Die Welt hat ihr Herz verloren

                                             Leonardo Boff

Verfolgt man den gegenwärtigen Lauf der Welt, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene, so sieht man einen regelrechten Tsunami von Hass, Lügen, Ausgrenzung, regelrechtem Völkermord und Massenvernichtung, wie im Gazastreifen, der uns ratlos macht. Wie weit kann das menschliche Böse gehen? Es gibt keine Grenzen für das Böse. Es kann bis zur Selbstauslöschung des Menschen gehen.

Wenn ich an unser Land Brasilien denke, die Todesfälle, die Morde an jungen Schwarzen in den Randbezirken, die Kinder, die Opfer verirrter Kugeln werden, sei es von der Polizei (die tötet) oder von kriminellen Vereinigungen, die täglichen Frauenmorde und die Hunderte von Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen, die Zerstückelung von Entführten, lassen eine ganze Stadt wie Rio de Janeiro ständig in Angst und Bedrohung leben. Sie verliert ihren ganzen Glanz. Dies geschieht in fast allen großen Städten unseres Landes, die Sérgio Buarque de Holanda als „herzlich“ bezeichnete (Raízes do Brasil, 1936). Die meisten Interpreten haben jedoch die Fußnote zu dem Begriff „herzlich“ nicht gelesen, in der er bemerkt: „Feindschaft kann ebenso herzlich sein wie Freundschaft, da beide aus dem Herzen geboren werden“ (Nr. 6). Brasilien zeigt also, vor allem unter der Regierung der Unwählbaren,Jair Bolsonaro, die Feindschaft zwischen Freunden und in den Familien, die Banalität des Fluchens, des schlechten Benehmens und der Lüge: alle sind „herzlich“, weil sie aus einem „herzlichen“ (perversen) Herzen geboren werden.

Auf internationaler Ebene ist das Szenario noch abscheulicher. Mit der uneingeschränkten und mitschuldigen Unterstützung der USA und der beschämenden Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft, die ihr Erbe der Bürgerrechte, der Demokratie und anderer zivilisatorischer Werte verraten hat, werden von der rechtsextremen Regierung Benjamin Netanjaus wahre Kriegsverbrechen an 40.000 Zivilisten und der unbestreitbare Völkermord an rund 1.300 unschuldigen Kindern im Gazastreifen verübt. Dies ist eine völlig unverhältnismäßige Vergeltungsmaßnahme für ein anderes, nicht weniger schreckliches Verbrechen der Terrorgruppe Hamas.  Netanhyau lässt solche Völkermorde zu, weil er kein Herz hat, weil er sich nicht in die Mütter und unschuldigen Opfer hineinversetzen kann. Es ist ihm egal, ob er, um einen Hisbollah-Führer zu töten, Dutzende anderer Menschen bei einem Bombenangriff opfern muss. Ähnliche Verbrechen finden in dem Krieg statt, den Russland gegen die Ukraine führt, mit Tausenden von Opfern, der Zerstörung einer uralten Schwesterkultur und unzähligen unschuldigen Opfern. Bleiben wir hier stehen auf diesem Kreuzweg der Schrecken, der mehr Stationen hat als der des kreuztragenden Gottessohnes.

Es stellt sich die Frage, wie dies am helllichten Tag geschehen kann, ohne dass eine anerkannte Autorität diese Ausrottung von Menschen und ganzen Städten stoppen könnte. Was ist die eigentliche Ursache für diese Ungerechtigkeit? Die Geschichte kennt Ausrottungen in der Vergangenheit, sogar im Namen Gottes, wie im schrecklichen Buch der Richter in der jüdisch-christlichen Bibel und in so vielen Kriegen der Vergangenheit. Israel hat mehr als 207 UN-Beamte getötet, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten und Moscheen bombardiert und 80 Prozent des Gazastreifens zerstört. Heute besteht die ernste Gefahr eines totalen Krieges zwischen den militaristischen Mächten, die um die Vorherrschaft in der Welt wetteifern, was das Prinzip unserer Selbstzerstörung verwirklichen würde.

