Die Notbremse ziehen angesichts der Schwere der aktuellen Krise

Leonardo Boff  

Wir befinden uns inmitten einer allgemeinen und verheerenden Krise, was die Art und Weise betrifft, wie wir auf unserem Planeten leben und mit ihm umgehen. Dieser wurde durch Kriege mit großer Zerstörungskraft und durch Rassenhass und ideologischen Hass verwüstet und zerrissen. Darüber hinaus hat das Zeitalter der wissenschaftlichen Vernunft die Irrationalität des Prinzips der Selbstzerstörung hervorgebracht: Mit den Waffen, die wir bereits produziert haben, können wir unserem Leben und dem größten Teil der Biosphäre, wenn nicht der gesamten Biosphäre, ein Ende setzen.

Es gibt viele Analysten der Weltlage, die vor dem möglichen Einsatz solcher Massenvernichtungswaffen warnen. Der Grund dafür ist der Streit darüber, wer das Sagen über die Menschheit hat und wer das letzte Wort hat. Es geht um die Konfrontation zwischen der Unipolarität, die von den Vereinigten Staaten aufrechterhalten wird, und der Pluripolarität, die von China, Russland und schließlich von allen BRICS-Ländern gefordert wird. Wenn es zu einem Atomkrieg kommt, würde sich die Formel bewahrheiten: 1+1=0: eine Atommacht würde die andere zerstören und zusammen würden sie die Menschheit und einen großen Teil des Lebens vernichten.

Unter diesen Umständen sehen wir uns gezwungen, die Notbremse des Lebenszuges zu ziehen, weil er in einen Abgrund stürzen könnte. Wir befürchten, dass diese Bremse bereits oxidiert und unbrauchbar geworden ist. Können wir uns aus dieser Bedrohung befreien? Wir müssen es versuchen, wie Don Quijote sagte: “Bevor wir eine Niederlage akzeptieren, müssen wir jede Schlacht kämpfen”. Und das werden wir.

Ich verwende zwei Kategorien von Angst, um unsere Situation zu verdeutlichen. Die eine stammt von dem dänischen Theologen und Philosophen Sören Kierkegaard (1813-1885), die andere von dem deutschen Theologen und Philosophen Hans Jonas (1903-1993), einem bedeutenden Schüler Martin Heideggers.

Die Angst ist für Kierkegaard (O conceito de angústia, Vozes 2013) nicht nur ein psychologisches Phänomen, sondern eine objektive Tatsache der menschlichen Existenz. Für ihn als Seelsorger und Theologe sowie als exzellenten Philosophen wäre es die Angst vor der ewigen Verdammnis oder der Errettung. Aber es gilt für das menschliche Leben. Das menschliche Leben ist zerbrechlich und kann jeden Moment sterben. Die Angst lässt den Menschen nicht untätig, sondern treibt ihn immer wieder an, die Voraussetzungen für den Schutz des Lebens zu schaffen.

Heute müssen wir diese Art von Existenzangst angesichts objektiver Bedrohungen unseres Schicksals, die tödlich sein könnten, aushalten. Das ist etwas Gesundes, das zum Leben gehört, und nicht etwas Ungesundes, das psychiatrisch behandelt werden muss.

Hans Jonas analysiert in seinem Buch Das Prinzip Verantwortung (Contraponto, Rio 2006) die Angst, an den Rand des Abgrunds gestellt zu werden und in diesen zu stürzen. Es geht nicht mehr um eine Ethik des Fortschritts oder der Verbesserung. Es geht darum, das Leben davor zu bewahren, vom Tod bedroht zu werden. Die Angst ist dabei gesund und lebensrettend, denn sie zwingt uns zu einer Ethik der kollektiven Verantwortung in dem Sinne, dass alle mithelfen, das menschliche Leben auf der Erde zu erhalten.

