Das Mitgefühl ausweiten

Nr. 34 vom 25. August 2019 10. Sonntag nach Trinitatis

Im Blickpunkt 3 Zur Person

Leonardo Boff (80) ist ein inter- national bekannter katholischer Theologe aus Brasilien. Er gilt als Hauptvertreter der Befreiungs- theologie und wirkte als Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität Petrópolis (Rio de

Janeiro) sowie als Gastprofessor in Lissabon, Salamanca. Harvard, Basel und Heidelberg.

Boff hat über 90 Bücher veröffentlicht, darunter »Was kommt nachher? Das Leben nach dem Tode« (1982), »Kirche – Macht und Charisma« (1986), »Die Logik des Herzens« (1999) und »Kleine Sakramentenlehre« (2003).

Aufgrund seiner scharfen Kritik an hierarchischen und unde- mokratischen Kirchenstrukturen kam es 1984 zum Konflikt mit dem Vatikan, der ihn 1985 mit einem Jahr Bußschweigen bestrafte.

2001 erhielt er den Alternativen Nobelpreis für sein langanhaltendes Engagement für die Armen. Er lebt mit der Menschenrechtlerin Marcia Maria Monteiro de Miranda im ökologischen Reservat Jardim Araras bei Petrópolis.

»Mutter Erde«: Angesichts der fortschreitenden ökologischen Probleme ächzt die Erde und seufzt die Kreatur. Der brasi- lianische Theologe Leonardo Boff schlägt Alarm und mahnt, dass wir untergehen, wenn wir nicht umkehren. Die Erde soll heilig gehalten werden wie eine Mutter. Ein Gespräch über die Liebe zum Leben und die Hoffnung – trotz allem.

Herr Boff, Sie warnen seit vielen Jah- ren vor einer ökologischen Katastro- phe und fordern ein Umdenken. Nun kommt Greta Thunberg aus Schwe- den und findet Gehör. Spricht Sie Ihnen aus dem Herzen?

Leonardo Boff: Die Weisheit spricht durch ein Kind, so steht es an einer Stelle in der Bibel. Das heißt heute: durch Greta Thunberg.

Manche meinen allerdings, Thun- bergs Äußerungen seien zu »pa- nisch« und würden eine sachliche Debatte über den Umgang mit der Klimaerhitzung erschweren.

Wir können gar nicht schnell genug handeln und umkehren, weil sonst gar kein Rückweg mehr möglich sein wird. Die Klimaerhitzung ist da. Jeder kann sie selbst erfahren bei extremen Klimaereignissen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Erde ihr Gleichgewicht verloren hat und sie ein neues sucht, welches viele Opfer an Lebewesen und auch an menschlichen Leben mit einschließen kann.

Wieso reagieren Politik und Wirt- schaft so spät und so zögerlich? Weil alle Angaben der verschiedenen ökologischen Wissenschaften im Grunde das gegenwärtige System in Frage stellen. Sie verlangen eine ande- re Form der Produktion, des Konsums und der Verteilung der natürlichen Ressourcen, insbesondere aber eine andere Beziehung zur Natur und zur Erde – eine, die nicht von Angriff und Ausbeutung geprägt ist, sondern von Respekt und Achtsamkeit. Dass man

in eine Synergie und Kooperation mit den Rhythmen der Natur gelangt. All diese wissenschaftlich-ökologischen Erkenntnisse schaden allerdings der Kultur der Geschäfte und der gren- zenlosen Anhäufung von Reichtum. Es gibt nur die Alternative: Wir ändern uns oder aber wit gehen unter.

Es muss sich also ganz grundlegend etwas ändern?
Ja. Die weltweite Krise hat direkt mit der immer noch auf der ganzen Welt herrschenden Produktionsweise zu tun, nämlich der kapitalistischen. De- ren Dynamik führt zu einer beschleu- nigten Anhäufung von Reichtum in der Hand weniger auf Kosten einer erschreckenden Ausplünderung der Natur und der Verarmung der großen Mehrheit der Menschen. Wir müs- sen also die fatale Logik dieses Wirt- schaftssystems schrittweise überwin- den. Das Leben, und nicht das Wachs- tum, muss das große planetarische und auch nationale Projekt sein.

Haben Sie denn überhaupt noch Hoffnung? Ist ein Abwenden der Kli- makatastrophe noch möglich? Wenn ich mir die wissenschaftlichen Daten anschaue und die ungenü- genden Maßnahmen der Staaten an- gesichts der ökologischen Frage wahr- nehme, werde ich pessimistisch. Der große Soziologe Zygmunt Bauman hat uns gewarnt: Entweder wir arbeiten zusammen für die Bewahrung der Schöpfung oder wir vergrößern den Zug derer, die in Richtung ihres ei- genen Begräbnisses gehen. Als Glau- bender nehme ich aber die Aussage

des biblischen Weisheitsbuches ernst: »Gott ist ein leidenschaftlicher Lieb- haber des Lebens«. Ich hoffe, dass Gott das Leben bewahren wird, und er diese Katatrophe nicht zulässt.