Ich bleibe bei der Interpretation, dass all dies möglich geworden ist, weil wir das Herz, den esprit de finesse (Pascal) und die Dimension der Anima (die Sensibilität von C.G. Jung) verloren haben. Die moderne Kultur ist auf dem Willen zur Macht als Herrschaft aufgebaut, die sich der Vernunft bedient, losgelöst von Herz und Gewissen, übersetzt in Techno-Wissenschaft für unser Wohl und mehr für kriegerische Zwecke. Wie Papst Franziskus in Laudato Sì feststellte: „Die Menschen sind nicht im richtigen Gebrauch der Macht erzogen worden, … weil sie nicht in Bezug auf Verantwortung, Werte und Gewissen begleitet wurden“ (Nr. 105). Die Vernunft hat ihre Willkür in Form des Rationalismus etabliert, indem sie andere Arten, die Wirklichkeit zu erkennen und zu empfinden, erniedrigt hat. Auf diese Weise wurde das Gefühl (Pathos) unter der falschen Annahme unterdrückt, dass es die Objektivität der Analyse behindern würde. Heute ist klar, dass es keine absolute Objektivität gibt. Das Subjekt forscht mit seinen eigenen Voraussetzungen und Interessen, so dass Subjekt und Objekt immer miteinander verwoben sind.

Tatsache ist, dass die Dimension des Herzens und der Wärme verdrängt wurde. Neben dem Reptiliengehirn, das das älteste ist, ist das limbische Gehirn unsere eigentliche Basis. Es entstand bei den Paläo-Säugetieren vor 150-200 Millionen Jahren und bei den höheren Säugetieren vor 40-50 Millionen Jahren, mit denen wir eine Wohngemeinschaft teilen. Wir sind rationale Säugetiere und daher empfindungsfähige Wesen. Das limbische Gehirn ist der Sitz unserer Emotionen, sei es Hass, Wut oder andere Negativität, aber vor allem beherbergt es die Welt der Exzellenz, der Liebe, der Freundschaft, der Empathie, der Werte, der Ethik und der Spiritualität. Das neokortikale Gehirn entstand mit dem Menschen vor 7-8 Millionen Jahren und erreichte seinen Höhepunkt vor etwa 100.000 Jahren mit der Entstehung des Homo sapiens, dessen Erben wir sind. Es ist die Welt der Vernunft, der Konzepte, der Sprache und der logischen Ordnung der Dinge.

Es war also eine späte Ankunft, aber mit seiner Entwicklung begründete es das Reich der Vernunft. Aber man darf nicht vergessen, dass wir es mit einem einzigen Gehirn zu tun haben, das diese drei Dimensionen umfasst, die immer miteinander verbunden sind (in MacLeans Version des dreieinigen Gehirns: reptilisch, limbisch, Neokortex). Die übermäßige Konzentration auf die Rationalität, mit der wir die Welt, die Frauen (Patriarchat) und die Natur auf Kosten der Gefühle beherrscht haben, hat zu sozio-historischen Missverständnissen und Fehler geführt, deren schädliche Folgen wir jetzt ernten. Es ist dringend notwendig, das neokortikale Gehirn (Vernunft/Logos) mit dem limbischen Gehirn (Herz/Pathos) zu vereinen, wobei das Herz die rationalen Projekte mit Menschlichkeit und Sensibilität bereichert und umgekehrt in die Vernunft investiert, d.h. der Welt der Gefühle und des Herzens eine Richtung und ein angemessenes Maß gibt. Weil wir das Gefühl der gegenseitigen Zugehörigkeit, dass wir ausnahmslos alle Menschen sind, ertränkt haben, sind wir zu grausamen Völkermördern (gegenüber unserer Spezies) und Umweltmördern (gegenüber der Natur) geworden. Wir haben unsere Brüder und Schwestern versklavt, unterjocht und diskriminiert.

Der westliche, liberal-kapitalistische Humanismus ist bankrott, weil wir die Dimension des Herzens, des Geistes der Finesse (Pascal), der essentiellen Sensibilität (anima) nicht gerettet haben. Die so genannte „regelbasierte Ordnung“ (die sich immer nach der Bequemlichkeit der Mächtigen richtet) hat sich als Trugschluss erwiesen.

