Der Gipfel der indigenen Völker:Der Kondor und der Adler

Leonardo Boff

Der Volksgipfel: Der renommierte Historiker und Kulturtheoretiker Emmanuel Todd prangerte bereits 2024 in scharfem Ton „Die Niederlage des Westens“ (La défaite de l’Occident) an. Er zeigte überzeugend auf, wie der Westen sich selbst besiegte, indem er nicht in der Lage war, sich aus seinen bereits nekrotischen Wurzeln – dem Kondor und dem Adler – neu zu erschaffen.

Was Todd über den Westen sagte, ließe sich auf die gesamte Zivilisation des Planeten übertragen, vielleicht mit Ausnahme Chinas unter Xi Jinping, das versucht, die ethischen und spirituellen Wurzeln der chinesischen Washeit wiederzuentdecken. Doch das Problem ist der Mangel an Freiheit. Die Geschichte lehrt uns, dass es dem Menschen zutiefst widerstrebt, seiner größten Gabe, der Freiheit, beraubt zu werden, mit der er sein Schicksal gestalten und seine Visionen verwirklichen kann.

Während die globalisierte Zivilisation fast vollständig orientierungslos ist, gilt dies nicht für die indigenen Völker von Abya Yala, dem Kuna-Namen für die amerikanischen Ureinwohner, der „reifes Land“ bedeutet. Dieser Name ist bereits von fast allen ethnischen Gruppen übernommen worden. Ein langer Weg wurde zurückgelegt. Auf dem Ersten Interamerikanischen Indigenenkongress, der 1940 in Pátzcuaro (Mexiko) stattfand, wurde die kolonialistische These der Homogenisierung und Assimilation der indigenen Völker in die dominante westliche Kultur noch immer vertreten.

Ab den 1960er Jahren begann sich alles zu verändern, als insbesondere unter jungen Menschen ein libertärer Geist aufkam. In diesem Kontext erwachte in allen südamerikanischen Ländern auch das indigene Bewusstsein. Die indigenen Völker weigerten sich, als „Eingeborene“(Naturais) bezeichnet zu werden, um sie von den „Zivilisierten“ abzugrenzen. Sie wollten das sein, was sie sind: wahre Völker: Maya, Inka, Azteken, Olmeken, Tolteken, Tupi-Guarani, Pataxó, Yanomami und Dutzende andere.

Ab 1990 fanden mehrere Treffen zwischen den indigenen Völkern des südlichen und nördlichen Amerikas statt. Sie suchten nach einer gemeinsamen, einzigartigen Identität. Schnell erkannten sie, dass sie nur im Widerstand und im Schutz ihrer Kultur etwas Gemeinsames finden konnten. Um jedoch Stärke zu erlangen, mussten sie ein Bündnis schmieden, das alle Völker des Nordens mit denen des Südens vereinen würde. Vereint konnten sie der dominanten westlichen Kultur entgegentreten, die sie seit jeher zu assimilieren versucht, ihre Identität, Kultur, Religion, angestammten Feste und Mythen zu opfern und ihnen ihr Land zu rauben.


Als Reaktion darauf wurde 2007 der Gipfel der Völker von Abya Yala ins Leben gerufen. Von großer Bedeutung war das Treffen in Porto Alegre im Jahr 2012, bei dem Dutzende von Ethnien und Unterstützergruppen das „Manifest der indigenen Völker von Abya Yala” verabschiedeten. Es enthielt folgende Forderungen: „Zur Verteidigung von Mutter Erde, für ein gutes Leben, ein erfülltes Leben und gegen die Kommerzialisierung des Lebens und von Mutter Natur”.

Der Text ist eindeutig: „Unsere Beziehung zu unserem Land und unseren Territorien ist die Grundlage unserer Existenz als Völker, die Grundlage unseres guten Lebens und unserer Erfüllung, in Harmonie mit Mutter Natur.“        Sie verstanden, dass die sogenannte „Entdeckung Amerikas oder Brasiliens“ eine Invasion und Eroberung durch die Europäer war, die sie mit beispielloser Gewalt kolonisierten, sich ihr Land aneigneten und vor allem nach Gold, Silber und Edelhölzern suchten. Heute schließen sich alle zusammen, um Widerstand zu leisten und ihre Identität wiederzugewinnen, was bedeutet, ihre Sprachen, Traditionen, Religionen und das Wissen der Ältesten und Schamanen zu bewahren.

