Die Auferstehung inmitten eines verlängerten Karfreitags

Leonardo Boff

Nicht einmal die größten Optimisten können leugnen, dass wir in düsteren und bedrohlichen Zeiten leben. Wir befinden uns in einer Welt ohne Regeln, inmitten des Chaos, ohne die Gewissheit, dass dieses Chaos nicht nur zerstörerisch, sondern auch schöpferisch sein kann. Wir stehen unter der Herrschaft des zerstörerischen Chaos. Es gibt etwa 18 Kriegsgebiete, zahlreiche Völkermorde und die Drohung mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Vielleicht finden diese Angriffe nicht einmal auf der Erde statt, sondern im Weltraum, wo Hunderte von Satelliten kreisen, von denen einige tödliche Waffen tragen. Hinzu kommt die Bedrohung durch einen globalen Cyber-Shutdown, orchestriert von einer der Kriegsmächte. Alles könnte zum Erliegen kommen: Handys, Flugzeuge, Autos, die Strom- und Kommunikationssysteme. Wir alle würden in die Knie gehen und unsere Niederlage eingestehen.

Wir sind etwa vier bis fünf Personen ausgeliefert, die in einem Anfall von Wahnsinn oder unter existenzieller Bedrohung – wie im Fall des amtierenden US-Präsidenten – einen Atomkrieg mit strategischen (nicht taktischen) Atomwaffen entfesseln könnten, der einen nuklearen Winter zur Folge hätte. Die Partikeldichte in der Atmosphäre wäre so hoch, dass kein Sonnenlicht mehr eindringen könnte. Die verheerenden Folgen für Menschheit und Natur (Pflanzen würden keinen Sauerstoff mehr produzieren) wären unvorstellbar und grenzten an das Aussterben der Menschheit.

Wir fragen uns: Wie können wir in diesem Kontext Ostern und das Fest der Auferstehung feiern? Die meisten Menschen sind sich dieser Bedrohungen nicht bewusst, sei es, weil die Medien der hegemonialen Länder des herrschenden Systems Informationen verweigern oder weil sie es nicht wissen oder es ihnen gleichgültig ist. Wie dem auch sei, mit oder ohne Bedrohungen muss das Leben seinen gewohnten Gang gehen und die Arbeit erfüllen, die den Menschen Nahrung sichert. Es geht darum, ohne Verzweiflung zu leben.

Zunächst müssen wir klären, was unter Auferstehung zu verstehen ist. Wir dürfen sie nicht mit der Wiederbelebung eines Leichnams verwechseln, wie es bei Lazarus geschah (Johannes 11,1–44; dem Sohn der Witwe von Nain, Lukas 7,15; der Tochter des Jairus, Lukas 8,41). Sie kehrten in ihr früheres sterbliches Leben zurück und starben schließlich. Auferstehung bedeutet etwas anderes: eine radikale Transformation der historischen Existenz Jesu von Nazareth, des Gekreuzigten, Toten und Begrabenen. Vielleicht hat der heilige Paulus am besten ausgedrückt, was Auferstehung bedeutet: das Hervortreten des „neuesten Adam“ (1. Korinther 15,45). „Neuester Adam“ bedeutet, dass in diesem Gekreuzigten, in Erwartung des neuen Menschen, die Zukunft des Lebens offenbart wurde: die vollständige Entfaltung der in jedem Menschen schlummernden Möglichkeiten, sodass er als „der neue Mensch in der Fülle seiner Menschlichkeit“ gelten kann. Dieses neue Wesen nimmt die Gestalt von Gottes eigener Existenz an: Allgegenwart, Befreiung von den Fesseln der Raumzeit, mit einer Art unsterblichem und ewigem Leben, niemals vom Tod bedroht. Es ist reines Leben in seinem höchsten Ausdruck, im Ebenbild des lebendigen Gottes.

