Die schmerzhafte Geburt von Mutter Erde: eine Biozivilisation

Leonardo Boff

Der von Präsident Joe Biden einberufene Klimagipfel ist ein Alarmsignal. Wenn wir die Erwärmung nicht bis zur Grenze von 1,5 Grad stoppen, werden wir eine gefährliche Ausrottung der Artenvielfalt und Millionen von Klima-Migranten erleben, die, da sie sich nicht an die Veränderungen anpassen können und ihre Lebensgrundlage verlieren, sich gezwungen sehen, ihre geliebte Heimat zu verlassen und die Grenzen anderer Länder zu durchbrechen, was zu ernsthaften gesellschaftspolitischen Problemen führt.

CO2 verbleibt etwa 120 Jahre in der Atmosphäre. Wir sind uns seiner toxischen Wirkung auf  lebende Systeme erst spät bewusst geworden. In den letzten Jahren hat sich etwas Beängstigendes ereignet: das schnelle Auftauen des Permafrosts – jenes gefrorenen Teils, der sich von Kanada über Russland erstreckt. Hinzu kommt das schnelle Schmelzen der Polkappen und Grönlands. Dieses Phänomen verschärft die globale Erwärmung, denn Methan ist 25 mal so schädlich wie CO2. Jedes Rind gibt durch Wiederkäuen und Blähungen jährlich zwischen 80-100 kg Methan an die Atmosphäre ab. Stellen Sie sich vor, was eine solche Menge bei allen Rinderherden der Welt bedeutet. Allein in Brasilien ist die Zahl der Rinder größer als unsere Bevölkerung.

Egal was wir tun, aufgrund der übermäßigen Anhäufung von Treibhausgasen in der Atmosphäre werden wir keine Möglichkeit haben, extreme Auswirkungen zu vermeiden. Sie werden kommen: Taifune, lang anhaltende Dürren, extrem heiße Sommer und übermäßiger Schneefall, Erosion der Artenvielfalt und Verlust der Bodenfruchtbarkeit u. a.  Was wir tun können und müssen, ist, uns auf ihren Einbruch vorzubereiten und so die katastrophalen Auswirkungen abzumildern.

Niemand auf dem Klimagipfel hatte den Mut, auf die eigentlichen Ursachen unserer Erderwärmung hinzuweisen: unsere kapitalistische Produktionsweise, in deren DNA das unbegrenzte Wachstum steckt, das den unbegrenzten Abbau natürlicher Ressourcen bis zu dem Punkt fordert, an dem die Nachhaltigkeit des Planeten stark geschwächt wird. Eine endliche Erde kann kein unendliches Projekt vertragen. Hier liegt die Ursache, neben anderen kleineren, der globalen Erwärmung. Jeder weiß, dass hier die eigentliche Frage liegt. Warum prangert sie niemand an? Weil sie direkt antisystemisch ist, weil sie den Kern des modernen techno-wissenschaftlichen Paradigmas der unbegrenzten Entwicklung/des unbegrenzten Wachstums trifft, dem Staaten und Konzerne sich verpflichtet fühlen.

Sie wären gezwungen, etwas zu ändern, was ihrer Logik widersprechen würde. Aber das wollen sie nicht, denn der Profit steht über dem Leben. Nur der argentinische Präsident Alberto Fernández hatte den Mut, anzuprangern: “Umweltverschmutzung ist der Weg zum Selbstmord.“ Seine Aussage deckt sich mit der Aussage der amerikanischen Akademie der Wissenschaften, die vor einigen Jahren eine Erklärung abgab, die mehr oder weniger in diese Richtung ging: Wenn wir nicht aufpassen, kann die Erwärmung einen “abrupten Sprung” (ein so verwendeter Ausdruck) machen, bis sie in kurzer Zeit etwa 4 Grad Celsius erreicht; bei dieser Hitze, so heißt es, werden sich die Arten kaum anpassen und Millionen werden verschwinden, darunter Millionen und Abermillionen von Menschen.

Praktisch alle bedauern, dass die “Entscheidungsträger” in Politik und Wirtschaft einen gravierenden Mangel an Bewusstsein für die Risiken zeigen, die auf unserem Gemeinsamen Haus lasten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass etwas Ähnliches wie bei Covid-19 passieren wird.

