Die Erde ist lebendig und Quelle allen Lebens

Leonardo Boff*

In der wissenschaftlichen Gemeinschaft herrscht Einigkeit darüber, dass die Erde lebt. So leben beispielsweise in einem einzigen Gramm Erde, also weniger als einer Handvoll, etwa 10 Milliarden Mikroorganismen: Bakterien, Pilze und Viren , wie uns der große Biologe E. Wilson in „Die Schöpfung: Wie man das Leben auf der Erde rettet” (2008, S. 26) erklärt. Sie sind unsichtbar, aber immer aktiv und sorgen dafür, dass die Erde lebendig und fruchtbar bleibt. Die Erde, so voller Leben, ist die Mutter aller Lebewesen.

Diese Schlussfolgerung war nicht selbstverständlich. Sowohl für Einstein als auch für Bohr „übersteigt das Leben das Verständnis wissenschaftlicher Analyse“ (N. Bohr, Atomphysik und menschliches Wissen, 1956, vgl. Licht und Leben, S. 6). Die Anwendung der Quantenphysik, der Komplexitätstheorie (Morin), der Chaostheorie (Gleick, Prigogine) sowie der genetischen und molekularen Biologie (Maturana, Capra) zeigte jedoch, dass das Leben Teil eines Evolutionsprozesses ist, der von den ursprünglichsten Energien und Teilchen über Urgas, große rote Sterne, Supernovae, Galaxien, kosmischen Staub, die Geosphäre, die Hydrosphäre, die Atmosphäre und schließlich die Biosphäre reicht.

Wie Christian du Duve, Nobelpreisträger für Biologie 1974, feststellt: „Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Phosphor und Schwefel bilden den größten Teil der lebenden Materie” (Aus Staub geboren. Leben als kosmische Zwangsläufigkeit. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin/Oxford 1995 1995 cp.1).

Es war das besondere Verdienst von Ilya Prigogine, Nobelpreisträger für Chemie 1977, zu zeigen, dass die Anwesenheit physikalisch-chemischer Elemente nicht ausreicht. Sie tauschen kontinuierlich Energie mit der Umwelt aus. Sie verbrauchen viel Energie und erhöhen dadurch die Entropie (Verlust nutzbarer Energie). Er bezeichnete sie zu Recht als dissipative (energieverbrauchende) Strukturen. Aber sie sind auch in einem zweiten, paradoxen Sinne dissipative Strukturen, da sie Entropie dissipieren, indem sie die Unordnung und das Chaos der Umwelt in komplexe Ordnungen und Strukturen umwandeln. Sie organisieren sich selbst, entziehen sich der Entropie und erzeugen Negentropie: negative Entropie; positiv ausgedrückt: sie erzeugen Syntropie (Order out  of Chaos, 1984).

 Was für den einen Unordnung ist, dient dem anderen als Ordnung. Durch ein prekäres Gleichgewicht zwischen Ordnung und Unordnung (Chaos: Dupuy, Ordres et Désordres, 1982) bleibt das Leben erhalten (Ehrlich, O mecanismo da natureza, 1993, S. 239-290).

Es genügt, auf die Forschungen des englischen Arztes und Biologen James E. Lovelock und der Biologin Lynn Margulis (Gaia, 1989; 1991; 2006; José Lutzemberger, Gaia, der lebende Planet: Auf sanftem Weg, 1990; Lynn Margulis, Mikrokosmos, 1990) zu verweisen. Sie beobachteten die subtile Abstimmung aller chemischen und physikalischen Elemente, der Wärme der Erdkruste, der Atmosphäre, der Gesteine ​​und der Ozeane unter der Einwirkung des Sonnenlichts auf eine Weise, die die Erde für Lebewesen gut, ja sogar hervorragend macht. So entsteht ein riesiger, sich selbst regulierender lebender Superorganismus, den James E. Lovelock Gaia nennt, den Namen, den die Griechen der lebenden Erde gaben.