Moses starb, Jesaja starb, Sokrates starb, Buddha starb, Zarathustra starb, Konfuzius starb, Laotse starb, Zhuangzu starb. Jesus ist auferstanden und lebt unter uns als der kosmische Christus, gegenwärtig in allen Bereichen des Himmels und auf Erden. Von Moses stammen die Zehn Gebote, von Buddha die fünf Tugenden, von Konfuzius die Tugenden des guten Dieners und so weiter. Wir denken weniger an die Personen selbst und mehr an die Lehren, die sie hinterlassen haben und die ihre Anhänger vermenschlichen. Bei Jesus denken wir an die Person, die auferstanden ist und unter uns lebt. Wichtiger als die Texte des Neuen Testaments, die 30–40 Jahre nach seiner Kreuzigung und Auferstehung gesammelt wurden (und das Neue Testament bilden), ist die Person Jesu, die zählt und mit der wir in Gemeinschaft treten wie mit einem lebendigen und gegenwärtigen Wesen. Wir haben Anteil an der Ganzheit Jesu (im Hebräischen: Leib und Blut) durch die Eucharistie. Und wir verinnerlichen seine kosmische Gegenwart in allen Dingen.

Dies ist die grundlegende Wahrheit des Christentums: die Auferstehung der Gekreuzigten. Viele wurden in der Geschichte gekreuzigt. Doch mit Jesus geschah etwas Unerhörtes, das Teilhard de Chardin, ein Paläontologe, der Evolution und Glauben miteinander zu verbinden wusste, als ein „gewaltiges“ kosmisches Phänomen bezeichnete. Andere sehen in der Auferstehung eine Revolution innerhalb der Evolution: das ersehnte, abenteuerliche und seligmachende Hervortreten des Guten für die Menschheit und das Universum, dessen Teil sie ist.

Niemand bezeugt die Auferstehung besser als der Apostel Paulus, der sagt: „Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist unsere Predigt nutzlos, und euer Glaube ist es auch. Wir würden dann zu Lügnern werden… Aber Christus ist tatsächlich von den Toten auferstanden als Erstling der Entschlafenen… In Christus werden alle lebendig gemacht werden“ (1. Korinther 15,13-15.20.22).

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein persönliches Zeugnis geben. Als ich 1976 die heiligen Stätten in Palästina besuchte, geschah etwas Merkwürdiges. Wir wissen, dass diese Orte stets von Menschen aus aller Welt besucht werden, die diese heiligen Stätten aufsuchen. Niemand ist dort jemals allein. Ich aber war 18 Minuten lang allein in der Grabeskirche, dem Ort der Auferstehung. Für mich war dies eine Belohnung dafür, dass ich fast tausend Seiten über Jesus und ein ganzes Buch über „Die Auferstehung, Christus und unseren Tod“ (Vozes) geschrieben hatte. In meinen Schriften kehre ich immer wieder zum Thema der Auferstehung zurück. Sie ist es, was das Christentum zu bieten hat, mehr als die wunderbaren Lehren des Meisters.

So dramatisch die gegenwärtige Lage der Menschheit auch erscheinen mag – sie hat sich selbst die Werkzeuge der Selbstzerstörung geschaffen –, dürfen wir nicht in Trauer verharren. Nachdem Christus auferstanden ist und uns unsere gute und gesegnete Zukunft gezeigt hat, können wir immer noch lächeln, spielen und tanzen, wie die kleinen Kinder im Gazastreifen, die dem Völkermord entkommen sind.

Das diesjährige Osterfest der Auferstehung schenkt uns eine bescheidene Freude und Zuversicht. Die letzte Seite unserer Geschichte wird nicht vom Tod geschrieben, sondern von der Auferstehung des Lebens – bis zu jenem Moment, in dem unser auferstandener Bruder Jesus auch uns in sein Ebenbild verwandeln wird.

