Wie können die Schwarzen mitten im Leiden noch singen, lachen und tanzen?

 

Tausende von Menschen in ganz Südafrika vermischten Tränen mit Tänzen, Feiern mit Klagen über den Tod Nelson Mandelas. Auf diese Weise drückt sich ihre Kultur des Übergangsritus’ vom Diesseits zum Jenseits, wo ihre Vorfahren, die Weisen und die Hüter des Volkes, deren Riten und ethische Normen sich befinden, aus. Nun ist auch Mandela dort, unsichtbar, doch ganz gegenwärtig und begleitet das Volk, zu dessen Befreiung er so viel beitrug.

 

Augenblicke wie diese erinnern uns an unsere höchsten menschlichen Ahnen. Wir haben alle unsere Wurzeln in Afrika, selbst wenn die meisten dies nicht wissen oder es ihnen gleichgültig ist. Doch es ist von entscheidender Wichtigkeit, dass wir uns unserer Wurzeln bewusst werden, die in der einen oder anderen Weise unseren genetischen und spirituellen Codex prägten.

 

An dieser Stelle möchte ich auf einen Text zurückgreifen, den ich vor langer Zeit unter dem Titel „Wir alle sind Afrikaner“ schrieb, und den ich der veränderten Weltsituation angepasst habe.

 

Gleich zu Beginn ist es wichtig, die afrikanische Tragödie anzuprangern: Afrika ist der am meisten vergessene und durch die Weltpolitik verwüstete Kontinent. Alles, was zählt, sind seine Ländereien. Diese werden von großen Weltkonzernen und von China gekauft, um riesige Getreidepflanzungen anzulegen, die die Ernährung sicherstellen sollen, nicht für Afrika, sondern für ihre eigenen Länder, oder um das Getreide in der Börsenspekulation zu verkaufen. Diese bekannten „Landkäufe“ machen insgesamt eine Fläche so groß wie die ganz Frankreichs aus. Afrika ist heute eine Art von Rückspiegel, wie in der Vergangenheit Menschen so unmenschlich und schrecklich sein konnten und heute noch sind. Die heutige Neo-Kolonialisierung ist perverser als die Kolonisierung der vergangenen Jahrhunderte.

 

Wir wollen diese Tragödie im Hinterkopf behalten, wenn wir uns nun auf das Erbe Afrikas konzentrieren, das sich in unserem Inneren befindet. Die Paläontologen und Anthropologen sind sich heute darüber einig, dass das Abenteuer der Hominisation in Afrika vor etwa 7 Millionen Jahren begann. Sie beschleunigte sich dann, durchlief die Etappen des Homo Habilis, Erectus, des Neandertalers etc. bis sie beim Homo Sapiens vor ca. 90.000 Jahren ankam. Nachdem der Homo Sapiens sich vor 4,4 Millionen Jahren auf afrikanischem Boden befand, zog er vor etwa 60.000 Jahren nach Asien; dann vor 40.000 Jahren nach Europa, und vor 30.000 Jahren schließlich auf den amerikanischen Kontinent. Somit lässt sich sagen, dass sich das menschliche Leben zum Großteil in Afrika abspielte, was man inzwischen gern vergisst und missachtet.

 

Afrika ist nicht nur unser geographischer Ursprung: es ist der primitive Archetypus, die Gesamtheit der Eindrücke, die sich auf der Seele des Menschen einprägten. Es war in Afrika, wo der Mensch seine ersten Eindrücke sammelte, wo seine wachsenden Synapsen entstanden (Zerebralisierung), die ersten Gedanken erschienen, Kreativität auftauchte sowie die soziale Komplexität, die die Entwicklung von Sprache und Kultur ermöglichte. Der Geist Afrikas ist in uns allen präsent.

 

Am Geist Afrikas kann ich drei Hauptachsen ausmachen, die uns helfen können, die systemische Weltkrise zu überwinden, in der wir uns zurzeit befinden.

 

Die erste ist Mutter Erde, Mutter Afrika. Als sich unsere Vorfahren über die Weiten Afrikas verteilten, schlossen sie eine tiefe Gemeinschaft mit der Erde, fühlten die Verbindung, die alle Dinge miteinander haben: das Wasser, die Berge, die Tiere, die Wälder und Urwälder; und die kosmischen Energien. Um Gaia, unsere Mutter und unser Gemeinsames Haus zu retten, müssen wir diesen Geist der Erde wieder erlangen.