Wie eine hochrangige UN-Beamtin, Chelsea Ngnoc Minh Nguyen, warnte: „Die Gewalt und Brutalität der letzten Jahre sollte uns alle – ob im Süden oder im Norden, im Osten oder im Westen – dazu veranlassen, eine ehrliche und tiefe Selbstprüfung über die Art von Welt vorzunehmen, in der wir leben wollen“ (IHU 4/10/24). Ich sehe keine andere Alternative, als das Paradigma der Zivilisation (vom dominus zum frater) zu ändern, als einen neuen Humanismus zu gründen, der in unserer eigenen Natur wurzelt. In ihm finden wir die anthropologischen Konstanten, die unserem Menschsein innewohnen: bedingungslose Liebe, essentielle Fürsorge, Kooperation, Empathie, Mitgefühl, Anerkennung des Anderen als Mitmensch, Respekt vor der Natur und der Erde, die uns alles gibt, Verzauberung durch das Schöne und Gute und Ehrfurcht vor dem Mysterium. Diese Werte wären die Grundlage einer anderen möglichen und notwendigen Welt. Andernfalls steuern wir auf das Unvorstellbare zu.

Leonardo Boff Ökotheologe, Philosoph und Schritsteller

Übersetzung von Bettina Goldharnack

Um mundo que perdeu o coração

Leonardo Boff

Acompanhando o atual curso do mundo, seja a nível internacional, seja a nível nacional, notamos um verdadeiro tsunami de ódio,de mentiras, de exclusões,de verdadeiros genocídios e extermínios em massa como na Faixa de Gaza, que nos deixa perplexos. Até onde pode chegar a maldade humana? Não há  limites para o mal. Ele pode chegar até ao auto extermínio dos seres humanos.

Pensando em nosso país, as mortes, os assassinatos de jovens negros nas comunidades periféricas, as crianças vítimas de balas perdidas seja da polícia (que mata) seja de facções criminosas, os diários feminicídios e as centenas de estupros de meninas e de mulheres, o esquartejamento de sequestrados, deixam uma cidade inteira como o Rio de Janeiro continuamente sob  medo e  ameaças. Está perdendo todo o seu glamour. Assim sucede em quase todas as grandes cidades de nosso país, tido por Sérgio Buarque de Holanda como “cordial” (Raízes do Brasil,1936). Entretanto, a maioria  dos intérpretes não leu o rodapé  ao termo “cordial” onde ele observa:”a inimizade pode ser tão cordial como a amizade,nisso que uma e outra nascem do coração”(n.6). Portanto, o brasileiro está mostrando, especialmente, sob o governo do Inelegível, a inimizade entre amigos e nas famílias, a banalidade do palavrão, dos maus costumes e da mentira: tudo sendo “cordial” por nascer de um coração “cordial”(perverso).

Ao nível internacional o cenário se revela ainda mais atroz. Com o apoio irrestrito e cúmplice dos USA e  vergonhoso da Comunidade Europeia que traiu seu legado dos direitos do cidadão, da democracia e de outros valores civilizacionais, estão se perpetrando verdadeiros crimes de guerra contra 40 mil civis e inegáveis genocídios de  cerca de 13800 crianças inocentes na Faixa de Gaza, todos pelo governo de extrema direita de Benjamin Netanhyau. Trata-se de uma retaliação totalmente desproporcional a um outro crime, não  menos horrendo do grupo terrorista Hamas.  Netanhyau permite tais genocídios porque não tem coração, não se coloca no lugar das mães e das vítimas inocentes. Não lhe importa se para matar um líder do Hezbollah tenha que, num bombardeio, vitimar dezenas de outras pessoas. O ódio o tornou cruel e sem piedade.Crimes semelhantes estão ocorrendo na guerra que a Rússia move contra a Ucrânia com milhares de vítimas, com a destruição de uma antiga cultura-irmã e com incontáveis vítimas inocentes. Paremos por aqui nessa via-sacra de horrores que tem mais estações do que aquela do Filho de Deus carregando sua cruz.

A pergunta é como isso ocorre à luz do dia sem que haja uma autoridade reconhecida que pudesse parar esse extermínio? Qual a raiz subjacente a esta iniquidade? A história no passado conheceu extermínios, até feitos em nome de Deus como no terrível livro dos Juízes da Bíblia judaico-cristã e em tantas guerras de outrora. Mas nós as excedemos em crueldade em todos os níveis.Israel matou mais de 207 funcionários da ONU, bombardeou hospitais, escolas, universidades, mesquitas e destruiu 80% de Gaza.Hoje corremos o sério risco de uma guerra total entre as potências militaristas em disputa pela hegemonia do mundo, o que realizaria o princípio de nossa autodestruição.

