Das ethische und moralische Versagen der Menschheit

Leonardo Boff

Unsere Ursprünge liegen in Afrika. Deshalb sind wir alle Afrikaner. Der vom Mond aus sichtbare Ostafrikanische Grabenbruch(Rieft Valley) erstreckt sich über 3.000 km, von Nordsyrien bis ins Zentrum Mosambiks, und ist ein privilegiertes Gebiet. In diesem Tal gab es eine große Trennlinie: Auf der einen Seite, höher gelegen, befanden sich die Wälder, in denen unsere menschenähnlichen Vorfahren und später die höheren Affen wie Gorillas und Orang-Utans lebten und reichlich Nahrung fanden. Sie mussten sich nicht weiterentwickeln, um zu überleben.

Einige blieben im tiefer gelegenen Teil des Rift Valley, der sich zu einer Art Savanne entwickelt hatte. Unsere Vorfahren in diesem „brasilianischen trockenen Nordosten“ entwickelten sich körperlich weiter, begannen aufrecht zu gehen, und ihr Gehirn bildete mehr Synapsen aus, was erste Denkprozesse im Streben nach dem Überleben ermöglichte. Ökologisch gesehen ist das Leben in der Savanne nicht so ressourcenreich wie in anderen Bioregionen. 1974 wurde in der Afar-Wüste in Äthiopien ein recht vollständiges Fossil entdeckt, das auf ein Alter von 3,18 Millionen Jahren datiert wurde. Es schien das einer Frau zu sein. Daher wurde sie „Lucy“ genannt, nach dem Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bioanthropologie eindeutig belegt hat, dass wir Menschen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen. Dieser war nicht, wie oft angenommen, ein Affe, sondern ein primitiver Primat, der sich in verschiedene Gruppen aufspaltete: Einerseits brachte er die oben genannten Menschenaffen hervor, andererseits die verschiedenen Entwicklungsstufen der Menschheit, wie Homo habilis, dann Homo erectus und schließlich Homo sapiens, und soäter der Homo sapiens sapiens von dem wir abstammen.

Der große Wandel begann mit dem Homo habilis vor mehr als zwei Millionen Jahren. Schon damals nutzten sie Werkzeuge wie zugespitzte Steine, Stöcke und dicke Knochen, mit denen sie die Natur bearbeiteten und die Jagd auf Tiere erleichterten. Doch diese Eingriffe waren noch nicht zerstörerisch.

Jahrhunderte später erschien der Homo erectus, bereits zweibeinig und mit leistungsfähigeren Werkzeugen ausgestattet, sodass er in organisierten Gruppen Rinder und sogar Elefanten jagte. Er nutzte als Erster das Feuer und leitete damit eine wahre kulturelle Revolution ein, indem er von roher zu gekochter Nahrung überging, wie der Anthropologe Claude Lévi-Strauss untersuchte. Sein Eingriff in die Natur intensivierte sich und erstreckte sich auch auf größere Tiere wie Riesenfaultiere.

Nachdem der Homo erectus Jahrtausende lang in Afrika geblieben war und innerhalb des afrikanischen Kontinents immer wieder umhergewandert war, begann die große Migration. Er wanderte nach Zentralasien und erreichte schließlich Indien, China und Australien. Später, vor etwa 20.000 Jahren, besiedelten seine Nachkommen, der Homo sapiens sapiens, Amerika und damit den gesamten Planeten.

Vom eingewanderten Homo erectus gelangten wir vor 100.000 Jahren zum Homo sapiens sapiens. Diese Art brachte vor 10.000 Jahren die vielleicht größte Revolution der Geschichte hervor, die einzige, die sich weltweit durchsetzte und deren Folgen bis heute fortwirken und sich vertieft haben: die neolithische Revolution. Die Menschen wurden sesshaft und gründeten Dörfer und Städte. Die bedeutendste Erfindung war die Landwirtschaft mit Bewässerung, insbesondere an den großen Flüssen Tigris, Euphrat, Nil und Indus.