 

Die zweite Achse besteht in der Beziehungsmatrix, wie Anthropologen es nennen. Die Afrikaner bezeichnen dies mit dem Begriff ubuntu, der bedeutet: „Ich bin wer ich bin, denn ich bin Teil der Gemeinschaft“ oder „Ich bin deinetwegen wer ich bin, und du bist meinetwegen, wer du bist“. Wir alle brauchen einander, wir sind voneinander abhängig. Was uns die Quantenphysik und die neue Kosmologie über die Interdependenz aller mit allen lehren, ist im Geist Afrikas offensichtlich.

 

Zu dieser Gemeinschaft gehören ebenfalls die Toten, wie Mandela. Die Toten „gehen“ nicht in den Himmel, denn der Himmel ist kein geographischer Ort, sondern eine Seinsform in dieser unserer Welt. Die Toten bleiben mitten im Volk als Ratgeber und Wächter der heiligen Traditionen.

 

Auf der dritten Achse finden wir die Riten und Feste. Wir bewunderten die Tatsache, dass man einen ganzen Tag lang mit Messen und Gebeten Mandelas gedachte. Afrikaner fühlen Gott in ihrer Haut, Abendländer in ihren Köpfen. Deshalb tanzen Afrikaner und bewegen ihren ganzen Körper, während wir im Westen so kalt und steif bleiben wie ein Besenstiel.

 

Die wichtigen Erfahrungen des persönlichen, sozialen und jahreszeitabhängigen Lebens werden mit Riten begangen, mit Tänzen, Musik und Vorführung von Masken. Die Masken repräsentieren Energien, die sich sowohl gutartig als auch bösartig auswirken können. Gerade in diesen Riten werden die negativen und positiven Kräfte ausbalanciert und wird der Vorrang des gesunden Menschenverstandes über das Absurde gefeiert. Wenn wir diesen Geist Afrikas wieder in uns verkörpern, muss die Krise nicht zu einer Tragödie werden.

 

Es ist bekannt, dass durch Feiern und Riten die Gesellschaft ihre Verbindungen wiederherstellt und die soziale Kohäsion verstärkt wird. Arbeit und Kampf sind jedoch nicht alles. Es gibt auch die Feier des Lebens, die Erhaltung der kollektiven Erinnerungen und das Gedenken der Siege über die überstandenen Gefahren.

 

Ich freue mich, hier das persönliche Gedenken von Washington Novaes wiederzugeben, eines unserer brillantesten Journalisten: „Vor einigen Jahren“, so schreibt Novaes, „beeindruckte mich in Südafrika, dass drei, vier Schwarze so leicht zusammenkommen und breit lächelnd singen und tanzen. Eines Tages sprach ich mit einem Taxifahrer darüber: Dein Volk hat so viel gelitten und leidet noch immer. Dennoch reicht es, dass ein paar Leute zusammenkommen, und sie haben Grund zu tanzen, zu singen und zu lachen. Woher kommt diese Energie? Und er antwortete: Durch das Leiden lernen wir, dass Fröhlichkeit nicht von dem abhängt, was außerhalb unserer selbst liegt. Es liegt ganz allein an uns, in uns.“

 

Der Anteil unserer Bevölkerung, der afrikastämmig ist, zeigt uns auch diese Art der Freude, die weder Kapitalismus noch Konsum uns bereiten können.

 

 

übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

El materialismo de Papá Noel y la espiritualidad del Niño Jesús

Un buen día, el Hijo de Dios quiso saber cómo andaban los niños y las niñas, a los que en otro tiempo, cuando estuvo entre nosotros, “tocaba y bendecía”, y de los había dicho: “dejad que los niños vengan a mí porque de ellos es el Reino de Dios” (Lucas 18, 15-16).

Como en los mitos antiguos, montó en un rayo celeste y llegó a la Tierra unas semanas antes de Navidad. Asumió la forma de un barrendero que limpiaba las calles. Así podía ver mejor a la gente que pasaba, las tiendas todas iluminadas y llenas de cosas envueltas para regalo y especialmente a sus hermanas y hermanos más pequeños que andaban por ahí, mal vestidos y muchos con hambre, pidiendo limosna. Se entristeció sobremanera porque se dio cuenta de que casi nadie seguía estas palabras que él había dicho: “quien recibe a uno de estos niños en mi nombre a mí me recibe” (Marcos 9,37).

