Papst Franziskus spricht mit einem Nicht-Gläubigen von Mensch zu Mensch

Franziskus, Bischof von Rom, hat sich aller Titel und Machtsymbole entledigt, die nur dazu dienen, Menschen voneinander abzugrenzen, und hat einen offenen Brief in der größten Zeitung Roms, „La Repubblica“, veröffentlicht, um dem ehemaligen Chefredakteur und berühmten Intellektuellen und Nicht-Gläubigen, Eugenio Scalfari, zu antworten. Dieser hatte öffentlich Fragen an den Bischof von Rom gestellt. Franziskus beging damit eine Tat von außergewöhnlicher Wichtigkeit, nicht nur, weil es in einer noch nie da gewesenen Art und Weise geschah, sondern vor allem, weil er seine Antworten gab wie jemand, der in Offenheit von Mensch zu Mensch spricht und sich mit seinem Gesprächspartner auf Augenhöhe begibt.

Franziskus, der sich bekannterweise lieber Bischof von Rom nennen lässt als Papst, antwortete Eugenio Scalfari wirklich auf herzliche Weise mit warmherziger Intelligenz und freundschaftlichem Herzen, nicht mit kalten Doktrinen. Heutzutage geht es der Philosophie darum, die emotionale Intelligenz aufzuwerten, die die intellektuelle Intelligenz bereichert und erweitert, die sich direkt an den anderen wendet, ihn in der Tiefe anspricht, ohne sich hinter Doktrinen, Dogmen oder Institutionen zu verstecken.

In diesem Sinne handelt Franziskus, für den es nicht maßgeblich ist, ob Scalfari gläubig ist oder nicht, denn jeder hat seine persönliche Geschichte und seinen existenziellen Weg, der respektiert werden muss. Was zählt, ist die Fähigkeit der beiden, dem anderen in Offenheit zuzuhören. Um es mit den Worten des großen spanischen Poeten Antonio Machado auszudrücken: „Deine Wahrheit? Nein, DIE Wahrheit. Lass uns sie gemeinsam suchen. Die Deine kannst du für dich behalten.“ Wichtiger als das eigene Wissen ist es, niemals die Lernfähigkeit zu verlieren. Dies ist der Sinn des Dialogs.

In seinem Brief zeigt Franziskus, dass wir eine vollständigere und weitere Wahrheit suchen, eine, die wir noch nicht besitzen. Um sie zu finden, reicht es nicht, die Dogmen allein zu betrachten oder die abstrakt formulierten Doktrinen. Es besteht Konsens darüber, dass noch nicht alle Antworten gefunden sind und dass alles vom Mysterium umgeben ist. Bei dieser Suche befinden wir uns alle auf demselben Niveau: Glaubende und Nicht-Glaubende, selbst die Kirchentreuen. Alle haben ein Recht darauf, ihre Sichtweise auszudrücken.

Wir alle leben in einem schrecklichen Widerspruch, der Glaubende und Atheisten umtreibt: Warum lässt Gott die großen Ungerechtigkeiten in dieser Welt zu? Dies ist die Frage, die Papst Benedikt XVI bestürzt beim Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz stellte. Für einen Moment legte er seine Papstrolle ab und sprach wie ein Mensch mit offenem Herzen: „Gott, wo warst du, als diese Gräueltaten stattfanden? Warum hast du dazu geschwiegen?“

Wir Christen müssen zugeben, dass es keine Antwort darauf gibt und dass diese Frage offen bleibt. Wir können nur Trost in der Vorstellung finden, dass Gott unseren Verstand übersteigt. Die intellektuelle Intelligenz schweigt dazu, da sie nicht auf alles eine Antwort hat. Die Genesis befindet sich, laut dem Philosophen Ernst Bloch, nicht an ihrem Beginn, sondern an ihrem Ende. Aus der Sicht von Glaubenden wird alles einmal gut ausgehen. Erst am Ende wird uns gewissermaßen der Sinn unserer Existenz aufgehen. Erst dann werden wir sagen können „Es ist gut“ und das endgültige „Amen“ aussprechen können. Doch solange wir leben, ist nicht alles gut.