Sustendo a interpretação de que tudo isso se tornou possível porque perdemos o coração, o esprit de finesse (de Pascal) e a dimensão da anima  (a sensibilidade,de C.G.Jung). A cultura moderna se construiu sobre a vontade de poder como dominação, usando a razão, desgarrada do coração e da consciência, traduzida em tecno-ciência para o nosso bem e mais para fins bélicos. Como notava o Papa Francisco na Laudato Sì:”o ser humano não foi educado para o reto uso do poder…porque não foi acompanhado quanto à responsabilidade, aos valores e à consciência”(n.105). A razão estabeleceu seu despotismo na forma de racionalismo, rebaixando outras formas de conhecer e de sentir a realidade. Assim o sentimento (pathos) foi recalcado no falso pressuposto de que atrapalharia a objetividade da análise. Hoje é evidente que não há objetividade absoluta. O sujeito pesquisa com seus pressupostos e com seus interesses de forma que sujeito-objeto estão sempre imbricados.

O fato é que a dimensão do coração e da cordialidade foi reprimida. Abstraindo do cérebro reptiliano que é o mais antigo, o cérebro límbico constitui a nossa real base fundamental. Ele surgiu com os páleo-mamíferos entre 150-200 milhões de anos atrás e nos mamíferos superiores há 40-50 milhões de anos com os quais temos o condomínio.Somos mamíferos racionais, portanto,seres de sentimento.O celebro límbico é a sede de nossas emoções, seja de odio, de ira e outras negatividades, mas principalmente nele se alberga o mundo das excelências, do amor, da amizade, da empatia, dos valores, da ética e da espiritualidade. O cérebro neo-cortical irrompeu com o ser humano há 7-8 milhões de anos e culminou há cerca de 100 mil anos com o surgimento do homo sapiens do qual somos herdeiros. É o mundo da razão, dos conceitos, da linguagem, na ordenação lógica das coisas.

Portanto, ele compareceu tardiamente.Mas com seu desenvolvimento, fundou o reino da razão. Mas importa não esquecer que se trata de um único cérebro que envolve estas três dimensões sempre relacionadas (na versão do cérebro triuno de MacLean: reptíliano,límbico,neo-cortex). A concentração excessiva na racionalidade com a qual dominamos o mundo, a mulher (patriarcado) e a natureza à custa do sentimento, causou os desacertos sociohistóricos, cujas consequências nefastas estamos colhendo. É urgente unir o cérebro neo-cortical (razão/logos) com o límbico (coração/phatos), o coração enriquecendo os projetos racionais com humanidade e sensibilidade; inversamente investir razão,vale dizer, conferir  direção e justa medida ao mundo dos sentimentos e do coração. Só assim encontraremos o equilíbrio necessário.Porque afogamos o sentimento de mútua pertença, de que todos, sem exceção, somos humanos, nos transformamos em cruéis genocidas (face à nossa espécie) e ecocidas (face à natureza).Temos escravizado,submetido e discriminado nossos irmãos e irmãs.

Pelo fato de não termos resgatado a dimensão do coração, do espírito de finura (Pascal), da sensibilidade essencial (anima) entrou em falência o humanismo ocidental, liberal-capitalista. A assim chamada “ordem baseada em regras”(que sempre mudam conforme as conveniências dos poderosos) se mostrou uma falácia.

Como advertiu uma alta funcionária de organismos da ONU,Chelsea Ngnoc Minh Nguyen:”A violência e a brutalidade dos últimos  anos devem nos impulsionar a todos – seja no Sul ou no Norte, no Oriente ou no Ocidente – a realizar uma introspecção honesta e profunda sobre o tipo de mundo em que queremos viver”(IHU 4/10/24).Não vejo outra alternativa, além de devermos mudar de paradigma civilizacional (do domus/senhor para o frater/irmão e irmãs) senão fundarmos um novo humanismo,enraizado em nossa própria natureza. Nela encontramos as constantes antropológicas, intrínsecas à nossa humanidade: o amor incondicional, o cuidado essencial, a cooperação, a empatia, a compaixão, o reconhecimento do outro, como nosso semelhante, o respeito à natureza e à Terra que tudo nos dão,o encantamento face ao belo e bom e a reverência face ao Mistério.Tais valores seriam o fundamento de um outro mundo possível e necessário.Caso contrário, vamos ao encontro do inimaginável.