Vio también que ya nadie hablaba del Niño Jesús que venía, escondido, en la noche de Navidad a traer regalos a todos los niños. Su lugar había sido ocupado por un vejete bonachón, vestido de rojo, con largas barbas y un saco a la espalda, que gritaba tontamente a todas horas: “Oh, Oh, Oh, Papá Noel está aquí”. Sí, en las calles y dentro de los grandes almacenes estaba él, abrazando a los niños y sacando de su saco regalos que los padres habían comprado y puesto dentro. Se dice que vino de lejos, de Finlandia, montado en un trineo tirado por renos. La gente había ido olvidando a otro viejito, este sí realmente bueno: San Nicolás. De familia rica, por Navidad hacía regalos a los niños pobres diciendo que era el Niño Jesús quien se los enviaba. De todo esto nadie hablaba. Sólo se hablaba de Papá Noel, inventado have poco más de cien años.

Tan triste como ver a niños abandonados en las calles, era ver como se embobaban, seducidos por las luces y por el brillo de los regalos, de los juguetes y por mil cosas que los padres y madres suelen comprar para regalar con ocasión de la cena de Nochebuena.

Los reclamos publicitarios, muchos de ellos engañosos, se gritan en voz alta, suscitando el deseo de los pequeños que luego corren hacia sus padres pidiéndoles que les compren lo que han visto. El Niño Jesús, travestido de barrendero, se dio cuenta de que aquello que los ángeles cantaron de noche por los campos de Belén “os anuncio una alegría, que lo será también para todo el pueblo porque hoy os ha nacido un Salvador… Gloria a Dios en las alturas y paz en la tierra a la gente de buena voluntad” (Lucas 2, 10-14) ya no significaba nada. El amor había sido sustituido por los objetos y la jovialidad de Dios, que se hizo niño, había desaparecido en nombre del placer de consumir.

Triste, montó en otro rayo celeste, pero antes de volver al cielo, dejó escrita una cartita para los niños y las niñas. La encontraron debajo de las puertas de las casas y, especialmente, de las chabolas de los montes de la ciudad, llamadas favelas. La carta decía así:

Queridos hermanitos y hermanitas:

Si al mirar el portal y ver allí al Niño Jesús, junto a José y María, os llenáis de fe en que Dios se hizo niño, un niño como cualquiera de vosotros, y que es el Dios-hermano que está siempre con nosotros.

Si conseguís ver en los demás niños y niñas, especialmente en los más pobres, la presencia escondida del niño Jesús naciendo dentro de ellos.

Si sois capaces de hacer renacer el niño escondido en vuestros padres y en las otras personas mayores que conocéis, para que surja en ellas el amor, la ternura, el cuidado y la amistad en lugar de muchos regalos.

Si al mirar el pesebre y ver a Jesús pobremente vestido, casi desnudo, os acordáis de tantos niños igualmente mal vestidos, y os duele en el fondo del corazón esta situación inhumana, y quisierais compartir lo que tenéis, y deseáis desde ahora cambiar estas cosas cuando seáis mayores para que no haya nunca más niños y niñas que lloran de hambre y de frío.

Si al descubrir a los tres Reyes Magos que llevan regalos al Niño Jesús pensáis que hasta los reyes, los jefes de estado y otras personas importantes de la humanidad vienen de todas partes del mundo para contemplar la grandeza escondida de ese pequeño Niño que llora sobre unas pajas.

Si al ver en el nacimiento la vaca, el burrito, las ovejas, las cabritinas, los perros, los camellos y el elefante, pensáis que todo el universo está también iluminado por el divino Niño y que todos, estrellas, soles, galaxias, piedras, árboles, peces, animales y nosotros, los seres humanos, formamos la Gran Casa de Dios.

Si miráis al cielo y veis la estrella con su cola luminosa y recordáis que siempre hay una Estrella como la de Belén sobre vosotros, que os acompaña, os ilumina, y os muestra los mejores caminos.

Si aguzáis bien los oídos y escucháis a través de los sentidos interiores una música suave y celestial como la de los ángeles en los campos de Belén, que anunciaban paz en la Tierra.

Sabed entonces que yo, el Niño Jesús, estoy naciendo de nuevo y renovando la Navidad. Estaré siempre cerca, caminando con vosotros, llorando con vosotros y jugando con vosotros, hasta el día en que todos, humanidad y universo, lleguemos a la Casa de Dios, que es Padre y Madre de infinita bondad, para ser juntos eternamente felices como una gran familia reunida.