Wahrheiten? Absolute und relative Wahrheiten? Ich ziehe es vor, zu antworten wie der große Poet, Mystiker und Pfarrer, der Bischof Don Pedro Casaldáliga im tiefen Amazonien: „Das Absolute? Nur Gott und der Hunger.“

Ich bin sehr zuversichtlich, dass Franziskus mit seinem Dialog Großes für das Wohl der Menschheit erreichen kann. Er begann, weitreichende Reformen des Papsttums durchzuführen, und bald wird die Kurie reformiert werden. Bei mehreren Gelegenheiten verdeutlichte er, dass alle Themen diskutiert werden können, was noch vor einiger Zeit undenkbar gewesen wäre. Themen wie der Zölibat der Priester, das Priesteramt für Frauen, die Sexualmoral und das Phänomen der Homosexualität durften bis vor kurzem von Theologen und Bischöfen nicht angesprochen werden.

 Mir scheint, dies ist der erste Papst, der keine monarchische und absolutistische Regierung möchte, keine „Macht“, wie Scalfari sagte. Stattdessen möchte er dem Evangelium so nah wie möglich sein, das für die Prinzipien der Barmherzigkeit und des Mitgefühls steht, indem für ihn der Referenzpunkt die Menschheit ist.

Gewiss könnte dieser Dialog mit den Nicht-Gläubigen wirklich ein neues Fenster zu einer Ethik der Moderne erweitern und öffnen, die nicht nur der Technologie Rechnung trägt, sondern auch der Wissenschaft und der Politik, und die auch dazu führen könnte, die Ausgrenzung zu überwinden, die ein typisches Verhaltensmerkmal der katholischen Kirche darstellt, mit anderen Worten, die Arroganz, die sich in der Annahme verbirgt, die einzige wahrhafte Erbin der Botschaft Jesu zu sein. Es ist immer wieder gut, sich in Erinnerung zu rufen, dass Gott seinen Sohn in die ganze Welt gesandt hat und nicht nur zu den Getauften. Er erleuchtet alle Geborenen, nicht nur die Glaubenden, wie der Hl. Johannes im Prolog seines Evangeliums bekräftigt.

In diesem Sinne habe ich Papst Franziskus in einem Brief vorgeschlagen, ein ökumenisches Konzil der ganzen Christenheit, aller Kirchen, einzuberufen, einschließlich Atheisten, die durch ihre Weisheit und ihre Ethik dazu beitragen können, die Gefahren, die unserem Planeten drohen, zu analysieren und ihnen zu begegnen. Und zuallererst die Frauen, Erzeugerinnen des Lebens, denn das Leben selbst ist gefährdet.

Das Christentum hat sich als ein abendländisches Phänomen gezeigt und muss jetzt seinen Platz in der neuen Phase der Menschheit, der planetarischen Phase, finden. Nur so wird es für alle und jeden da sein.

Bei Franziskus, so wie er sich schon in Argentinien gezeigt hat, kann ich absolut keine Eroberungsabsicht oder Ansätze zur Proselytenmacherei erkennen, sondern, wie Scalfari bekräftigt, den Willen, Zeuge der Botschaft Jesu und Weggefährte für die anderen zu sein. Bevor das Christentum eine Institution wurde, war es eine Bewegung, die Bewegung Jesu und der Apostel. In dieser Perspektive ist es wichtiger, die Erfahrung der Dimension der Menschenwürde, der Ethik und der Grundrechte zu machen, als einfach einer Kirche beizutreten. Dies ist der Fall für Eugenio Scalfari. Es ist wichtiger, die Dimension des Lichtes als die der Dunkelheit der Geschichte zu betrachten, wie Brüder und Schwestern im einen, gemeinsamen Haus zu leben, der Mutter Erde, die Entscheidungen eines jeden zu respektieren unter dem großen Regenbogen, der das Symbol der Transzendenz des menschlichen Wesens ist.

Der lange Winter der Kirche ist vorbei. Wir erwarten einen sonnigen Frühling voller Blumen und Früchte, wo es sich lohnt, Mensch und Christ zu sein auch in der Form der katholischen Kirche.

Übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

 

Papst Franziskus holt die Dritte Welt in den Vatikan

Die zahlreichen Innovationen, die Papst Franziskus, oder der Bischof von Rom, wie er sich gern nennen lässt, eingeführt hat, sind weithin bekannt. Sie beziehen sich auf seine Gewohnheiten und seine Art, der Kirche in Sanftmut, Verständnis, Dialog und Mitgefühl vorzustehen.

