatori contro il tuo modo di condurre il Sinodo e, soprattutto, la Chiesa Universale.

La lettera strettamente personale, a te diretta, è trapelata alla stampa, come era successo prima con la tua enciclica «Laudato Si’», violando i principi di un giornalismo etico.

Tali gruppi conservatori pretendono un ritorno al modello di Chiesa del passato, concepita come una fortezza chiusa piuttosto che come “un ospedale di campagna con porte aperte ad accogliere qualsiasi persona che bussi”; Chiesa che dovrà “cercare e accompagnare l’umanità di oggi non a porte chiuse il che tradirebbe se stessa e la sua missione e, invece di essere un ponte, diventerebbe una barriera”. Queste sono state le tue parole coraggiose.

Gli atteggiamenti pastorali del tipo di Chiesa proposto nei tuoi discorsi e nei tuoi gesti simbolici si caratterizzano per l’amore caloroso, per l’incontro vivo tra persone e il Cristo presente tra noi, per la misericordia senza limiti, per la “rivoluzione della tenerezza” e per la conversione pastorale. Questa implica che il pastore abbia “odore di pecora” perché convive con lei e l’accompagna lungo tutto il percorso.

 

Ci dispiace che tali gruppi conservatori sappiano al massimo dire no. Vorremmo ricordare a questi fratelli le cose più ovvie del messaggio di Gesù. Lui non è venuto a dire no. Al contrario Lui è venuto a dire sì. San Paolo nella seconda lettera ai Corinzi ci ricorda che “Il Figlio di Dio è stato sempre sì…perché tutte le promesse di Dio sono sì in Gesù” (2 Cor. 1,20).

Nel Vangelo di San Giovanni lui afferma esplicitamente: “Se qualcuno viene a me io non lo mando via” (Gv. 6,37). Poteva essere una prostituta, un lebbroso, un teologo pavido come Nicodemo: accoglieva tutti con amore e misericordia.

La caratteristica fondamentale del Dio di Gesù, “Abba”, è la sua misericordia illimitata (Lc. 6,36) e l’amore preferenziale per poveri, malati e peccatori (Lc.5,32; 6,21). Più che fondare una nuova religione con fedeli devoti, Gesù è venuto a insegnarci a vivere e a realizzare il messaggio centrale del Regno di Dio, i cui beni sono: amore, compassione, perdono, solidarietà, fame e sete di giustizia e l’allegria di sentirsi tutti figli e figlie amati da Dio.

I tentativi di delegittimare la tua maniera di essere Vescovo di Roma e Papa della Chiesa universale dirigendo la Chiesa più con la carità che con il Diritto Canonico, più con la collegialità e la cooperazione che con l’uso solitario del potere sacro non approderanno a nulla, perché niente resiste alla bontà e alla tenerezza delle quali ci dai uno splendido esempio. Dalla storia abbiamo imparato che dove prevale il potere, sparisce l’amore e si estingue la misericordia, valori centrali della tua predicazione e della predicazione di Gesù.

In questo contesto, di fronte alla nuova fase planetaria della storia e alle minacce che pesano sopra il sistema-vita e il sistema-Terra coraggiosamente additate nella tua Enciclica «Laudato Si’» sulla “Cura della Casa Comune” vogliamo serrare le file intorno a te e mostrare il nostro intero appoggio alla tua persona, al tuo ministero, alla tua visione pastorale e aperta di Chiesa e alla forma carismatica con la quale tu ci fai sperimentare nuovamente la Chiesa come un focolare spirituale. E sono tanti di altre chiese e religioni e del mondo secolare che ti appoggiano e ti ammirano per il Tuo modo di parlare e agire.

Non è senza significato che le grandi maggioranze dei cattolici vivano nelle Americhe, in Africa e in Asia, dove si constata una grande vitalità e creatività, il dialogo con differenti culture, che mostrano vari volti della stessa Chiesa di Cristo. La Chiesa cattolica è oggi una chiesa del Terzo Mondo, dato che soltanto il 25 % dei cattolici vive in Europa. Il futuro della Chiesa si gioca in queste regioni dove soffia fortemente lo Spirito.

La Chiesa Cattolica non può rimanere ostaggio della cultura occidentale, che è una cultura regionale per quanto grandi siano i meriti che ha accumulato. C’è bisogno che si disoccidentalizza e si apra al processo di mondializzazione che favorisce l’incontro delle culture e dei cammini spirituali.

Caro Papa Francesco: tu partecipi un po’ al destino del Maestro e degli Apostoli, anche loro incompresi, calunniati e perseguitati.