Also resignieren Sie nicht?

Zu resignieren und nichts zu tun, wäre die schlechteste Haltung, die wir ein- nehmen können. Denn sie bedeu- tet einen Verzicht auf schöpferische Auswege. Wir sollten vor allem eine emotionale Verbundenheit zur Erde schaffen, dass wir mit Verständnis, Mitgefühl und Liebe für sie sorgen. Wir sind dazu aufgerufen, unser Em- pathievermögen auf alle Lebewesen auszudehnen, ja sogar auf den Boden, die Luft und das Wasser, die ebenfalls ein Teil von uns sind. Wir müssen wie- der erkennen, dass die Erde unsere Mutter ist.

Manche sagen allerdings, dass die Vorstellung der Erde als »großer Mut- ter« nicht christlich sei.
Dass die Erde die große Mutter ist, ist eine wissenschaftliche Feststellung. Alles, was existiert und lebt, kommt von der Erde. Sie schenkt uns alles, was wir zum Leben brauchen. Sie benimmt sich wie eine Mutter. Da- her ist die lebendige Erde, die Mut- ter Erde, ein Subjekt, dem Würde zukommt. Die UNO hat am 22. April 2009 nach einer langen Diskussion, an der ich selbst teilgenommen habe, be- schlossen, dass der »Tag der Erde« am 22. April künftig als »Tag der Mutter Erde« begangen werden soll. Mit der Anerkennung der Würde der Erde und ihrer Rechte beginnt eine neue Zeit,

eine Zeit der Biozivilisation, in der die gemeinsame Zugehörigkeit von Erde und Menschheit, ihr gemeinsames Schicksal anerkannt werden.

Der Mensch ist also selbst ein Stück Erde?
Ja, der Mensch ist selbst Erde in einem fortgeschrittenen Stadium ihrer Ent- wicklung. Mit dem Menschen begann gewissermaßen die Erde selbst auf- recht zu gehen, bewusst zu fühlen, zu denken, zu lieben, sich um andere zu sorgen und Ehrfurcht zu empfinden. Sich selbst als Erde zu empfinden heißt, sich in die irdische Gemein- schaft hineinzubegeben, in die Welt unserer Brüder und Schwestern ein- zutauchen, wie dies Franziskus von Assisi beispielhaft gelebt hat. Aus der tiefen Erfahrung der Mutter Erde wird wie selbstverständlich die Erfahrung Gottes als einer unendlich zärtlichen und sich erbarmenden Mutter er- wachsen.

Wie gelingt es Ihnen persönlich, die Vision eines nicht-zerstörerischen Lebens in Gemeinschaft mit allem Leben umzusetzen?

Ich versuche, den Geist des Heiligen Franziskus von Assisi zu leben und zu aktualisieren, da ich Franziskaner war und von Anfang an in dieser Spiritu- alität erzogen wurde. Ich bewundere jede Erscheinung des Lebens, ange- fangen mit den Ameisen, die oft durch mein Haus laufen bis zu jeder kleinen Blume des Feldes. Und ich versuche, mit immer weniger zu leben und eine besondere Sorge für die Armen zu tragen, die uns den Gekreuzigten vergegenwärtigen und um eine Aufer- stehung schreien.

Wie konnte denn die Menschheit dem ökologischen Kollaps so nahe kommen?
Die Väter der Moderne im 16. Jahr- hundert, wie Descartes, Bacon, New- ton und andere, betrachteten die Erde als etwas Totes, als eine Art Kasten von natürlichen Ressourcen, die zu unserer Benutzung zur Verfüngung stehen – und deren Reichtümer zur Ausbeutung da sind. Der Kern dieses Paradigmas war der Wille zur Macht über die Natur, über die Völker, über das ganze Lebensystems und über

die Erde. Daraus ist das moderne techno-wissenschatliche Paradigma entstanden, das so viele Vorteile für unser Leben geboten hat und zu- gleich zu unserer Tragödie geworden ist : diese Weltanschaung hat eine To- desmaschine geschaffen – mit nukle- aren, chemischen und biologischen Waffen –, welche das ganze Leben der Erde und die ganze Menscheit vernichten kann. Diesen Weg weiter- zuführen, würde den Selbstmord un- serer Menschheit bedeuten.

Was müssen wir heute tun?