Leonardo Boff, Theologe und Philosoph, schreibt für die Zeitschrift des ICL LIBERTA (https:// www.revistaliberta.com.br); er verfasste außerdem „Die Auferstehung Christi und unsere eigene im Tod“, Vozes 1972, zahlreiche Auflagen: „Das Evangelium des kosmischen Christus“, Record 1972, mehrere Auflagen (https://www.leonardoboff.org)

Deutsche Übersetzung von Bettina Gold-Hartnack

Wir fürchten die dunkle Nacht unserer Zeit nicht,denn wir lieben die Sterne

                             Leonardo Boff

Es gibt derzeit viele, die die Hoffnung verloren haben, dass wir angesichts der düsteren aktuellen Lage noch eine Zukunft haben. Es gibt zu viel Böses, Völkermord unter aller Augen und schamlos begangen von denen, die ihn verüben – Israel und die Vereinigten Staaten von Amerika –, die zudem noch skandalöserweise von einigen europäischen Ländern unterstützt werden, insbesondere von Deutschland, das den Holocaust der Nazis vergessen hat.

 Entsetzt müssen wir mitansehen, wie eine große Nation – jene, die über die meisten Mittel zur Massenvernichtung und sogar zur Auslöschung des Lebens auf der Erde verfügt, nämlich Russland –, eine Nachbarnation mit großen kulturellen Traditionen und den berühmten, weisen rabbinischen Erzählungen, nämlich die Ukraine, dem Erdboden gleichmacht. Schrecklich ist der Krieg der USA und Israels gegen den Iran, der eine der ältesten Zivilisationen zerstört, mit einer Grausamkeit, die ihre Ziele nicht wählt – alles wird angegriffen, einschließlich Mädchenschulen.

Hinzu kommt die absurde Anhäufung von Vermögen in den Händen einiger weniger, denn acht Personen besitzen einzeln so viel Reichtum wie 4,7 Milliarden Menschen zusammen. Bei diesen ist keinerlei menschliches Mitgefühl gegenüber ihren Mitmenschen zu erkennen; sie behandeln diese wie wirtschaftliche Nullen, die entbehrlich sind und als Untermenschen betrachtet werden: die Millionen, die in den Vororten der Großstädte des Globalen Nordens leben (allein in den USA leben 30 Millionen Arme) und zu Millionen die Metropolen des Globalen Südens bevölkern.

Ich verzichte darauf, auf die gravierende Bedrohung durch die Überlastung der Erde einzugehen, die mit strengen Grenzen für die Produktion lebensnotwendiger Güter und Dienstleistungen einhergeht (wir benötigen bereits heute 1,7 Erden). Auch nicht von der zunehmenden globalen Erwärmung des Planeten Erde, die, wenn sie bis 2030–2035 nicht auf maximal 1,5 °C gegenüber dem Industriezeitalter (1850–1900) begrenzt wird, eine unaufhaltsame Dezimierung von Leben in der Natur und der Menschheit verursachen wird.

Wie kann man angesichts eines Dramas dieser Größenordnung noch Hoffnung haben? Wir verstehen die Bedenken der Weltpolitikexperten, die sagen: Es ist nicht ausgeschlossen, dass nun wir an der Reihe sind, aus dem Evolutionsprozess zu verschwinden, so wie bereits Hunderte und Aberhunderte von Arten verschwunden sind, nachdem sie Millionen von Jahren auf der Erde gelebt hatten.

Deshalb bin ich pessimistisch, denn die Realität ist pessimistisch Dennoch bezeichne ich mich als hoffnungsvollen Pessimisten. Hoffnungsvoll, weil wir, wenn wir die Erde sind, die fühlt, denkt, liebt und verehrt, die Widerstandsfähigkeit besitzen, die sie in den 15 Massenaussterben ihrer 4,5 Milliarden Jahre währenden Geschichte gezeigt hat. Das Leben ist nie untergegangen. Nach jedem Massenaussterben, wie zahlreiche Biohistoriker bezeugen, hat die Erde, beispielsweise Christian de Duve (Kosmischer Staub: Leben als kosmische Notwendigkeit, 1995), gleichsam zur Rache eine größere Artenvielfalt hervorgebracht als die, die verloren gegangen war.