Die Landwirtschaft hatte einen Ressourcenüberschuss geschaffen. Nun begann ein Prozess der Gewalt und Aggression, nicht nur gegen die Natur, wie sie es bis dahin zunehmend getan hatte, sondern auch gegen andere Menschen. Die landwirtschaftliche Produktion brachte beträchtliche Überschüsse hervor. Dies ermöglichte Kriege, da Reserven zur Versorgung der Soldaten vorhanden waren. In diesem Moment erkannte der Historiker Arnold Toynbee in seinem monumentalen Werk „A Study of History“ das Entstehen eines Phänomens, das nie von der Erde verschwunden ist: den Krieg. Der wahre „Gräuel der Verwüstung“, wie die Bibel das Ausmaß menschlicher Zerstörungswut beschreibt, begann.

Doch die systematische Gewalt gegen andere Menschen und die Natur erreichte mit der Kolonisierung und Versklavung von Personen aus Afrika, Lateinamerika und anderer Regionen Europas ein beispielloses Ausmaß. Millionen wurden geopfert. Allein in Amerika 61 Millionen innerhalb von anderthalb Jahrhunderten. Es war der größte Holocaust der Geschichte. Es gab regelrechte Völkermorde, die bis heute fortbestehen, wie beispielsweise der Völkermord im Gazastreifen an den Palästinensern. Die moderne Industrialisierung bis heute, mit ihren hochentwickelten Formen der Beherrschung von Menschen und der Zerstörung praktisch aller Ökosysteme mithilfe von KI, hat den Höhepunkt der Gewaltanwendung erreicht. Bis hin zur Entstehung des Prinzips der Selbstzerstörung durch alle Arten tödlicher Waffen.

         Wir müssen anerkennen, dass das menschliche Wohlbefinden dank moderner Wissenschaft und Technologie enorm zugenommen hat. Es hat das Leben komfortabler und länger gemacht, obwohl ein großer Teil der Menschheit von diesen Vorteilen ausgeschlossen bleibt. Zweifellos gab es Fortschritte in allen Bereichen: Gesundheit, Bildung, Mobilität und unzählige andere Erfindungen. Doch wir sollten nicht stolz sein, denn wie der französische Genetiker André Langaney (*1942) feststellte, haben Algen und Schmetterlinge mehr DNA entwickelt als wir. Regenwürmer besitzen, gemessen an der Masse, mehr Masse als die gesamte Menschheit.

Trotz dieser kulturellen Entwicklung befinden wir uns in moralischer (Lebensgestaltung) und ethischer Hinsicht (Lebensprinzipien) noch immer in der Vorgeschichte. Boshaftigkeit, Grausamkeit, bewusste Lügen und ein Mangel an Empathie begleiten uns seit jeher, wie wir auch heute noch beobachten. Die in den Epstein-Akten dokumentierten Skandale um Pädophilie und unbeschreiblichen Missbrauch junger Mädchen, in den auch Präsident Trump und andere verwickelt waren, zeugen vom Ausmaß des moralischen und ethischen Verfalls.

Wir sind die letzten Wesen mit reflexiver Intelligenz, die in den evolutionären Prozess eintreten. Wenn wir in der letzten Minute vor Mitternacht das Alter des Universums (13,7 Milliarden Jahre) auf ein Kalenderjahr reduzieren, haben wir dann noch eine Chance, das Gute über die Brutalität, die Fürsorge über die Zerstörungswut unserer Lebensweise siegen zu lassen? Ein Wahnsinniger wie Präsident Donald Trump droht, seine militärische Macht zur Unterwerfung aller Länder einzusetzen und riskiert damit die Auslöschung der Menschheit durch einen Atomkrieg. Oder wird er, der Feind des Lebens, der Repräsentant des Antichristen, durch seinen ungezügelten Zerstörungswillen die Menschheitsgeschichte beenden? Die Erde wird sich noch Jahrtausende um die Sonne drehen, aber ohne uns oder nur mit den Abermillionen von Mikroorganismen im Erdreich, die überleben werden. Unser Schicksal liegt in unseren Entscheidungen, in unseren Händen. Wie können wir uns und das Leben retten, indem wir Liebe, Fürsorge und Empathie zu den tragenden Säulen einer neuen Zivilisation machen? Ohne dies haben wir keine Zukunft.