Trotz der Warnung von Virenexperten, dass wir kurz vor dem Eindringen eines schweren Virus stehen, bereiten sich nur sehr wenige auf diese Eventualität vor. Deshalb ist ein Sprung auf eine neue Ebene des kollektiven Bewusstseins, die es uns erlauben würde, eine neue Normalität einzuweihen, die sich von der bisherigen, für die Menschheit und die Natur perversen, unterscheidet, nicht absehbar. Wir fragen uns: Haben wir die Lektionen gelernt, die Mutter Erde durch den Gegenangriff auf die Menschheit durch Covid-19 geschickt hat? In Anbetracht der weit verbreiteten Sorglosigkeit scheint es, dass wir in der Illusion einer Rückkehr zur alten, ungerechten Normalität verharren.

Die Rede unseres Präsidenten Jair Bolsonaro auf dem Gipfel im Weißen Haus war eine reine Gefälligkeit. Er gab eine klare Demonstration, dass er ein legitimer Vertreter der Post-Wahrheit sei, weil er die alte chinesische Weisheit ausführte: “Schau nicht auf den sprechenden Mund eines Politikers, sondern auf seine handelnden Hände.“ Der Mund widersprach völlig dem, was die Hände tun. Der Mund spricht Versprechungen aus, die praktisch nicht realisierbar sind, und die Hände praktizieren durch ihren Anti-Umweltminister die systematische Verwüstung der Wälder und die Demontage der Einrichtungen, die die Ökosysteme erhalten.

So wie der “Ungenannte” Bolsonaro mit Covid-19 verbündet ist, so ist der Umweltminister mit den Holzfällern verbündet, die illegal und kriminell als die Hauptschuldigen für die 357,61 km2 abgeholzten Waldes erscheinen, die schlimmsten der letzten Jahre. Die Hände leugnen, was der Mund sagt.

Trotz aller Sorgen glauben und hoffen wir, dass die Menschheit aus dem Leid und hoffentlich auch aus der Liebe lernen wird: Entweder werden wir uns ändern, oder, um es mit den Worten Sigmunt Baumans zu sagen, die er eine Woche vor seinem Tod sprach, wir werden uns der Prozession derer anschließen, die sich auf dem Weg in ihr eigenes Grab befindet.

Die Menschheits- und Naturgeschichte ist nie linear; sie kennt Brüche und Sprünge nach oben. Sie lädt uns dazu ein, uns neu zu erfinden. Bloße Verbesserungen und das Anlegen von Verbänden über die Wunden des verwundeten Körpers von Mutter Erde sind nicht genug. Wir sind zu einem Neuanfang gezwungen. Nach der Erd-Charta und der Enzyklika von Papst Franziskus “Über die Sorge für unser Gemeinsames Haus” (Laudato Si’ e a Fratelli tutti) “sitzen wir alle in einem Boot: entweder wir retten uns alle oder niemand wird gerettet” (Nr. 35; 54; 137).

Die Erde ist durch 15 große Dezimierungen gegangen, aber das Leben hat immer überlebt. Es wird sich auch jetzt nicht selbst zerstören. Wir stehen vor einer schwierigen Lehre für die gesamte Menschheit, denn wir haben keine andere Wahl als diese: entweder zu leben oder unterzugehen. Freud selbst sehnte sich, obwohl skeptisch, nach dem Triumph des Lebenstriebes über den Todestrieb. Das Leben ist zu mehr Leben und sogar zu ewigem Leben berufen.

In dieser Hoffnung habe ich gerade ein Buch veröffentlicht, mehr optimistisch als pessimistisch, aber von einem machbaren Realismus, der einen vielversprechenden Horizont garantieren soll: “Die schmerzhafte Geburt der Mutter Erde: eine Gesellschaft der Geschwisterlichkeit ohne Grenzen und der sozialen Freundschaft“.