Wie der deutsche Dichter Friedrich Hölderlin sagte: „Wo Gefahr ist, wächst auch das, was rettet.“ Unsere Gefahr ist unbestreitbar. Doch da der Mensch ein unendliches Geschöpf ist, ausgestattet mit tausend Möglichkeiten, wird er selbst angesichts größter Gefahr Wege zur Rettung finden.

Es ist bekannt, dass die Geschichte des Lebens nicht linear verläuft. Sie macht Sprünge. Das Unwahrscheinliche kann wahrscheinlich werden. Und das Unerwartete kann geschehen. Es war sicherlich unwahrscheinlich, dass ein Schwarzer, Barack Obama, angesichts der Diskriminierung, die er stets durch weiße Rassisten erlitten hatte, Präsident der USA werden würde. Und er wurde es. Wer hätte sich vorstellen können, dass in einer sexistischen Gesellschaft wie Brasilien eine Frau, Dilma Rousseff, Präsidentin Brasiliens werden würde? Und sie wurde es.

Ich bin überzeugt, wie auch der Paläontologe und Mystiker Pierre Teilhard de Chardin, dass die Menschheit in einem kritischen Moment ihrer Geschichte, insbesondere im Bewusstsein ihrer möglichen Selbstzerstörung, zur Besinnung kommen und ihren Platz im Ganzen des Seins sowie ihre Verantwortung für die Zukunft des Lebens erkennen würde. Sie würde einen Quantensprung in ihrem Bewusstsein vollziehen und einen anderen Weg für ihre Geschichte einschlagen. Sie würde zum Hüter und Bewahrer des heiligen Erbes werden, das sie geerbt hat: die Erde und all ihre Ökosysteme mit ihren Bewohnern. Sie würde erkennen, dass sie untrennbar mit der Natur verbunden ist, vereint mit ihren Brüdern und Schwestern in ihr. Sie würde das gemeinsame Haus lieben und schmücken, in dem alle, mit ihren Unterschieden, aber in tiefer Einheit ihren Platz finden würden.

Dies liegt im Bereich menschlicher Fähigkeiten. Von Natur aus sind wir kooperative und einfühlsame Wesen, die sich besonders um die Schwächsten kümmern. Tief in unserem Inneren sind wir, wie die moderne Wissenschaft objektiv belegt, spirituelle Wesen, die fähig sind, jene Hintergrundenergie (das Wesen, aus dem alles Leben entsteht) zu erkennen, die alles durchdringt und erhält. James Watson bewies, dass die Liebe, die größte Kraft im Universum, in unserer DNA verankert ist (DNA: Das Geheimnis des Lebens, 2005). Trotz all dieser positiven Aspekte liegt noch ein schmerzhafter Weg vor uns, bis wir ein liebevolles und geschwisterliches Zusammenleben erreichen.

Wir stehen nicht vor einer vorhergesagten Tragödie, sondern vor dem Kern einer fundamentalen Krise, die uns läutern und reinigen wird und uns einen großen Schritt nach vorn ermöglicht, um gemeinsam eine nachhaltige Welt zu gestalten. Es liegt an uns, zu verhindern, dass die gegenwärtigen Krisen zu Tragödien werden.

Deshalb fürchten wir die dunkle Nacht unserer Zeit nicht, denn wir lieben die Sterne, unsere Schwestern. Wir erwarten die kommende Morgendämmerung.

Leonardo Boff schreibt für das LIBERTA-Magazin der ICL (https://www.revistaliberta.com.br); außerdem schrieb er „The Painful Birth of Mother Earth“, Vozes 2021 (https://www.leonardoboff.org).

Não tememos a noite sombria porque amamos as estrelas

Leonardo Boff

São muitos atualmente que perderam a esperança de que, no quadro atual sinistro, tenhamos ainda algum futuro. Há demasiada maldade, genocídio a céu aberto e vergonhosamente feito por aqueles que o praticam, Israel e os Estados Unidos da América, ainda escandalosamente apoiados por alguns  países europeus, nomeadamente pela Alemanha, esquecida do holocausto nazista.