Die derzeitige Situation auf dem Planeten entzieht sich der menschlichen Kontrolle. Wir haben eine autonome künstliche Intelligenz geschaffen, die bereits unabhängig von unseren Entscheidungen ist. Wer kann sie mit ihren Abermilliarden von Algorithmen davon abhalten, die Menschheit zu vernichten?

Zuallererst haben wir eine Aufgabe zu erfüllen: Wir müssen die Verantwortung für den Schaden übernehmen, den wir dem Lebens- und dem Erdsystem zusehends zufügen, ohne ihn aufhalten oder verlangsamen zu können, sondern nur, um seine schädlichen Auswirkungen zu minimieren. Das energieverschlingende Weltproduktionssystem ist so gut geölt, dass es nicht aufhören kann und will. Es wird seine grundlegenden Mantras nicht aufgeben: unbegrenzte Steigerung des individuellen Profits, erbitterter Wettbewerb und Raubbau an den Ressourcen der Natur.

Darüber hinaus müssen wir auch die Verantwortung für das Übel übernehmen, das wir in der Vergangenheit weder physikalisch noch geistig verhindert haben und dessen Folgen unvermeidlich geworden sind, wie z. B. die zunehmende Erwärmung des Planeten und die Erosion der Artenvielfalt.

Die Angst, die wir empfinden, bezieht sich auf die Zukunft des Lebens und die Garantie, dass wir noch auf diesem Planeten leben können. Vor diesem Hintergrund formulierte Jonas einen kategorischen ethischen Imperativ:

Handle so, dass die Auswirkungen deines Handelns mit dem Fortbestand echten menschlichen Lebens auf der Erde vereinbar sind; oder, negativ ausgedrückt: Handle so, dass die Auswirkungen deines Handelns die künftige Möglichkeit eines solchen Lebens nicht zerstören; oder einfach gesagt, gefährde nicht den unbestimmten Fortbestand der Menschheit auf der Erde” (Op.cit. 2006, S. 47-48). Wir möchten hinzufügen: “Gefährden Sie nicht den unbestimmten Fortbestand aller Arten von Leben, der biologischen Vielfalt, der Natur und der Mutter Erde”.

Diese Überlegungen helfen uns, eine gewisse Hoffnung auf die Fähigkeit des Menschen zu haben, sich zu verändern, denn wir haben einen freien Willen und sind flexibel.

Da das Risiko jedoch global ist, brauchen wir ein globales und pluralistisches Gremium (Vertreter der Völker, der Religionen, der Universitäten, der einheimischen Völker, der Volksweisheit), um eine globale Lösung zu finden. Dazu müssen wir uns vom Nationalismus und den überholten Grenzen zwischen den Nationen verabschieden.Aber keine der Decisonmaker wollen das hören, obwohl dies sehr wichtig ist.

Wie zu beobachten ist, drängen die verschiedenen Kriege, die heute um die Grenzen zwischen den Nationen geführt werden, die Bekräftigung des Nationalismus und die Zunahme des Konservatismus und der rechtsextremen Politik die Idee eines kollektiven Zentrums zum Wohle der gesamten Menschheit immer weiter weg.

Wir müssen erkennen, dass diese Grenzkonflikte zwischen den Nationen losgelöst sind von der neuen Phase, in der die Erde unser gemeinsames Haus wird, und dass sie regressive Bewegungen darstellen, die dem unwiderstehlichen Lauf der Geschichte zuwiderlaufen, der das Schicksal der Menschen immer mehr mit dem Schicksal des lebendigen Planeten vereint.

Wir haben nur eine Erde und nur eine Menschheit, die gerettet werden müssen. Und zwar dringend, denn die Zeit läuft gegen uns. Ändern wir unser Denken und unsere Praktiken!

Leonardo Boff Autor von: Habitar a Terra, Vozes 2022; Terra madura: uma teologia da vida, Planeta 2023.