Il rischio di una guerra nucleare e di un cielo bianco

Leonardo Boff

In dichiarazioni recenti, Putin riferendosi alla guerra che sta conducendo contro l’Ucraina, la quale si difende con armi sempre più potenti provenienti dagli USA e dai paesi NATO, ha dichiarato: “se ci sarà un pericolo esistenziale per il mio paese, utilizzerò armi nucleari”.

Certamente non saranno quelle strategiche con un devastante potere di distruzione. Provocherebbero una ritorsione degli USA con lo stesso tipo di armi. Ciò, probabilmente, liquiderebbe gran parte della vita umana e della biosfera.

Ma Putin utilizzerebbe le [armi nucleari] tattiche più limitate, ma lo stesso con effetti altamente distruttivi. La minaccia non sembra essere un bluff, ma una decisione presa dall’intero organismo di difesa della Confederazione russa. Ha detto bene il segretario generale dell’ONU António Guterrez, aprendo i lavori a settembre: “Ci stiamo avvicinando all’inimmaginabile: una polveriera che corre il rischio di travolgere il mondo”. Se ciò dovesse accadere, si correrebbe il grave rischio di un’escalation pericolosissima per il nostro futuro.

Alla fine, potrebbe verificarsi un inverno nucleare in cui il cielo diventerà bianco (nell’espressione di Elizabeth Kolbert: The White Sky: The Nature of Our Future, 2020) a causa delle particelle radioattive. Gli alberi riuscirebbero a malapena a svolgere la fotosintesi, garantendoci sufficiente ossigeno e la produzione di alimenti sarebbe fortemente compromessa. Una simile catastrofe metterebbe a rischio la vita umana e la biosfera.

L’argomento è troppo minaccioso per non dargli importanza. Toby Ord, un filosofo australiano che insegna a Oxford, ha scritto un libro minuzioso sui rischi attuali: Precipice: Existential Risk and the Future of Humanity (2020). Questo non è né allarmismo né catastrofismo. Ma dobbiamo essere realistici fiduciosi ed eticamente responsabili. Abbiamo già l’esperienza di quello che è stato il più grande atto terroristico della storia, quando gli Stati Uniti sotto Truman lanciarono due semplici bombe nucleari su Hiroshima e Nagasaki che decimarono duecentomila persone in pochi minuti.

Successivamente abbiamo creato armi molto più devastanti e persino il principio di autodistruzione come lo definì il compianto ed eminente cosmologo Carl Sagan. Papa Francesco, nel suo discorso alle Nazioni Unite del 25 settembre 2020, ha messo in guardia per due volte dall’eventuale scomparsa della vita umana come conseguenza dell’irresponsabilità nei nostri rapporti con la Madre Terra e dello sfruttamento eccessivo della natura. Nell’enciclica Fratelli tutti (2020), afferma con severità: «siamo tutti sulla stessa barca, o ci salviamo tutti o non si salva nessuno» (n.32).

Il premio Nobel, Christian de Duve, nella sua famosa Poeira Vital (1997) attesta che “in un certo senso, il nostro tempo ricorda una di quelle importanti rotture dell’evoluzione, segnate da estinzioni di massa” (p.355). Anticamente erano le meteore radenti a minacciare la Terra; oggi la meteora radente si chiama essere umano, dando origine ad una nuova era geologica, l’antropocene e nella sua fase più acuta, l’attuale pirocene (i grandi incendi).

Théodore Monod, forse l’ultimo grande naturalista moderno, ha lasciato come testamento un testo di riflessione dal titolo: E se a aventura humana vier a falhar (2000)? . Afferma: “siamo capaci di una condotta insensata e demente; d’ora in poi si potrà temere tutto, tutto, compreso l’annientamento del genere umano” (p. 246). E aggiunge: “sarebbe il giusto prezzo per la nostra follia e le nostre crudeltà” (p.248).

Se prendiamo sul serio il dramma mondiale, sanitario e sociale e il crescente riscaldamento, nell’era del pirocene, questo scenario di orrore non è impensabile.

Edward Wilson, grande biologo, attesta nel suo stimolante libro The Future of Life (2002): “L’uomo fino ad oggi ha svolto il ruolo di assassino planetario… l’etica della conservazione, sotto forma di tabù, totemismo o scienza, quasi sempre è arrivata troppo tardi (121).