 Assistimos, estarrecidos, uma grande nação, aquela que dispõe de mais meios de destruição em massa e até de aniquilação da vida sobre a Terra, a Rússia,  arrasar uma  nação vizinha com grandes tradições culturais e os famosos e sábios contos rabínicos, a Ucrânia.Terrível está sendo a guerra dos USA e Israel contra o Irã,destruindo uma das civilizações mais antigas, com uma ferocidade que não escolhe seus alvos,tudo é ataccado,incluindo escolas de meninas.

Acresce ainda a absurda acumulação de fortunas em pouquíssimas mãos, pois, 8 pessoas, possuem individualmente, a riqueza equivalente ao que possuem 4,7 bilhões de pessoas. Nestes não se nota nenhuma sensibilidade humana face a seus semelhantes, tratando-os como zeros econômicos e energia já totalmente gasta. São descartáveis como lixos, considerados sub-humanos: os milhões que vivem nas periferias das grandes cidades do Norte Global (só nos EUA vivem 30 milhões de pobres) e enchem, aos milhões,  as  metrópoles do Sul Global.

Abstenho-me de referir à grave ameaça da Sobrecarga da Terra, com severos limites da produção de bens e serviços que sustentam a vida (precisamos hoje  já  de 1,7 Terras).Nem mesmo do crescente aquecimento global do planeta Terra que se até 2030-2035 não for detido no máximo a 1,5ºC, com referência à era industrial (1850-1900) causará uma inexorável dizimação  de  vidas na natureza  e na humanidade.

Como ainda ter esperança num drama destas proporções? Entendemos as preocupações de analistas do curso do mundo que dizem: não é impossível de tenha chegado a nossa vez de desaparecer do processo da evolução, como centenas e centenas de espécies já desapareceram.

Por isso sou pessimista porque a realidade é péssima. No entanto, me declaro um pessimista esperançoso. Esperançoso porque se somos Terra que sente, pensa, ama e venera, temos a resiliência que a  Terra mostrou nas 15 dizimações de vidas que sofreu ao longo de sua história de 4,5 bilhões de anos. A vida nunca sucumbiu. Depois de cada dizimação, atestam vários historiadores da vida Terra como Christian de Duve (Poeira cósmica:a vida como imperativo cósmico, 1995) ela, como que se vingando, produziu uma biodiversidade maior do que aquela que foi ceifada.

Como dizia o poeta elemão Heine: lá onde é grande o perigo, maior é a chance de salvação. O nosso perigo é inegável. Mas considerando que o ser humano é um projeto infinito, dotado de mil virtualidades, ele saberá face ao grande perigo forjar chances de salvação.

Sabidamente a história da vida não é linear. Ela dá saltos. O improvável pode se fazer provável.E o inesperado pode acontecer Era seguramente improvável que um negro, Barack Obama, dada a discriminação que sempre sofreu pelos supremacistas brancos, chegasse à Presidência dos EUA. E chegou.Quem poderia imaginar que, numa sociedade machista como a brasileira, uma mulher se tornasse Presidenta do Brasil, Dilma Rousseff? E chegou.

Tenho a convicção que animava o paleontólogo e místico Pierre Teilhard de Chardin de que a humanidade, num momento grave de sua história, especialmente sabendo que poderá se autodestruir, cairia em si e se daria conta de seu lugar no conjunto dos seres e de sua responsabilidade pelo futuro da vida. Daria um salto quântico em sua consciência e definiria um outro rumo à sua história. Far-se-ia a guardiã e a cuidadora da sagrada herança que herdou, a Terra e de todos os seus ecossistemas com os seres que neles habitam.Perceberia que é parte e parcela da natureza, confraternizada com os demais irmãos e irmãs nela presentes. Amaria e ornaria a Casa Comum na qual todos caberiam com suas diferenças mas numa profunda unidade.

