Eine andere (Welt-)Agenda: freies Leben oder ein anderes zivilisatorisches Paradigma?

Leonardo Bolff

Vorbemerkung: Eine internationale Gruppe wurde organisiert, die eine “andere Weltagenda zur Befreiung des Lebens” vorschlug. Die erste Sitzung fand am 5.5.2022 statt. Jeder Teilnehmer (insgesamt etwa 20, aber nicht alle haben teilgenommen) hatte 10-15 Minuten Zeit, um seine Vision des Themas vorzustellen. Grundsätzlich geht es darum, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Suche nach einer Agenda zur Befreiung des Lebens unterstützen, demokratisiert werden können. Ich stelle hier meine kurze Präsentation in französischer Sprache vor, mit den Ideen, die ich in anderen Schriften vorgeschlagen und verteidigt habe. Bislang, so scheint es, bewegt sich die neue Agenda noch innerhalb des alten Paradigmas (der vorherrschenden Blase), und die Frage nach der tiefen Krise, die dieses Paradigma, das der technisch-wissenschaftlichen Moderne, ausgelöst hat und die die Zukunft unseres Lebens und unserer Zivilisation gefährdet, wurde nicht gestellt. Daher die Gelegenheit, eine kritische und völlig ungläubige Position gegenüber der Virtualität dieses Paradigmas der Lebensbefreiung, die es schnell zerstört, deutlich zu machen.

Leonardo Boff

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Lassen Sie mich gleich zur Sache kommen: Ist innerhalb des gegenwärtigen zivilisatorischen Paradigmas der Moderne eine andere Agenda möglich, oder sind wir an seine unüberwindlichen Grenzen gestoßen und müssen wir ein anderes zivilisatorisches Paradigma suchen, wenn wir weiterhin auf diesem Planeten leben wollen?

Inspiriert durch drei Aussagen von großer Autorität.

Die erste stammt aus der Erdcharta, die 2003 von der UNESCO verabschiedet wurde. Ihr erster Satz hat apokalyptische Züge: “Wir stehen vor einem kritischen Moment in der Geschichte der Erde, in einer Zeit, in der die Menschheit über ihre Zukunft entscheiden muss… Wir haben die Wahl: Entweder wir bilden eine globale Allianz, um für die Erde und für einander zu sorgen, oder wir riskieren unsere eigene Zerstörung und die Zerstörung der Vielfalt des Lebens” (Präambel).

Die zweite ernste Aussage stammt von Papst Franziskus in der Enzyklika Fratelli tutti (2020): “Wir sitzen alle im selben Boot, niemand wird von sich aus gerettet, entweder wir retten uns alle oder niemand wird gerettet” (Nr. 32).

Die dritte Aussage stammt von dem großen Historiker Eric Hobsbawn in seinem bekannten Werk The Age of Extremes (1994), und zwar in seinem letzten Satz: “Wir wissen nicht, wohin wir gehen. Eines ist jedoch sicher. Wenn die Menschheit eine annehmbare Zukunft haben will, kann dies nicht durch die Verlängerung der Vergangenheit oder der Gegenwart geschehen. Wenn wir versuchen, das dritte Jahrtausend auf dieser Grundlage aufzubauen, werden wir scheitern. Und der Preis des Scheiterns, d.h. die Alternative zur Veränderung der Gesellschaft, ist die Finsternis” (S.562).

Mit anderen Worten: Unsere Art, die Erde zu bewohnen, die uns unbestreitbare Vorteile gebracht hat, ist an ihre Grenzen gestoßen. Alle Ampeln sind auf Rot geschaltet. Wir haben das Prinzip der Selbstzerstörung entwickelt und sind in der Lage, alles Leben mit chemischen, biologischen und nuklearen Waffen auf vielfältige Weise auszulöschen. Die Technik, die uns an die äußerste Grenze der Tragfähigkeit des Planeten Erde gebracht hat (The Earth Overshoot), ist nicht in der Lage, uns allein zu retten, wie Covid-19 gezeigt hat. Wir können die Zähne des Wolfes abfeilen, weil wir denken, dass wir ihm seine Gefräßigkeit nehmen. Aber diese liegt nicht in den Zähnen, sondern in seiner Natur.

Deshalb müssen wir unser Boot verlassen und über eine neue Weltagenda hinausgehen. Wir haben das Ende des Weges erreicht. Wir müssen einen anderen Weg einschlagen. Andernfalls werden wir uns, wie Sigmunt Bauman in seinem letzten Interview vor seinem Tod sagte, “in den Zug derer einreihen, die auf ihr eigenes Grab zusteuern”. Wenn wir leben wollen, sind wir gezwungen, uns neu zu erschaffen und ein neues Paradigma der Zivilisation zu erfinden.

Zwei Paradigmen: das des dominus und das des frater

Ich sehe in diesem Moment die Konfrontation zwischen zwei Paradigmen, die von der Enzyklika Fratelli tutti gut herausgestellt wurden: das dominus-Paradigma und das frater-Paradigma. Mit anderen Worten: das Paradigma der Eroberung, Ausdruck des Willens zur Macht als Herrschaft, formuliert von den Gründervätern der Moderne mit Descartes, Newton, Francis Bacon, Herrschaft über alles, über die Völker, wie in Amerika, Afrika und Asien, Herrschaft über die Klassen, über die Natur, über das Leben, und Herrschaft über die Materie bis zu ihrem letzten energetischen Ausdruck durch das Higgs-Boson.