Es ist eine Utopie? Ja, aber eine notwendige, damit wir gehen können. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass das Utopische zum Realen gehört, das nicht nur aus Daten besteht, die schon immer gemacht wurden, sondern auch aus verborgenen Potenzialen, die darauf warten, zum Ausbruch gebracht zu werden und einen neuen Fußabdruck auf dem Boden der Geschichte zu ermöglichen. Es ist nicht gut, auf Fußabdrücke zu treten, die von anderen gemacht wurden. Wir müssen unsere eigenen Fußabdrücke schaffen. Neue Musik, neue Ohren. Neue Krisen, neue Antworten. Wir haben immer noch eine Zukunft, gestärkt durch den Einen, der angekündigt hat, dass er “der leidenschaftliche Liebhaber des Lebens” ist (Weisheit 11,26). Er wird uns helfen, eine schmerzhafte, aber wahre und glückliche Überfahrt zu machen. So glauben wir und so hoffen wir.

Leonardo Boff, Ökotheologe und Schriftsteller.

The painful birth of Mother Earth: a biocivilization

Leonardo Boff

The Climate Change Summit convened by President Joe Biden, expresses a cry of alarm. If we do not stop warming to the limit of 1.5 degrees, we will experience a dangerous extermination of biodiversity and millions of climate migrants who, unable to adapt to the changes and losing their means of subsistence, feel compelled to leave their beloved homelands and break the boundaries of other countries, causing serious socio-political problems.

CO2 remains in the atmosphere for about 120 years. We awake late because of its toxicity on living systems. In recent years something frightening has occurred: the rapid thawing of the permafrost – that frozen part that runs from Canada across Russia. Add to this the rapid melting of the polar ice caps and Greenland. This phenomenon aggravates global warming because methane is 25 times more harmful than CO2. Each head of cattle, through rumination and flatulence, emits between 80-100 kg of methane released into the atmosphere every day. Imagine what such an amount means with all the cattle herds in the world. In Brazil alone the number of cattle is larger than our population.

No matter what we do, due to the excessive accumulation of greenhouse gases in the atmosphere, we will have no way of avoiding extreme effects. They will come: typhoons, prolonged droughts, extremely hot summers and excessive snowfall, erosion of biodiversity and loss of soil fertility, and others.  What we can and must do is to prepare for their irruption and thus mitigate the disastrous effects.

No one at the Climate Summit had the courage to point out the root causes of our global warming: our capitalist mode of production, in whose DNA is the unlimited growth that demands unlimited extraction of natural resources to the point of severely weakening the sustainability of the planet. A finite Earth cannot tolerate an infinite project. Here lies the cause, among other minor ones, of global warming. Everyone knows that here lies the original question. Why does nobody denounce it? Because it is directly anti-systemic, because it strikes at the heart of the modern techno-scientific paradigm of unlimited development/growth, to which states and corporations are committed.

They would be obliged to change what would be against their logic. But they don’t want to, because profit prevails over life. Only the Argentine president Alberto Fernández had the courage to denounce: “Pollution is the road to suicide. His statement is in line with the statement made a few years ago by the American Academy of Sciences, which issued a statement more or less along these lines: If we do not take care, warming can take ‘an abrupt leap’ (an expression used) until it reaches, in a short time, about 4 degrees Celsius; with this heat, it is said, species will hardly adapt and millions will disappear, including millions and millions of human beings.

Practically everyone regrets that the political and business “decision makers” show a serious lack of awareness of the risks that weigh upon our Common Home. It is not ruled out that something similar to what happened with Covid-19 will occur.

 Despite the warning of virus experts that we are on the verge of the intrusion of a serious virus, very few are preparing for this eventuality. This is why a leap to a new level of collective consciousness that would allow us to inaugurate a new normality different from the previous one that was perverse to humanity and nature is unforeseeable. We question: have we learned the lessons sent by Mother Earth’s counterattack on humanity through Covid-19? Considering the widespread carelessness it seems that we remain in the illusion of a return to the old, iniquitous normality.

Our President’s speech, Jair Bolsonaro, at the White House summit was one of mere convenience. He gave a clear demonstration that he is a legitimate representative of the post-truth, because he performed the ancient Chinese wisdom: “Do not look at the mouth that speaks of a politician, but at the hands that operate. The mouth totally contradicted what the hands do. The mouth uttered promises, practically unrealizable, and the hands, through their anti-environmental minister, practice systematic devastation of the forests and the dismantling of the bodies that preserve ecosystems.

Just as the “Unnamed”Bolsonaro is allied with Covid-19 so the Minister of the Environment is allied with the loggers who illegally and criminally appear as the main culprits for the 357.61 km2 of cut down forest, the worst in recent years. The hands deny what the mouth says.