Firmado: Niño Jesús

Belén, 25 de diciembre del año 1

Traducción de María José Gavito Milano
 

The materialism of Santa Claus and the spirituality of Baby Jesus

One good day, the Son of God wanted to know how the boys and girls were, who in another time, when he was among us, “He touched and blessed”, and of whom He had said: “let the children come to me because theirs is the Kingdom of God” (Luke 18, 15-16).

Like in the old myths, He mounted a celestial ray and reached Earth a few weeks before the Nativity. He assumed the form of a street sweeper. That way He could better see the people passing by, the well illuminated stores, filled with things wrapped as gifts, and especially His smallest sisters and brothers who were walking around, not well dressed and many of whom were hungry, and begging. He became very sad because He understood that almost no one followed the words He had said: “who receives one of these children in my name, receives me” (Mark 9,37).

He also saw that no one spoke of the Baby Jesus who would come, secretly, on the night of the Nativity to bring gifts for the children. His place had been taken by a good natured old man, dressed in red, with a long beard and carrying a sack, who would constantly call out the silly refrain: “Ho, Ho, Ho, Santa Claus is here”. Yes, he was in the streets and in the great stores, embracing the children and taking from his sack the gifts that the parents had bought and put there. It is said that he had come from far away, from Finland, mounted on a sleigh pulled by reindeer. The people had forgotten another little old man, this one a really good one: Saint Nicholas. From a wealthy family, on Nativity he would hand out gifts to poor children, saying that it was the Baby Jesus who sent it to them. No one would speak about all that. They only talked about Santa Claus, invented a little over 100 years ago.

As sad as seeing the abandoned children in the streets, was seeing how people became giddy, seduced by the lights and the splendor of the gifts, and the thousands of things parents usually buy to give away on the occasion of the Nativity Eve meal.

The advertisements, mostly misleading, are shouted out loudly, arousing the desire of the children who run to their parents, asking them to buy them the things they have seen. The Jesus Child, dressed as a street sweeper, came to realize that everything the angels sang that night throughout the fields of Bethlehem, “we proclaim the joy, that will also be for all the people, because today has been born a Savior… Glory to God in the highest and peace on Earth to people of good will” (Luke 2, 10-14) means nothing anymore. Love has been replaced by objects, and the joyfulness of God, who made Himself a child, had disappeared in the name of the pleasure of consumption.

Sad, He mounted another celestial ray, but before returning to heaven, He left a letter He had written for the children. They found the letter under the doors of their houses and, especially, of the huts in the outskirts of the city, called, favelas. The letter said:

Dear little brothers and sisters:

If on seeing the manger, you see there the Baby Jesus, with Joseph and Mary, and you are filled with faith in God who made Himself a child, a child like any of you, and who is God-brother who is always with you.

If you manage to see in the other boys and girls, especially in the poorest, the hidden presence of the Baby Jesus being born in them.

If you are capable of making the child hidden in your parents and the other grown ups you know be reborn, so that from them spring forth love, tenderness, caring and friendship instead of many gifts.

If on seeing the manger and seeing Jesus poorly dressed, almost naked, you remember so many other children who are equally poorly dressed, and you hurt deep in your heart because of this inhumane situation, and you want to share what you have with others and from now you wish to change these things when you are an adult, so that never again would there be boys and girls who cry of hunger and cold.

If when you discover the Magi who bring gifts to the Baby Jesus you think that even the kings, the heads of state and other important persons of humanity come from all over the world to contemplate the greatness hidden in this small Child who cries in the hay.

If on seeing in the nativity scene the oxen and the donkey, the sheep, goats, dogs, the camels and the elephant, you think that the whole universe is also illuminated by the divine Child and that everything, the stars, suns, galaxies, stones, trees, fish, animals and all of us, the human beings, form the Great House of God.

If you see the sky and see the star with its luminous tail and remember that always there is a Star such as the one of Bethlehem over you, that accompanies, illuminates and shows you the better paths.

If you listen carefully and hear through your inner senses a soft and celestial music like that of the angels over the fields of Bethlehem, who announced peace on Earth.

Then, know that I, the Baby Jesus, am being born again and am renewing the Nativity.  I will be always near, walking with you, crying with you and playing with you, until the day when all, humanity and universe, arrive to the House of God, who is Father and Mother of infinite goodness, to be eternally happy together as a great reunited family. 