Ein Schatten begleitet sie: die Ausrottung ihrer Vorfahren durch die europäischen Invasoren. Es kam zu einem der größten Völkermorde der Geschichte. Etwa 60 Millionen Angehörige dieser Urvölker wurden durch Vernichtungskriege oder durch von den Weißen eingeschleppte Krankheiten, gegen die sie keine Immunität hatten, sowie durch Zwangsarbeit getötet.

Die neuesten Daten wurden von der Pädagogin Moema Viezer und dem in Brasilien lebenden kanadischen Soziologen und Historiker Marcelo Grondin erhoben. Das Buch mit einem Vorwort von Ailton Krenak, ein Fürer der Indigenen beschreibt Region für Region, wie die systematische Ausrottung von Indigenen und sogar ganzen Völkern, wie im Fall von Hati, ablief. Es trägt den Titel Abya Yala: Völkermord, Widerstand und Überleben der Ureinwohner Amerikas (Verlag Bambual, Rio de Janeiro 2021).

Im Bewusstsein dieser Tragödie, die seine Brüder ereilt hatte, warnte der Schamane Davi Kopenawa Yanomami, ein Weiser der Yanomami-Nation, in dem Buch „Der Fall des Himmels“ vor der Fortsetzung dieses tödlichen Prozesses und sagte voraus, was die Schamanen seines Volkes spüren: „Die Menschheit steuert ihrem Ende entgegen“ (Companhia das Letras, 2015).

Am Ende einer dieser Begegnungen zwischen den Völkern des Großen Südens und des Großen Nordens erhob sich ein Schamane und sprach mit kräftiger, ruhiger Stimme: „Brüder und Schwestern, meine Verwandten. Hört diese Prophezeiung, die ein Ältester aus uralten Zeiten verkündet hat. Es wird ein Tag kommen, da der Adler des Nordens, der den Kondor des Südens vertrieben hat, hierher fliegen wird. Er wird den Kondor finden. Er wird ihn nicht länger verfolgen. Er wird ihn einladen, mit ihm zu fliegen. Und so geschah es. Mit ihren gewaltigen Schwingen begannen die beiden, der Kondor und der Adler, gemeinsam über jene Berge und Täler zu fliegen. Und sie wurden nie wieder getrennt.“

(Es versteht sich von selbst, dass der Adler die Vereinigten Staaten von Amerika und der Kondor Abya Yala den indigenen Kontinent Amerikas repräsentierte).

Und der Schamane schloss: „Der Tag ist gekommen: Hier sind wir, aus allen Teilen der Welt, aus dem Norden und dem Süden. Wir sind alle miteinander verwandt und die Erde ist unsere Große Mutter. Lasst uns unseren Brüdern und Schwestern aus aller Welt helfen, unsere Große Mutter zu lieben, zu achten und zu stärken. So können wir alle zusammen in diesem großen gemeinsamen Dorf leben.“ Er sprach und sagte es.

Diese Prophezeiung erfüllt sich unter den indigenen Völkern. Möge sie sich auch in uns erfüllen, solange wir noch Zeit haben.

Leonardo Boff,Autor für das ICL-Magazin LIBERTA

(https:// www.revistaliberta.com.br). Er schrieb auch „Caring for Our Common Home: How to Postpone the End of the World, Vozes 2025“. (https://www.leonardoboff.com)

Übersetzt von Bettina Goldhacker

O fracasso ético e moral da humanidade

Leonardo Boff

Nossa origem se encontra na África. Por isso somos todos africanos. O Vale do Rift que pode ser visto da Lua, com a extensão de  3 mil km, começando no norte da Síria e chegando ao centro de Moçambique é uma zona privilegiada. Nesse Vale se produziu uma grande divisão: de um lado,mais alto, ficaram as florestas nas quais nossos antepassados antropoides  e depois os símios  superiores como os gorilas e orangotangos viviam e tinham abundância de alimentos. Não precisavam evoluir para sobreviver.