Isso está dentro das possibilidades humanas. Somos seres naturalmente de cooperação e de sensibilidade face aos mais vulneráveis. Em nosso profundo,como dado objetivo, atestado pela new science somos seres espirituais, capazes de identificar aquela Energia de Fundo (Aquele Ser que faz ser todos os seres) que tudo penetra e sustenta. O biólogo James Watson comprovou que  em nosso DNA está o amor, a força maior do universo (DNA: o segredo da vida,2005). Com todas estas positividades vamos ainda fazer uma dolorosa travessia até chegarmos a uma forma amorosa e fraterna de convivência.

Não estamos diante de uma tragédia anunciada, mas no coração de uma crise de nossos fundamentos que vai nos acrisolar, purificar e permitir dar um salto, habitando um mundo que juntos podemos fazê-lo existir sustentavelmente. Depende de nós impedirmos que as atuais crises virem tragédias.

Por isso, não tememos a noite sombria de nosso tempo porque amamos as estrelas, nossas irmãs. Esperamos a aurora que se anuncia.

Leonardo Boff escreve para a revista LIBERTA do ICL (https:// www.revistaliberta.com.br); escreveu também O doloroso parto da Mãe Terra, Vozes 2021(https://www.leonardoboff.org)

Der Traum eines lächerlichen Mannes

Leonardo Boff

Sicherlich werden manche Leser diesen Titel seltsam finden. Doch er bleibt gerade wegen der darin verborgenen Wahrheit relevant, die von keinem Geringeren als Fjodor Dostojewski selbst ausgedrückt wird. Es ist der Titel seines fantastischen Romans „Der Traum eines lächerlichen Menschen“ aus dem Jahr 1877. Was ist dieser Traum? Er gibt die Antwort: „Wenn alle es wollten, würde sich von einem Augenblick zum anderen alles auf der Erde verändern.

Genau das fehlt unserer Welt: dieser Traum eines Mannes, der keineswegs lächerlich ist und uns retten könnte – wenn alle dasselbe wollten. Doch die große Mehrheit will es nicht. Dennoch wurde dieser Traum am 11. Dezember 2015 während der COP21 in Paris geträumt. Es ist das berühmte Pariser Abkommen, das von praktisch allen Ländern der UNO (195) unterzeichnet wurde. Alle haben sich verpflichtet, die Treibhausgase zu reduzieren und so die Erderwärmung zu bremsen.

Alle wollten es. Doch fast niemand hat diesen Traum verwirklicht. Hätten alle tatsächlich den Traum des Pariser Abkommens verwirklichen wollen, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau (1850–1900) zu begrenzen, hätten wir die Erde verändert. Wir hätten die katastrophalen Überschwemmungen, die schweren Dürren, die gewaltigen Schneestürme, die Hurrikane und die Tornados vermieden, die in den Jahren nach 2015 auftraten. Das Ziel war es, die Erwärmung unter 2 °C zu halten und sie bis etwa 2030 bei 1,5 °C zu stabilisieren.

Weil nicht alle dazu bereit waren, hat sich die Erde nicht verändert. In den Jahren 2024/2025 haben wir die 1,5-Grad-Grenze überschritten und sind auf 1,6 Grad gestiegen. Da einige große Länder wie die USA, Indien und China sich für die Nutzung von Kohle und Erdöl entschieden haben – beides Treibhausgasverursacher – und die Treibhausgasemissionen weiter anstiegen, ist der Traum vom Pariser Abkommen geplatzt. Sie wollten es nicht. Sie wurden zu Leugnern, allen voran Donald Trump.