Signed: the Baby Jesus 

Bethlehem, December 25, year 1

Free translation from the Spanish by
Servicios Koinonia, http://www.servicioskoinonia.org.
Done at REFUGIO DEL RIO GRANDE, Texas, EE.UU.

Achtsamkeit für den Körper vs. Körperkult

Es ist eine Bereicherung, die menschliche Existenz unter dem Blickwinkel der Komplexitätstheorie aus zu verstehen. Wir sind komplexe Wesen, d. h. in uns treffen unzählige Faktoren aufeinander: materielle, biologische, energetische, spirituelle, irdische und kosmische. Wir besitzen ein äußerliches Erscheinungsbild, mit dem wir den anderen zu verstehen geben, dass wir eine/r von ihnen sind und dass wir dem Universum der Körper angehören. Und wir haben ein Inneres, das von starken positiven wie negativen Energien besetzt ist, die unsere psychische Individualität bilden. Wir sind Träger der Dimension der Tiefe, wo wir uns die wichtigsten Fragen wie die nach dem Sinn unserer Reise durch diese Welt stellen. Diese Dimensionen bestehen gleichzeitig in uns, interagieren und beeinflussen sich gegenseitig und formen so das, was wir den Menschen nennen.

Alles in unserem Inneren bedarf der Pflege. Ansonsten verlieren wir das Gleichgewicht der Kräfte, die uns bilden, und wir entmenschlichen uns. Wenn wir das Thema der Achtsamkeit für den Körper ansprechen, ist es vor allem notwendig, uns bewusst dem Dualismus entgegenzustellen, der in unserer Kultur stets unterstrichen wird: der „Körper“ auf der einen Seite, losgelöst vom Geist, und auf der anderen Seite der körperlose „Geist“. So verlieren wir die Einheit des menschlichen Lebens.

Die kommerzielle Propaganda profitiert von diesem Dualismus, der den Körper nicht in seiner Ganzheit sieht, sondern ihn in seine Einzelteile aufspaltet: Muskeln, Hände, Füße etc. Hauptopfer dieser Werbung sind die Frauen, denn diese chauvinistische Perspektive hat sich in der Medienwelt des Marketing verankert, die die Körperteile der Frau, ihre Brüste, ihre Haare, ihren Mund, ihr Geschlecht und andere Aspekte nutzt, um aus der Frau einen „Gebrauchsgegenstand“ für die chauvinistischen Männer zu machen. Dieser kulturellen Deformierung müssen wir uns entschieden entgegenstellen.

Ebenso ist es wichtig, den „Körperkult“ abzulehnen, der von den unzähligen Sporthallen und anderen Methoden, die physische Person zu bearbeiten, vorangetrieben wird, als wäre der Körper der Frau/des Mannes eine ihres Geistes beraubte Maschine, die beständig danach strebt, mehr Muskeln zu bekommen. Damit wollen wir nicht den Wert der diversen Gymnastik-Übungen in Abrede stellen, die der Gesundheit und der Körper-Geist-Einheit dienen. Wir denken dabei an die Massagen, die dem Körper seine Energie zurückgeben und die Lebensenergien im Fluss halten, vor allem die orientalischen Disziplinen wie Yoga, das eine meditative Lebenshaltung fördert, oder den Ansporn, sich ausgewogen und gesund zu ernähren, einschließlich des Fastens sowohl als freiwillige Askese wie auch als Weg, die Lebensenergien wieder miteinander in Einklang zu bringen.

Die Kleidung verdient eine besondere Beachtung. Sie schützt uns nicht nur vor schlechtem Wetter, sondern ist auch Teil der Achtsamkeit dem Körper gegenüber, da die Kleidung für eine Sprache steht, in der man sich im Theater des Lebens ausdrückt. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass die Kleidung ein Ausdruck unserer Seinsweise ist und das ästhetische Profil einer Person  zeigt. Vor allem für die Frau ist dies wichtig, denn sie hat ein engeres Verhältnis zu ihrem Körper und ihrem Erscheinungsbild.