Die Menschen müssen auf alle Ge- walt gegen die Ökosysteme der Erde verzichten und sich wieder als Glieder der Natur verstehen. Sie müssen den ethischen Auftrag erkennen, die Na- tur zu bewahren. Diese ökologische Bekehrung verlangt auch Papst Fran- ziskus in seiner Enzyklika »Laudato Si« als Bedingung für unser Weiterle- ben auf dieser Erde. Diese Bekehrung muss bei jedem Einzelnen beginnen: Jeder sollte bei sich selbst anfangen.

Und was wären global nötige Schritte?
Der Norden muss den Rückzug von seiner Konsumgier in Richtung Nach- haltigkeit antreten, um dem Süden eine nachhaltige Entwicklung in Har- monie mit der Gemeinschaft des Le- bens zu ermöglichen. Man sollte Ernst machen mit den sogenannten vier »W«: »Weniger«, »Weiter benutzen«, »Wiederverwerten« und »Wiederauf- forsten«. Anderenfalls vergrößern wir die Gefahr, keine Zukunft für unser Leben auf der Erde mehr zu haben.

Inwiefern müssen sich dabei auch Kirche und Theologie bewegen? Eine radikale ökologische Bekehrung ist nötig. Religionen und Kirchen ha- ben dabei eine pädagogische Aufgabe, nämlich der Menschheit ein neues Bewusstsein zu erwecken und die ethisch-spirituelle Mission zu über- nehmen, die Erde als die heilige Gabe Gottes zu bewahren und zu hegen, damit wir nicht alle mit unserer ge- meinsanen Wohung zugrunde gehen. Jedes Wissen, auch das theologische oder das religiöse, muss mit je seinen Mitteln dazu beitragen.

Das Gespräch führte Stefan Seidel

Gegen die Untergangsstimmung

Leonardo Boff hat mit seinem Buch »Zukunft für Mutter Erde« eine inhaltsstarke Zusammenfassung seiner ökologisch-theologischen Erkenntnisse der letzten Jahre veröffentlicht. Es ist ein Lehrbuch gegen den Untergang, in dem Boff das notwendige neue Verhältnis zwischen Mensch und Erde beschreibt. Dieses könnte nicht nur die ökologische Katastrophe abwenden, sondern auch zu einembewussteren Leben und einem neuen kirchlichen Aufbruch führen.

Leonardo Boff:

Zukunft für Mut- ter Erde. Warum wir als Krone der Schöpfung ab- danken müssen. Claudius Verlag 2012, 316 Seiten, 22,80 Euro.

“El futuro de la humanidad y de la Tierra está ligado al futuro de la Amazonia”

Entrevista a Pierluigi Mele RAI-Confini 05-09-2019

P-Leonardo Boff, la Amazonia está viviendo meses dramáticos. De enero a hoy, comparando con 2018, los incendios en la región aumentaron un 145%. Un número devastador. La comunidad internacional se está movilizando. ¿Cómo clasificaría usted el comportamiento de la comunidad internacional?

R-La reacción fue muy fuerte y decisiva. El problema es que nuestro presidente no tiene modales civiles, no observa el protocolo oficial que subyace en la relación entre las autoridades. Ofendió al presidente francés Macron y a la canciller alemana Merkel. Es una persona mala y estúpida. No entiende nada de nada sobre el Amazonas ni sobre los indios. Quiere ocupar sus reservas naturales para el agronegocio y la minería. Pero cuando el problema toca la billetera, todo cambia. El presidente escuchó que los europeos ya no quieren soja y carne de Brasil, que el tratado comercial entre la Comunidad Europea y el Mercosur no se realizará sin un cambio radical de la política en relación con la Amazonia. Entonces cambió un poco su discurso.

P-Bolsonaro, desvariando, culpa salvajemente a las ONGs ¿Cómo están las cosas?

R-Bolsonaro quiere reinventar Brasil en el marco de un ultraliberalismo radical. El modelo es la edad media religiosa, premoderna y preiluminada. Prácticamente ha desmantelado todo lo que Lula y Dilma hicieron en beneficio de los pobres. Ahora hay hambre en Brasil. Y el presidente, absolutamente paranoico, sale en televisión para decir que en Brasil no hay hambre. Un millón de familias han pasado de la pobreza a la miseria durante el año pasado y sufren hambre sistemáticamente. Todos los consejos de estado en las diversas esferas de la sociedad han sido abolidos. En resumen: “la era de la estupidez ha entrado en Brasil”. La sociología y la filosofía han sido prohibidas en universidades y otros cursos. Esto es para tener un pueblo que no piensa. Brasil, en esta lógica, puede convertirse en un país de parias, como la India.

P-Sabemos que en las bases de las políticas locas del gobierno existe la ideología “extractiva”, pero también existe el “soberanismo”, es decir, “el Amazonas es de Brasil”. Esto dice Bolsonaro. ¿Es así, Leonardo?