Ma stiamo tranquilli perché sappiamo che tu accetti tali tribolazioni nello spirito delle Beatitudini. Tu le sopporti con umiltà. Tu chiedi perdono per i peccati della Chiesa e continui sulle orme del Nazareno.

Vogliamo stare con te, appoggiarti nella tua visione evangelica e liberatrice di Chiesa, darti coraggio e forza interiore perché prendiamo coscienza, nelle parole e nei gesti, della Tradizione di Gesù fatta di amore, di misericordia, di compassione, di intimità con Dio e di solidarietà verso l’umanità sofferente.

Infine, caro Papa Francesco, continua a mostrare a tutti che il Vangelo è una proposta buona per tutta l’umanità, che il messaggio cristiano è una forza ispiratrice per la “la cura della Casa Comune” e generatrice di una piccola anticipazione di una Terra riconciliata con se stessa, con tutti gli esseri umani, con la natura e soprattutto con il Padre che ha mostrato avere caratteristiche di Madre di infinita bontà e tenerezza. Alla fine, che possiamo dire insieme: “Tutto è molto buono” (Gn 1,31).

Inviare il sostegno mail apoyoalpapafrancisco@yahoo.com

 

Unterstützung für den Papst Franziskus

Dieser offene Brief entstand innerhalb des Zweiten Kontinentalen Kongresses der Theologie, der von 26-30 Oktober in der Stadt Belo Horizonte, Brasilien stattfand, unter dem Titel:”Iglesia que camina con Espiritu y desde los pobres”. Circa 300 Teilnehmer waren dabei aus ganz Lateinamerika aber auch aus Europa, Kanada und USA. Wir bitten solchen Text zu verbreiten, damit eine grosse Kette von Unterstützern enstehen kann.

Unterstützung für den Papst Franziskus

Lieber Papst Franziskus,

In Brasilien, in der Karibik, in ganz Lateinamerika und in anderen Teilen der Welt gibt es viele Menschen, die sehr besorgt sind angesichts der starken Opposition und der Angriffe gegen Dich durch eine kleine, doch mächtige, konservative Minderheit sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche. Wir sind verblüfft, dass etwas so Ungewöhnliches geschieht, das es während der letzten Jahrhunderte nicht gab: eine Rebellion konservativer Kardinäle gegen Deinen Stil, eine Synode abzuhalten und vor allem, wie Du die Weltkirche leitest.

Diese Gruppe von Kardinälen schrieb Dir einen streng vertraulichen Brief, der an die Presse durchsickerte und veröffentlicht wurde, ebenso wie Deine Enzyklika “Laudato Si”, bevor sie freigegeben worden war, was ganz klar gegen die Prinzipien des ethischen Journalismus verstößt.

Diese konservativen Gruppierungen sehnen sich danach, zu einem Modell von Kirche zurückzukehren, wie sie früher war, als sie eher als eine geschlossene Festung wahrgenommen wurde denn als ein „funktionierendes Krankenhaus mit offenen Türen, das alle willkommen heißt“; eine Kirche, die „die Menschheit von heute mit offenen Türen sucht und sich zu ihr gesellt, denn mit geschlossenen Türen begeht sie Verrat an sich selbst und an ihrer Aufgabe, und anstatt als Brücke zu fungieren, wird sie zu einer Barriere“. Dies waren Deine mutigen Worte.

Der pastorale Zugang der Art von Kirche, die Du in Deinen Reden und symbolischen Gesten vorschlägst, ist gekennzeichnet von Herzenswärme, lebendigen Begegnungen unter Menschen und mit dem unter uns gegenwärtigen Christus, von grenzenloser Barmherzigkeit, von einer „Revolution der Zärtlichkeit“ und von einer pastoralen Umkehr. Dies bedeutet, dass der Hirte den “Geruch der Schafe” aushalten muss, denn der Hirte lebt mit den Schafen und begleitet sie auf ihrem ganzen Weg.

Wir beklagen, dass das Beste, was solch konservative Gruppierungen tun können, ist “nein” zu sagen. „Nein“ zur Kommunion für die Geschiedenen und Wiederverheirateten, „nein“ zur Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen; „nein“ zu jeglicher Öffnung hin zur Welt, die substantielle Veränderungen mit sich bringen würde.
Wir müssen diese Brüder an die offensichtlicheren Aspekte der Botschaft Jesu erinnern. Er ist nicht gekommen, um „nein“ zu sagen. Im Gegenteil, Er kam, um “ja” zu sagen. Der Hl. Paulus erinnert uns im 2. Korintherbrief daran, dass im Sohn Gottes alles ein “Ja” war, denn „Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat” (2 Kor 1,20).