Leonardo Boff ist Ökotheologe, Philosoph und Autor. Er schreibt unter anderem für die Zeitschrift LIBERTA des Instituto Conhecimento Liberta (ICL: https://www.revistaliberta.com.br) und veröffentlichte das Buch „Die neue Vision des Universums: Woher kommen wir?“ (Animus-Anima, Petrópolis 2025). Weitere Informationen finden Sie auf seiner Website: http://www.leonardoboff.org

La disumanità dei proprietari di schiavi ieri e oggi

Leonardo Boff*

La parola schiavo deriva dal latino slavus, un nome generico per designare gli abitanti della Slavia, una regione dei Balcani, nella Russia meridionale e sulle rive del Mar Nero, un importante fornitore di schiavi per tutto il Mediterraneo. Erano bianchi, biondi e con gli occhi azzurri. I soli ottomani di Istanbul importarono circa 2,5 milioni di questi schiavi bianchi tra 1450-1700.

Nel nostro tempo, le Americhe sono state le grandi importatrici di persone dall’Africa che furono schiavizzate. Tra 1500-1867 il numero è spaventoso: 12.521.337 persone attraversarono l’Atlantico, di cui 1.818.680 morirono durante il viaggio e furono gettate in mare. Il Brasile fu il campione della schiavitù. Da solo importò, a partire dal 1538, circa 4,9 milioni di africani ridotti in schiavitù. Dei 36 mila viaggi transatlantici, 14.910 erano destinati ai porti brasiliani.

Queste persone schiavizzate erano trattate come merce, chiamati “pezzi”. La prima cosa che faceva l’acquirente per “portarli ben addomesticati e disciplinati” era castigarli “con frustate, catene e ceppi”. Gli storici dello schiavismo hanno creato la leggenda secondo cui la schiavitù qui [in Brasile] era mite, quando in realtà fu estremamente crudele.

Farò due esempi terrificanti:

Il primo: l’olandese Dierick Ruiters, di passaggio a Rio nel 1618, racconta: “Un negro affamato rubò due pani di zucchero. Il padrone, avendolo saputo, ordinò che fosse legato a faccia in giù a una tavola e ordinò a un negro di fustigarlo con una frusta di cuoio; il suo corpo rimase con una ferita aperta dalla testa ai piedi, e le parti risparmiate dalla frusta furono lacerate con un coltello; dopo la punizione, un altro negro versò sulle sue ferite un vaso contenente aceto e sale… Ho dovuto assistere – racconta l’olandese – alla trasformazione di un uomo in carne salata; e come se non bastasse, gli versarono pece fusa sulle ferite; lo lasciarono tutta la notte, in ginocchio, legato per il collo a un ceppo, come un miserabile animale” (Cfr. L. Gomes, Slavery vol. I, 2019, p. 304). Sotto tali castighi, l’aspettativa di vita di una persona ridotta in schiavitù era nel 1872 di 18,3 anni.

L’altro, non meno orribile, proviene dall’antropologo Darcy Ribeiro, che dipinge un quadro generale della schiavitù: “Senza l’amore di nessuno, senza famiglia, senza sesso se non la masturbazione, senza alcuna possibile identificazione con nessuno – il suo controllore poteva essere un nero, i suoi compagni di sventura nemici – cencioso e sporco, brutto e puzzolente, dolorante e malaticcio, senza alcun piacere o orgoglio per il suo corpo, viveva la sua routine. Questa consisteva nel subire ogni giorno il castigo quotidiano delle frustate sciolte, affinché lavorasse con attenzione e tensione. Settimanalmente, c’era una punizione preventiva, pedagogica, per non pensare alla fuga e, quando attiravano l’attenzione, su di lui ricadeva un castigo esemplare, sotto forma di mutilazione delle dita, di foratura dei seni, di ustioni con la brace, di rottura meticolosa di tutti i denti, o delle frustate alla gogna, trecento frustate in una volta per ucciderlo o cinquanta frustate al giorno, facendolo sopravvivere. Se fuggiva e veniva catturato poteva essere marchiato a fuoco, essere bruciato vivo, lasciato giorni in agonia alla bocca della fornace, oppure, all’improvviso, gettato dentro per bruciare come un ramoscello oleoso” (Cfr. Darcy Ribeiro, O Povo Brasileiro, Compagnia Das Letras, 1995, pp. 119-120).