Dies gilt auch für uns Menschen. Unter uns entstehen Beziehungs- und Lebensformen, in denen Syntropie (Energieerhaltung) über Entropie (Energieverzehr) herrscht. Denken, verbale Kommunikation, Solidarität und Liebe sind äußerst kraftvolle Energien mit niedrigem Entropie- und hohem Syntropie-Niveau. Aus dieser Perspektive stehen wir nicht vor dem Wärmetod, sondern vor der Transfiguration des kosmogenen Prozesses, der sich mit immer größerer Intensität in höchst geordnete, kreative und vitale Ordnungen entfaltet. Wie sieht die Zukunft dieses Prozesses aus? Wir wissen es nicht. Sie ist völlig mysteriös.

Die symphonische Artikulation der vier grundlegenden Wechselwirkungen des Universums (Gravitation, Elektromagnetismus, starke Kernkraft und schwache Kernkraft) wirkt weiterhin synergetisch, um den aktuellen kosmologischen Zeitpfeil in Richtung zunehmend relationaler und komplexer Formen aufrechtzuerhalten. Viele Wissenschaftler argumentieren, dass sie tatsächlich die Logik und innere Dynamik des Evolutionsprozesses darstellen; sozusagen die Struktur oder vielmehr den ordnenden Geist des Kosmos selbst.

Erwähnenswert ist die berühmte Aussage des britischen Physikers Freeman Dyson (*1923): „Je mehr ich das Universum und die Details seiner Architektur untersuche, desto mehr Beweise finde ich dafür, dass das Universum wusste, dass wir eines Tages in ferner Zukunft auftauchen würden“ (Disturbing the Universe, 1979, S. 250).

Der Mensch selbst ist ein Knotenpunkt von Beziehungen, der in alle Richtungen weist. Die Göttlichkeit selbst offenbart sich als panrelational, wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato Si’ (Nr. 239) betont. Wenn alles Beziehung ist und nichts außerhalb der Beziehung existiert, dann ist das universellste Gesetz die Synergie, die Syntropie, die Inter-Retro-Beziehung, die Zusammenarbeit, die kosmische Solidarität, die Gemeinschaft und die universelle Geschwisterlichkeit.

Diese Vision von Gaia kann unser Zusammenleben mit der Erde neu beleben und uns eine Ethik der Nachhaltigkeit und der notwendigen Verantwortung, des Mitgefühls und der Fürsorge leben lassen – Einstellungen, die das Leben in unserem gemeinsamen Zuhause, der Erde, retten werden.

Leonardo Boff,Autor von: Sustentabilida e cuidado: como assegurar o futuro da vida, Editora Conhecimento Liberta,Rio 2025.

Der Aufstieg des Faschismus in der Welt

Leonardo Boff

         Weltweit und auch in Brasilien ist ein Anstieg faschistischer Ideen oder autoritärer Haltungen zu beobachten, die alle Gesetze und Vereinbarungen brechen, wie dies deutlich in der Politik des US-Präsidenten Donald Trump mit seinem MAGA-Patriotismus (Make Amerika Great Again) zu sehen ist. Die Versprechen der großen modernen Narrative sind gescheitert. Sie haben zu einer enormen, mehr oder weniger allgemeinen Unzufriedenheit und Depression sowie zu Wellen der Wut und des Hasses geführt. Vor allem aufgrund der ökologischen Forderungen wächst die Überzeugung, dass die Welt so, wie sie ist, nicht weiterbestehen kann. Entweder wir ändern unseren Kurs oder wir steuern auf eine biblische Katastrophe zu. In diesem Zusammenhang sehe ich das unheimliche Phänomen des Faschismus und Autoritarismus, das sich in unserer Geschichte durchsetzt.

Das Wort Faschismus  wurde erstmals 1915 von Benito Mussolini bei der Gründung der Gruppe „Fasci d’Azione Revolucionaria” verwendet. Faschismus leitet sich vom Bündel (fasci) fest zusammengebundener Stöcke mit einer daran befestigten Axt ab. Ein einzelner Stock kann zerbrochen werden, ein Bündel ist fast unmöglich zu zerbrechen. 1922/23 gründete er die Nationale Faschistische Partei, die bis zu ihrem Sturz 1945 Bestand hatte. In Deutschland  etablierte sich der Faschismus ab 1933 mit Adolf Hitler, der nach seiner Ernennung zum Reichskanzler den Nationalsozialismus gründete, die Nazi-Partei, die dem Land strenge Disziplin, Überwachung und den Terror der SS auferlegte.