Im Johannesevangelium sagt Jesus ausdrücklich: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ (Joh 6,37). Es könnte sich um eine Prostituierte handeln, um einen Leprakranken oder um einen ängstlichen Theologen wie Nikodemus: Er heißt alle in seiner Liebe und Barmherzigkeit willkommen.

Die grundlegenden Züge des Gottes Jesu, „Abba“, sind Seine grenzenlose Barmherzigkeit (Lk 6,36) und Seine Vorliebe für die Armen, die Kranken und die Sünder (Lk 5,32; 6,21). Jesus kam nicht so sehr, um eine neue Religion für fromme Gläubige zu gründen, sondern um zu lehren, wie wir leben sollen, und um der Lehre Seiner zentralen Botschaft vom Reich Gottes Leben einzuhauchen, d. h.: Liebe, Mitgefühl, Vergebung, Solidarität, Hunger und Durst nach Gerechtigkeit und dass wir spüren, dass wir die geliebten Söhne und Töchter Gottes sind.

Die Versuche, die Legitimität Deiner Art und Weise Bischof von Rom und Papst der Weltkirche zu sein, zu leugnen, werden vergebens sein, denn nichts kann der Güte und Zärtlichkeit widerstehen, von denen Du uns ein so leuchtendes Beispiel gibst. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass, wenn die Macht so vorherrscht, wie diese es wünschen, die Liebe verschwindet und Barmherzigkeit ausgelöscht wird – und somit die zentralen Werte eliminiert werden, die Du predigst und die auch Jesus predigte.

Wir Christen, die offen sind für die Herausforderungen der heutigen Welt und die der neuen planetarischen Phase der Geschichte ins Auge sehen sowie den Drohungen, die über dem Lebenssystem und dem Erdsystem schweben, welche Du mutig in Deiner Enzyklika “Laudato Si” über die “Sorge für das Gemeinsame Haus” angesprochen hast, möchten uns in diesem Kontext zusammenschließen und Dir unsere volle Unterstützung zusagen für Deine Person und Dein Amt, für Deine pastorale Vision einer offenen Kirche und für die charismatische Art, mit der es Dir gelingt, dass die Kirche für uns wieder zu einer spirituellen Heimat wird. Ebenso unterstützen und bewundern Dich viele Menschen aus anderen Kirchen und Religionen und aus der säkularen Welt für Dein Handeln und Sprechen.

Es ist von großer Bedeutung, dass eine große Mehrzahl der Katholiken in beiden Teilen Amerikas leben, in Afrika und in Asien, wo eine große Vitalität und Kreativität im Dialog mit den unterschiedlichen Kulturen zu beobachten ist, die die vielfältigen Gesichter derselben Kirche Christi reflektieren. Die Katholische Kirche ist nun eine Kirche der Dritten Welt, denn nur 25 % der Katholiken leben in Europa. Die Zukunft der Kirche entfaltet sich in diesen Regionen mit großer Kraft, wo der Geist weht. Dies zu übersehen heißt weiterhin Europa- und Vatikan-zentriert zu denken.

Die Katholische Kirche kann nicht von der abendländischen Kultur in Geiselhaft genommen werden. Dies ist eine regionale Kultur, wie groß und wichtig ihre gesammelten Verdienste auch sein mögen. Die Kirche muss aufhören, abendländisch zu sein, und sie muss sich dem Prozess öffnen, weltweit zu werden, dem Prozess. der Begegnungen unter den kulturellen und spirituellen Wegen favorisiert.

Lieber Papst Franziskus: Du nimmst Teil am Geschick des Meisters und der Apostel, die ebenfalls missverstanden, verleumdet und verfolgt wurden. Doch wir sind gelassen, denn wir wissen, dass du solches Leiden im Geist der Seligpreisungen annimmst. Du erträgst sie mit Demut. Du bittest um Vergebung für die Sünden der Kirche und wandelst in den Fußstapfen des Nazareners.

Wir wollen Dir nahe sein, Dich in deiner evangeliumsgemäßen und befreienden Vision der Kirche unterstützen, Dir inneren Mut und die Kraft geben, die Tradition Jesu mit Worten und Taten ins Heute zu bringen, d. h. Liebe, Barmherzigkeit, Mitgefühl, Nähe zu Gott und Solidarität mit der leidenden Menschheit.