Il gesuita André João Antonil disse: “Per lo schiavo sono necessarie tre P, vale a dire: pau, pão e pano“. Pau (bastone) per bastonare, Pão (pane) per non farlo morire di fame e Pano (stoffa) per nascondergli le vergogne. In generale la storia dei neri schiavizzati è stata scritta dalla mano bianca.

È sempre attuale il grido lacerante di Castro Alves in “Vozes d’Africa” ​​: “Oh Dio, dove sei che non rispondi? In quale mondo, in quale stella ti nascondi/ Avvolto nei cieli? Da duemila anni ti ho inviato il mio grido/ Che invano, da allora, percorre l’infinito… / Dove sei, Signore Dio?”. Quanto fa male! Jessé de Souza, nella sua opera, ha dimostrato che quello che i proprietari di schiavi hanno fatto ai neri, la maggioranza dell’attuale classe dominante lo traduce oggi in termini di disprezzo e odio per i neri.

Parlo da teologo: misteriosamente Dio è rimasto in silenzio, proprio come è rimasto in silenzio nel campo di sterminio nazista di Auschwitz-Birkenau, cosa che ha portato Papa Benedetto XVI, mentre era là, a chiedersi: “Dov’era Dio in quei giorni? Perché Egli è rimasto in silenzio? Come ha potuto permettere tanto male?

E pensare che i principali proprietari di schiavi furono cristiani. La fede non li ha aiutati a vedere in queste persone “immagini e somiglianze di Dio”, tanto meno “figli e figlie di Dio”, nostri fratelli e sorelle. Come è stata possibile la crudeltà nelle camere di tortura dei vari dittatori militari di Brasile, Argentina, Cile, Uruguay ed El Salvador, che si definivano cristiani o cattolici? E l’ex presidente, condannato per tentato colpo di Stato, Jair Bolsonaro, ha pubblicamente difeso la tortura come mezzo per affrontare gli oppositori.

Quando la contraddizione è così grande da trascendere ogni razionalità, che incontra qui il suo limite, restiamo semplicemente in silenzio. È il mysterium iniquitatis, il mistero dell’iniquità a cui fino a oggi nessun filosofo, teologo o pensatore ha trovato una risposta. Anche Cristo sulla croce ha gridato e sentito la “morte” di Dio. Ciononostante, vale la pena scommettere che tutte le tenebre insieme non possono spegnere una piccola luce di bontà che brilla nella notte umana. È la nostra speranza contro tutta la speranza.

Leonardo Boff è un filosofo e teologo che scrive per la rivista LIBERTA della ICL (https://www.revistaliberta.com.br) e ha scritto il libro Paixão de Cristo-paixão do mundo, Vozes 2009.

(Traduzione dal portoghese di Gianni Alioti)

L’umanità ha ancora un futuro?

Leonardo Boff

È consuetudine alla fine di ogni anno fare un bilancio, una sorta di lettura cieca che cattura solo ciò che è rilevante. Ci sarebbero troppe cose da ricordare. Osserviamo solo che è in atto un lento e inarrestabile degrado del nostro modo di abitare la Terra. Il riscaldamento globale aumenta ogni anno e sta già mostrando i suoi effetti catastrofici in tutto il mondo con grandi inondazioni, tifoni e incendi fenomenali. Abbiamo assistito a una disastrosa alluvione nel Rio Grande do Sul, che ha distrutto parti di intere città, oltre a danneggiare l’agricoltura.

Si dice che siamo entrati in una nuova era geologica, l’Antropocene, ovvero che il meteorite che sta distruggendo la natura non sia altro che l’umanità stessa. Altri vanno oltre e aggiungono che siamo nell’era del Necrocene, ovvero la morte di massa (necro) di specie, nell’ordine delle 70-100 mila al anno, secondo il noto biologo Edward Wilson. Negli ultimi tempi, il numero di incendi è cresciuto così tanto in tutto il mondo che si parla già di Pirocene (pyros in greco significa fuoco), la fase più avanzata e pericolosa dell’Antropocene. A questo si aggiunge la perversa disuguaglianza sociale, poiché l’1% dei ricchi possiede più ricchezza di oltre la metà dell’umanità (4,7 miliardi), il che è un’infamia e una negazione dell’umanità.