Despite all the sorrows, we believe and hope that humanity will learn from suffering and hopefully from love: either we will change, or in Sigmunt Bauman’s words, spoken a week before he died, we will join the procession of those heading towards their own grave.

Human and natural history is never linear; it knows ruptures and leaps upward. It is inviting us to reinvent ourselves. Mere improvements and putting bandages over the wounds of Mother Earth’s wounded body are not enough. We are forced to a new beginning. According to the Earth Charter and Pope Francis’ encyclical “On the Care of our Common Home” (Laudato Si’ e a Fratelli tutti), “we are in the same boat: either we all save ourselves or no one is saved” (n.35; 54; 137).

The Earth has gone through 15 great decimations, but life has always survived. It will not destroy itself now. We are facing a difficult apprenticeship for the whole of humanity, because we have no other choice than this: either to live or to perish. Freud himself, although skeptical, longed for the triumph of the life drive over the death drive. Life is called to more life and even eternal life.

In this hopeful hope I have just published a book, more optimistic than pessimistic but of a feasible realism, which aims to guarantee a promising horizon: “The painful birth of Mother Earth: a society of fraternity without borders and social friendship”.

It is a utopia? yes, but a necessary one, so that we can walk. It is important to remember that the utopian belongs to the real, made up not only of data that have always been made, but also of hidden potentialities that wait to be made to erupt and allow a new footprint on the ground of history. It is no good stepping on footprints made by others. We have to create our own footprints. New music, new ears. New crises, new answers. We still have a future, strengthened by the One who announced that he was “the passionate lover of life” (Wisdom 11:26). He will help us to make a painful but true and happy crossing. This is how we believe and this is how we hope.

Leonardo Boff,ecotheologist and philosopher and wrote: The painful birth of Mother Earth: a society of fraternity without borders and social friendship, Vozes 2021.

O doloroso parto da Mãe Terra: uma biocivilização

    Leonardo Boff

A Cúpula das Mudanças Climáticas convocado pelo presidente Joe Biden, exprime um grito de alarme. Se não detivermos o aquecimento até o limite de 1,5 graus, conheceremos perigoso extermínio da biodiversidade e milhões de migrantes climáticos que, não podendo se adaptar às mudanças e por perderem seus meios de subsistência, sentem-se constrangidos a abandonar suas pátrias queridas e romper  os limites de outros países, causando graves problemas sociopolíticos.

 O CO2 permanece na atmosfera por cerca de 120 anos. Tarde acordamos por sua toxidade sobre os sistemas vivos e sobre o nosso futuro. Nos últimos anos ocorreu algo amedrontador: o degelo rápido do permafrost aquela parte congelada que vai do Canadá e atravessa toda a Sibéria. Acresce ainda o degelo célere das calotas polares e da Groelândia. Este fenômeno agrava o aquecimento global porque o metano é 25 vezes mais nocivos que o CO2. Cada cabeça de bovino, por ruminação e flatulência, emite  por dia entre 80-100 kg de metano lançado na atmosfera. Imagine-se o que significa tal quantidade com todos os rebanhos do mundo. Só no Brasil o número de bovinos  é maior do que a nossa população.

Por mais que fizermos, devido à acumulação de gazes de efeito estufa na atmosfera, não teremos como evitar efeitos extremos. Eles virão: tufões, estiagens prolongadas, verões extremamente quentes e nevascas excessivas, erosão da biodiversidade e perda da fertilidade dos solos e  outros.  O que podemos e devemos é prepararmo-nos para a sua irrupção e destarte minorar os efeitos desastrosos.