Der Mensch (Descartes’ maître et possesseur) fühlt sich nicht als Teil der Natur, sondern als ihr Herr und Meister (dominus), der nach den Worten von Francis Bacon “die Natur foltern muss, wie der Folterknecht sein Opfer, bis sie alle ihre Geheimnisse preisgibt”, dem Begründer der modernen wissenschaftlichen Methode, die bis heute vorherrscht.

Dieses Paradigma versteht die Erde als eine bloße res extensa und zwecklos, die in eine Truhe mit Ressourcen verwandelt wurde, die als unerschöpflich angesehen werden und ein unendliches Wachstum/eine unendliche Entwicklung ermöglichen. Heute wissen wir jedoch wissenschaftlich, dass ein endlicher Planet kein unendliches Projekt tragen kann, was die große Krise des Kapitalsystems als Produktionsweise und des Neoliberalismus als dessen politischer Ausdruck ist.

Alle Lebewesen haben, wie Dawson und Crick in den 50er Jahren gezeigt haben, dieselben 20 Aminosäuren und vier Stickstoffbasen, die von der ursprünglichsten Zelle, die vor 3,8 Milliarden Jahren entstand, über die Dinosaurier bis hin zu uns Menschen reichen. Deshalb sagt die Erd-Charta, und Papst Franziskus unterstreicht dies in seinen beiden Öko-Enzykliken Laudato Si’ über die Sorge für das gemeinsame Haus (2015) und Fratelli tutti (2020): Ein Band der Geschwisterlichkeit verbindet uns alle, “zum Bruder Sonne, zur Schwester Mond, zum Bruder Fluss und zur Mutter Erde” (LS Nr. 92; CT-Präambel). Der Mensch fühlt sich als Teil der Natur und hat denselben Ursprung wie alle anderen Lebewesen, den “Humus” (die fruchtbare Erde), aus dem der homo als männlich und weiblich, als Mann und Frau hervorgeht.

Während das erste Paradigma von Eroberung und Herrschaft geprägt ist (das Paradigma von Alexander dem Großen und Hernan Cortes), zeigt das zweite die Fürsorge und Mitverantwortung aller für alle (das Paradigma von Franz von Assisi und Mutter Teresa von Kalkutta).

Bildlich gesprochen können wir sagen: Das Paradigma des dominus ist die geballte Faust, die sich unterwirft und dominiert. Das Paradigma des frater ist die ausgestreckte Hand, die sich mit anderen Händen verschränkt, um alle Dinge zu streicheln und zu pflegen.

Das Paradigma des dominus ist dominant und ist der Ursprung unserer vielen Krisen und in allen Bereichen. Das Paradigma der Geschwisterlichkeit ist im Entstehen begriffen und stellt die größte Sehnsucht der Menschheit dar, insbesondere jener großen Mehrheiten, die gnadenlos beherrscht, ausgegrenzt und dazu verurteilt sind, vor ihrer Zeit zu sterben.

Aber sie hat die Kraft eines Samenkorns. Wie jedes Samenkorn enthält es die Wurzeln, den Stamm, die Zweige, die Blätter, die Blüten und die Früchte. Deshalb geht die Hoffnung durch es hindurch, als ein Prinzip, das mehr ist als eine Tugend, als jene unbezwingbare Energie, die immer neue Träume, neue Utopien und neue Welten projiziert, das heißt, die uns dazu bringt, neue Wege zu beschreiten, um die Erde zu bewohnen, um zu produzieren, um die Früchte der Natur und der Arbeit zu verteilen, um zu konsumieren und um brüderliche und schwesterliche Beziehungen zwischen den Menschen und mit den anderen Wesen der Natur zu organisieren.

Der Übergang vom dominus-Paradigma zum frater-Paradigma

Ich weiß, dass sich hier das dornige Problem des Übergangs von einem Paradigma zum anderen stellt. Er wird prozesshaft erfolgen, mit einem Fuß im alten Paradigma des dominus/der Eroberung, weil wir unseren Fortbestand sichern müssen, und mit dem anderen Fuß im neuen Paradigma des frater/der Fürsorge, um es von unten her einzuleiten. Hier sollten mehrere Annahmen erörtert werden, aber dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um dies zu tun. Aber in einem Punkt können wir vorankommen: Durch die Arbeit im Territorium, den Bioregionalismus, kann das neue Paradigma der Geschwisterlichkeit/Pflege regional auf nachhaltige Weise umgesetzt werden, weil es die Fähigkeit hat, alle einzubeziehen und mehr soziale Gleichheit und ökologisches Gleichgewicht zu schaffen.

Unsere große Herausforderung besteht darin, von einer kapitalistischen Gesellschaft der Überproduktion materieller Güter zu einer Gesellschaft überzugehen, die alles Leben erhält, mit menschlich-geistigen, immateriellen Werten wie Liebe, Solidarität, Mitgefühl, Gerechtigkeit, Respekt und Fürsorge insbesondere für die Schwächsten.

Das Aufkommen einer Bio-Zivilisation

Diese neue Zivilisation hat einen Namen: Sie ist eine Biozivilisation, in der das Leben in seiner ganzen Vielfalt, vor allem aber das persönliche und kollektive menschliche Leben, im Mittelpunkt steht. Wirtschaft, Politik und Kultur stehen im Dienst der Aufrechterhaltung und Erweiterung der in allen Lebensformen vorhandenen Virtualität.