Überwachung, direkte Gewalt, Terror  und die Auslöschung von Oppositionellen sind Merkmale des historischen Faschismus von Mussolini und Hitler  und bei uns von Pinochet in Chile, Videla in Argentinien und in der Regierung von Figueiredo, Médici und tendenziell auch von Bolsonaro in Brasilien.

Der ursprüngliche Faschismus ist eine extreme Ausprägung des Fundamentalismus, der in fast allen Kulturen eine lange Tradition hat. S. Huntington prangert in seinem umstrittenen Werk „Kampf der Kulturen“ (1997) den Westen als einen der virulentesten Fundamentalisten an, der in den Kolonialkriegen deutliche Anzeichen von Faschismus gezeigt habe. Man stellt sich die beste aller Welten vor, zusammen mit den USA, was ihnen ihrer Meinung nach ihre Einzigartigkeit verleihen würde. Wenn Präsident Donald Trump „America first“ sagt, meint er „nur Amerika“, und der Rest der Welt kann sich selbst helfen.

Wir kennen den islamischen Fundamentalismus mit seinen zahllosen Anschlägen und Verbrechen, aber auch andere Gruppen innerhalb der modernen katholischen Kirche. Diese Gruppen glauben noch immer, die Kirche sei die einzige Kirche Christi, außerhalb derer es kein Heil gebe. Diese irrige und mittelalterliche Sichtweise, die im Jahr 2000 vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., in einem Dokument mit dem Titel „Dominus Jesus“ offiziell veröffentlicht wurde, erniedrigte alle Kirchen, indem sie ihnen den Titel einer Kirche absprach und sie lediglich als Gemeinschaften mit kirchlichen Elementen betrachtete. Gott sei Dank hat Papst Franziskus voller Vernunft und gesundem Menschenverstand solche Verzerrungen entkräftet und die gegenseitige Anerkennung der Kirchen befürwortet, die sich alle im Dienst der Menschheit und dem Schutz unseres ernsthaft bedrohten Planeten vereinen.

Wer behauptet, allein die Wahrheit zu kennen, ist dazu verdammt, ein Fundamentalist zu sein, mit faschistischer Mentalität und ohne Dialog mit anderen. Der Dalai Lama hat es treffend ausgedrückt: Bestehen Sie nicht auf einem Dialog mit einem Fundamentalisten. Haben Sie einfach Mitgefühl mit ihm.

Hier lohnt es sich, an die Worte des großen spanischen Dichters António Machado zu denken, der ein Opfer der Franco-Diktatur in Spanien war: „Nicht deine Wahrheit. Sondern die Wahrheit. Komm mit mir, um sie zu suchen. Behalte deine für dich.“ Wenn wir sie gemeinsam suchen, wird sie vollständiger sein.

Der Faschismus ist nie ganz verschwunden, denn es gibt immer wieder Gruppen, die, getrieben von einem fundamentalen Archetyp, der von der Gesamtheit abgelöst ist, mit allen Mitteln nach Ordnung streben. Dies ist der heutige Protofaschismus.

In Brasilien gab es eine eher komische als ideologische Figur, die den Faschismus propagierte und in dessen Namen Gewalt, die Verherrlichung von Folter und Folterern, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und LGBTQ+-Personen rechtfertigte. Immer im Namen einer Ordnung, die gegen die vermeintliche Unordnung der Zeit geschmiedet werden sollte, und zwar mit symbolischer und realer Gewalt.

Unter dem verurteilten Jair Bolsonaro nahm der Faschismus eine mörderische und tragische Form an: Er lehnte den Covid-19-Impfstoff ab, ermutigte zu Versammlungen und verhöhnte das Tragen von Masken. Schlimmer noch: Er ließ mehr als 300.000 der 716.626 Opfer sterben, ohne jegliches Mitgefühl für ihre Familien und Angehörigen. Es war ein krimineller Ausdruck der Verachtung für das Leben seiner Landsleute. Er hinterließ ein finsteres Erbe.

Doch letztlich gründete der Anführer dieses primitiven Protofaschismus, Jair Messias Bolsonaro, eine kriminelle Organisation mit hochrangigen Militärs und anderen, die einen Staatsstreich mit der Ermordung höchster Autoritäten plante, um seine primitive Weltanschauung durchzusetzen. Doch sie wurden denunziert, vor Gericht gestellt und verurteilt, und so entgingen wir einer Zeit der Dunkelheit und abscheulicher Verbrechen.