Und schließlich, lieber Papst Franziskus, bitten wir Dich, dass Du uns weiterhin zeigst, dass das Evangelium für die Menschheit ist, dass die christliche Botschaft eine inspirierende Kraft für die “Sorge um das Gemeinsame Haus” ist und ein kleiner Vorläufer für eine Erde, die mit sich selbst versöhnt ist, mit der ganzen Menschheit, mit der Natur und insbesondere mit dem Vater, der die Eigenschaften einer Mutter zum Vorschein bringt: grenzenlose Güte und Zärtlichkeit.

Am Ende werden wir gemeinsam in der Lage sein zu sagen: „Alles ist sehr gut“ (Gen 1,31).

Die Unterschrifte können an Valentina Carusi: <valecarusi@gmail.com> geschickt werden, die in der argentinischen Botschaft im Vatican arbeitet.

Eine andere Art der Konfliktbewältigung

Seit es Menschen gibt, hat es schon immer Konflikte aller Arten gegeben, vor allem in patriarchalischen Systemen. Das vorherrschende Mittel, diese zu bewältigen, war und ist noch immer der Gebrauch von Gewalt, um den anderen zu bekämpfen und auf irgendeinen niedrigeren Rang unterzuordnen. Dies ist der schlechteste Weg, denn er lässt den Bekämpften mit Bitterkeit, Demütigung und dem Verlangen nach Rache zurück. Auf diese Weise wird die Gewaltspirale aufrecht erhalten, die gerade heutzutage die Form des Terrorismus annimmt, die Rache der Gedemütigten. Sollte dies der einzige Weg für Menschen sein, um ihre Konflikte zu bewältigen?

Es gab jemanden, der sich als der „Verrückte Gottes“ (pazzus Dei) bezeichnete: Franz von Assisi, der auch der aktuelle Franziskus von Rom sein könnte, der auf der Suche nach einem anderen Weg war. Der vorige Weg war der des Gewinnens oder des Verlierens. Der neue Weg, der win/win-Weg, entzieht dem kriegerischen Denken die Grundlage. Wir wollen einige Beispiele aus der Praxis des Franz von Assisi beleuchten. Sein üblicher Gruß, wenn er jemandem begegnete, war: „Friede und Heil“. Von seinen Anhängern verlangte er: „Grüßt jeden, der auf euch zukommt, mit Freundlichkeit, ob Freund oder Feind, Dieb oder Bandit“ (Regel Nr. 7).

Wir wollen Franziskus’ Strategie im Hinblick auf Gewalt betrachten. Dazu ziehen wir zwei Legenden heran, die, da es sich um Legenden handelt, seinen Geist besser zum Ausdruck bringen als eine Darstellung von Fakten: die Diebe des Dörfchens San Sepolcro und der Wolf von Gubbio (Fioretti, Kap. 21).

Eine Diebesbande pflegte sich in den Wäldern zu verstecken und die Vorübergehenden aus der Nachbargemeinde zu berauben. Vom Hunger geplagt gingen sie zur Eremitage der Brüder und fragten nach Essen. Die Brüder hießen sie willkommen, jedoch nicht ohne Gewissensbisse: „Es ist nicht recht, dass wir dieser Diebesbande gegenüber gütig sind, die so viel Böses in der Welt verursacht.“ Sie trugen Franziskus diese Frage vor, der folgende Strategie vorschlug: Bringt Brot und Wein in den Wald und ruft ihnen zu: „Brüder Diebe, kommt her, wir sind Brüder und bringen euch Brot und Wein.“ Sie werden fröhlich essen und trinken, dann sprecht zu ihnen über Gott, aber verlangt nicht von ihnen, das Leben, das sie führen, abzulegen, denn das wäre zuviel verlangt. Verlangt nur von ihnen, dass sie niemandem Schaden zufügen, wenn sie jemanden überfallen. Ein anderes Mal riet Franziskus: „Bringt ihnen etwas Besseres: Käse und Eier.“ Die Diebe werden sich noch mehr freuen, doch auch das Flehen der Brüder hören: „Lasst dieses Leben des Hungerns und Leidens hinter euch, hört auf zu stehlen, geht lieber arbeiten, denn der gute Gott wird für das sorgen, was Körper und Seele brauchen.“ Von solcher Güte ergriffen ließen die Diebe von ihrem Lebenswandel ab und einige von ihnen wurden sogar Anhänger Franziskus’.