Die Zukunft des Lebens auf der Erde und das Schicksal unserer Zivilisation liegen in unserer Hand. Wir haben wenig Zeit, um die notwendigen Veränderungen vorzunehmen, denn wir sind bereits in die neue Phase der Erde eingetreten, in die Phase der zunehmenden Erwärmung. Die Staatsoberhäupter sind sich der ökologischen Notlage nicht ausreichend bewusst, und die gesamte Menschheit ist sich dessen noch sehr wenig bewusst.


Leonardo Boff, Ekotheologie, schrieb mit Mark Hathaway:The Tao of Liberation:exploring the Ecology os Transformation, Orbis Books, N.York 2010.

Otra agenda mundial: liberar la vida u otro paradigma civilizatorio?

Leonardo Boff 

Nota previa: Se ha organizado un grupo internacional que se propone “otra agenda mundial para liberar la vida”. La primera sesión tuvo lugar el día 5/5/2022. Cada participante (en total unos 20 aunque no todos intervinieron) tenía 10-15 minutos para presentar su visión del tema. El coordinador era un conocido economista italiano, que trabaja en la Comunidad Europea, en Bruselas. El propósito básico es cómo democratizar los conocimientos científicos que refuerzan la búsqueda de una agenda que tenga como objetivo liberar la vida. Expongo aquí mi corta presentación, hecha en francés, con las ideas que he propuesto y defendido en otros escritos. Hasta ahora, por lo visto, la nueva agenda se sitúa todavía dentro del viejo paradigma (la burbuja dominante), sin plantearse la cuestión de la profunda crisis que este paradigma, el de la modernidad científico-técnica, ha provocado, paradigma que está poniendo en peligro el futuro de nuestra vida y de nuestra civilización. De ahí la oportunidad de exponer claramente mi posición crítica, que no cree en las virtualidades de liberar la vida de este paradigma, pues la está destruyendo rápidamente. Lboff

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Voy directo al punto: ¿dentro del actual paradigma civilizatorio, de la modernidad, es posible otra Agenda o hemos tocado sus límites insuperables y tenemos que buscar otro paradigma civilizatorio si todavía queremos seguir viviendo sobre este planeta?

Mi respuesta se inspira en tres afirmaciones de gran autoridad.

La primera es de la Carta de la Tierra, aprobada por la UNESCO en 2003. Su frase inicial presenta tonos apocalípticos: “Estamos ante un momento crítico de la historia de la Tierra, en el cual la humanidad debe elegir su futuro… y esa elección es: o formar una alianza global para cuidar la Tierra y cuidarnos unos a otros, o arriesgarnos a la destrucción de nosotros mismos y a la destrucción de la diversidad de la vida” (Preámbulo).

La segunda afirmación muy seria es del Papa Francisco en la encíclicaFratelli tutti (2020): “estamos en el mismo barco, nadie se salva solo, o nos salvamos todos o no se salva nadie” (n.32).

La tercera afirmación es del gran historiador Eric Hobsbawn en su conocida obra La era de los extremos (1994) en su frase final: No sabemos hacia donde estamos yendo. Sin embargo, una cosa es segura: si la humanidad quiere tener un futuro aceptable, no puede ser mediante la prolongación del pasado o del presente. Si intentamos construir el tercer milenio sobre esta base vamos a fracasar. Y el precio del fracaso, o sea la alternativa al cambio de la sociedad, es la oscuridad”(p.562).

En otras palabras: nuestro modo de habitar la Tierra, que nos ha traído innegables beneficios, ha llegado a su agotamiento. Todos los semáforos están en rojo. Hemos construido el principio de autodestrucción, que puede exterminar toda la vida con armas químicas, biológicas y nucleares de muchas formas distintas. La tecnociencia que nos hace llegar a los límites extremos de sostenibilidad del planeta Tierra (The Earth Overshoot) no tiene condiciones por si sola, como la Covid-19 ha mostrado, para salvarnos Podemos limar los dientes al lobo pensando que le quitamos, ilusoriamente, su voracidad. Pero esta no reside en los dientes sino en su naturaleza.

Por lo tanto, tenemos que abandonar nuestro barco e ir más allá de una nueva agenda mundial. Hemos llegado al final del camino. Tenemos que abrir un camino distinto. De lo contrario, como dijo en su última entrevista antes de morir Zygmunt Bauman: “vamos a engrosar el cortejo de aquellos que caminan en dirección a su propia tumba”. Nos vemos forzados, si queremos vivir, a recrearnos y a reinventar un nuevo paradigma de civilización.

Dos paradigmas: el del dominus y el del frater

En este momento veo enfrentados dos paradigmas: el paradigma del dominus y el paradigma del frater. Dicho de otra manera: el paradigma de la conquista es expresión de la voluntad de poder como dominación, formulada por los padres fundadores de la modernidad, como Descartes, Newton, Francis Bacon; dominación de todo, de pueblos, como en las Américas, África y Asia, dominación de clases, de la naturaleza, de la vida y dominación de la materia hasta su última expresión energética con el Bosón de Higgs.