Faschismus war schon immer ein Verbrechen, wie sich kürzlich im US-Bundesstaat Utah mit der Ermordung des Fundamentalisten Charlie Kirk zeigte – eines rassistischen, islamfeindlichen und homophoben Menschen, der fälschlicherweise zum Märtyrer erklärt wurde. Unter Hitler entstand die Schoah-Bewegung (die die Vernichtung von Millionen Juden und anderen Menschen zum Ziel hatte). Sie nutzte Gewalt als Mittel der Interaktion mit der Gesellschaft, weshalb sie sich nie dauerhaft etablieren kann und wird. Sie ist die größte Perversion der menschlichen Sozialfähigkeit.

Faschismus bekämpft man mit mehr Demokratie und Menschen auf der Straße. Man muss den Argumenten der Faschisten mit vernünftigen Argumenten und dem Mut begegnen, die Risiken, denen wir alle ausgesetzt sind, erneut zu betonen. Man muss hart gegen diejenigen vorgehen, die die Freiheit nutzen, um die Freiheit zu beseitigen. Wir müssen uns zusammenschließen, denn wir haben weder einen anderen Planeten noch eine andere Arche Noah.

Leonardo Boff Autor von: Fundamentalism, Terrorism and the Future of Humanity, SPCK Publishing 2006

Übersetzung von Bettina Gold-Hartnack

A Terra é viva, geradora de todos os seres vivos

Leonardo Boff*

Há um consenso na comunidade científica de que a Terra é viva. Por exemplo, num só grama de terra, ou seja, menos de um punhado, vivem cerca de 10 bilhões de micro-organismos: bactérias, fungos e vírus  afirma-nos o grande biólogo E.Wilson em “A criação:como salvar a vida na Terra”, (2008,  p. 26). São invisíveis mas sempre ativos, trabalhando para que a Terra permaneça viva e fértil. A Terra, assim cheia de vida, é a mãe que gera todos os seres vivos.

Tal constatação não era evidente. Tanto para Einstein quanto para Bohr “a vida ultrapassa a capacidade de compreensão da análise científica”(N.Bohr, Atomic Physis and  human knowledge, 1956 cp. Light and Life, p.6). Entretanto a aplicação da física quântica, da teoria da complexidade (Morin), do caos (Gleick, Prigogine) e da biologia genética e molecular (Maturana, Capra) mostraram que a vida representa a irrupção de todo o processo evolucionário, desde as energias e partículas mais originárias, passando pelo gás primordial, as grandes estrelas vermelhas, a super novas, as galáxias, o pó cósmico, a geosfera, a hidrosfera, a atmosfera e finalmente a biosfera.

Como afirma o prêmio Nobel em biologia de 1974, Christian du Duve: “o carbono, o hidrogênio, o nitrogênio, o oxigênio, o fósforo e o enxofre formam a maior parte da matéria viva” (Poeira vital:a vida como imperativo cósmico 1995 cp.1).

Foi mérito especial de Ilya Prigogine, prêmio Nobel em química 1977, mostrar que não basta a presença dos elementos físico-químicos. Eles trocam continuamente energia com o meio ambiente. Consomem muita energia e por isso aumentam a entropia (desgaste da energia utilizável). Ele as chamou, com razão, de estruturas dissipativas (gastadoras de energia). Mas são igualmente estruturas dissipativas num segundo sentido, paradoxal, por dissiparem a entropia, pelo fato de metabolizarem a desordem e o caos do meio ambiente em ordens e estruturas complexas.Elas se auto-organizam, fugindo à entropia, produzindo negentropia: entropia negativa; positivamente: produzem sintropia (Order out  of Chaos, 1984).

           O que é desordem para um serve de ordem para outro. É através de um equilíbrio precário entre ordem e desordem (caos: Dupuy, Ordres et Désordres, 1982) que a vida se mantém (Ehrlich, O mecanismo da natureza, 1993, 239-290).