Alguns ficaram na parte rebaixada do Vale do Rift tornada uma espécie de savana. Nossos ancestrais neste “nordeste seco” evoluíram em seu corpo, começaram a andar em pé e em seu cérebro com mais sinapses de seus neurônios, propiciando um pensamento inicial, no afã de buscar o necessário para a sobrevivência. Ecologicamente a vida  na savana não é tão abundante em meios de vida quanto as demais bioregiões. Em 1974 descobriu-se um fóssil bastante completo,  no deserto de Afar na Etiópia, datado de 3,18 milhões de anos. Parecia ser  de uma mulher. Por isso, foi chamada de “Lucy”, nome tirado de uma canção dos Beatles “Lucy in the Sky with Daimonds”.

         Concluindo: a bioantropologia deixou claro que nós, seres humanos, derivamos de um ancestral comum. Não era um macaco como comumente se pensa, mas um primata primitivo que se bifurcou: por um lado deu origem aos grandes símios, acima referidos, e por outro as várias fases do ser humano,como o homo habilis, depois o homo erectus e, por fim, o homo sapiens, donde nós procedemos

A grande mudança começou com o homo habilis há mais de 2 milhões de anos. Ele já utilizava instrumentos como pedras pontiagudas, paus aguçados e ossos grossos com os quais intervinha na natureza e facilitava a caça de animais. Mas essa intervenção não era ainda destrutiva.

         Com a diferença de centenas de anos, surgiu o homo erectus, já bípede que utilizava instrumentos mais potentes a ponto de, em grupos coordenados, caçar bovinos e até elefantes. Usou pela primeira vez  o fogo introduzindo uma verdadeira revolução cultural passando do cru para o cozido, como foi estudado pelo antropólogo Claude Levy Strauss. Cresceu a intervenção na natureza atingindo animais maiores, como as grandes preguiças.

Depois de ter permanecido por milênios na África, migrando de um lugar ao outro,mas sempre dentro do continente africano, começou a grande migração do  homo erectus.Emigrou para a Eurásia, para a Ásia Central, chegando à Índia, à China até a Austrália. Mais tarde os seus descendentes o homo sapiens chegaram às Américas por volta de 20 mil  anos atrás e assim ocupar todo  o planeta.

Do emigrante  homo erectus chegamos ao homo sapiens de 100 mil anos atrás. Este introduziu há  10 mil anos talvez a maior revolução na história já realizada, a única universalizada, cujas consequências perduram e se aprofundaram até os dias atuais. É a revolução do neolítico. Os seres humanos ficaram sedentários: criaram vilas e cidades. A grande invenção foi a agricultura e a irrigação, especialmente junto aos grandes rios, Tigre, Eufrates, Nilo e Indo.

         Com a agricultura formou-se  um superavit de meios de vida.  Agora começa seu processo de violência e  agressão, não só contra a natureza como vinha fazendo crescentemente até esta data, mas  contra outros seres humanos. A produção agrícola produziu excedentes em boa quantidade. Isso possibilitou a guerra, pois havia reservas para alimentar os soldados. Foi nesse momento em que o historiador Arnold Toynbee em sua imensa obra  A Study of History viu o surgimento do fenômeno que jamais desapareceu da face da Terra: a guerra. Começou a verdadeira “abominação da desolação” como biblicamente se descreve o nível da destrutividade humana.

Mas a sistemática violência contra outros seres humanos e a natureza ganhou dimensões nunca vistas antes com o processo de colonização e escravização de África e da América Latina e de outras regiões a partir da Europa. Milhões foram sacrificados.Só nas Américas 61 milhões, no espaço de um século e meio. Foi o maior holocausto da história. Houve verdadeiros genocídios,atualizados nos dias atuais,como aquele da Faixa de Gaza contra os palestinos. A inauguração da industrialização moderna até a presente data com as formas mais sofisticadas de dominação de pessoas e da depredação de praticamente todos os ecossistemas, utilizando a IA, propiciou o auge do uso da violência. Até criarmos o princípio de autodestruição com todo tipo de armas mortais.