El ser humano (maître et possesseur de Descartes) no se siente parte de la naturaleza, sino su dueño y señor (dominus), que en palabras de Francis Bacon “debe torturar a la naturaleza como el torturador hace con su víctima hasta que entregue todos sus sus secretos”. Él es el fundador del método científico moderno, prevalente hasta el día de hoy. 

Ese paradigma entiende la Tierra como mera res extensa y sin propósito, transformada en un baúl de recursos, considerados infinitos y que permiten un crecimiento/desarrollo también infinito. Sucede sin embargo que hoy sabemos científicamente que un planeta finito no soporta un proyecto infinito. Esta es la gran crisis del sistema del capital como modo de producción y del neoliberalismo como su expresión política.

El otro paradigma es el de frater: hermano y hermana de todos los seres humanos entre sí y hermanos y hermanas de todos los demás seres de la naturaleza. Todos los seres vivos tenemos, como Dawson y Crick mostraron en los años 1950, los mismos 20 aminoácidos y las 4 bases nitrogenadas, desde la célula más originaria que surgió hace 3.800 millones de años, pasando por los dinosaurios y llegando hasta nosotros humanos. Por eso dice la Carta de la Tierra y lo enfatiza fuertemente el Papa Francisco en sus dos encíclicas ecológicas, Laudato Si: sobre el cuidado de la Casa Común (2015) y Fratelli tutti (2020): un lazo de fraternidad nos une a todos, “al hermano Sol, la hermana Luna, al hermano río y a la Madre Tierra” (LS n.92; CT preámbulo). El ser humano se siente parte de la naturaleza y tiene el mismo origen que todos los demás seres: “el humus” (la tierra fértil) de donde se deriva homo, como masculino y femenino, hombre y mujer.

Si en el primer paradigma prevalece la conquista y la dominación (paradigma de Alejandro Magno y Hernán Cortés), en el segundo se muestra el cuidado y la corresponsabilidad de todos con todos (paradigma de Francisco de Asís y Madre Teresa de Calcuta).

Representado figurativamente podemos decir: el paradigma del dominus es el puño cerrado que somete y domina. El paradigma del frater es la mano extendida que se entrelaza con otras manos para la caricia esencial y el cuidado de todas las cosas.

El paradigma del dominus es el dominante, está en el origen de nuestras muchas crisis y en todas las áreas. El paradigma del frater está naciendo y representa el mayor anhelo de la humanidad, especialmente de aquellas grandes mayorías dominadas sin piedad, marginalizadas y condenadas a morir antes de tiempo. Pero posee la fuerza de una semilla y, como en toda semilla, en ella están presentes las raíces, el tronco, las ramas, las hojas, las flores y los frutos. Por eso por él pasa la esperanza, como principio más que como virtud, como aquella energía indomable que proyecta siempre nuevos sueños, nuevas utopías y nuevos mundos, es decir, nos hace caminar en dirección a nuevas formas de habitar la Tierra, de producir, de distribuir los frutos de la naturaleza y del trabajo, de consumir y de organizar relaciones fraternales y sororales entre los humanos y con los demás seres de la naturaleza.

El paso del paradigma del dominus al paradigma del frater

Sé que aquí se plantea el espinoso problema de la transición de un paradigma a otro. Se hará gradualmente, con un pie en el viejo paradigma del dominus/conquista ya que debemos garantizar nuestra subsistencia y el otro pie en el nuevo paradigma del frater/cuidado para inaugurarlo a partir de abajo. Aquí deben ser discutidos varios supuestos, pero no es el momento de hacer eso. Una cosa podemos adelantar: trabajando el territorio, el biorregionalismo, se podrá implantar regionalmente el nuevo paradigma del frater/cuidado de forma sostenible, pues tiene la capacidad de incluir a todos y crear más igualdad social y equilibrio ambiental.

Nuestro gran desafío es este: cómo pasar de una sociedad capitalista de superproducción de bienes materiales a una sociedad de sostenimientode toda la vida, con valores humano-espirituales intangibles como el amor, la solidaridad, la compasión, la justa medida, el respeto y el cuidado especialmente de los más vulnerables.

El adviento de una biocivilización

Esta nueva civilización tiene un nombre: es una biocivilización, cuya centralidad es la vida en toda su diversidad, pero especialmente la vida huma personal y colectiva. La economía, la política y la cultura están al servicio del mantenimiento y de la expansión de las virtualidades presentes en todas las formas de vida.

El futuro de la vida en la Tierra y el destino de nuestra civilización están en nuestras manos. Tenemos poco tiempo para hacer las trasformaciones necesarias, pues ya hemos entrado en la nueva fase de la Tierra, su calentamiento creciente. Falta la suficiente conciencia en los jefes de estado sobre las emergencias ecológicas y es todavía muy escasa en el conjunto de la humanidad.

Leonardo Boff, teólogo, filósofo y ha escrito: Ecología: grito de la Tierra, grito de los pobres, 1999/2018; Habitar la Tierra: ¿cuál es el camino para la fraternidad universal? Vozes 2022.