 

Manche sind verblüfft darüber, denn sie sind an den klassischen Papststil gewohnt und vergessen, dass dieser ein Erbe der heidnischen römischen Kaiser ist, vom Namen „Papst“ bis zur Mozetta, dem reich verzierten Schulterkragen, Symbol der absolutistischen kaiserlichen Macht, die Franziskus schnell ablehnte. 

 

Wir dürfen nicht vergessen, dass der aktuelle Papst von außen, also aus der Peripherie der zentralen europäischen Kirche, stammt. Er hat einen anderen kirchlichen Erfahrungshintergrund mit neuen Gewohnheiten und einer anderen Art, die Welt mit ihren Widersprüchlichkeiten wahrzunehmen. Er hat dies bewusst in seinem ausführlichen Gespräch mit der Jesuiten-Zeitschrift Civiltà cattolica zum Ausdruck gebracht: „Die jungen Kirchen entwickeln eine Synthese aus Glauben, Kultur und Leben im Werden. Sie unterscheiden sich von darin von der Synthese der älteren Kirchen.“  Diese sind nicht so sehr vom Denken für die Zukunft geprägt, sondern von der Stabilität, und es fällt ihnen schwer, neue Elemente der modernen weltlichen und demokratischen Kultur aufzunehmen.

 

An dieser Stelle insistiert Papst Franziskus auf der Unterschiedlichkeit. Ihm ist bewusst, dass er eine andere Erfahrung von Kirche-Sein mitbringt, die sich in der sogenannten Dritten Welt entwickelt hat. Er wurde geprägt von der tiefen sozialen Ungerechtigkeit, der absurden Anzahl von Slums, die fast alle Städte umgeben, von den indigenen Kulturen, die noch immer gering geschätzt werden, und von der Diskriminierung, die die Nachkommen einstiger afrikanischer Sklaven noch heute erfahren. Die Kirche hat begriffen, dass sie sich nicht mit ihrem spezifischen religiösen Missionsauftrag zufrieden geben kann, sondern dass es ihr auch um eine dringende soziale Mission auf Seiten der Schwachen und Unterdrückten gehen muss und um den Kampf für deren Befreiung. In mehreren Bischofsversammlungen des lateinamerikanischen Kontinents und der Karibik (CELAM) reifte die Option für die Armen und gegen deren Armut sowie für die Evangelisierung der Befreiung.

 

Papst Franziskus kommt aus dieser kirchlichen und kulturellen Schmelztiegel. Hier finden sich ganz selbstverständlich diese Optionen mit ihren theologischen Reflexionen, mit einer Art, den Glauben in einem Netz von Gemeinschaften zu leben und im Gottesdienst den Gebeten aus dem Volk einen Platz zu geben. Dies ist nicht der Fall für die Kirche der alten europäischen Christenheit, die von Traditionen geprägt ist, von Theologien, Kathedralen und einer Weltsicht, die vom hellenistisch-römisch-germanischen Stil geprägt ist, die christliche Botschaft zu transportieren. Da Franziskus aus einer Kirche stammt, die die Armen in ihren Mittelpunkt stellt, besuchte er zuerst die Flüchtlinge auf der Insel Lampedusa, ging dann nach Rom zum Zentrum der Jesuiten und anschließend zu den Arbeitslosen Korsikas. Für ihn ist dies selbstverständlich, doch für die anderen europäischen Christen ist dies beinahe skandalös und unerhört. Die Option für die Armen, von den Vorgängerpäpsten noch bekräftigt, war nichts als rhetorisch und konzeptuell. Es gab keine wirklichen Begegnungen mit den Armen und dem Leid. Mit Franziskus erleben wir das genaue Gegenteil: die Verkündigung besteht in affektiver und effizienter Praxis.

 

Vielleicht machen diese Worte Franziskus’, seine Art zu leben und den Auftrag der Kirche zu sehen, verständlich: „Ich sehe die Kirche als ein Krankenhaus auf dem Land nach einer Schlacht. Es ist unwesentlich, einen Schwerverletzten zu fragen, ob er einen erhöhten Cholesterin- oder Zuckerspiegel hat! Die Wunden müssen versorgt werden. Danach kann man über anderes reden.“ „Die Kirche“, fährt er fort „hat sich manchmal in Kleinigkeiten eingeschlossen, in kleine Grundsätze”.