Devemos reconhecer que graças às ciências e às técnicas modernas o bem estar humano cresceu prodigiosamente.Tornou a vida mais cômoda e mais longeva,embora grande parte da humanidade seja condenada à exclusão desses benefícios.Indubitavelmente houve um progresso em todos os âmbitos,na saúde, da educação, na mobilidade e outras mil invenções. Mas não devemos nos orgulhar, pois como observou o geneticista francês André Langaney(*1942) as algas e as borboletas desenvolvera mais o DNA que nós. Em termos de massa, os vermes da terra a possuem mais do que a de toda a humanidade.

         Não obstante este desenvolvimento cultural,em termos morais (modos de organizar a vida) e éticos (os princípios que orientam a vida) estamos ainda na pré-história. Acompanhou-nos sempre  a maldade, a crueldade, a mentira intencionada e a falta de empatia como verificamos em nossos dias.Os escândalos de pedofilia e se abusos inomináveis a jovens meninas, atestados nos arquivos de Epstein,envolvendo o presidente Trump e outros nos testemunham o nível da degradação moral e ética.

Somos os últimos dos seres portadores de inteligência reflexa a entrar no processo da evolução. No derradeiro minuto antes da meia-noite, se reduzirmos a idade do universo (13,7 bilhões de anos) ao calendário de um ano.Será que ainda temos a chance de fazer predominar a bondade sobre a brutalidade, o cuidado sobre a destrutividade de nosso modo de viver? Um insano como o Presidente Donald Trump ameaça usar seu poder militar para submeter todos os países, com o risco de eliminar por uma guerra nuclear, a vida humana.Ou por sua incontida vontade de poder destrutivo seria aquele, o inimigo da vida, representante do Anti-Cristo, que poria fim à saga humana? A Terra continuará a girar por milênios ao redor do sol, mas sem nós ou apenas com os trilhões de trilhões micro-organismos no subsolo que sobreviverão. O destino está em nossas decisões,em nossas mãos. Como salvar a nós e a vida fazendo do amor,do cuidado e da empatia os eixos estruturadoras de um novo tipo de civilização? Sem isso não teremos futuro.

Leonardo Boff é ecoteólogo, filósofo e escritor e escreve para a revista LIBERTA do Instituto Conhecimento Liberta (ICL: (https://www.revistaliberta.com.br); A nova visão do universo:de onde viemos? Animus-Anima,Petrópolis 2025; site:www.leonardoboff.org

Das ethische und moralische Versagen der Menschheit

Leonardo Boff

Unsere Ursprünge liegen in Afrika. Deshalb sind wir alle Afrikaner. Der vom Mond aus sichtbare Ostafrikanische Grabenbruch(Rieft Valley) erstreckt sich über 3.000 km, von Nordsyrien bis ins Zentrum Mosambiks, und ist ein privilegiertes Gebiet. In diesem Tal gab es eine große Trennlinie: Auf der einen Seite, höher gelegen, befanden sich die Wälder, in denen unsere menschenähnlichen Vorfahren und später die höheren Affen wie Gorillas und Orang-Utans lebten und reichlich Nahrung fanden. Sie mussten sich nicht weiterentwickeln, um zu überleben.

Einige blieben im tiefer gelegenen Teil des Rift Valley, der sich zu einer Art Savanne entwickelt hatte. Unsere Vorfahren in diesem „brasilianischen trockenen Nordosten“ entwickelten sich körperlich weiter, begannen aufrecht zu gehen, und ihr Gehirn bildete mehr Synapsen aus, was erste Denkprozesse im Streben nach dem Überleben ermöglichte. Ökologisch gesehen ist das Leben in der Savanne nicht so ressourcenreich wie in anderen Bioregionen. 1974 wurde in der Afar-Wüste in Äthiopien ein recht vollständiges Fossil entdeckt, das auf ein Alter von 3,18 Millionen Jahren datiert wurde. Es schien das einer Frau zu sein. Daher wurde sie „Lucy“ genannt, nach dem Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bioanthropologie eindeutig belegt hat, dass wir Menschen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen. Dieser war nicht, wie oft angenommen, ein Affe, sondern ein primitiver Primat, der sich in verschiedene Gruppen aufspaltete: Einerseits brachte er die oben genannten Menschenaffen hervor, andererseits die verschiedenen Entwicklungsstufen der Menschheit, wie Homo habilis, dann Homo erectus und schließlich Homo sapiens, und soäter der Homo sapiens sapiens von dem wir abstammen.