Traducción de Mª José Gavito Milano

La sombra tenebrosa del bolsonarismo

Leonardo Boff*

Tiempo atrás publiqué en mi blog (facebook y twitter) un artículo con el título “El peso kármico de la historia de Brasil”. Hoy veo la necesidad de retomar el tema pues la situación nacional, en un escenario electoral, se ha oscurecido y ha adquirido contornos perturbadores, sea de ruptura constitucional, sea de grave y violenta convulsión social. En particular, cuando el actual y siniestro presidente afirma, públicamente, que sólo reconocerá un resultado electoral, es decir, su reelección, en caso contrario cuestionaría las urnas electrónicas o convocaría a sus seguidores armados, probablemente los milicianos, y entonces ocurriría una grave perturbación.

Él es tan poco político y desquiciado que no esconde el juego. Lo expone claramente. Tal comportamiento de un jefe de estado que se caracteriza por amenazas constantes a las instituciones y por su permanente falta de atención a la dramática situación del país, en especial a las 660 mil víctimas del Covid-19, millones con hambre, alimentación insuficiente, desempleados, nos produce graves preocupaciones y serias aprensiones.

Las razones de la irrupción de la sombra bolsonarista

Tenemos que intentar entender por qué irrumpió esta ola de odio, de mentiras como método de gobierno, de fake news, de calumnias y de corrupción gubernamental, cuya investigación ha sido impedida. Me vienen a la mente dos categorías: una del psicoanálisis junguiano, la de la sombra, y otra de la gran tradición oriental del budismo y afines y entre nosotros, del espiritismo, el karma.

La categoría de sombra, presente en cada persona o colectividad, está formada por aquellos elementos negativos que nos cuesta aceptar, que procuramos olvidar o reprimir, enviándolos al inconsciente, ya sea personal o colectivo.

Cinco sombras en la historia de Brasil

Efectivamente, cinco grandes sombras marcan la historia político-social de nuestro país: el genocidio indígena, que perdura hasta hoy; la colonización, que nos impidió tener un proyecto propio de un pueblo libre; la esclavitud, una de nuestras vergüenzas nacionales, pues implicaba tratar al esclavo como cosa, “pieza” puesta en el mercado para ser comprada y vendida, sometida constantemente al látigo y al desprecio; el permanente pacto entre los representantes de las clases dominantes, herederas de la Casa Grande o del industrialismo, especialmente a partir de São Paulo. Estos nunca pensaron en un proyecto nacional que incluyese al pueblo, sino en un proyecto solamente de ellos para ellos, capaces de controlar el estado, ocupar sus aparatos y ganar fortuna en los proyectos estatales. Por esta razón emerge una quinta sombra, la democracia de baja intensidad que perdura hasta el día de hoy y que actualmente muestra una gran debilidad. Medida por el respeto a la constitución, a los derechos humanos personales y sociales y por el nivel de participación popular parece más una farsa que una verdadera democracia consolidada.

Siempre que algún líder político con ideas reformistas, venido del piso de abajo, de la senzala social, presenta un proyecto más amplio que abarca al pueblo con políticas sociales inclusivas, estas fuerzas de pacto, con su brazo ideológico, los grandes medios de comunicación, como periódicos, radios y canales de televisión, asociados a parlamentarios y a sectores importantes del poder judicial, han usado el recurso del golpe, sea militar (1964), sea jurídico-político-mediático (1968) para garantizar sus privilegios. Difaman, persiguen y llegan a meter en la cárcel, incluso sin base jurídica, a sus líderes populares. El desprecio y el odio, dirigidos en otro tiempo a los esclavos, ha sido transferido cobardemente a los pobres y miserables, condenados a vivir siempre en la exclusión. Es el método denunciado por el eminente sociólogo Jessé Souza en su clásico La élite del atraso (2017). Esta sombra se cierne sobre la atmósfera social de nuestro país. Está siempre ideológicamente escondida, negada y reprimida.

La visibilidad de la sombra bolsonarista

Con el actual innombrable como presidente y con el séquito de sus seguidores, lo que estaba oculto y reprimido ha salido del armario. Siempre estuvo allí, recogido pero actuante, impidiendo que nuestra sociedad, dominada por la élite del atraso, hiciese las transformaciones necesarias, continuando así con una línea conservadora y, en algunos campos, como en las costumbres, hasta reaccionaria.

Las cinco sombras antes mencionadas se volvieron visibles en el bolsonarismo y en su “capo”: la magnificación de la violencia y hasta de la tortura, el racismo cultural, la homofobia, el rechazo a los de otra opción sexual, el desprecio al afrodescendiente, al indígena, a la mujer y al pobre. Resulta extraño que muchos, hasta personas sensatas, puedan seguir a una figura tan grosera, tan maleducada y sin ninguna empatía por los sufridores de nuestro país y del mundo.

Esta es una explicación, ciertamente no exhaustiva, a través de la sombra que subyace a las distintas crisis que atraviesan toda la sociedad.

La otra categoría es la del karma. Para conferirle algún grado analítico y no solo metafísico (el destino humano) me valgo de un largo diálogo entre el gran historiador inglés Arnold Toynbee y Daisaku Ikeda, eminente filósofo japonés, diálogo recogido en el libro Elige la vida (Emecé. Buenos Aires 2005).

Karma es un término sánscrito que originalmente significaba fuerza y movimiento, concentrado en la palabra “acción” que provoca su correspondiente “reacción”. Se aplica a los individuos y también a las colectividades.