Nichts ist lächerlicher und stellt die Geistlosigkeit mehr zur Schau als Schönheit, die mit Botox und unnötigen Schönheitsoperationen hergestellt wurde. Aus dieser künstlichen Verschönerung ist eine ganze Kosmetikindustrie entstanden sowie Schlankheitskuren in Kliniken und Spas, die kaum einer Ganzheitlichkeit des Körpers dienlich sind. Das heißt nicht, dass Massagen und Kosmetika, die der Haut und der Schönheitspflege dienlich sind, nutzlos wären. Doch es gibt eine Schönheit für jedes Alter, die Ausstrahlung, die im Lauf des Lebens durch Arbeit entsteht, und den Geist, der sich in der physischen Erscheinung des Menschen ausdrückt. Kein Photoshop kann die raue Schönheit ersetzen, die die Härte des Lebens in das Gesicht eines Arbeiters gemeißelt hat, noch die Falten, die durch vielfältiges Leiden entstanden sind. Der Kampf so vieler Frauen, die auf den Feldern, in der Stadt und in den Fabriken arbeiten, hat auf ihren Körpern eine andere Art von Schönheit hinterlassen, die oft mit einem Ausdruck großer Kraft und Energie einhergeht. Sie sprechen vom wirklichen Leben und nicht von einer künstlichen und geschminkten Existenz.  Die sorgfältig ausgearbeiteten Fotos der Ikonen konventioneller Schönheit hingegen sind fast alle vom gängigen Schönheitsideal geprägt und können nicht die Affektiertheit des Gesichts und den frivolen Hochmut verbergen, der sich dort offenbart.

Solche Personen sind Opfer einer Kultur, die nicht die Achtsamkeit kultiviert, welche jeder Phase des Lebens zukommt mit ihrer Schönheit und ihrem Strahlen und auch mit den Bände sprechenden Spuren eines gelebten Lebens, die sich im Gesicht und im Körper eingeprägt haben durch vielfältiges Ringen, Leiden und überwundene Schwierigkeiten. Solche Spuren schaffen eine einzigartige Schönheit und eine besondere Ausstrahlung, nicht aber die Personen in Profil einer überholten Vergangenheit fixieren.

Wir kümmern uns um den Körper in einer positiven Weise, indem wir eine Haltung der Synergie und der Gemeinschaft mit allen Dingen annehmen, mit der Natur und der Erde, auf die wir uns vor Jahrhunderten exilierten. Dies bedeutet, eine lebensfreundliche Beziehung von Liebe und Einfühlungsvermögen zu den Tieren, Blumen, Pflanzen, dem Klima, den Landschaften und der Erde zu schaffen. Wenn wir diese wunderschönen Bilder des irdischen Globus betrachten, die durch Teleskope oder vom Weltall aus aufgenommen wurden, bricht in uns ein Gefühl der Ehrfurcht, des Respekts und der Liebe für unsere Große Mutter aus, von deren Schoß wir alle stammen. Sie mag klein und, weltgeschichtlich betrachtet, alt sein, doch sie hat eine besondere Ausstrahlung.

Das Erreichen eines Gleichgewichts zwischen der Selbstbestätigung einerseits, ohne in Arroganz zu verfallen und andere abzulehnen, und andererseits der Integration eines größeren Ganzen, der Familie, der Gemeinschaft, den Arbeitskollegen und der Gesellschaft, ohne sein eigenes Selbst zu verlieren und einem kritiklosen Mitläufertum zu verfallen, ist vielleicht die größte Herausforderung für den physischen Menschen. Dieses angestrebte Gleichgewicht lässt sich nicht ein für allemal erreichen, es muss täglich neu errungen werden, denn dies wird ständig von uns gefordert. Die beiden Kräfte, die uns sowohl zerreißen als auch uns zusammenhalten können, müssen stets ausbalanciert werden.

Die Achtsamkeit für unser In-der-Welt-Sein schließt auch unsere Ernährung ein: was wir essen und trinken. Es geht darum, im Essen nicht nur einen bloßen Akt des Ernährens zu sehen, sondern einen Ritus der Zelebration und der Kommunion mit unseren Tischnachbarn und mit den Früchten, die der Großzügigkeit der Erde entspringen. Es geht auch um die Wahl von biologischen Lebensmitteln oder solchen, die möglichst wenig mit Chemikalien behandelt wurden. So lässt sich ein gesundes Leben erreichen, indem man versucht, etwaigen Krankheiten vorzubeugen, die uns, bedingt durch die Umweltverschmutzung, befallen könnten.

Auf diese Weise lässt der physische Mensch seine innere und äußere Harmonie durchscheinen als Mitglied der großen Lebensgemeinschaft.

übersetzt von Bettina Gold-Hartnack