“Am wichtigsten ist aber die erste Ankündigung: „Jesus hat dich erlöst!“ Folglich müssen die Diener der Kirche an erster Stelle Diener der Barmherzigkeit sein. Strukturelle und organisatorische Reformen sind zweitrangig, d. h. sie müssen anschließend durchgeführt werden. Die erste Reform gilt der Haltung. Die Diener des Evangeliums müssen in der Lage sein, die Herzen der Menschen zu erwärmen, mit ihnen durch die Nacht zu gehen, den Dialog aufzugreifen und ebenfalls in ihre Dunkelheit aufzubrechen, ohne sich zu verirren. Das Volk Gottes“, sagt er abschließend, „braucht Hirten, nicht Beamte oder Kleriker des Staates.“ In Brasilien wandte er sich an die lateinamerikanischen Bischöfe und gab ihnen den Auftrag, die „Revolution der Sanftmut“ durchzuführen”.

 

“Daraus folgt, dass im Mittelpunkt nicht die Doktrin oder die Disziplin steht, die in der vorigen Periode so dominant waren, sondern der Mensch auf seiner Suche, ob gläubig oder nicht gläubig”. Dies zeigte sich im Dialog, den Franziskus mit dem Nicht-Gläubigen und ehemaligem Chefredakteur der römischen Tageszeitung „La Repubblica“, Eugenio Scalfari, führte. Dies ist ein neuer Impuls, der von den neuen Kirchen der Peripherie kommt und der ganzen Kirche einen frischen Wind verleiht.

Der Frühling ist wirklich eingetroffen, und er ist viel versprechend.

 

 

 

 

 

An Open Letter to Pope Francis: an Assembly for Life on Earth

Dearest Pope Francis,

We, the undersigned Christians,  as well as persons of other religions and persons of good will, address this Open Letter to You, with a very special petition. We would like You to call a global event, such as an Assembly, in defense of life on Earth.

Today life is mortally wounded: by hunger (900 million people worldwide), by thirst (1200 million persons do not have clean water to drink every day, and 2400 million lack basic sanitation), by war, by the destruction of the environment (the soil, water, biodiversity, air) and, above all, humanity and all forms of life are threatened by astonishing climate changes. As the Aparecida Document says, we are experiencing not only an epoch of changes, but a change of epoch (DAp 44). A consumerist and predatory society such as at present holds no future for humanity as a whole.

When creating the world, God gave the Earth to men and women for us “to cultivate it and to guard it” (Gen 2,15). After the Flood, when Noah left the Ark with his family and all the animals that were there, God made with them a primordial alliance, saying: “For my part, I will establish a covenant with you, and with your descendents; with every living creature that is with you, with the birds, the domestic and wild animals. In sum, with all the animals of the Earth that leave the ark with you” (Gen 9, 9-10). Apostle Paul himself tells us that “creation itself awaits liberation from the bondage of corruption into the freedom that is the glory of the children of God”  (Rom 8, 21). Thus, God loves all that God has created and has commanded us to care for this divine creation.

The traditional and original peoples and, lately, the scientists, have warned that all forms of life on the face of the Earth are in danger. Yet, there exists no response from the political and economic world that is equal to the challenge of this historical moment.  As You, Yourself, have said, we cannot passively accept the globalization of indifference.

You have the moral and spiritual authority with all of humanity to call it to this urgent debate and even more urgently needed actions. We petition you as a means of contributing to the effectiveness of your gestures, which call us to care for and protect life under threat. You expressed these gestures on the way to Lampedusa, during the World Gathering of Youth in Brazil, in your visit with the immigrants in Italy, and in the fast against war. If You do call an Assembly to defend life in its plenitude, listen not only to the specialists, but also to the original peoples impacted by the destruction  of their environment, to those affected by, and refugees from, climate change, to the victims of hunger and thirst. Certainly, a great part of humanity will promptly heed this call.

This is what we, the undersigned, also wish. With respect and a fraternal embrace, in the spirit of Saint Francis of Assisi, in communion with all forms of life and all of humanity, we confirm our petition.