Der große Wandel begann mit dem Homo habilis vor mehr als zwei Millionen Jahren. Schon damals nutzten sie Werkzeuge wie zugespitzte Steine, Stöcke und dicke Knochen, mit denen sie die Natur bearbeiteten und die Jagd auf Tiere erleichterten. Doch diese Eingriffe waren noch nicht zerstörerisch.

Jahrhunderte später erschien der Homo erectus, bereits zweibeinig und mit leistungsfähigeren Werkzeugen ausgestattet, sodass er in organisierten Gruppen Rinder und sogar Elefanten jagte. Er nutzte als Erster das Feuer und leitete damit eine wahre kulturelle Revolution ein, indem er von roher zu gekochter Nahrung überging, wie der Anthropologe Claude Lévi-Strauss untersuchte. Sein Eingriff in die Natur intensivierte sich und erstreckte sich auch auf größere Tiere wie Riesenfaultiere.

Nachdem der Homo erectus Jahrtausende lang in Afrika geblieben war und innerhalb des afrikanischen Kontinents immer wieder umhergewandert war, begann die große Migration. Er wanderte nach Zentralasien und erreichte schließlich Indien, China und Australien. Später, vor etwa 20.000 Jahren, besiedelten seine Nachkommen, der Homo sapiens sapiens, Amerika und damit den gesamten Planeten.

Vom eingewanderten Homo erectus gelangten wir vor 100.000 Jahren zum Homo sapiens sapiens. Diese Art brachte vor 10.000 Jahren die vielleicht größte Revolution der Geschichte hervor, die einzige, die sich weltweit durchsetzte und deren Folgen bis heute fortwirken und sich vertieft haben: die neolithische Revolution. Die Menschen wurden sesshaft und gründeten Dörfer und Städte. Die bedeutendste Erfindung war die Landwirtschaft mit Bewässerung, insbesondere an den großen Flüssen Tigris, Euphrat, Nil und Indus.

Die Landwirtschaft hatte einen Ressourcenüberschuss geschaffen. Nun begann ein Prozess der Gewalt und Aggression, nicht nur gegen die Natur, wie sie es bis dahin zunehmend getan hatte, sondern auch gegen andere Menschen. Die landwirtschaftliche Produktion brachte beträchtliche Überschüsse hervor. Dies ermöglichte Kriege, da Reserven zur Versorgung der Soldaten vorhanden waren. In diesem Moment erkannte der Historiker Arnold Toynbee in seinem monumentalen Werk „A Study of History“ das Entstehen eines Phänomens, das nie von der Erde verschwunden ist: den Krieg. Der wahre „Gräuel der Verwüstung“, wie die Bibel das Ausmaß menschlicher Zerstörungswut beschreibt, begann.

Doch die systematische Gewalt gegen andere Menschen und die Natur erreichte mit der Kolonisierung und Versklavung von Personen aus Afrika, Lateinamerika und anderer Regionen Europas ein beispielloses Ausmaß. Millionen wurden geopfert. Allein in Amerika 61 Millionen innerhalb von anderthalb Jahrhunderten. Es war der größte Holocaust der Geschichte. Es gab regelrechte Völkermorde, die bis heute fortbestehen, wie beispielsweise der Völkermord im Gazastreifen an den Palästinensern. Die moderne Industrialisierung bis heute, mit ihren hochentwickelten Formen der Beherrschung von Menschen und der Zerstörung praktisch aller Ökosysteme mithilfe von KI, hat den Höhepunkt der Gewaltanwendung erreicht. Bis hin zur Entstehung des Prinzips der Selbstzerstörung durch alle Arten tödlicher Waffen.

         Wir müssen anerkennen, dass das menschliche Wohlbefinden dank moderner Wissenschaft und Technologie enorm zugenommen hat. Es hat das Leben komfortabler und länger gemacht, obwohl ein großer Teil der Menschheit von diesen Vorteilen ausgeschlossen bleibt. Zweifellos gab es Fortschritte in allen Bereichen: Gesundheit, Bildung, Mobilität und unzählige andere Erfindungen. Doch wir sollten nicht stolz sein, denn wie der französische Genetiker André Langaney (*1942) feststellte, haben Algen und Schmetterlinge mehr DNA entwickelt als wir. Regenwürmer besitzen, gemessen an der Masse, mehr Masse als die gesamte Menschheit.