Ninguém na Cúpula do Clima teve coragem de apontar as causas primordiais de nosso aquecimento global: o nosso modo de produção capitalista em cujo DNA está o crescimento ilimitado que demanda a extração ilimitada de recursos naturais a ponto de debilitar fortemente a sustentabilidade do planeta. Uma Terra finita não tolera um projeto infinito. Aqui está a causa, entre outras menores, do aquecimento global. Todos sabem que aqui reside a questão originante. Por que ninguém a denuncia? Porque ela é diretamente anti-sistêmica, porque fere o coração do paradigma moderno tecno-científico do desenvolvimento/crescimento ilimitado, com o qual os Estados e as empresas estão comprometidos. Seriam obrigados a mudar o que seria contra sua lógica. Mas não o fazem pois o lucro prevalece sobre a vida. Somente o presidente argentino Alberto Fernández teve a coragem de denunciar:”A poluição é o caminho para o suicídio”. Sua afirmação se afina com a declaração há poucos anos da Academia Norte-americana de Ciências que fez uma declaração mais ou menos nestes termos: Se não cuidarmos, o aquecimento pode dar ‘um salto abrupto’ (expressão empregada) até atingir, em pouco tempo, cerca de 4 graus Celsius; com esse calor, afirma-se, dificilmente as espécies de adaptarão e milhões desaparecerão, inclusive milhões e milhões  de serem humanos.

Praticamente todos lamentam que os “decisions makers” políticos e empresariais mostram grave insuficiência consciente dos riscos que pesam sobre nossa Casa Comum. Não é descartado que algo ocorra semelhante ao que ocorreu com o Covid-19. Não obstante a advertência dos especialistas em vírus de que estaríamos na iminência da intrusão de um grave vírus, muito poucos se preparam para essa eventualidade. Por isso é imprevisível um salto para um novo nível de consciência coletiva que nos permita inaugurarmos uma nova normalidade diferente da anterior perversa para a humanidade e para a natureza. Questionamos: tiramos as lições enviadas pelo contra-ataque da Mãe Terra à humanidade através do Covid-19? A considerar o descuido generalizado parece que permanecemos na ilusão da volta à antiga e iníqua normalidade.

O discurso de nosso Presidente na Cúpula na Casa Branca foi de mera conveniência. Deu clara demonstração ser um lídimo representante da pós-verdade, pois realizou o dito da ancestral sabedoria chinesa: de um político não repare a boca que fala mas as mãos que operam. A boca contradisse totalmente o que as mãos fazem. A boca proferiu promessas, praticamente irrealizável e as mãos, através de seu ministro antiambiental, pratica sistemática devastação das florestas e a desmontagem dos organismos de preservação dos ecossistemas.

Como o “Inominável” é aliado do Covid-19 assim o ministro do Meio Ambiente é aliado dos madeireiros que ilegal e criminosamente comparecem como os principais responsáveis pelos 357,61 km2 de floresta abatida, a pior dos últimos anos. As mãos negam o que a boca diz.

Apesar de todos os pesares, cremos e esperamos que a humanidade vai aprender com o sofrimento e oxalá com amor: ou mudaremos ou nas palavras de Sigmunt Bauman, proferidas uma semana antes de morrer, vamos engrossar o cortejo dos que rumam na direção de sua própria sepultura.

A história humana e natural nunca é linear; conhece rupturas e da saltos para cima. Ela nos está convidando a nos reinventar. Não bastam meras melhorias e colocar esparadrapos sobre as chagas do corpo ferido da Mãe Terra. Somos forçados a um novo começo. Ele, consoante a Carta da Terra e a encíclica do Papa Francisco, cujos destinatários é toda a humanidade,”sobre o cuidado da Casa Comum”(Laudato Si  e a Fratelli tutti):”estamos no mesmo barco: ou nos salvamos todos ou ninguém se salva”(n.35;54;137). A Terra passou por 15 grandes dizimações mas a vida sempre sempre sobreviveu. Não será agora que irá se autodestruir. Entrevemos um aprendizado difícil de toda a humanidade, porque não temos outra alternativa senão essa: ou  viver ou perecer. O próprio Freud, embora cético,, ansiava o triunfo da pulsão de vida sobre a pulsão de morte. A vida é chamada a mais vida e até à vida eterna.

Nessa esperança esperante acabo de publicar um livro,mais otimista que pessimista, mas de um realismo viável, que visa a garantir um horizonte promissor: O doloroso parto da Mãe Terra: uma sociedade de fraternidade sem fronteiras e de amizade social. É uma utopia? sim, mas necessária, para podermos caminhar. Releva lembrar que o utópico pertence ao real, feito não apenas de dados sempre  feitos, mas também por potencialidades ocultas que esperam irromper e ser feitas para permitir um nova pegada no chão da história. Não vale pisar em pegadas feitas por outros. Temos que criar as nossas próprias pegadas. Música nova, ouvidos novos. Crises novas, respostas novas. Ainda temos futuro, fortalecidos por Aquele que se anunciou “ser o apaixonado amante da vida”(Sabedoria 11,26). Ele nos ajudará a fazer uma travessia dolorosa mas verdadeira e feliz. Assim cremos e assim esperamos.