Di fronte a un tale livello di degrado generalizzato, mai visto prima della presenza degli esseri umani nel processo evolutivo, molti, compresi grandi nomi della scienza, si chiedono se non siamo vicini alla possibile fine della specie umana. E a ragione, perché non si tratta di fantasmi ma di segnali inquietanti. Il premio Nobel per la biologia del 1974, Christian de Duve, nel suo meticoloso libro Vital Dust, life as a cosmic imperative (Basic Books 1995), afferma che al giorno d’oggi “l’evoluzione biologica marcia a un ritmo accelerato verso una grave instabilità; in un certo senso, la nostra epoca assomiglia a una di quelle importanti rotture dell’evoluzione, segnate da estinzioni di massa”. Lo scienziato Norman Myers ha calcolato che solo in Brasile, negli ultimi 35 anni, quattro specie si sono estinte ogni giorno. Théodore Monod, un qualificato naturalista, ha lasciato come testamento un testo riflessivo intitolato: “E se l’avventura umana dovesse fallire?” (2000). Egli afferma: “siamo capaci di comportamenti insensati e dementi; d’ora in poi, si può temere tutto, assolutamente tutto, compreso l’annientamento della razza umana”.

Da quando l’essere umano è emerso come homo habilis più di due milioni di anni fa, ha squilibrato il suo rapporto con la natura. Fino a quarantamila anni fa, i danni ecologici erano insignificanti. Ma da quella data in poi, iniziò un assalto sistematico alla biosfera. In poche centinaia di anni, i cacciatori estinsero i mammut, i bradipi giganti e altri mammiferi preistorici. Nell’era industriale (1850), sono stati sviluppati strumenti che hanno reso possibile il dominio/devastazione della natura. Attualmente, questo processo si è aggravato al punto che i nove elementi (planetary bounderies) che sostengono la vita stanno rapidamente collassando, rendendo di fatto impossibile la civiltà.

Siamo nell’era glaciale da 2 milioni di anni. L’attuale fase interglaciale calda è iniziata 11.400 anni fa (periodo dell’Olocene). Secondo gli schemi passati, dovremmo entrare in un nuovo periodo di raffreddamento. Tuttavia, la nostra specie ha profondamente alterato la natura dell’atmosfera. Diversi gas serra come il CO₂, il metano e altri importanti gas stanno riscaldando l’intero pianeta. Entro il 2035, non si potrebbero raggiungere i due gradi in più della temperatura, poiché ciò sarebbe disastroso per gran parte dell’umanità e per la natura. Già ora, nel 2025, abbiamo raggiunto +1,77 °C.

A questi problemi si aggiungono la mancanza di acqua potabile (solo il 3% è dolce) e la sovrappopolazione della specie umana, che ha già occupato l’83% del pianeta, depredandolo. Gli esseri umani riusciranno a vivere insieme in un’unica Casa Comune? Non siamo esseri pacifici, ma estremamente aggressivi, privi di cooperazione e cura. L’astronomo reale inglese Sir Martin Rees, nel suo libro “Final Hour: Environmental Disaster Threatens Humanity’s Future” (2005), stima che, se le cose continuano così, potremmo annientarci in questo secolo.

Nonostante questo quadro desolante alla fine del 2025, continuo a sperare che l’umanità, con la sua intelligenza, la sua ragione compassionevole e il suo senso di sopravvivenza, decida per la continuazione della vita su questo pianeta e non per il suicidio collettivo.

Certo, dobbiamo essere pazienti con l’umanità. Non è ancora pronta. Ha molto da imparare. In relazione al tempo cosmico, le rimane meno di un minuto di vita. Ma con essa, l’evoluzione ha compiuto un balzo in avanti, da incosciente si è fatta cosciente. E con la coscienza, può decidere quale destino desidera per sé stessa. Da questa prospettiva, la situazione attuale rappresenta una sfida piuttosto che un disastro, un viaggio verso un livello superiore e non un tuffo nell’autodistruzione.