Cada persona está marcada por las acciones que practica en la vida. Esa acción no se restringe a la persona, connota todo el ambiente. Se trata de una especie de contracorriente ética cuyo saldo está en mutación según las acciones buenas o malas que se han hecho, o sea, “los débitos y los créditos”. Incluso después de la muerte, las personas, en la creencia budista, cargan con esta cuenta. Por eso se reencarnan para que en varios renacimientos puedan poner a cero la cuenta negativa.

Para Toynbee no es necesario recurrir a la hipótesis de los muchos renacimientos porque la red de vínculos garantiza la continuidad del destino de un pueblo (p.384). Las realidades kármicas impregnan las instituciones, los paisajes, configuran las personas y marcan el estilo singular de un pueblo. Esta fuerza kármica actúa en la historia, marcando los hechos benéficos o maléficos, cosa ya vista por C.G.Jung en sus análisis psico-socio-históricos.

Toynbee en su gran obra en diez volúmenes Estudio de la Historia (A Study of History) trabaja el binomio Reto-Respuesta (Challenge – Response) y ve sentido en la categoría del karma. Pero le da otra versión que me parece esclarecedora y nos ayuda a entender un poco las sombras nacionales y la sombra bolsonarista. 

La historia está hecha de redes relacionales dentro de las cuales está inserta cada persona, ligada con las que la precedieron y con las presentes. Hay un funcionamiento kármico en la historia de un pueblo y de sus instituciones de acuerdo a los niveles de bondad y justicia o de maldad e injusticia que produjeron a lo largo del tiempo. Este sería una especie de campo mórfico que permanecería impregnando todo.

La arrogancia europea y la bolsonarista

Veamos el ejemplo de la cultura europea occidental. Creó la modernidad y proyectó el ideal del ser humano como dominus, señor de todo, de los pueblos, de los continentes, de la Tierra, de la vida y hasta de los últimos elementos de la materia. Se impuso globalmente a sangre y fuego y generó las principales guerras, especialmente las dos guerras mundiales y actualmente, a través de la OTAN, apoyando la guerra en Ucrania.

Al decir del gran y discutido analista Samuel P. Huntington en su conocido libro Choque de civilizaciones (1997): «La intervención occidental en los asuntos de otras civilizaciones es probablemente la más peligrosa fuente de inestabilidad y de un posible conflicto global en un mundo multicivilizacional» (p.397). Es la famosa arrogancia occidental de poseer la mejor religión (cristianismo), la mejor ciencia y tecnología, la mejor sociedad, la mejor democracia, la mejor cultura, todo mejor. Respetadas las diferencias, semejante juicio se aplica también a la arrogancia bolsonarista del presidente y de muchos de sus ministros.

Tanto Toynbee como Ikeda concuerdan en esto: «la sociedad moderna (nosotros incluidos) sólo puede ser curada de su carga kármica, ‒añadiríamos, de su sombra‒ a través de una revolución espiritual en el corazón y en la mente» (p.159), en la línea de la justicia compensatoria y de políticas sanadoras con instituciones justas.

Cómo deshacer las sombras y el karma negativo

Sin embargo, estas políticas solas no son suficientes y no deshacen las sombras y el karma negativo. Es necesario el amor, la solidaridad, la compasión y una profunda humanidad con las víctimas. El amor será el motor más eficaz porque, en el fondo, afirman Toynbee e Ikeda “es la Última Realidad” (p.387).

Una sociedad atravesada por el odio y por la mentira, como en el bolsonarismo, e incapaz de amar efectivamente y de ser menos malvada, jamás deconstruirá una historia tan marcada por las sombras y por el karma negativo como la nuestra. Esto vale específicamente para los modos rudos, ofensivos y mentirosos del actual presidente de Brasil.

¿No es lo que predican los maestros de la humanidad, como Jesús, San Francisco de Asís, Dalai Lama, Gandhi, Luther King Jr y el Papa Francisco? Sólo la dimensión de luz y el karma del bien libran y redimen a la sociedad de la fuerza de las sombras tenebrosas y de las kármicas del mal.

Si no derrotamos electoralmente al innombrable presidente actual, el país se moverá de crisis en crisis, creando una corriente de sombras y karmas destructivos, comprometiendo su propio futuro. Pero la luz y la energía de lo positivo siempre se mostraron históricamente más poderosas que las sombras y el karma negativo. Estamos seguros de que ellas escribirán la página definitiva de la historia de un pueblo.

*Leonardo Boff es teólogo y filósofo y ha escrito Brasil:concluir la refundación o prolongar la dependencia, Vozes 2018.

Traducción de Mª José Gavito Milano

Eine andere (Welt-)Agenda: freies Leben oder ein anderes zivilisatorisches Paradigma?

Leonardo Boff

Vorbemerkung: Eine internationale Gruppe wurde organisiert, die eine “andere Weltagenda zur Befreiung des Lebens” vorschlug. Die erste Sitzung fand am 5.5.2022 statt. Jeder Teilnehmer (insgesamt etwa 20, aber nicht alle haben teilgenommen) hatte 10-15 Minuten Zeit, um seine Vision des Themas vorzustellen. Grundsätzlich geht es darum, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Suche nach einer Agenda zur Befreiung des Lebens unterstützen, demokratisiert werden können. Ich stelle hier meine kurze Präsentation in französischer Sprache vor, mit den Ideen, die ich in anderen Schriften vorgeschlagen und verteidigt habe. Bislang, so scheint es, bewegt sich die neue Agenda noch innerhalb des alten Paradigmas (der vorherrschenden Blase), und die Frage nach der tiefen Krise, die dieses Paradigma, das der technisch-wissenschaftlichen Moderne, ausgelöst hat und die die Zukunft unseres Lebens und unserer Zivilisation gefährdet, wurde nicht gestellt. Daher die Gelegenheit, eine kritische und völlig ungläubige Position gegenüber der Virtualität dieses Paradigmas der Lebensbefreiung, die es schnell zerstört, deutlich zu machen.