Puxar o freio de segurança: face à gravidade da crise atual

   Leonardo Boff

Encontramo-nos no coração de uma espantosa e generalizada crise na forma como  habitamos e nos relacionamos para com o nosso planeta, devastado e atravessado por guerras de grande destruição e movido por ódios raciais e ideológicos. Acresce ainda que a idade da razão científica, criou a irracionalidade do princípio de autodestruição: podemos pôr fim, com as armas já construídas, a nossa vida e grande parte senão toda a biosfera.

Não são poucos os analistas da situação mundial que nos alertam sobre  o eventual uso de tais armas de destruição em massa. A razão de fundo seria a disputa sobre quem manda  na humanidade e quem tem a última palavra. Tem a ver com o enfrentamento entre a uni-polaridade sustentada pelos Estados Unidos e a pluri-polaridade cobrada pela China, pela Rússia, eventualmente, pelo conjunto dos países que formam os BRICS. Se houver uma guerra nuclear, nesse caso, realizar-se-ia a fórmula: 1+1=0: uma potência nuclear destruiria a outra e  juntos levariam humanidade e parte substancial da vida.

Dadas estas circunstâncias, vemo-nos na necessidade de puxarmos o freio de segurança do comboio da vida, pois, desenfreado, pode se precipitar num abismo. Tememos que este freio já esteja oxidado e feito inutilizável. Podemos sair desta ameaça? Temos que tentar, segundo a dito de Dom Quixote:”antes de aceitar a derrota, temos que dar todas as batalhas”. E vamos dar.

Sirvo-me de duas categorias para aclarar melhor nossa situação. Uma do teólogo e filósofo dinamarquês Soren Kierkegaard (1813-1885), a angústia, e outra do também teólogo e filósofo alemão, discípulo notável de Martin Heidegger, Hans Jonas (1903-1993), o medo.

A angústia (O conceito de angústia,Vozes 2013) para Kierkegaard não é apenas um fenômeno psicológico, mas um dado objetivo da existência humana. Para ele como pastor e teólogo,além de exímio filósofo, seria a angústia face à perdição eterna ou à salvação. Mas é aplicável à vida humana. Esta apresenta-se frágil e sujeita a morrer a qualquer instante. A angústia não deixa a pessoa inerte, mas move-a continuamente para criar condições de salvaguardar a vida.

Hoje temos que alimentar esse tipo de angústia existencial face às ameaças objetivas que pesam sobre nosso destino que podem ser fatais. Ela é algo saudável, pertencendo à vida e não algo doentio a ser tratado psiquicamente.

Hans Jonas em seu livro O princípio responsabilidade (Contraponto,Rio 2006) analisa o medo de sermos colocados à beira do abismo e nele cair fatalmente.Estamos numa situação de não retorno. Não se trata mais de uma ética do progresso ou do aperfeiçoamento. Mas da prevenção da vida contra as ameaças que nos podem trazer a morte. O medo aqui é saudável e salvador, pois, nos obriga a uma ética da responsabilidade coletiva no sentido de todos darem sua colaboração para preservação da vida humana na Terra.

A situação atual a nível planetário fugiu ao controle humano.Criamos a Inteligência Artificial Autônoma que já independe de nossas decisões. Quem, com seus bilhões e bilhões de algoritmos, impede que ela possa optar pela destruição da humanidade?Temos como controlar os tufões e terremotos, sem dizer os eventos extremos,consequência da mudança climática? Apesar de todas as técnicas sentimo-nos impotentes face à força da natureza.

Primeiramente, temos uma tarefa a cumprir: cabe responsabilizarmo-nos pelo mal que estamos visivelmente causando ao sistema-vida e ao sistema-Terra,sem capacidade de impedi-lo ou freá-lo, apenas minorando-lhe os efeitos danosos. O sistema de produção mundial energívoro está de tal modo azeitado que não tem condição nem quer parar. Não renuncia aos seus mantras de base: aumento ilimitado do lucro individual, a competição feroz e a superexploração dos recursos da natureza.