Brasilia-DF,  September 16,  2013

Those who want to join in this letter, only need to access this site: http://www.semanasocialbrasileira.com.br,  or robertomalvezzi@oi.com.br

or,  directly in the link of  avaaz http://www.avaaz.org/po/petition/Convocacao_para_a_defesa_da_vida_na_Terra_Carta_Publica_ao_Papa_Francisco/?wjKSWdb

A morte da Irmã Genoveva, a parteira do povo Tapirapé

No dia 24 de setembro de 2013 morreu na aldeia dos indígenas Tapirapé no Araguaia a Irmãnzinha de Jesus Genoveva. Dentro de poucos dias faria 60 anos de inserção na vida daquela tribo que estava em extinção. Ela e suas companheiras viveram uma experiência que o antropólogo Darcy Ribeiro considerava uma das mais exemplares de toda a história da antropologia: o encontro e convivência de alguém da cultura branca com a cultura indígena.

Primeiramente publico o relato-testemunho de Canuto que bem conhecia a vida e a obra da Irmã Genoveva. Depois republicarei um artigo que escrevi ainda em 1992 quando a encontrei na prelazia de São Felix do Araguaia. É uma pequena homenagem a esta extraordinária e santa mulher que se identificou com os Tapirapé a ponto de parecer uma verdadeira Tapirapé:Lboff

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Eis o testemunho, de Canuto, que bem sabe da vida e obra da Irmãzinha Genoveva:

Cheguei hoje às 6:00 hs da manhã lá do Urubu Branco, onde estive para os funerais de Irmãzinha Genoveva. Queria partilhar um pouquinho com vocês do que vi e vivi.

Primeiro, as informações de como foi a morte dela.

Genoveva na manhã da terça-feira, 24, estava bem disposta. Tinha amassado barro para fazer não sei bem que conserto na casa. Almoçou tranquilamente com a irmãzinha Odile. Estavam descansando quando se queixou de dores no peito. Odile foi logo providenciar um carro para levá-la ao hospital de Confresa. No caminho a respiração foi ficando mais difícil. Morreu antes de chegar ao hospital.

De volta à aldeia, consternação geral. Genoveva viu nascer quase 100% dos Apyãwa  (é assim que se autodenominavam os Tapirapé.  Assim voltam a se autodenomiar hoje), nestes 61 anos de vida partilhada.  Os Apyãwa fizeram questão de sepultá-la, segundo seus costumes,  como se mais uma Apyãwa tivesse morrido. Os cantos fúnebres, ritmados com os passos se prolongaram por muito tempo, durante a noite e o dia seguinte. Muitas lamentações e choros se ouviam.

Segundo o ritual Apyãwa, Genoveva foi enterrada dentro da casa onde morava.

A cova foi aberta com todo o cuidado pelos Apyãwa, acompanhada de cânticos rituais. A uma altura de uns 40  centímetro do chão foram colocadas duas travessas, uma em cada ponta da cova. Nestas travessas foi amarrada a rede que ficou na posição de uma rede estendida com quem está dormindo. Por sobre as travessas foram colocadas tábuas. Por sobre as tábuas é que foi colocada a terra. Toda a terra colocada foi peneirada pelas mulheres, como é a tradição. No dia seguinte esta terra foi molhada e moldada de tal forma que fica firme e espessa como a de chão batido. Tudo acompanhado com cânticos rituais.

            Em sua rede em que todos os dias dormia, Genoveva continua o sono eterno entre aqueles que escolheu para ser seu povo.

A notícia da morte se espalhou pela região, pelo Brasil e pelo mundo.  Agentes de Pastoral da Prelazia de São Félix do Araguaia, os atuais e alguns antigos, amigos e admiradores do trabalho das irmãzinhas  foram chegando para a despedida. A vice-presidenta do CIMI, irmã Emilia, com os coordenadores do CIMI, de Cuiabá, chegaram depois de uma viagem de mais de 1.100 kms quando o corpo já estava na cova, ainda coberto só com as tábuas.  Os Apyãwa as retiraram para que os que acabavam de chegar a vissem pela última vez em sua rede.

Os membros d equipe pastoral da Prelazia de São Félix do Araguaia, junto com os outros não indígenas, entre os cânticos rituais dos Tapirapé, foram entremeando cânticos e depoimentos da caminhada cristã de Irmãzinha Genoveva.