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, so sagen Experten, werden wir in den Jahren 2030–2035 einen Temperaturanstieg von fast 2 °C oder mehr erreichen. Viele Menschen, insbesondere ältere Menschen und Kinder, werden Schwierigkeiten haben, sich anzupassen, und werden nicht überleben. Noch schlimmer könnte es für die Natur werden, da Wasserknappheit und der Verlust der Artenvielfalt durch das Aussterben Tausender Arten schwerwiegende Folgen haben werden.
            Fazit: Hätten sich alle das Pariser Abkommen gewünscht, hätte sich Dostojewskis Prophezeiung erfüllt: Alles auf der Erde hätte sich in einem Augenblick verändert. Doch statt besser zu werden, ist alles nur noch schlimmer geworden.

 Warum nehmen wir den Traum vom Pariser Abkommen mit seinen 195 Unterzeichnern nicht ernst? Weil wir keinen guten Willen zeigen – die einzige Tugend, die uns hätte retten können und uns noch immer retten könnte. Das sage nicht ich. Das sagt Immanuel Kant, der anspruchsvollste Denker der Ethik im modernen Westen.

In seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ (1785) stellt er fest: „Es ist nicht möglich, sich etwas vorzustellen, das irgendwo auf der Welt und sogar außerhalb derselben uneingeschränkt als gut angesehen werden könnte, außer dem guten Willen.“ Um seine schwierige Sprache zu übersetzen: Der gute Wille ist das einzige Gut, das uneingeschränkt gut ist und dem keinerlei Einschränkung auferlegt werden kann. Der gute Wille ist entweder nur gut oder er ist es nicht. Für Kant ist der gute Wille die höchste Tugend und das einzige in der Welt, das an sich gut ist.

Jede Tugend hat ihren Mangel oder ihr Übermaß: So ist übermäßiger Mut Leichtsinn, zu große Großzügigkeit ist Verschwendung; übertriebene Bescheidenheit ist Hemmung. Alle Tugenden, ohne Ausnahme, haben ihr Gegenstück, sei es im Übermaß oder im Mangel.

Nur der gute Wille ist völlig makellos. Hätte er irgendeinen Makel oder eine Einschränkung, wäre er nicht gut. Im Grunde beziehen sich alle Tugenden (das richtige Leben) auf den guten Willen, wie Kant übrigens betonte.

Hierin liegt eine Wahrheit mit erheblichen praktischen Konsequenzen. Zum Beispiel wird es bei Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, zwischen Israel und Palästina oder zwischen den USA und dem Iran niemals zu einem Friedensabkommen kommen, wenn nicht auf beiden Seiten guter Wille vorhanden ist. Das heißt, ich darf nicht alles böswillig auslegen, alles unter Verdacht stellen und allem misstrauen. Guter Wille und gegenseitiges Vertrauen müssen die gemeinsame Grundlage bilden. Ohne guten Willen lässt sich nichts Nachhaltiges, nichts Solides aufbauen – nichts, was nicht in Luft aufgeht.

Wir befinden uns in einer kritischen und gefährlichen Lage, wie nie zuvor in unserer Geschichte. Wir könnten uns selbst zerstören. Die militaristischen Mächte streiten um die Vorherrschaft in der Welt. Und sie tun dies in einem erbitterten Wettstreit, ohne den geringsten Anflug von Zusammenarbeit und Rücksichtnahme auf den Planeten Erde und unsere gemeinsame Zukunft. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu einer „garantierten gegenseitigen Zerstörung“ kommt, die das menschliche Leben mit sich reißt.

In solchen Situationen müssen wir aus unserem Innersten das hervorholen, was zu unserem Menschsein gehört: die Fähigkeit, guten Willen zu wecken und ihn in die Tat umzusetzen. Entweder tun wir dies, oder wir setzen die Zukunft unserer Existenz auf diesem kleinen, herrlichen Planeten Erde, unserem einzigen gemeinsamen Zuhause, aufs Spiel.

Leonardo Boff schreibt für die Zeitschrift LIBERTA des ICL (https:// http://www.revistaliberta.com.br); er verfasste außerdem das Buch „Der Mensch: Satan oder guter Engel“, Record 2008 (Website: leonardoboff.org)