Além disso, importa responsabilizarmo-nos também pelo mal que que não soubemos no passado evitar física e espiritualmente e cujas consequências tornaram-se inevitáveis, como aquelas que estamos sofrendo como o aquecimento crescente do planeta e a erosão da biodiversidade.

O medo do qual somos tomados se relaciona ao futuro da vida e à garantia de ainda podermos continuar vivos sobre este planeta. Em função desse desiderato Jonas formulou um imperativo ético categórico:

Aja de modo a que os efeitos de tua ação sejam compatíveis com a permanência de uma vida humana autêntica sobre a Terra; ou, expresso negativamente: aja de modo que os efeitos da tua ação não sejam destrutivos para a possibilidade futura de uma tal vida; ou, simplesmente, não coloque em perigo a continuidade indefinida da humanidade na Terra” (Op.cit. 2006, p. 47-48). Nós acrescentaríamos  “não coloque em perigo a continuidade indefinida de todo tipo de vida, da biodiversidade, da natureza e da Mãe Terra”.

Essas reflexões nos ajudam a alimentar alguma esperança na capacidade de mudança dos seres humanos, pois, possuímos livre arbítrio e flexibilidade.

Mas como o risco é global, impõe-se uma instância global e plural (representantes dos povos, das religiões, das universidades, dos povos originários, da sabedoria popular ) para encontrar uma solução global. Para isso temos que renunciar aos nacionalismos e aos limites obsoletos entre as nações. Mas os chefes das nações jamais colocam essa questão urgente.

Como se pode observar, as várias guerras hoje em curso são por limites entre as nações, a afirmação dos nacionalismos e a crescente onda de conservadorismo e de políticas de extrema direita afastam para longe esta ideia de um centro coletivo para o bem de toda a humanidade.

Devemos reconhecer: estes conflitos por limites entre as nações, estão descolados da nova fase da Terra, tornada Casa Comum e representam movimentos regressivos e contrários ao curso irresistível da história que unifica cada vez o destino humano com o destino do planeta vivo.

Temos uma Terra só e uma Humanidade só a serem salvas. E com urgência pois o tempo do relógio corre contra nós. Cumpre muda mentes e nossas práticas.

Leonardo Boff escreveu Habitar a Terra, Vozes 2022; Terra madura: uma teologia da vida, Planeta 2023.

 L’urgenza di un umanesimo minimo

                          Leonardo Boff

Il mio sentimento del mondo mi dice che forse mai nella storia degli ultimi tempi abbiamo vissuto, a livello universale, tanta disumanità. Quando parlo di disumanità voglio esprimere il totale disprezzo per il valore dell’essere umano nei confronti di un altro essere umano che è diverso, sia esso per etnia (nero, indigeno, palestinese), sia politico (fondamentalisti, conservatori), sia religioso (musulmani, animisti), sia di genere (donne e LGBT+). Per un paio di scarpe da ginnastica qualcuno è morto. Una piccola disputa stradale può finire con un omicidio a colpi di arma da fuoco.

Per non parlare della guerra Russia-Ucraina (dietro ci sono gli USA e la Comunità Europea). La più spaventosa disumanità è vista apertamente dall’umanità intera, attraverso i media digitali: la decimazione di un intero popolo, i palestinesi della Striscia di Gaza e le migliaia di bambini innocenti sacrificati dalla furia vendicativa dell’attuale primo ministro israeliano di estrema destra, Banjamin Netanyahu. Il suo ministro della Difesa ha dichiarato esplicitamente che i palestinesi nella Striscia di Gaza (soprattutto il ramo militare di Hamas che ha perpetrato un atto terroristico contro Israele il 7 ottobre 2023 con più di mille vittime) sono come animali, sono subumani e dovrebbero essere così trattati, possibilmente, sterminati.