Leonardo Boff

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Lassen Sie mich gleich zur Sache kommen: Ist innerhalb des gegenwärtigen zivilisatorischen Paradigmas der Moderne eine andere Agenda möglich, oder sind wir an seine unüberwindlichen Grenzen gestoßen und müssen wir ein anderes zivilisatorisches Paradigma suchen, wenn wir weiterhin auf diesem Planeten leben wollen?

Inspiriert durch drei Aussagen von großer Autorität.

Die erste stammt aus der Erdcharta, die 2003 von der UNESCO verabschiedet wurde. Ihr erster Satz hat apokalyptische Züge: “Wir stehen vor einem kritischen Moment in der Geschichte der Erde, in einer Zeit, in der die Menschheit über ihre Zukunft entscheiden muss… Wir haben die Wahl: Entweder wir bilden eine globale Allianz, um für die Erde und für einander zu sorgen, oder wir riskieren unsere eigene Zerstörung und die Zerstörung der Vielfalt des Lebens” (Präambel).

Die zweite ernste Aussage stammt von Papst Franziskus in der Enzyklika Fratelli tutti (2020): “Wir sitzen alle im selben Boot, niemand wird von sich aus gerettet, entweder wir retten uns alle oder niemand wird gerettet” (Nr. 32).

Die dritte Aussage stammt von dem großen Historiker Eric Hobsbawn in seinem bekannten Werk The Age of Extremes (1994), und zwar in seinem letzten Satz: “Wir wissen nicht, wohin wir gehen. Eines ist jedoch sicher. Wenn die Menschheit eine annehmbare Zukunft haben will, kann dies nicht durch die Verlängerung der Vergangenheit oder der Gegenwart geschehen. Wenn wir versuchen, das dritte Jahrtausend auf dieser Grundlage aufzubauen, werden wir scheitern. Und der Preis des Scheiterns, d.h. die Alternative zur Veränderung der Gesellschaft, ist die Finsternis” (S.562).

Mit anderen Worten: Unsere Art, die Erde zu bewohnen, die uns unbestreitbare Vorteile gebracht hat, ist an ihre Grenzen gestoßen. Alle Ampeln sind auf Rot geschaltet. Wir haben das Prinzip der Selbstzerstörung entwickelt und sind in der Lage, alles Leben mit chemischen, biologischen und nuklearen Waffen auf vielfältige Weise auszulöschen. Die Technik, die uns an die äußerste Grenze der Tragfähigkeit des Planeten Erde gebracht hat (The Earth Overshoot), ist nicht in der Lage, uns allein zu retten, wie Covid-19 gezeigt hat. Wir können die Zähne des Wolfes abfeilen, weil wir denken, dass wir ihm seine Gefräßigkeit nehmen. Aber diese liegt nicht in den Zähnen, sondern in seiner Natur.

Deshalb müssen wir unser Boot verlassen und über eine neue Weltagenda hinausgehen. Wir haben das Ende des Weges erreicht. Wir müssen einen anderen Weg einschlagen. Andernfalls werden wir uns, wie Sigmunt Bauman in seinem letzten Interview vor seinem Tod sagte, “in den Zug derer einreihen, die auf ihr eigenes Grab zusteuern”. Wenn wir leben wollen, sind wir gezwungen, uns neu zu erschaffen und ein neues Paradigma der Zivilisation zu erfinden.

Zwei Paradigmen: das des dominus und das des frater

Ich sehe in diesem Moment die Konfrontation zwischen zwei Paradigmen, die von der Enzyklika Fratelli tutti gut herausgestellt wurden: das dominus-Paradigma und das frater-Paradigma. Mit anderen Worten: das Paradigma der Eroberung, Ausdruck des Willens zur Macht als Herrschaft, formuliert von den Gründervätern der Moderne mit Descartes, Newton, Francis Bacon, Herrschaft über alles, über die Völker, wie in Amerika, Afrika und Asien, Herrschaft über die Klassen, über die Natur, über das Leben, und Herrschaft über die Materie bis zu ihrem letzten energetischen Ausdruck durch das Higgs-Boson.

Der Mensch (Descartes’ maître et possesseur) fühlt sich nicht als Teil der Natur, sondern als ihr Herr und Meister (dominus), der nach den Worten von Francis Bacon “die Natur foltern muss, wie der Folterknecht sein Opfer, bis sie alle ihre Geheimnisse preisgibt”, dem Begründer der modernen wissenschaftlichen Methode, die bis heute vorherrscht.

Dieses Paradigma versteht die Erde als eine bloße res extensa und zwecklos, die in eine Truhe mit Ressourcen verwandelt wurde, die als unerschöpflich angesehen werden und ein unendliches Wachstum/eine unendliche Entwicklung ermöglichen. Heute wissen wir jedoch wissenschaftlich, dass ein endlicher Planet kein unendliches Projekt tragen kann, was die große Krise des Kapitalsystems als Produktionsweise und des Neoliberalismus als dessen politischer Ausdruck ist.