Ora tocca a noi mostrare amore per la vita nella sua maestosa diversità, provare com-passione per tutti coloro che soffrono, realizzare rapidamente la necessaria giustizia sociale e amare la Grande Madre, la Terra. Le Scritture giudaico-cristiane ci incoraggiano: “Scegli la vita e vivrai” (Dt 30,28). Affrettiamoci, perché non abbiamo molto tempo da perdere.

Leonardo Boff ha scritto: Homem: satã ou anjo bom, Record 2008; Cuidar da Casa Comum:pistas para protelar o fim do mundo, Vozes 2024 (Traduzione dal portoghese di Gianni Alioti)

Befriedung als Gewalt gegen den Frieden

Leonardo Boff*

         Der brasilianische Journalist Jamil Chade hat das grundlegende Ziel von Präsident Donald Trump treffend definiert: „Er wird keine Diplomatie betreiben. Er wird mit GEWALT vorgehen, sowohl militärisch als auch wirtschaftlich und handelspolitisch. Seine Schaffung einer neuen Ordnung erfolgt nicht durch FRIEDEN, sondern durch die KAPITULATION des Gegners.“ Was wir in seinen Worten und Taten beobachten, ist genau das, was Trump in die Praxis umsetzt: die Befriedung durch Gewalt, die die Verweigerung jeglichen Friedens darstellt.

Er folgt der Tradition von Thomas Hobbes (1588–1679) in dessen Werk „Leviathan“ (1651): Frieden ist ein negativer Begriff, also die Abwesenheit von Krieg und das Gleichgewicht der Einschüchterung zwischen Staaten und Völkern. Mit Trump ist dieses Gleichgewicht zerstört; brutale Gewalt wird eingesetzt, wie in Venezuela, um die Weltherrschaft in einer multipolaren Welt zu sichern. Der Einsatz dieser Gewalt beweist den Niedergang der Vereinigten Staaten und ihre Unfähigkeit, die Welt zu beherrschen. Tatsächlich verhält sich Trump, als wäre er der Kaiser der Welt. Er maßt sich das Recht an, überall auf dem Planeten im Interesse amerikanischer Interessen zu intervenieren, sei es in Venezuela, Grönland oder Panama. Es wäre nicht verwunderlich, wenn er eines Tages in seinem wahnhaften Eifer beschließt, den Amazonas zu besetzen, wo sich alle Lebensformen vereinen und der wichtigste strategische Reichtum schlummert.

Die Geschichte der Gewalt ehrt die Menschlichkeit nicht. Albert Weber (1868–1958), Bruder des berühmten Soziologen Max Weber, bemerkte in seinem 1943 erschienenen Werk „Das Tragische und die Geschichte“, dass von den 3400 Jahren Geschichte, die sich dokumentieren lassen, 3166 Kriegsjahre waren. Die verbleibenden 234 waren gewiss keine Friedensjahre, sondern Jahre des Waffenstillstands und der Vorbereitung auf weitere Kriege.

Die Vereinigten Staaten haben in den 249 Jahren ihres Bestehens seit dem 4. Juli 1776 222 Jahre Krieg geführt. Das Land hat praktisch keinen Frieden gekannt. Derzeit ist es an mehreren Fronten engagiert, meist in Stellvertreterkriegen. An den verschiedenen Staatsstreichen, insbesondere in Lateinamerika, sind die Vereinigten Staaten über ihre Sicherheitsbehörden CIA, FBI und das Außenministerium beteiligt.

In den verschiedenen Kriegen des 20. Jahrhunderts, insbesondere im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie in anderen Kriegen in Afrika und Asien, wurden etwa 200 Millionen Menschen getötet.

Max Born, Physik-Nobelpreisträger (1954), prangerte an, dass in modernen Kriegen mehr Zivilisten als Soldaten getötet werden. Er verdeutlicht dies mit folgenden Beispielen: Im Ersten Weltkrieg waren nur 5 % der Todesopfer Zivilisten, im Zweiten Weltkrieg 50 % und in den Kriegen in Korea und Vietnam 85 %. Jüngste Daten zeigen, dass im Krieg gegen den Irak und das ehemalige Jugoslawien 98 % der Opfer Zivilisten waren. In einem Atomkrieg mit der gegenseitigen Vernichtung der Gegner könnte das Leben auf der Erde ausgelöscht werden.