Vale la pena citare anche un nome di tutto rispetto, James Lovelock, il formulatore dell’ipotesi/teoria della Terra come Super-organismo vivente, Gaia, con un titolo che dice tutto: Gaia’s Revenge (2006). Durante la sua visita in Brasile, ha dichiarato alla rivista Veja: “entro la fine del secolo, l80% della popolazione umana scomparirà. Il restante 20% vivrà nell’Artico e in alcune oasi di altri continenti, dove le temperature saranno più basse e ci sarà un poco di pioggia…quasi tutto il territorio brasiliano sarà troppo caldo e secco per essere abitato” (Paginas Amarelas del 25 ottobre 2006).

Ha ben valutato, consapevole del rischio planetario, il più grande pensatore del XX secolo, Martin Heidegger, in un testo pubblicato 15 anni dopo la sua morte: “Solo un Dio può salvarci” (Nur noch ein Gott kann uns retten).

Non basta aspettare Dio, perché Egli non è un tappa-buchi di fronte all’irresponsabilità umana, ma piuttosto prendersi cura dell’essere umano impazzito, porre limiti a una ragione divenuta irrazionale al punto da forgiare mezzi per autodistruggersi. Confidiamo che, di fronte a questa catastrofe, ci sia un minimo di saggezza e moderazione tra quanti prendono le decisioni.

Dopo che abbiamo ucciso il Figlio di Dio che si è fatto uomo, nulla è impossibile. Ma Dio, non i detentori di armi di distruzione di massa è il signore della storia e del destino umano. Egli dalle rovine può creare un nuovo cielo e una nuova Terra, abitati da esseri umani trasfigurati, che si prendono cura e siano amici di tutta la vita. È la nostra fede e speranza.

Leonardo Boff ha scritto Terra madura: uma ética da vida, Planeta 2023; Cuidar da Casa Comum: pistas para protelar o fim do mundo, Vozes 2024

(Traduzione dal portoghese di Gianni Alioti)

Das Risiko eines Atomkriegs und eines weißen Himmels

Leonardo Boff                               
In jüngsten Äußerungen erklärte Putin mit Blick auf den Krieg, den er gegen die Ukraine führt, die sich mit immer stärkeren Waffen der USA und der NATO verteidigt: „Wenn eine existenzielle Gefahr für mein Land besteht, werde ich Atomwaffen einsetzen“.

Es werden sicherlich nicht die strategischen Waffen mit verheerender Zerstörungskraft sein – sie würden die USA zu einem Vergeltungsschlag mit der gleichen Art von Waffen provozieren. Dies würde wahrscheinlich einen großen Teil des menschlichen Lebens und der Biosphäre auslöschen.

Aber Putin würde eine begrenztere Taktik anwenden, aber auch mit sehr zerstörerischer Wirkung. Die Drohung scheint kein Bluff zu sein, sondern eine Entscheidung des gesamten Verteidigungskorps der Russischen Föderation. UN-Generalsekretär António Guterrez sagte dies bei der Eröffnung der Beratungen im September: „Wir nähern uns dem Unvorstellbaren – einem Pulverfass, das die Welt zu verschlingen droht.“ Wenn dies geschieht, besteht die ernste Gefahr einer äußerst gefährlichen Eskalation für unsere Zukunft.

Letztendlich könnte es zu einem nuklearen Winter kommen, bei dem sich der Himmel aufgrund der radioaktiven Partikel weiß färbt (in den Worten von Elizabeth Kolbert: The White Sky: The Nature of Our Future, 2020). Die Bäume wären kaum noch in der Lage, Photosynthese zu betreiben, um die Versorgung mit Sauerstoff zu gewährleisten, und die Nahrungsmittelproduktion wäre stark beeinträchtigt. Eine solche Katastrophe würde das menschliche Leben und die Biosphäre gefährden.

Das Thema ist zu bedrohlich, um es zu ignorieren. Toby Ord, ein australischer Philosoph, der in Oxford lehrt, hat ein ausführliches Buch über die gegenwärtigen Risiken geschrieben: Precipice: Existential Risk and the Future of Humanity (2020). Dies ist kein Alarmismus oder Katastrophismus, aber wir müssen realistisch, hoffnungsvoll und ethisch verantwortungsbewusst sein. Wir haben bereits die Erfahrung des größten terroristischen Akts der Geschichte gemacht, als die USA unter Truman zwei einfache Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen, die innerhalb von Minuten zweihunderttausend Menschen auslöschten.