R-En este punto, Bolsonaro no tiene cultura ecológica. Creo que incluso los miembros del G7 tienen solo una cultura ecológica “verde”, no como la del Papa Francisco que es una ecología integral.

R-He argumentado en varios lugares en estos términos, en el sentido de la nueva visión de la ecología. Desde la perspectiva de los astronautas que ven la Tierra desde fuera de la Tierra, todos dicen: la Tierra y la humanidad forman una sola entidad. No existe el planeta Tierra por un lado y la humanidad por el otro. Ambos forman una sola realidad. El ser humano es la porción inteligente, amorosa y sensible de la Tierra. Somos la Tierra, por eso el “hombre” viene de “humus”, tierra fértil, o “adam” en hebreo, o “tierra” en árabe. Somos más que hijos e hijas de la Madre Tierra… Somos la propia Tierra, que piensa, que ama, que cuida de todas las cosas. Esta es una idea de la mayoría de cosmólogos y astrofísicos.

Otro punto: Vivimos en la nueva fase de la Tierra, el proceso de planetización. Todos estamos en la misma Casa Común. Regresamos del exilio después de millones de años y ahora estamos todos juntos en un solo lugar, en el planeta Tierra.

La Tierra no es de nadie. Es un bien común de toda la humanidad y de toda la comunidad de vida (animales, árboles, microorganismos, etc.). La Amazonia es parte de la Tierra; Brasil no es el señor de la Amazonia. La Amazonia es de toda la Tierra, de toda la humanidad. Brasil posee solo la gestión de esta parte y la administra mal y de forma poco responsable. Hoy sabemos que la Amazonia, que abarca 9 países, es fundamental para el equilibrio del planeta, del sistema climático, de la absorción de dióxido de carbono y, además, regula el ciclo de lluvias en el mundo. Esto significa que toda la humanidad tiene una responsabilidad sobre la Amazonia, no es solo de Brasil. El futuro de la vida en la Tierra se juega en la conservación o destrucción de la Amazonia. No estoy seguro de si los miembros del G7 tienen esta visión integral del problema. Otro punto importante: en estas discusiones nunca se ha hablado de los pueblos indígenas, los habitantes originarios de estas tierras. Conocen el ritmo de la selva, saben cómo preservarla. Son nuestros maestros y doctores, no los científicos que tienen una visión desde afuera. La belleza del documento del Papa Francisco sobre el Sínodo Panamazónico es hacer que los nativos sean los protagonistas principales a fin encontrar soluciones verdaderas y sostenibles para este inmenso bioma (ecosistema).

P-Más allá de estas ideologías (extractivas y soberanistas), ¿cuáles son las “estructuras de pecado” que están devastando la Amazonia?

R-Las estructuras de pecado son la motosierra, la devastación sistemática de la selva por las maderas valiosas, por la biodiversidad, por elementos importantes para la medicina y especialmente por las “tierras ricas”, elementos fundamentales para las nuevas tecnologías del 5G. Pero el mayor pecado es el exterminio de etnias enteras, la ocupación de sus reservas, la contaminación de los ríos debido a la extracción del oro. Muchos indígenas mueren de enfermedades porque la gente del agronegocio no quiere tratarlos y curarlos.

P-¿Qué está haciendo la Iglesia Católica para defender la Amazonia?

R-La Iglesia Católica es ciertamente, junto con otras iglesias históricas como los luteranos, una presencia constante y exigente en defensa de los pueblos originarios. Existe el Consejo Misionero Indígena (CIMI), que ha estado trabajando sistemáticamente en la protección de los pueblos indígenas desde hace 30-40 años. El documento del Sínodo Panamazónico hace otro discurso. No se trata de convertir a las culturas sino de evangelizar en las culturas para que pueda surgir una iglesia con rostro indígena. En este sentido, se piensa en la ordenación de sacerdotes indígenas para crear esta nueva forma de iglesia que no sea simplemente una adaptación de las iglesias europeas.

P-El Papa Francisco, como sabemos, ha convocado para el próximo octubre un importante Sínodo sobre la Amazonia. En el muy denso y profundo “Instrumentum laboris” hay una propuesta para promover una “ecología integral” en la Amazonia. ¿Qué significa esto?

R-El sínodo es una derivación y aplicación de la encíclica Laudato Si’. Esto significa que debemos respetar este enorme bioma (ecosistema) en los 9 países, en su singularidad, en sus culturas, en sus idiomas. Así como los primeros cristianos hicieron su síntesis de la fe cristiana con la cultura greco-latina, así también ellos deben hacer su camino. Crear realmente una eclesiogénesis. No será una iglesia occidental, sino indígena, afrolatinoamericana, con elementos de la tradición europea de la época colonial.