Leonardo Boff,ecoteólgo e filósofo e escreveu: O doloroso parto da Mãe Terra: uma sociedade de fraternidade sem fronteiras e de amizade social, Vozes 2021.

Die Welt essen oder bewahren? Zwei Paradigmen

Leonardo Boff

“Die Welt essen oder die Welt bewahren” stellt eine Metapher dar, die häufig von indigenen Anführern verwendet wird und das Paradigma unserer Zivilisation in Frage stellt, deren Gewalt sie fast verschwinden lässt. Jetzt wird es von Covid-19 in Frage gestellt. Das Virus hat wie ein Blitz auf das Paradigma des “Essens der Welt” eingeschlagen, das heißt, grenzenlos alles auszunutzen, was in der Natur existiert, mit der Perspektive endlosen Wachstums/Anreicherung.

Das Virus zerstörte die Mantras, die dieses Paradigma stützen: die Schlüsselrolle des Profits, erreicht durch den härtesten Wettbewerb, der sich privat auf Kosten der Ausbeutung natürlicher Ressourcen angesammelt hat. Wenn wir diesen Mantras gehorchen würden, wären wir sicherlich in einem schlechten Zustand. Was uns rettet, ist das, was im Paradigma “die Welt essen” verborgen und unsichtbar gemacht wird: Leben, Solidarität, gegenseitige Abhängigkeit aller von allen und Sorge für die Natur und füreinander. Es ist das zwingende Paradigma des “Schutzes der Welt”.

Dieses Paradigma des “die Welt essen” hat hohe Vorfahren. Es stammt aus Athen im 5. Jahrhundert v. Chr., als der kritische Geist ausbrach und uns erlaubte, die wesentliche Dynamik des Geistes wahrzunehmen, das Aufbrechen aller Grenzen und die Suche nach dem Unendlichen, ein Zweck, durchdacht von den großen Philosophen, von Künstlern, und zu erkennen auch in den Tragödien von Sophokles, Aischylos und Euripides und ebenfalls von Politikern aufgenommen. Es ist nicht mehr die “medén’gan” des Tempels von Delphi: “nichts im Übermaß”, aber jetzt ist es die unbegrenzte räumliche Expansion (Schaffung von Kolonien und eines Imperiums) und die zeitliche Expansion, die sich der endlosen Zukunft öffnet (unbegrenzte Zukunftsperspektive).

Dieses Projekt des “die Welt essen” nahm in Griechenland selbst Gestalt an in der Gründung des Reichs Alexanders des Großen (356 – 323), der im Alter von nur 23 Jahren ein Reich gründete, das sich von der Adria bis zum Indus-Fluss in Indien erstreckte.

Das “die Welt essen” vertiefte sich im riesigen Römischen Reich, wurde gestärkt im modernen Kolonial- und Industriezeitalter und gipfelte in der heutigen Welt mit der Globalisierung der westlichen Techno-Wissenschaft, die sich in jeden Winkel des Planeten ausdehnt. Es ist das Reich des Unbegrenzten, übersetzt in den (illusorischen) Zweck des Kapitalismus/Neoliberalismus des unbegrenzten Wachstums in die Zukunft. Ein Beispiel für dieses Streben nach unbegrenztem Wachstum ist die Tatsache, dass in der letzten Generation mehr Energieressourcen verbrannt wurden als in allen früheren Generationen der Menschheit. Es gibt keinen Ort, der nicht für die Anhäufung von Gütern ausgenutzt wurde.