Alle Lebewesen haben, wie Dawson und Crick in den 50er Jahren gezeigt haben, dieselben 20 Aminosäuren und vier Stickstoffbasen, die von der ursprünglichsten Zelle, die vor 3,8 Milliarden Jahren entstand, über die Dinosaurier bis hin zu uns Menschen reichen. Deshalb sagt die Erd-Charta, und Papst Franziskus unterstreicht dies in seinen beiden Öko-Enzykliken Laudato Si’ über die Sorge für das gemeinsame Haus (2015) und Fratelli tutti (2020): Ein Band der Geschwisterlichkeit verbindet uns alle, “zum Bruder Sonne, zur Schwester Mond, zum Bruder Fluss und zur Mutter Erde” (LS Nr. 92; CT-Präambel). Der Mensch fühlt sich als Teil der Natur und hat denselben Ursprung wie alle anderen Lebewesen, den “Humus” (die fruchtbare Erde), aus dem der homo als männlich und weiblich, als Mann und Frau hervorgeht.

Während das erste Paradigma von Eroberung und Herrschaft geprägt ist (das Paradigma von Alexander dem Großen und Hernan Cortes), zeigt das zweite die Fürsorge und Mitverantwortung aller für alle (das Paradigma von Franz von Assisi und Mutter Teresa von Kalkutta).

Bildlich gesprochen können wir sagen: Das Paradigma des dominus ist die geballte Faust, die sich unterwirft und dominiert. Das Paradigma des frater ist die ausgestreckte Hand, die sich mit anderen Händen verschränkt, um alle Dinge zu streicheln und zu pflegen.

Das Paradigma des dominus ist dominant und ist der Ursprung unserer vielen Krisen und in allen Bereichen. Das Paradigma der Geschwisterlichkeit ist im Entstehen begriffen und stellt die größte Sehnsucht der Menschheit dar, insbesondere jener großen Mehrheiten, die gnadenlos beherrscht, ausgegrenzt und dazu verurteilt sind, vor ihrer Zeit zu sterben.

Aber sie hat die Kraft eines Samenkorns. Wie jedes Samenkorn enthält es die Wurzeln, den Stamm, die Zweige, die Blätter, die Blüten und die Früchte. Deshalb geht die Hoffnung durch es hindurch, als ein Prinzip, das mehr ist als eine Tugend, als jene unbezwingbare Energie, die immer neue Träume, neue Utopien und neue Welten projiziert, das heißt, die uns dazu bringt, neue Wege zu beschreiten, um die Erde zu bewohnen, um zu produzieren, um die Früchte der Natur und der Arbeit zu verteilen, um zu konsumieren und um brüderliche und schwesterliche Beziehungen zwischen den Menschen und mit den anderen Wesen der Natur zu organisieren.

Der Übergang vom dominus-Paradigma zum frater-Paradigma

Ich weiß, dass sich hier das dornige Problem des Übergangs von einem Paradigma zum anderen stellt. Er wird prozesshaft erfolgen, mit einem Fuß im alten Paradigma des dominus/der Eroberung, weil wir unseren Fortbestand sichern müssen, und mit dem anderen Fuß im neuen Paradigma des frater/der Fürsorge, um es von unten her einzuleiten. Hier sollten mehrere Annahmen erörtert werden, aber dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um dies zu tun. Aber in einem Punkt können wir vorankommen: Durch die Arbeit im Territorium, den Bioregionalismus, kann das neue Paradigma der Geschwisterlichkeit/Pflege regional auf nachhaltige Weise umgesetzt werden, weil es die Fähigkeit hat, alle einzubeziehen und mehr soziale Gleichheit und ökologisches Gleichgewicht zu schaffen.

Unsere große Herausforderung besteht darin, von einer kapitalistischen Gesellschaft der Überproduktion materieller Güter zu einer Gesellschaft überzugehen, die alles Leben erhält, mit menschlich-geistigen, immateriellen Werten wie Liebe, Solidarität, Mitgefühl, Gerechtigkeit, Respekt und Fürsorge insbesondere für die Schwächsten.

Das Aufkommen einer Bio-Zivilisation

Diese neue Zivilisation hat einen Namen: Sie ist eine Biozivilisation, in der das Leben in seiner ganzen Vielfalt, vor allem aber das persönliche und kollektive menschliche Leben, im Mittelpunkt steht. Wirtschaft, Politik und Kultur stehen im Dienst der Aufrechterhaltung und Erweiterung der in allen Lebensformen vorhandenen Virtualität.

Die Zukunft des Lebens auf der Erde und das Schicksal unserer Zivilisation liegen in unserer Hand. Wir haben wenig Zeit, um die notwendigen Veränderungen vorzunehmen, denn wir sind bereits in die neue Phase der Erde eingetreten, in die Phase der zunehmenden Erwärmung. Die Staatsoberhäupter sind sich der ökologischen Notlage nicht ausreichend bewusst, und die gesamte Menschheit ist sich dessen noch sehr wenig bewusst.

Leonardo Boff/ Mark Hathaway, Theologe und schrifsteller, hat Die Weisheit des Kosmos. In zukunftsweisendes Weltbild,mit einen Vorwort von Frijtjof Capra, Litverlag 2021 geschrieben