Daher sehen wir uns in der gegenwärtigen Phase unter der Trump-Administration, die eindeutige Anzeichen einer psychischen Störung aufweist, mit der Bedrohung durch Massenvernichtungskriege und sogar der Dezimierung eines Großteils der Menschheit konfrontiert. Der pervertierte Verstand hat das Prinzip der Selbstzerstörung projiziert. Chemische, biologische, nukleare und kybernetische Waffen wurden entwickelt, die wiederholt und auf vielfältige Weise große Teile der Biosphäre zerstören und so die Menschheit teilweise oder vollständig von der Erde tilgen können.

Annie Jacobsen, eine auf Kernenergie und potenzielle Atomkriege spezialisierte Journalistin, präsentiert in ihrem Buch „Nuclear War, a Scenario“, das 2024 in Italien bei Panini erschien, die folgenden wahrhaft erschreckenden Daten, die sie vom Pentagon und der Atomenergiekommission zusammengetragen hat.

In den ersten Minuten würde eine thermonukleare Explosion alles in einem Radius von 160 Quadratkilometern vernichten. Wie viele Menschen würden sofort sterben? Zwischen einer und drei Millionen, je nachdem, ob die Bombe in der Luft oder am Boden explodiert, ob es regnet und ob Wind weht. Doch das wäre erst der Anfang. Die Übrigen würden langsam an den Folgen von radioaktiven Krankheiten sterben. Der Himmel würde sich grau färben, das Sonnenlicht würde kaum noch durchdringen, Pflanzen würden absterben, Photosynthese wäre unmöglich, und es käme zu massiver Zerstörung von Natur und Nutzpflanzen. Die Überlebenden würden verhungern. Weltweit gibt es mehr als 12.300 Sprengköpfe dieser Sprengkraft. Die USA und Russland haben 3.000 davon startbereit.

Angesichts dieser drohenden Tragödie bauen Millionäre und Milliardäre Bunker, ausgestattet mit allem Notwendigen zum Überleben. Logischerweise hält das alles eine Zeit lang. Dann müssen auch sie wieder an die Erdoberfläche zurückkehren und sich den tödlichen Folgen eines Atomkriegs aussetzen.

Manche Entscheidungsträger in militaristischen und nuklearen Mächten riskieren lieber ihr eigenes Leben, als ihre Macht abzugeben. Der weise Edgar Morin sagte kürzlich im Alter von 103 Jahren: „Die Tragödie ist, dass die Wahl nicht zwischen Frieden und Krieg besteht, sondern zwischen einem Frieden, der den nächsten Krieg verhindert, und einem Frieden, der die Agenda bestimmt.“ Jeffrey Sachs, ein Wirtschaftswissenschaftler der Columbia University, der Ökonomie und Ökologie miteinander verbindet und zu den wichtigsten Analysten der aktuellen Lage zählt, schrieb soeben: „Wir befinden uns in einer sehr, sehr ernsten Situation … Menschen sterben, und wir steuern auf einen Weltkrieg zu; ein Angriff auf den Iran hätte verheerende Folgen, da er im Nahen Osten, dem größten Brennpunkt der Instabilität auf dem Planeten, stattfinden würde.“

Die Tragödie dieser verheerenden Kriege stellt das menschliche Verständnis vor eine Herausforderung. Wie kann ein Wesen, das mit Vernunft und Intelligenz ausgestattet ist, der Barbarei, der Verlockung der Gewalt und den Vernichtungskriegen – ja der Vernichtung selbst – erliegen? Bedeutende Philosophen und Theologen haben sich mit dieser dramatischen Frage auseinandergesetzt, ohne dass jemand eine befriedigende Antwort gefunden hat.

Die Hoffnung bleibt, eine Hoffnung, die niemals stirbt, dass die Vernunft über die Dummheit des kollektiven Selbstmords siegen wird und dass die Entscheidung für das Leben die Besessenheit vom Tod überwinden wird.

Leonardo Boff, Veröffentlichung der Zeitschrift LIBERTA:  https://revistaliberta.com.br; Autor von: Sustentabilidade e cuidado: como assegurar o futuro da vida, Editora Conhecimento Liberta,2025; Cuidar da Casa Comum: pistas para protelar o fim do mundo, Vozes 2024.