Trotz dieser kulturellen Entwicklung befinden wir uns in moralischer (Lebensgestaltung) und ethischer Hinsicht (Lebensprinzipien) noch immer in der Vorgeschichte. Boshaftigkeit, Grausamkeit, bewusste Lügen und ein Mangel an Empathie begleiten uns seit jeher, wie wir auch heute noch beobachten. Die in den Epstein-Akten dokumentierten Skandale um Pädophilie und unbeschreiblichen Missbrauch junger Mädchen, in den auch Präsident Trump und andere verwickelt waren, zeugen vom Ausmaß des moralischen und ethischen Verfalls.

Wir sind die letzten Wesen mit reflexiver Intelligenz, die in den evolutionären Prozess eintreten. Wenn wir in der letzten Minute vor Mitternacht das Alter des Universums (13,7 Milliarden Jahre) auf ein Kalenderjahr reduzieren, haben wir dann noch eine Chance, das Gute über die Brutalität, die Fürsorge über die Zerstörungswut unserer Lebensweise siegen zu lassen? Ein Wahnsinniger wie Präsident Donald Trump droht, seine militärische Macht zur Unterwerfung aller Länder einzusetzen und riskiert damit die Auslöschung der Menschheit durch einen Atomkrieg. Oder wird er, der Feind des Lebens, der Repräsentant des Antichristen, durch seinen ungezügelten Zerstörungswillen die Menschheitsgeschichte beenden? Die Erde wird sich noch Jahrtausende um die Sonne drehen, aber ohne uns oder nur mit den Abermillionen von Mikroorganismen im Erdreich, die überleben werden. Unser Schicksal liegt in unseren Entscheidungen, in unseren Händen. Wie können wir uns und das Leben retten, indem wir Liebe, Fürsorge und Empathie zu den tragenden Säulen einer neuen Zivilisation machen? Ohne dies haben wir keine Zukunft.

Leonardo Boff ist Ökotheologe, Philosoph und Autor. Er schreibt unter anderem für die Zeitschrift LIBERTA des Instituto Conhecimento Liberta (ICL: https://www.revistaliberta.com.br) und veröffentlichte das Buch „Die neue Vision des Universums: Woher kommen wir?“ (Animus-Anima, Petrópolis 2025). Weitere Informationen finden Sie auf seiner Website: http://www.leonardoboff.org

BALANÇO AOS SETENTA ANOS

Frei Sérgio Antônio Görgen

Poucos dias após de ter completado 70 anos o querido e bom confrade e amigo Frei Sérgio Görgen foi no dia 3 de fevereiro fulminado por um enfarte. Sua vida toda foi entregue à causa da justiça, da solidariedade e da convivência concreta com os pequenos, especialmente os pequenos camponeses rurais.Unia uma profunda fé com um engajamento direto, até expondo a vida, pelos direitos pessoais e sociais, pela reforma agrária e pela valorização do pequeno produtor rural. Curiosamente, era também um fino intelectual, com bons livros publicados a partir de sua prática. Conhecia bem a ecologia. Acompanhava a literatura recente. Tivemos longas conversas. Creio que foi um dos primeiros brasileiros ecologistas a se ocupar com o grande físico russo Igor Vernasky. Ele, antes de James Lovelock, propôs pensar a Terra como um todo e não apenas seus ecossistemas. Foi um dos primeiros a consagrar o termo Biosfera (1936 título de seu livro) como parte essencial do planeta vivo, a Terra.

Frei Sérgio cedo se deu conta que  para o futuro da humanidade é essencial preservar as sementes creoulas. Incentivava os camponeses a criar seu banco de sementes e trocá-las com outros companheiros. Mas o que mais aparecei nele era sua bondade, seu imenso coração e sua ternura para com os humildes. Era profundamente humano, seguir do Jesus histórico, nosso Deus humanado.

Perdemos uma das lideranças mais límpidas da causa dos pobres e oprimidos, da salvaguarda da vida e da Mãe Terra. Esse seu testamto pélos 70 anos representa um verdadeiro legado espiritual, humano e social.