Hier wurde der Finger, erhoben zur Beschuldigung und Verurteilung, beiseite geschoben im Namen der wärmenden Nähe und des Vertrauens in die versteckte Energie, die in den Dieben lag und ihnen ermöglichte, etwas anderes als Diebe zu sein. Es geht darum, die Haltung zu überwinden, die alles in schwarz und weiß kategorisiert, die Güte auf die eine Seite stellt und das Böse auf die andere. Tatsächlich verbirgt sich in jedem Menschen ein möglicher Dieb und ein möglicher Bruder. Mit zärtlicher Zuneigung lässt sich der im Dieb verborgene Bruder retten. Und dies geschah in Assisi.

Diese Strategie, die auf Gewalt verzichtet, findet sich auch in der Legende des Wolfs von Gubbio, der die Menschen dieser Kleinstadt attackierte. Wieder einmal wird das Schwarz-Weiß-Denken überwunden: auf der einen Seite haben wir den „großen, schrecklichen und räuberischen Wolf“ und auf der anderen Seite die angstvollen, bewaffneten Menschen. Die Akteure auf beiden Seiten, deren einziges Verhältnis aus Gewalt und gegenseitiger Zerstörung bestand, wurden miteinander konfrontiert. Franziskus’ Strategie bestand nicht im Streben nach einem Waffenstillstand oder einem Gleichgewicht der von Angst bestimmten Kräfte. Er ergriff weder für die eine noch für die andere Seite Partei in einer falschen heuchlerischen Haltung: „Der andere ist schlecht, nicht ich. Daher muss er zerstört werden.“ Hat sich schon einmal jemand gefragt, ob sich nicht in jedem von uns ein böser Wolf und gleichzeitig ein guter Bürger/eine güte Bürgerin verbirgt?

Der Weg des Franziskus war die Vereinigung von Gegensätzen und bestand darin, die Gegensätze einander anzunähern, sodass sie miteinander Frieden schließen konnten. Franziskus ging zum Wolf und sagte zu ihm: „Bruder Wolf, du bist ein böser Mörder und hast den Galgen verdient, aber ich erkenne auch, dass du nur deshalb soviel Böses tust, weil du hungrig bist. Lass uns einen Vertrag schließen: Die Menschen werden dir zu essen geben, und du wirst aufhören, sie zu bedrohen.“ Dann richtete Franziskus sich ans Volk und predigte ihm: Wendet euch Gott zu, hört auf zu sündigen. Stellt sicher, dass es genug zu essen für den Wolf gibt, dann wird Gott euch von der ewigen Strafe befreien und vom bösen Wolf.“

Der Legende zufolge änderte die Kleinstadt ihre Gewohnheiten. Die Menschen beschlossen, den Wolf zu füttern, und der Wolf lief unter den Menschen herum, als wäre er ein freundlicher Mitbürger.

Manche haben diese Legende als eine Metapher für den Klassenkampf gelesen. Das wäre eine Möglichkeit. Tatsache ist jedoch, dass Frieden geschlossen wurde, und dies nicht durch den Sieg der einen über die andere Seite, sondern indem die Denkweise in Seiten und Parteien überwunden wurde. Alle gaben nach, Gewinn auf beiden Seiten wurde möglich, und es kam zu Frieden, einem Frieden, der nicht durch sich selbst existiert, sondern der aus einem gemeinsamen Einverständnis zwischen den Menschen und dem Wolf entsprang.

Fazit: Franziskus stimulierte weder die Widersprüche, noch beseitigte er die dunkle Dimension, in der der Hass kocht. Franziskus vertraute in die humanisierende Fähigkeit der Güte, in Dialog und gegenseitiges Vertrauen. Er war nicht naiv. Er wusste, dass wir in der „regio dissimilitudinis“ leben, in einer Welt von Ungleichheiten (Fioretti, Kap. 37). Doch er gab sich dieser dekadenten Situation nicht hin. Er erfasste intuitiv, dass jenseits von Bitterkeit in jedem Geschöpf eine verborgene Güte existiert, die gerettet werden muss. Und so geschah es.

Der Tag wird kommen, an dem die Menschen sich mit ihrer spirituellen Intelligenz und mit der des Herzens versöhnen werden, deren biologische Grundlage kürzlich durch Neurologen identifiziert werden konnte, und die durch die intellektuelle Vernunft ergänzt wird, welche teilt und auflöst. Dann werden wir das Königreich des Friedens und der Eintracht einläuten. Der Wolf wird weiterhin ein Wolf bleiben, doch er wird niemanden mehr bedrohen.

ubersetzt von Bettina Gold-Hartnack