         Baste-nos a referência às investigações do médico e biólogo inglês James E. Lovelock e da bióloga Lynn Margulis (Gaia, 1989; 1991; 2006; José Lutzemberger, Gaia, o Planeta Vivo: por um caminho suave,1990; Lynn Margulis, Microcosmos, 1990) que constataram que vigora uma calibragem sutil entre todos os elementos químicos, físicos, entre o calor da crosta terrestre, a atmosfera, as rochas, os oceanos, todos sob os efeitos da luz solar, de sorte que tornam a Terra boa e até ótima aos organismos vivos. Ela surge destarte como um imenso super-organismo vivo que se auto-regula, chamado por James E. Lovelock, de Gaia, nome que os gregos davam para a Terra viva.

           Isso vale também para nós humanos. Entre nós se originam formas de relação e de vida nas quais predomina a sintropia (economia de energia) sobre a entropia (desgaste de energia). O pensamento, a comunicação pela palavra, a solidariedade, o amor são energias fortíssimas com escasso nível de entropia e alto nível de sintropia. Nesta perspectiva temos pela frente não a morte térmica. Mas a transfiguração do processo cosmogênico que vai se revelando, com cada vez mais intensidade, em ordens supremamente ordenadas, criativas e vitais. Qual é o futuro deste processo?Não sabemos.É totalmente misterioso.

           A articulação sinfônica das quatro interações básicas do universo (a gravitacional, a eletromagnética, a nuclear forte e a nuclear fraca) continuam atuando sinergeticamente para a manutenção da atual seta cosmológica do tempo rumo a formas cada vez mais relacionais e complexas. Muitos cientistas sustentam que elas, na verdade, constituem a lógica e o dinamismo interno do processo evolucionário; por assim dizer, a estrutura inteligente, melhor dito, a mente ordenadora do próprio cosmos.

Vale citar a famosa afirmação do físico britânico Freeman Dyson (*1923): “quanto mais examino o universo e os detalhes de sua arquitetura, mais acho evidências de que o universo sabia que um dia, lá na frente, iríamos surgir” (Disturbing the Universe, 1979, p. 250).

Esta visão sustenta que o universo é constituído por uma imensa teia de relações. O próprio ser humano é um nó de relações voltado para todas as direções; A própria Divindade se revela panrelacional, como o Papa Francisco enfatiza em sua encíclica Laudato Si’ (n. 239). Se tudo é relação e nada existe fora da relação, então, a lei mais universal é a sinergia, a sintropia, o inter-retro-relacionamento, a colaboração, a solidariedade cósmica e a comunhão e fraternidade/sororidade universais.

           Essa visão de Gaia poderá reencantar nossa convivência com a Terra e fazer com que vivamos uma ética da sustentabilidade e da responsabilidade necessária, da compaixão e do cuidado, atitudes que salvarão a vida na Casa Comum, na Terra.

Leonardo Boff escreveu Sustentabilida e cuidado: como assegurar o futuro da vida, Editora Conhecimento Liberta,2025.

A Terra é viva, geradora de todos os seres vivos

Leonardo Boff

Há um consenso na comunidade científica que a Terra é viva. Por exemplo, num só grama de terra, ou seja, menos de um punhado, vivem cerca de 10 bilhões de micro-organismos: bactérias, fungos e vírus  afirma-nos o grande biólogo E.Wilson em A criação:como salvar a vida na Terra, (2008,  p. 26). São invisíveis mas sempre ativos, trabalhando para que a Terra permaneça viva e fértil. A Terra assim cheia de vida é a mãe que gera todos os seres vivos.

Tal constatação não era evidente. Tanto para Einstein quanto para Bohr “a vida ultrapassa a capacidade de compreensão da análise científica”(N.Bohr, Atomic Physis and  human knowledge, 1956 cp. Light and Life, p.6). Entretanto a aplicação da física quântica, da teoria da complexidade (Morin), do caos (Gleick, Prigogine) e da biologia genética e molecular (Maturana, Capra) mostraram que a vida representa a irrupção de todo o processo evolucionário, desde as energias e partículas mais originárias, passando pelo gás primordial, as grandes estrelas vermelhas, a super novas, as galáxias, o pó cósmico, a geosfera, a hidrosfera, a atmosfera e finalmente a biosfera.