Circondati da ogni parte, come in un campo di sterminio, gli abitanti della Striscia di Gaza sono costantemente attaccati giorno e notte dal cielo, da terra e dal mare dalle forze di guerra del governo israeliano. Molti muoiono di sete, di fame, sotto le macerie e per le ferite riportate, perché tutto è stato loro negato.

Nemmeno lontanamente si alimenta l’idea che siamo tutti umani, della stessa specie di esseri e, quindi, che esiste un innegabile legame di fratellanza tra tutti. Tutti respirano, tutti mangiano, tutti camminano sullo stesso terreno, tutti ricevono gli stessi raggi del sole e le stesse gocce di pioggia. Tutti, non importa quanto sia alta la loro posizione sociale, devono soddisfare i bisogni della natura. Il re d’Inghilterra non può dire al suo servitore: vai a fare pipì al mio posto. In questo caso regna la democrazia più radicale, a grado zero, che comprende re, regine, papi, milionari, gente semplice del popolo, uomini e donne, bambini e anziani.

Perché non siamo in grado di trattarci a vicenda umanamente? Cioè accogliendoci come membri della stessa specie homo, rispettandoci reciprocamente nei diversi modi di organizzare la vita sociale e personale, nelle abitudini, nelle tradizioni, nelle espressioni religiose e nelle pratiche sessuali. Cosa c’è in noi che ci rende nemici gli uni degli altri, omicidi, fratricidi, etnocidi e, ultimamente, biocidi? C’è chi sostiene che l’uomo di Neanderthal, anch’egli uomo pensante, sarebbe stato sterminato dall’homo sapiens.

È già stato osservato dai bio-antropologi che siamo una specie estremamente attiva, irrequieta, violenta e forse di breve durata su questo pianeta. D’altra parte, genetisti e neurologi confermano che appartengono al nostro DNA (cfr. Watson, Crik, Maturana) l’amore, la solidarietà e il sentimento di appartenenza. Esistono modi per mettere sullo stesso piano questi dati apparentemente contraddittori? Perché abbiamo raggiunto gli attuali livelli di disumanità?

Non conosco alcuna risposta soddisfacente. Ciò che possiamo dire, come hanno sostenuto tanti pensatori, è che l’essere umano, per la sua condizione esistenziale, è contemporaneamente sapiens e demens. È mosso da impulsi contraddittori che convivono nella stessa persona, uno di distruzione e l’altro di costruzione. Ho lavorato con due categorie: la dimensione sim-bolica dell’essere umano (ciò che unisce e aggrega) e la dimensione dia-bolica (ciò che disunisce e disaggrega). Entrambe coesistono, si confrontano e portano dinamismo alla storia.

Per un certo periodo, per molteplici ragioni che non possiamo qui discutere, ha prevalso la dimensione sim-bolica. Cosi emerge una società di convivenza pacifica e collaborativa. In un altro prevale la dimensione dia-bolica, che lacera il tessuto sociale, produce violenza e perfino guerre. Temo che attualmente siamo sotto il predominio del dia-bolico, poiché prevalgono il pensiero fondamentalista, fascista e l’uso della violenza per risolvere i problemi umani.

Non basta descrivere questa fenomenologia della dualità. Dobbiamo scavare più a fondo. Credo che la causa principale della disumanità attuale e storica risieda nell’erosione della Matrice Relazionale (Relational Matrix). Ovvero, nel corso della storia, lentamente ma alla fine in modo completo, abbiamo rotto la sensazione che siamo tutti interconnessi, che si stabiliscono relazioni tra tutti gli esseri, formando il grande insieme della natura, della Terra e perfino del cosmo.

Con l’irruzione della ragione e il suo utilizzo come potere di dominio, abbiamo rotto con la Matrice Relazionale. Ci siamo considerati signori e padroni delle cose. Possiamo usarle senza scrupoli a nostro beneficio, con il falso presupposto che esse non abbiano valore in sé e, quindi, siano prive di scopo, compreso il pianeta Terra. Così è stato fondato il paradigma della modernità.