Doch nun ist eine unüberwindbare Grenze aufgetaucht: Die begrenzte Erde, als ein Planet, klein, überbevölkert, mit begrenzten Gütern und Dienstleistungen, kann ein unbegrenztes Projekt nicht aushalten. Am 22. September 2020 identifizierten die Erd- und Biowissenschaften The Earth Overshoot (Erdüberlastungstag). Das heißt, die Grenze der erneuerbaren natürlichen Güter und Dienstleistungen, die für die Erhaltung des Lebens von grundlegender Basis sind. Sie wurden erschöpft. Der Konsumismus führt zu Gewalt, indem er keine Grenzen akzeptiert, und entreißt Mutter Erde das, was sie nicht mehr geben kann. Wir konsumieren das Äquivalent von anderthalb Erden. Die Folgen dieser Erpressung zeigen sich in der Reaktion einer erschöpften Mutter Erde: die Zunahme der globalen Erwärmung, die Erosion der biologischen Vielfalt (etwa hunderttausend Arten werden pro Jahr eliminiert und eine Million gefährdet), der Verlust der Bodenfruchtbarkeit und die zunehmende Wüstenbildung u. a. extreme Ereignisse.

Die Überschreitung einiger der neun planetarischen Grenzen (Klimawandel, Artensterben, Ozeanversauerung u. a.) kann einen systemischen Effekt verursachen, ein Einreißen dieser neun Grenzen und damit einen Zusammenbruch unserer Zivilisation herbeiführen.

Das Eindringen von Covid-19 hat alle militaristischen Länder in die Knie gezwungen und Massenvernichtungswaffen nutzlos und lächerlich gemacht. Der Bandbreite der vorhergesagten Viren könnten, wenn wir unsere zerstörerische Beziehung zur Natur nicht ändern, mehrere Millionen Menschen zum Opfer fallen und die Biosphäre, die für alle Lebensformen unerlässlich ist, ausdünnen.

Gegenwärtig wird die Menschheit angesichts unüberwindlicher Grenzen und der Möglichkeit des endgültigen Endes der Spezies von metaphysischem Terror erfasst. Der beabsichtigte Große Reset des Kapitalsystems ist illusorisch. Die Erde wird es scheitern lassen.

In diesem dramatischen Kontext entsteht das andere Paradigma der “Bewahrung der Welt”. Sie wird insbesondere von indigenen Führern in Brasilien wie Ailton Krenak, Davi Kopenawa Yanomani, Sénia Guajajara, Renata Mchado Tupinambé, Cristine Takua, Raoni Metuktire u. a. erhoben. Für sie alle existiert eine tiefe Gemeinschaft mit der Natur, als deren Teil sie sich fühlen. Sie müssen die Erde nicht als die Große Mutter, Pachamama und Tonantzin betrachten, weil sie so fühlen. Natürlich bewahren sie die Welt, weil diese eine Erweiterung ihres eigenen Körpers ist.

Die Tiefenökologie und die Intergrale, wie sie u. a. in der Erd-Charta (2000), den Enzykliken Laudato Si: Die Sorge für das Gemeinsame Haus (2015) und „Fratelli tutti“ (2020) von Papst Franziskus und im Programm Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung des Ökumenischen Kirchenrat verkörpert ist, hat sich die Bewahrung der Welt zur Aufgabe gemacht. Das gemeinsame Ziel ist es, die physikalisch-chemisch-ökologischen Bedingungen zu gewährleisten, die das Leben in all seinen Formen, insbesondere das menschliche Leben, erhalten und fortbestehen lassen. Wir befinden uns bereits im sechsten Massenaussterben und das Anthropozän verschärft es. Wenn wir die Daten der Wissenschaft zu den Bedrohungen unseres Überlebens nicht emotional und mit dem Herzen lesen, werden wir uns kaum für den Schutz der Welt einsetzen.

Papst Franziskus hat in Fratelli tutti ernsthaft gewarnt: “Entweder wir retten uns alle gemeinsam, oder niemand wird gerettet” (Nr. 32). Es ist eine fast verzweifelte Warnung, wenn wir nicht “die Reihen derer anschwellen lassen wollen, die in ihr eigenes Grab gehen” (S. Bauman). Lasst uns den Sprung des Glaubens wagen an das glauben, was im Buch der Weisheit steht: “Gott ist der leidenschaftliche Liebhaber des Lebens” (11,26). Wenn dem so ist, wird Er nicht zulassen, dass wir so kläglich vom Erdboden verschwinden. So glauben wir und so hoffen wir.

Leonardo Boff Philosoph – Theologe – Ökologe -Schrifsteller, Dignitas Terrae:Schrei der Erde-Schrei der Arme, Patmos, Düsseldorf.

Übersetzung von Bettina Gold Hartnack