Como afirma o prêmio Nobel em biologia de 1974, Christian du Duve: “o carbono, o hidrogênio, o nitrogênio, o oxigênio, o fósforo e o enxofre formam a maior parte da matéria viva” (Poeira vital:a vida como imperativo cósmico 1995 cp.1).

Foi obra especial de Ilya Prigogine, prêmio Nobel em química 1977 mostrar que não basta a presença dos elementos físico-químicos. Eles trocam continuamente energia com o meio ambiente. Consomem muita energia e por isso aumentam a entropia (desgaste da energia utilizável). Ele as chamou, com razão, de estruturas dissipativas (gastadoras de energia). Mas são igualmente estruturas dissipativas num segundo sentido, paradoxal, por dissiparem a entropia. Os seres vivos produzem entropia e ao mesmo tempo escapam da entropia pelo fato de metabolizarem a desordem e o caos do meio ambiente em ordens e estruturas complexas.Elas se auto-organizam, fugindo à entropia, produzindo negentropia: entropia negativa; positivamente: produzem sintropia (Order out  of Chaos, 1984).

           O que é desordem para um serve de ordem para outro. É através de um equilíbrio precário entre ordem e desordem (caos: Dupuy, Ordres et Désordres, 1982) que a vida se mantêm (Ehrlich, O mecanismo da natureza, 1993, 239-290).

         Baste-nos a referência às investigações do médico e biólogo inglês James E. Lovelock e da bióloga Lynn Margulis (Gaia, 1989; 1991; 2006; José Lutzemberger, Gaia, o Planeta Vivo: por um caminho suave,1990; Lynn Margulis, Microcosmos, 1990) que constataram que vigora uma calibragem sutil entre todos os elementos químicos, físicos, entre o calor da crosta terrestre, a atmosfera, as rochas, os oceanos, todos sob os efeitos da luz solar, de sorte que tornam a Terra boa e até ótima aos organismos vivos. Ela surge destarte como um imenso super-organismo vivo que se autoregula, chamado por James E. Lovelock, de Gaia, consoante a clássica denominação da Terra vivva de nossos ancestros culturais gregos.

           Isso vale também para nós humanos. Entre nós se originam formas de relação e de vida nas quais predomina a sintropia (economia de energia) sobre a entropia (desgaste de energia). O pensamento, a comunicação pela palavra, a solidariedade, o amor são energias fortíssimas com escasso nível de entropia e alto nível de sintropia. Nesta perspectiva temos pela frente não a morte térmica, mas a transfiguração do processo cosmogênico se revelando em ordens supremamente ordenadas, criativas e vitais. Mas qual é o termo desse futuro nos é totalmente misterioso.

           A articulação sinfônica das quatro interações básicas do universo (a gravitacional, a eletromagnética, a nuclear forte e a nuclear fraca) continuam atuando sinergeticamente para a manutenção da atual seta cosmológica do tempo rumo a formas cada vez mais relacionais e complexas de seres. Muitos cientistas sustentam que elas, na verdade, constituem a lógica e o dinamismo interno do processo evolucionário; por assim dizer, a estrutura, melhor dito, a mente ordenadora do próprio cosmos.

Vale citar a famosa afirmação do físico britânico Freeman Dyson (*1923): “quanto mais examino o universo e os detalhes de sua arquitetura, mais acho evidências de que o universo sabia que um dia, lá na frente, iríamos surgir” (Disturbing the Universe, 1979, p. 250).

Esta visão sustenta que o universo é constituído por uma imensa teia de relações de tal forma que cada um vive pelo outro, para o outro e com o outro; que o ser humano é um nó de relações voltado para todas as direções; e que a própria Divindade se revela como uma Realidade panrelacional, como o Papa Francisco enfatiza em sua encíclica Laudato Si’ (n. 239). Se tudo é relação e nada existe fora da relação, então, a lei mais universal é a sinergia, a sintropia, o inter-retro-relacionamento, a colaboração, a solidariedade cósmica e a comunhão e fraternidade/sororidade universais. É o que nos falta no mundo atual.

           Essa visão de Gaia poderá reencantar nossa convivência com a Terra e fazer com que vivamos uma ética da responsabilidade necessária, da compaixão e do cuidado, atitudes que salvarão a vida na Casa Comum, na Terra.