Questa rottura si mostra oggi estremamente dannosa, poiché la natura, o la Terra, si sta rivoltando contro di noi, inviandoci eventi estremi, una serie di virus letali e, negli ultimi tempi, il riscaldamento globale ormai diventato irreversibile. Ha introdotto una nuova e pericolosa fase del pianeta Terra e della storia umana.

La rottura della Matrice Relazionale con gli esseri della natura ha portato alla rottura con la sua origine, con il Creatore di tutte le cose. Quella che è stata chiamata “la morte di Dio” significa che abbiamo perso quel Legame che dava coesione e senso di pienezza alla nostra vita e all’esistenza di un Senso ultimo della vita e della storia. La proclamazione della morte di Dio (la sua assenza nella nostra coscienza personale e collettiva) ha dato origine a esseri umani sradicati e immersi in una profonda solitudine. L’opposto di una visione umanistico-spirituale del mondo che sostiene che la vita ha un senso e che la storia non finisce nel vuoto, non è il materialismo o l’ateismo. È lo sradicamento e il sentimento di essere soli nell’universo e perduti, cosa che una visione umano-spirituale del mondo impediva.

Oggi dobbiamo ritornare alla nostra essenza per rifondare un umanesimo minimo. Cioè, ponendo come linee guida della nostra esistenza e convivenza su questo pianeta la cura reciproca e per con la comunità di vita, l’amore come la più grande forza aggregante e umanizzante di tutte le relazioni, facendo emergere interiormente la nostra forza di solidarietà soprattutto con quelli che restano indietro, un’opzione collettiva per la corresponsabilità per il destino comune e, infine, l’aprirci a quell’Energia potente e amorevole che intuiamo nel nostro proprio essere come ragione e sostegno di tutta la realtà. Possiamo dargli mille nomi o nessuno. Le religioni lo chiamano Dio, i cosmologi lo chiamano Abisso che nutre tutti gli esseri, o come preferisco, “quell’Essere che fa esistere tutti gli esseri”. Dimentichiamo i nomi e concentriamoci su questa Energia Intelligente e Suprema che sostiene ed è alla base di tutti gli esseri e fenomeni. È una visione umano-spirituale delle cose.

Su questi presupposti potremo fondare un umanesimo minimo, con il quale tutti si riconosceranno come compagni dello stesso viaggio su questo pianeta, come fratelli e sorelle di tutte le cose (poiché abbiamo la stessa base genetica) reciprocamente. Per essere realistici, il dato sim-bolico e dia-bolico saranno presenti, ma sotto la reggenza del sim-bolico.

In questo modo costruiremo una convivenza umana nella quale non sarà tanto difficile accoglierci reciprocamente e nella quale potrà fiorire la solidarietà essenziale e l’amore “che muove il cielo, tutte le stelle” e i nostri cuori. O faremo questo passo oppure ci divoreremo a vicenda.

Leonardo Boff ha scritto Terra madura: uma teologia da vida, São Paulo, Planeta 2023. (traduzione dal portoghese di Gianni

Die größte Bedrohung: der Klimawandel

                                                            Leonardo Boff

Es gibt mehrere Bedrohungen für die Zerstörung des Lebens, insbesondere des menschlichen Lebens, auf unserem Planeten: die nukleare Bedrohung, die Bedrohung durch den globalen Zusammenbruch des sozioökonomischen Systems, die Bedrohung durch die Überlastung der Erde (Mangel an natürlichen Gütern und Dienstleistungen, die das Leben erhalten), die Bedrohung durch eine weltweite Verknappung des Süßwassers und vieles mehr.