Dann schufen wir noch viel verheerendere Waffen und das Prinzip der Selbstzerstörung, wie es der verstorbene bedeutende Kosmologe Carl Sagan nannte. Papst Franziskus hat in seiner Rede vor der UNO am 25. September 2020 zweimal vor dem endgültigen Verschwinden des menschlichen Lebens als Folge unseres unverantwortlichen Umgangs mit Mutter Erde und der übermäßig ausgebeuteten Natur gewarnt. In seiner Enzyklika Fratelli tutti (2020) erklärt er mit Nachdruck: „Wir sitzen alle im selben Boot, entweder wir retten uns alle, oder niemand wird gerettet (Nr. 32).

Der Nobelpreisträger Christian de Duve stellt in seinem Buch Vital Dust (1997) fest, dass „unsere Zeit in gewisser Weise an einen jener wichtigen Brüche in der Evolution erinnert, die durch Massenaussterben signalisiert werden“ (S. 355). Früher waren es Meteoriten, die die Erde bedrohten, heute ist es der Mensch, der ein neues geologisches Zeitalter, das Anthropozän, und in seiner akutesten Phase das gegenwärtige Pyrozän (die großen Brände) einläutet.

Théodore Monod, der vielleicht letzte große moderne Naturforscher, hinterließ einen nachdenklich stimmenden Text mit dem Titel: Was wäre, wenn das Abenteuer Mensch scheitern würde? (2000) Er sagt: „Wir sind zu törichten und wahnsinnigen Verhaltensweisen fähig; von nun an können wir alles fürchten, alles, einschließlich der Vernichtung der menschlichen Ethnie“ (S. 246). Und er fügt hinzu: „Das wäre der gerechte Preis für unsere Torheiten und unsere Grausamkeiten“ (S. 248).

Nimmt man das globale Gesundheits- und Sozialdrama und die zunehmende Erwärmung im Zeitalter des Pyrozäns ernst, ist dieses Horrorszenario nicht unvorstellbar.

Edward Wilson, ein großer Biologe, stellt in seinem zum Nachdenken anregenden Buch Die Zukunft des Lebens (2002) fest: „Der Mensch hat bisher die Rolle des Planetenkillers gespielt… die Ethik der Erhaltung, in Form von Tabu, Totemismus oder Wissenschaft, kam fast immer zu spät (121).

Erwähnenswert ist auch ein sehr angesehener Name, nämlich James Lovelock, der die Hypothese/Theorie von der Erde als einem lebenden Superorganismus, Gaia, formuliert hat, mit einem Titel, der alles sagt: Gaia‘s Revenge (2006). Bei seinem Besuch in Brasilien sagte er gegenüber Veja: „Bis zum Ende des Jahrhunderts werden 80 Prozent der menschlichen Bevölkerung verschwunden sein. Die verbleibenden 20 % werden in der Arktis und in einigen Oasen auf anderen Kontinenten leben, wo die Temperaturen niedriger sind und es ein wenig regnet… fast ganz Brasilien wird zu heiß und trocken sein, um bewohnt zu werden“ (Paginas Amarelas, 25. Oktober 2006).

Der größte Denker des 20. Jahrhunderts, Martin Heidegger, hat in einem Text, der 15 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurde, im Bewusstsein der planetarischen Gefahr darüber nachgedacht: „Nur noch ein Gott kann uns retten“.

Es reicht nicht aus, auf Gott zu hoffen, denn er ist kein Lückenbüßer für die menschliche Verantwortungslosigkeit, sondern er muss sich um den verrückt gewordenen Menschen kümmern, einer Vernunft Grenzen setzen, die so irrational geworden ist, dass sie Wege findet, sich selbst zu zerstören. Wir vertrauen darauf, dass die Entscheidungsträger angesichts dieser Katastrophe ein Mindestmaß an Weisheit und Zurückhaltung an den Tag legen werden.

Wenn wir den menschgewordenen Gottessohn getötet haben, ist nichts mehr unmöglich. Aber Gott, nicht die Träger von Massenvernichtungswaffen, ist der Herr der Geschichte und des menschlichen Schicksals. Er kann aus den Trümmern einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, die von verklärten Menschen bewohnt werden, die Hüter und Freunde allen Lebens sind. Das ist unser Glaube und unsere Hoffnung.

Leonardo Boff ¨0kotheologe,Philosoph und Schrifsteller, Petrópolis, Rio, Brasilien

Übersetzung von Bettina Goldhartnack