P-Precisamente en este documento se proponen nuevos caminos pastorales para la Iglesia en la Amazonia. Por ejemplo, hay una parte que puede llevar a una nueva visión de los ministerios. En especial el ministerio ordenado. Los conservadores están atacando este punto. ¿Piensa usted que el Sínodo será capaz de resistir?

R-El Papa Francisco tiene una enorme libertad interior y valor para abrir nuevos caminos. Yo creo que serán consagrados verdaderos presbíteros indígenas. Apoyo al obispo Erwin Kräutler, amigo del Papa, que defiende también ordenar mujeres. Él dice que, en su diócesis, una de las mayores del mundo, a orillas del río Xingú, las mujeres hacen todo lo que hace un sacerdote. ¿Por qué no permitir también la ordenación presbiteral de las mujeres?

Los grandes teólogos como Karl Rahner y Luigi Sartori escribieron que no hay ningún dogma o doctrina que impida dar este paso. Todas las otras iglesias, incluidos los judíos, lo han hecho ya. La iglesia católica romana no puede seguir siendo una isla de patriarcalismo y antifeminismo. El Espíritu insta a la Iglesia a tomar esta decisión, por amor a los pueblos más alejados del mundo. Deus poluit, decuit, ergo feci.


Reunión en San Miguel-AR, de 23-29/02/1972. Foto: Twitter Leonardo Boff

P-Última pregunta: el Papa Francisco está dando un giro a la Iglesia en el sentido de la “Iglesia en salida” y de la sinodalidad. Sabemos que los enemigos de Francisco, que no son solo eclesiásticos, están haciendo todo lo posible para limitar la fuerza de sus reformas. ¿Crees que el camino tomado por Francisco es irreversible?

R-Creo que el Papa Francisco ha inaugurado una nueva genealogía de papas de fuera del antiguo cristianismo europeo, donde solo vive el 25% de los católicos. Nosotros en las Américas somos el 64%. Los otros están en África y Asia. Ha llegado el momento, en mi opinión, de que el camino del cristianismo en el mundo globalizado se haga a partir de estas nuevas iglesias, que tienen ya su madurez, su teología y su liturgia. Los que están en contra del Papa y el Sínodo son todos “herejes” en el sentido original de la teología. La herejía no fue inicialmente una cuestión de doctrina sino de unidad de la Iglesia. Los que están en contra del Sínodo y del Papa Francisco rompen esta unidad. Son realmente herejes en el sentido verdadero y original de la palabra.

Traducción de Mª José Gavito Milano

https://i0.wp.com/www.ihu.unisinos.br/images/ihu/2019/09/06_09_amazonia_foto_pixabay.jpgEntrevista a Leonardo Boff de Pierluigi Mele, publicada en Confini el 05-09-2019

“O futuro da humanidade e da terra está ligado ao futuro da Amazônia”:L Boff

  • A entrevista é de Pierluigi Mele, publicada por Confini, 05-09-2019. A tradução é de Luisa Rabolini.

Eis a entrevista.

Leonardo Boff, a Amazônia está vivendo meses dramáticos. De janeiro a hoje, em comparação com 2018, os incêndios na região aumentaram em 145%. Um número devastador. A comunidade internacional está se mobilizando. Como você classificaria o comportamento da comunidade internacional?

A reação foi muito forte e decisiva. O problema é que nosso presidente não tem modos civis, não observa o protocolo oficial que está na base da relação entre as autoridades. Ele ofendeu o presidente francês Macron e a chanceler da Alemanha, Merkel. É uma pessoa má e estúpida. Ele não entende nada sobre a Amazônia e sobre os índios. Ele quer ocupar suas reservas naturais para o agronegócio e para a exploração de mineração. Mas quando o problema toca à carteira, tudo muda. O presidente ouviu dizer que os europeus não querem mais soja e carne do Brasil, que o tratado comercial entre a Comunidade Europeia e o Mercosul não será realizado sem uma mudança radical de políticas em relação à Amazônia. Então mudou um pouco o discurso.

Bolsonaro, de maneira desvairada, culpa as ONGs. Como estão as coisas?

Bolsonaro quer reinventar o Brasil no quadro de um ultraliberalismo radical. O modelo é a idade média religiosa, pré-moderno, pré-iluminismo. Ele praticamente desmontou tudo o que Lula e Dilma fizeram em benefício dos pobres. Agora há fome no Brasil. E o presidente, absolutamente paranoico, vai à televisão dizer que no Brasil não há fome. Um milhão de famílias passaram da pobreza para a miséria no último ano e sofrem sistematicamente de fome. Todos os conselhos de estado nas várias esferas da sociedade foram abolidos. Para resumir em poucas palavras: “a era da estupidez entrou no Brasil“. A sociologia e a filosofia foram proibidas em universidades e em outros cursos. Isso é ter um povo que não pensa. O Brasil, nessa lógica, pode se tornar um país de párias, como a Índia.