Agora estará junto de seu pai São Francisco. Seu imenso coração pulsará junto com o coração do Universo e com o coração de Deus-Pai e Mãe de infinita bondade. junto ao seu filho e nosso irmão Jesus Cristo e ao Espírito que penetra toda a criação e suscita lideranças despojadas e coladas ao destino dos sofredores deste mundo. Que agora descanse da longa labuta que travou a vida inteira sempre do lado dos que mais precisam e que são os amados de Deus. De seu confrade L.Boff

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Ao completar setenta anos, roda um filme na cabeça da gente.Nunca imaginei chegar a esta idade.Mas se os anos se cumpriram, não resta dúvida, foi por Graça, pura Graça.

Então, só resta agradecer ao Senhor da Vida, em seu Filho e em sua Mãe. Com certeza, me ampararam e me seguraram. Muitas e muitas vezes, através das amizades, do companheirismo, da fortaleza comum, no suporte das duas famílias (a de sangue e a de hábito), das tantas e tantas orações, dos pedidos de “se cuide” (quase nunca obedecidos). É nos gestos que a Graça se faz prática e o Amor se faz vivo.

Chegar aos setenta tendo sofrido 6 acidentes de carro, passado por cinco greves de fome, inúmeros conflitos sociais e fundiários, saindo ferido em dois, como diz o ditado popular, “só por Deus”.

Vivi em situações de muita dor (até hoje ecoam nos meus ouvidos o choro de crianças com fome nos barracos de acampamento e até me dói no mais fundo de mim a dor de enterrar crianças que morriam de fome) e muita tensão em tantos e tantos conflitos vividos, mas os tempos de alegria e confraternização foram infinitamente maiores. Algumas decepções, mas os testemunhos edificantes foram e são infinitamente maiores.

Lembro, neste filme da vida, dos direitos que não tive.

Não tive o direito de ter medo, mesmo carregado de temor, porque em tantos conflitos, uma covardia minha seria a derrocada para muita gente.

Não tive o direito de vacilar, embora inseguro e cheio de dúvidas, por este vacilo comprometeria a firmeza na luta de tanta gente.

Não tive o direito ao desânimo, embora tantas vezes sem enxergar caminhos seguros, porque estavam tantos olhando em minha direção e uma pequena demonstração de desânimo de minha parte, contaminaria o coração de muita gente e desistiriam de lutar pela dignidade de suas vidas.

Não tive direito ao cansaço, embora tantas e tantas vezes, o espírito arrastou meu corpo exausto.

Não tive o direito de ter crise, nem vocacional, nem espiritual, nem de confiança no futuro, embora em meu interior, tenha passado por várias e tantas, porque sentia a responsabilidade e o peso do hábito de São Francisco sobre os ombros na vocação que abracei.

E desde aquele dia em que, num conflito de terra na ocupação da Fazenda Anonni, em que a Brigada Militar avançava em direção ao povo e uma mulher puxou minha camisa e me disse “Frei, o senhor não vai fazer nada?” e eu, cheio de vergonha, avancei do meio do povo e fui para frente dos policiais, incapaz de dizer uma única palavra, abri os braços e parei bem próximo a eles – e as crianças com flores na mão, me seguiram e os policiais pararam – desde aquele dia, perdi também o direito à omissão.

Por isto cheguei aos setenta meio assim, bruto, sincero demais, teimoso, xucro, irreverente, fora dos prumos estabelecidos, mas disposto e esperançoso na força do amor e da vida, pedindo sempre a Jesus e aqueles com quem caminho nas empreitadas da vida, que me fraquejem e corrijam, para que meus muitos defeitos não sejam mais salientes que a Graça de Deus.

Continuo acreditando na força do povo organizado, uma das expressões mais vigorosas da Graça e das Bênções divinas.

Um direito, porém, sempre me assistiu: a proteção de Maria e a presença amorosa e incômoda de Jesus.

Talvez, só por isto, tenha chegado aos setenta.

Gratidão enorme, a Deus e a tanta gente com quem os caminhos da existência propiciou encontrar.

Frei Sérgio Antônio Görgen ofm

29 de janeiro de 2026.