Ao final, o cacique falou que os Apyãwa estão todos muito tristes com a morte da irmãzinha. Falando em português e tapirapé, ressaltou o respeito como eles sempre foram tratados pelas irmãzinhas, durante estes sessenta anos de convivência. Lembrou de que os Apyãwa devem sua sobrevivência às irmãzinhas, pois quando elas chegaram, eles eram muito poucos e hoje chegam a quase mil pessoas.

Plantada em território Tapirapé está Genoveva, um momunento  de coerência, silêncio e humildade, de respeito e reconhecimento do diferente, gritando como é possível, com ações simples e pequenas, salvar a vida de todo um povo.

Valeu a pena ter ido lá nesta oportunidade.

Abraços a todas e todos

Canuto

 

        Morreu a Irmã Genoveva, a parteira do povo Tapirapé

      Via de regra, a propagação do cristianismo se fez pela palavra do evangelho no quadro de um projeto civilizatório e de uma forma de ser Igreja que construiu edifícios religiosos e escolas. É o evangelho pelo caminho do poder.

 

Mas nunca faltou na história outra tendência, vivida outrora por Francisco de Assis e por Bartolomé de las Casas,  de  acercar-se dos outros pelo caminho da convivência pacífica, sem palavras, fraterna e amorosa.

 

No mundo contemporâneo foi  testemunhada pelo Irmão Carlos de Foucauld que nos inícios do século XX foi ao meio dos muçulmanos no deserto da Algéria, não para anunciar mas para conviver com eles e acolher a diferença de sua cultura e de sua religião. E nos dias atuais está sendo vivida, exemplarmente, pelas seguidoras do Irmão Carlos, as Irmãzinhas de Jesus, entre os índios Tapirapé no noroeste do Mato Grosso, próximo ao rio Araguaia. É o poder do evangelho.

 

         No domingo passado, dia 17 de setembro de 2002 assisti a celebração do cinquentenário da presença delas junto aos Tapirapé. Lá estava ainda a pioneira, a Irmãzinha Genoveva que  em outubro de 1952 começou sua convivência com a tribo. De manhã, com o bispo Pedro Casaldáliga, advogado e defensor dos índios, se lançou um livro de extraordinário valor: O renascer do povo Tapirapé:  diário das Irmãzinhas de Jesus de Charles de Foucauld, 1952-1953(Editora Salesiana, SP, 2002), belíssimamente ilustrado para estar à altura da  refinada estética dos Tapirapé.

 

         Como elas chegaram lá? As Irmãzinhas souberam através dos frades dominicanos franceses que missionavam em terras do Araguaia, que os Tapirapé estavam em extinção. Dos 1500 de antigamente foram reduzidos a 47  por causa incursões dos Kayapó, das enfermidades dos brancos e da falta de mulheres. No espírito do Irmão Carlos, de ir para conviver e não para converter, decidiram unir-se à agonia de um povo.

 

À sua chegada,  a Irmãzinha Genoveva ouviu do cacique Marcos:”Os Tapirapé vão desaparecer. Os brancos vão acabar conosco. Terra vale, caça vale, peixe vale. Só índio não vale nada”. E eles haviam internalizado que não valiam nada mesmo e que estavam condenados inexoravelmente a desaparecer.

 

Elas foram junto a eles e pediram hospedagem. Começaram viver com eles o evangelho da fraternidade na roça, na luta pela mandioca de cada dia, no aprendizado da língua e no incentivo a tudo o que era deles, inclusive a religião, num percurso solidário e sem retorno.    Com o tempo foram incorporadas como membros da tribo.
         A autoestima deles voltou. Graças à mediação delas, conseguiram que mulheres Karajá se casassem com homens Tapirapé e assim garantissem a multiplicação do povo. De 47 passaram hoje a 520. Em 50 anos, elas não converteram sequer um membro da tribo. Mas conseguiram  muito mais: fizeram-se parteiras de um povo, à luz daquele que entendeu sua missão de “trazer vida e vida em abundância”.

Quando vi o rosto de uma india Tapirapé e o rosto envelhecido da Irmãzinha Genoveva notei: se tivesse tingido de tucum seus cabelos brancos, ela seria tida por uma perfeita mulher Tapirapé. Realizou, de fato, a profecia da Fundadora:”As Irmãzinhas se farão Tapirapé, para daqui, irem aos outros e amá-los,  mas  serão sempre Tapirapé”. Não é por ai que deverá seguir o Cristianismo, se quiser ter futuro num mundo globalizado? O evangelho sem poder?