Das vielleicht heikelste Thema ist der Klimawandel, der ganze Bevölkerungen in Mitleidenschaft zieht. Damit verbunden ist die Wasserkrise, von der bereits ein großer Teil der Nationen der Welt betroffen ist. Ich erlebe dieses Wasserdrama persönlich. Am Rande meines Grundstücks gab es einen Bach mit reichlich Wasser. Ein kleiner Teil davon wurde kanalisiert, um einen Wasserfall zu erzeugen, der das ganze Jahr über von vielen Menschen besucht wurde. Langsam wurde der Fluss jedoch immer kleiner, und der Wasserfall verschwand, bis ein großer Teil des Flusses völlig austrocknete und später mit sichtbar abnehmendem Wasser wieder auftauchte. Der Fluss entspringt inmitten eines angrenzenden, vollständig erhaltenen Regenwaldes. Es gäbe also keinen Grund, dass sein Wasser abnimmt. Wir wissen jedoch, dass der Faktor Wasser systemisch ist, dass alles miteinander zusammenhängt. Weltweit gibt es eine zunehmende Knappheit an Trinkwasser.

Die nächste Gefahr mit schädlichen Folgen ist der Klimawandel anthropogenen Ursprungs, d. h. verursacht durch die Art und Weise, wie die Menschen, insbesondere die Besitzer großer Industrie- und Finanzkomplexe, die Natur in den letzten drei Jahrhunderten behandelt haben. Das Projekt, das diese Art des Lebens auf der Erde beflügelte und noch immer beflügelt, ist das des unbegrenzten Wachstums von Gütern und Dienstleistungen, in der Annahme, dass die Erde diese Güter auch unbegrenzt besitzen würde. Seit der Veröffentlichung des Berichts „Die Grenzen des Wachstums“ im Jahr 1972 durch den Club of Rome ist jedoch klar, dass die Erde ein kleiner Planet mit begrenzten Gütern und Dienstleistungen ist. Sie kann kein unbegrenztes Wachstum verkraften. Heute brauchen wir mehr als anderthalb Erden, um die Nachfrage der Verbraucher zu befriedigen, was den Planeten unter Stress setzt. Er reagiert darauf, denn er ist ein Superwesen, das wie ein Lebewesen systemisch gesteuert wird, sich aufheizt, extreme Ereignisse hervorruft und immer gefährlichere, sogar tödliche Viren aussendet, wie wir am Coronavirus gesehen haben.

Fazit: Wir haben den kritischen Punkt überschritten. Wir befinden uns bereits in der globalen Erwärmung. Die ökologische Deregulierung hat stattgefunden. Die Treibhausgase, die die Erwärmung verursachen, haben exponentiell zugenommen. Schauen wir uns einige Fakten an. Im Jahr 1950 wurden jährlich 6 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen. Im Jahr 2000 waren es 25 Milliarden Tonnen. Im Jahr 2015 waren es bereits 35,6 Milliarden Tonnen. Im Jahr 2022/23 werden wir 37,5 Milliarden Tonnen pro Jahr erreichen. Insgesamt zirkulieren etwa 2,6 Billionen Tonnen CO2 in der Atmosphäre, die etwa 100 Jahre lang in der Atmosphäre verbleiben. Die Tatsache, dass die Analysten die synergetische Wechselwirkung zwischen Pflanzenwelt, Landmassen, Ozeanen und Eis bei der Verschärfung der globalen Erwärmung noch immer nicht berücksichtigen, macht die Klimasituation dramatisch. Wir sind an die unüberwindbaren Grenzen der Erde gestoßen. Wenn wir weiter so handeln und konsumieren, ist das Leben bedroht oder die Erde will uns nicht mehr auf ihrer Oberfläche haben.

Das 2015 unterzeichnete Pariser Abkommen, in dem sich alle Länder zu Treibhausgasreduktionen verpflichten sollten, um zu verhindern, dass die Temperatur 1,5°C oder sogar 2°C über dem Niveau des Industriezeitalters liegt, wurde vereitelt. Die Länder haben ihre Hausaufgaben zu Hause nicht gemacht. Eine sofortige Senkung der CO2-Emissionen um 60-80 % war notwendig. Andernfalls bestünde die reale Gefahr irreversibler Veränderungen, die weite Regionen der Erde unbewohnbar machen würden. Die letzte COP28 in Dubei hat gezeigt, dass die Nutzung von fossiler Energie, Öl, Gas und Mineralien zugenommen hat.