Sabemos que nas bases das políticas tresloucadas do governo existe a ideologia “extrativa”. Mas há também o “soberanismo”: ou seja, “a Amazônia é do Brasil”. Isso afirma Bolsonaro. É assim, Leonardo?

Nesse ponto, Bolsonaro não tem nenhuma cultura ecológica. Penso que inclusive os membros do G7 tenham uma cultura ecológica apenas “verde”, não como aquela do Papa Francisco: uma ecologia integral.

Argumentei em vários lugares nesses termos, no sentido da nova visão da ecologia. Na perspectiva dos astronautas que veem a Terra de fora da Terra, todos dizem: Terra e Humanidade formam uma única entidade. Não há planeta Terra de um lado e a humanidade do outro. Ambos formam uma única realidade. O ser humano é a porção inteligente, amorosa e sensível da Terra. Somos a Terra, por isso “homem” vem de “húmus”, terra fértil ou “adam” em hebraico, ou “terra” em árabe. Somos mais que filhos e filhas da Mãe Terra … Somos a própria Terra, que pensa, que ama, se cuida de todas as coisas. Essa é uma ideia da maioria dos cosmólogos e astrofísicos.

Outro ponto. Vivemos na nova fase da Terra, o processo de planetização. Estamos todos na mesma Casa Comum. Retornamos do exílio depois de milhões de anos e agora estamos todos juntos no mesmo lugar, no planeta Terra.

A Terra não pertence a ninguém. É um bem comum de toda a humanidade e de toda a comunidade da vida (animais, árvores, microrganismos etc.). A Amazônia é parte da Terra; O Brasil não é o senhor da Amazônia. A Amazônia é de toda a Terra, de toda a humanidade. O Brasil possui apenas a gestão dessa parte e a administra mal e de forma não responsável. Hoje sabemos que a Amazônia, que abrange 9 países, é fundamental para o equilíbrio do planeta, do sistema climático, da absorção de dióxido de carbono e, além disso, regula o ciclo das chuvas no mundo. Isso significa que toda a humanidade tem uma responsabilidade sobre a Amazônia, que não é apenas do Brasil. O futuro da vida na Terra é jogado sobre a conservação ou destruição da Amazônia. Não tenho certeza se os membros do G7 têm essa visão integral do problema. Outro ponto importante: nessas discussões, nunca foi falado sobre os povos indígenas, os habitantes originais dessas terras. Eles conhecem o ritmo da floresta, sabem como preservá-la. Eles são nossos mestres e doutores, não os cientistas que têm uma visão de fora. A beleza do documento do Papa Francisco sobre o Sínodo Pan-Amazônico é tornar os nativos os principais protagonistas para chegar a soluções verdadeiras e sustentáveis para esse imenso bioma (ecossistema).

Além dessas ideologias (extrativistas e soberanistas), quais são as “estruturas do pecado” que estão devastando a Amazônia?

As estruturas do pecado são a serra elétrica, a devastação sistemática da floresta por madeiras valiosas, pela biodiversidade, por elementos importantes para a medicina e, principalmente, as “terras ricas”, elementos fundamentais para as novas tecnologias do 5G.

Mas o maior pecado é o extermínio de etnias inteiras, a ocupação de suas reservas, a contaminação dos rios devido à extração de ouro. Muitos indígenas morrem de doenças porque o pessoal do agronegócio não quer tratá-los e curá-los.

O que está fazendo a Igreja Católica para defender a Amazônia?

A Igreja Católica é certamente, juntamente com outras igrejas históricas como os luteranos, uma presença constante e exigente na defesa dos povos originários. Existe o Conselho Indigenista Missionário (CIMI), que há 30 a 40 anos realiza um trabalho sistemático para a proteção dos povos indígenas. O documento do Sínodo Pan-Amazônico faz outro discurso. Não se trata de converter as culturas, mas de fazer a evangelização nas culturas, para que possa surgir uma igreja com rosto indígena. Nesse sentido, pensa-se na ordenação de padres indígenas para criar essa nova forma de igreja que não seja simplesmente a adaptação das igrejas europeias.

O Papa Francisco, como sabemos, convocou, para o próximo mês de outubro, o importante Sínodo sobre a Amazônia. No ” Istrumentum laboris ”, muito denso e profundo, existe a proposta de promover uma “ecologia integral” na Amazônia. O que isso significa?