Präsident Lula sagte auf der COP28 zu Recht: “Der Planet hat die Nase voll von nicht eingehaltenen Klimavereinbarungen. Wie viele Staats- und Regierungschefs engagieren sich wirklich für die Rettung des Planeten?“

Was vorherrscht, ist Leugnung. Es heißt, die Erwärmung sei die Folge von El Niño. El Niño spielt zwar eine Rolle, aber er erklärt nicht, sondern verschlimmert nur den laufenden Prozess, der bereits begonnen hat und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.  Die Wissenschaftler auf diesem Gebiet geben selbst zu, dass Wissenschaft und Technologie nicht in der Lage sind, diesen Wandel rückgängig zu machen, sondern nur vor seiner Ankunft zu warnen und seine schädlichen Auswirkungen zu mildern.

Es wurden jedoch zwei Ansätze vorgeschlagen, um die derzeitige Erwärmung zu bekämpfen: Der erste besteht darin, photosynthetische Organismen zu nutzen, um CO2 durch die Photosynthese der Pflanzen aufzunehmen und in Biomasse umzuwandeln. Das ist der richtige Weg, aber nicht ausreichend. Die zweite Möglichkeit wäre, Eisenpartikel in die Ozeane zu werfen, um ihre Photosynthesekapazität zu erhöhen. Diese Methode ist jedoch wissenschaftlich nicht zu empfehlen, da sie dem Leben in den Ozeanen absehbar schadet.

Um die Wahrheit zu sage: Wir haben keine praktikablen Lösungen. Sicher ist nur, dass wir uns an den Klimawandel anpassen und unser Leben, unsere Meeresstädte und unsere Produktionsprozesse so gestalten müssen, dass die unvermeidlichen Schäden verringert werden. Im Grunde genommen müssen wir zum Mythos der Fürsorge für uns selbst und für alle Dinge zurückkehren, wie ich es seit Jahren fordere, denn Fürsorge gehört zum Wesen des Menschen und aller Lebewesen.

Stellen wir uns vor, die Menschheit wird sich eines Tages bewusst, dass das Leben verschwinden könnte, und lässt die gesamte Weltbevölkerung ein Wochenende lang Bäume pflanzen, um so Kohlenstoff zu binden und die Voraussetzungen für das Überleben des Lebenssystems und der Menschheit zu schaffen. Das wäre ein Versuch, den wir umsetzen können und der uns vielleicht retten könnte. Das Unwägbare kann immer eintreten, wie die Geschichte gezeigt hat.

Die Warnung des bedeutenden deutschen Philosophen Rudolf-Otto Apel kommt zur rechten Zeit: “Zum ersten Mal in der Geschichte des Menschengeschlechts ist der Mensch praktisch vor die Aufgabe gestellt, für die Auswirkungen seines Handelns in einem Parameter, der den gesamten Planeten einschließt, Mitverantwortung zu übernehmen” (O a priori da Comunidade de Comunicação, São Paulo: Editora Loyola, 2000 S. 410). Entweder wir übernehmen ausnahmslos Verantwortung für unsere gemeinsame Zukunft, oder es kann passieren, dass wir nicht mehr zu den Lebewesen auf dem Planeten Erde gezählt werden.

Leonardo Boff ist Ökotheologe,Philosoph und Schriststeller aus Brasilien.Autor von: Saber cuidar: ética de lo humano-compasión  por la Tierra,Vozes 1999/2010; Cuidar la Tierra-proteger la vida: cómo escapar del fin del mundo, Record, RJ 2010; Tierra madura: una teología de la vida, Planeta, São Paulo 2023.

Übersetzung von Bettina Goldhartnacker