O sínodo é uma derivação e aplicação da encíclica Laudato Si’. Isso significa que devemos respeitar esse imenso bioma (ecossistema) nos 9 países, em sua singularidade, em suas culturas, em suas línguas. Como os primeiros cristãos fizeram sua síntese da fé cristã com a cultura greco-latina, assim devem fazer seu percurso. Criar verdadeiramente uma eclésio-gênese. Não é mais uma igreja ocidental, mas indígena, afro-latino-americana, com elementos da tradição europeia do tempo das coloniais.

Precisamente neste documento são propostos novos caminhos pastorais para a Igreja na Amazônia. Por exemplo, há uma parte que pode levar a uma nova visão dos ministérios. Em especial o ministério ordenado. Os conservadores estão atacando esse ponto. Você acha que o Sínodo será capaz de resistir?

O Papa Francisco tem uma imensa liberdade interior e coragem para abrir novos caminhos. Eu acredito que serão consagrados verdadeiros presbíteros indígenas. Apoio o Bispo Erwin Kräutler, amigo do Papa, que também defende ordenar as mulheres. Ele diz que, em sua diocese, uma das maiores do mundo, às margens do rio Xingu, as mulheres fazem tudo o que um sacerdote faz. Por que não permitir também a ordenação presbiteral para as mulheres?

Os grandes teólogos como Karl Rahner e Luigi Sartori escreveram que não há nenhum dogma ou doutrina que impeça de dar esse passo. Todas as outras igrejas já o fizeram, incluindo os judeus. A igreja católica romana não pode continuar sendo uma ilha de patriarcalismo e antifeminismo. O Espírito insta a Igreja a tomar essa decisão, por amor aos povos mais afastados do mundo. Deus poluit, decuit, ergo feci.

Reunião em San Miguel-AR, de 23-29/02/1972. Foto: Twitter Leonardo Boff

Última pergunta: o Papa Francisco está dando uma virada na Igreja no sinal de “Igreja em saída” e de sinodalidade. Sabemos que os inimigos de Francisco, que não são apenas eclesiásticos, estão fazendo o máximo para limitar a força de suas reformas. Você acredita que o caminho assumido por Francisco seja irreversível?

Penso que o Papa Francisco tenha inaugurado uma nova genealogia de Papas que vêm de fora do velho cristianismo europeu, onde vivem apenas 25% dos católicos. Nós nas Américas somos 64%. Os outros estão na África e na Ásia. Chegou a hora, em minha opinião, de que o caminho do cristianismo no mundo globalizado será feito a partir dessas novas igrejas, que já têm sua maturidade, sua teologia e sua liturgia. Aqueles que são contra o Papa e o Sínodo são todos “hereges”, no sentido originário da teologia. A heresia não era, inicialmente, uma questão de doutrina, mas de unidade da Igreja. Aqueles que são contra o Sínodo e o Papa Francisco rompem essa unidade. São realmente hereges no sentido verdadeiro e originário da palavra.

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O legado de Chico Mendes para o Sínodo Panamazônico

Chico Mendes é um lídimo filho da floresta, identificado com ela. Cedo se deu conta de que o atual desenvovlvimento prescinde da natureza e que se faz contra ela, pois, a vê antes como um estorvo que como um aliado. Foi um dos poucos que entendeu a sustentabilidade como equilíbrio dinâmico e autoregulador da Terra, graças a cadeia de interdependências entre todos os seres, especialmente, dos vivos que vivem de recursos permanentemente reciclados e, por isso, indefinidamente sustentáveis. A Amazônia é o exemplo maior desta sustentabilidade natural.

Nós que o conhecemos e com quem privamos de amizade, sabemos de sua profunda identificação com a floresta amazônica, com sua imensa biodiversidade, com os seringais, com os animais, com o mais leve sinal de vida da mata. Tinha o espírito de um São Francisco moderno.

Dividia seu tempo entre a cidade e a selva. Mas quando estava na cidade ouvia fortemente o chamado da selva, em seu corpo e em sua alma. Percebia-se parte dela e não sobre ela. Por isso, regressava de tempos em tempos ao seu seringal e à comunhão com a natureza. Aí sentia-se em seu habitat, em sua verdadeira casa.

Mas sua consciência socioecológica o fazia deixar, por algum tempo, a floresta para organizar os seringueiros, fundar células sindicais e participar das lutas de resistência: os famosos “empates”, estratégia pela qual os seringueiros junto com suas crianças, velhos e outros aliados se postavam pacificamente diante das máquinas dos desmatadores, impedindo-lhes de derrubar as árvores.

Face às queimadas como as atuais da Amazônia que em 2019, foram de 74,155, focos atingindo 18.627 km2, Chico Mendes sugeriu em nome do movimento dos povos da floresta a criação de reservas extrativistas, aceitas pelo Governo Federal em 1987. Bem dizia: “nós seringueiros, entendemos que a Amazônia não pode se transformar num santuário intocável. Por outro lado, entendemos também que há uma necessidade urgente de desenvolvimento, mas sem desmatar e com isto ameaçar a vida dos povos do planeta”.

Afirmou:“no início defendia os seringueiros, depois compreendi que devia defender a natureza e por fim, percebi que devia defender a Humanidade. Por isso propomos uma alternativa de preservação da floresta que fosse ao mesmo tempo econômica. Então pensamos na criação da reserva extrativista” (cf. Grzybowski, C.,(org.) O testamento do Homem da Floresta: Chico Mendes por ele mesmo, FASE, Rio de Janeiro 1989 p.24).

Ele mesmo explica como funciona:”Nas reservas extrativistas nós vamos comercializar e industrializar os produtos que a floresta generosamente nos concede. A universidade precisa acompanhar a reserva extrativista. Ela é a única saída para a Amazônia não desaparecer. E mais : essa reserva não terá proprietários. Ela vai ser um bem comum da comunidade. Teremos o uso-fruto não a propriedade” (cf. Jornal do Brasil 24/12/1988).“Destarte se encontraria uma alternativa ao extrativismo selvagem que somente traz vantagens aos especuladores. Uma árvore de mogno, cortada no Acre, custa de 1-5 dólares; vendida no mercado europeu custa cerca de 3-5 mil dólares”.

Na véspera do Natal de 1988 foi vítima da sanha dos inimigos da natureza e da humanidade. Foi assassinado com 5 balas. Deixou a vida amazônica para entrar na história universal e no inconsciente coletivo dos que amam nosso planeta e sua biodiversidade.

Chico Mendes virou um arquétipo que anima a luta pela preservação da floresta amazônica e dos povos da floresta, hoje assumida por milhões de pessoas. Entendemos a indignação de muitos membros do G 7, liderados por E.Macron, presidente da França, contra a devastação irracional promovida pelo Presidente Bolsonaro. Comete um crime contra Humanidade e mereceria ser julgado por esse crime. A Amazônia é um Bem Comum da Humanidade.

Os megaprojetos amazônicos (brasileiros e estrangeiros) refutam o tipo de desenvolvimento depredador do capitalismo. Ele produz apenas crescimento, apropriado por alguns à custa da floresta e da miséria de seus povos. É contra a vida e inimigo da Terra. Ele é fruto de uma racionalidade demente.

Tais projetos faraônicos.sem as devidas informações tomam decisões em escritórios gélidos, longe da paisagem que encanta, cegos aos rostos suplicantes dos sertanejos e indiferentes aos olhos ingênuos dos índios, sem qualquer vínculo com a empatia e com o sentido de respeito da selva e de solidariedade humana.

Diferente é o Instrumento de trabalho para o Sínodo Panamazônico, onde a voz mais presente e ouvida é dos povos da floresta. Eles sabem protegê-la. Oferecem as melhores sugestões, unindo a salvaguarda da floresta e a extração e produção de seus bens naturais.

Esse “desenvolvimento” é feito para o povo e com o povo. Ele deslegitima a ideia dominante, especialmente do agronegócio de que as florestas deviam ser erradicadas. Caso contrário não se entraria na modernidade.

Os estudos mostraram que não é preciso destruir a floresta amazônica para tirar riquezas dela. A extração dos frutos das palmeiras (açai, buriti, bacaba, pupunha etc), da castanha-do-pará, da seringa, dos óleos e corantes vegetais, das substâncias alcaloides para a farmacologia, das substâncias de valor herbicida e fungicida rendem mais do que todo o desmatamento que sob o governo de Bolsonaro cresceu mais de 230%.

Só os 10% das terras roxas (terras dos índios) já identificadas de excelente fertilidade podem tornar-se áreas de maior produção agrícola mundial. A exploração de minério e de madeira podem caminhar juntos com um reflorestamento permanente que garanta a mancha verde das áreas afetadas (cf. Moran, E., A economia humana das populações na Amazônia, Vozes, Petrópolis 1990, 293 e 404-405 ; Schubart, H., Ecologia e utilização das Florestas, em Salati, E., Amazônia, desenvolvimento, integração, ecologia, op.cit. 101-143).

A Amazônia é o lugar de ensaio de uma alternativa possível, em consonância com o ritmo daquela natureza luxuriante, respeitando e valorizando a sabedoria dos povos originários.

Chico Mendes será para o Sínodo Panamazônico a realizar-se em outubro de 2019 em Roma, um exemplo paradigmático e uma fonte de inspiração.

Leonardo Boff é eco-teólogo e filósofo e escreveu Como cuidar da Casa Comum: uma ética  da Terra, Vozes 2018.