Entrevista no Spiegel: Ein Würgeengel der Kirche?

No número 50 do dia 10.12.2012 saiu uma entrevista minha na revista semanal alemã DER SPIEGEl sobre a situção atual da Igreja Católica e sobre a Teologia da Libertação. Não há tradução em portugues porque a entrevista foi dada diretamente em alemão.Lboff

SPIEGEL-GESPRÄCH
RAFAEL SANCHEZ FABRÉS / DER SPIEGEL

„Ein Würgeengel der Kirche“

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff über das Zerwürfnis mit Joseph Ratzinger und ein Gebet mit Kubas Revolutionär Fidel Castro
Es ist fast ein Garten Eden, den der weißhaarige Alte, für viele ein Hei- liger, mit seiner Familie bewohnt: Bambussträucher und Papyrusbäume, ein Teich mit Karpfen, eine wilde Wiese, auf der Hühner gackern. Das Haus aus Na- turstein nahe Petrópolis, zwei Fahrstun- den von Rio de Janeiro entfernt, ist voll- gestopft mit Büchern, mehr als 80 hat er selbst geschrieben oder herausgegeben.

Leonardo Boff, 73, wurde als eines von elf Kindern im südbrasilianischen Con- córdia geboren, seine Vorfahren stammen aus Norditalien. Er trat 1958 dem Fran- ziskaner-Orden bei, studierte in Brasilien Philosophie und Theologie und promo- vierte 1970 in München. Zurückgekehrt nach Brasilien, geriet Boff bald in Streit mit der Amtskirche, weil er sich – auch mit marxistischen Thesen – an der Seite der Armen gegen die Ausbeutung durch Südamerikas Militärdiktaturen engagier- te. 1992 gab er, vom Vatikan gedrängt, sein Priesteramt auf. Gastprofessuren führten ihn nach Lissabon, Salamanca, Basel, Harvard und Heidelberg, zuletzt lehrte er Ethik in Rio de Janeiro. Heute engagiert sich Boff hauptsächlich für Sozialarbeit und Umweltschutz. Als in- offizieller Berater der Regierung ist er einflussreich geblieben.

„Mit dem SPIEGEL muss ich aufpassen, nach meinem letzten Interview mit Ihnen vor zwei Jahrzehnten reagierte der da- malige Kardinal Ratzinger sehr gereizt“, sagt Boff in seinem immer noch fließen- den Deutsch. „Aber andererseits: Ich habe nichts mehr zu verlieren.“

SPIEGEL: Herr Professor, im nächsten Jahr wird Papst Benedikt XVI. Brasilien besu- chen. Wenn er Sie einlädt, gehen Sie hin – und was werden Sie ihm sagen?
Boff: Das wird er nicht tun, aber käme es dazu, würde ich mich einer Diskussion natürlich nicht entziehen. Meine Bot- schaft wäre klar: Hören Sie auf, Angst unter den Gläubigen zu verbreiten, stop- pen Sie Ihre fundamentalistische Rigoro- sität! Begreifen Sie sich nicht als doktri- närer Lehrer, sondern endlich als Hirte, als Mutmacher der Gläubigen, denn das ist Ihre Hauptaufgabe als Papst! Aber ich habe wenig Hoffnung, dass er mich ver- stünde. Als er Pontifex maximus wurde, habe ich gesagt: Es wird schwer werden, diesen Papst zu lieben. In den sieben Jahren, die er jetzt sein Amt ausübt, habe ich nichts gefunden, was mich ermutigen würde. Es ist alles noch schlimmer ge- kommen.

SPIEGEL: Was werfen Sie ihm vor?
Boff: Er verbreitet keine Aufbruchstim- mung in der Weltkirche, er ist ein Brem- ser, der nur Disziplin einfordert, Gehor- sam und nichts als Gehorsam. Es geht ihm primär darum, den Machtapparat des Vatikans zu festigen. Fast melancholisch wiederholt er auf seinen Reisen die alte Leier, predigt sein Nein zu Verhütungs- mitteln, sein Nein zu Frauen im Priester- amt, sein Nein zur Homosexualität. An den wahren theologischen Problemen geht er vorbei.

SPIEGEL: Und die wären?
Boff: Die zentrale Frage lautet doch: Wie kann man einem Gott glauben, der in ei- ner Welt voller Elend ein gütiger Vater sein soll – und was lehrt uns Jesus? Sollen wir die Ver- hältnisse einfach nur ertragen oder sie positiv verändern? Schauen Sie, ich lebe in Latein- amerika, ich kenne die Not der Menschen. Eine Kirche, die sich als Erbe von Jesus Christus versteht, der ja selbst ein Armer war und nicht an Altersschwäche ge- storben ist, sondern für uns alle am Kreuz – sie muss die natür- liche Alliierte einer Bewegung von unten sein. Die Kirche von heute hat den Menschen in ih- rem Alltagsleben nichts mehr zu sagen. Dieser Papst wird zum Würgeengel der Kirche.

SPIEGEL: Benedikt versteht sich doch primär als Seelsorger.
Boff: Es ist eine Illusion zu glauben, durch doktrinäre Dokumente und durch doktrinäres Verhalten das Leben der Gläubigen bestimmen zu können. Benedikt fehlt es an Charisma, er ist ein eher schüchterner und hochintelligenter Professor, der unter seinem öffentlichen Amt zu leiden scheint und Schwierigkeiten hat, auf Menschen zuzugehen; der sich lieber in wissenschaft- liche Arbeiten vertiefen würde, als hinaus in die Welt zu gehen, wo er sich unwohl fühlt. Er strahlt Tristesse aus.

SPIEGEL: Dafür kommt er er- staunlich gut an. Ob beim Welt- jugendtag in Deutschland und in Spanien oder bei seinem Besuch in Brasilien 2007: Viele Men- schen, gerade Jugendliche, ju- beln ihm zu.
Boff: Es gibt eine spirituelle Sehn- sucht. Aber ich glaube, die Be- geisterung bleibt oberflächlich, sie ist eine Art Pop-Phänomen ohne Substanz. Benedikt und die Kirche, wie er sie versteht, haben den Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags sehr wenig zu bieten.

SPIEGEL: Anlässlich des Zweiten Vatikani- schen Konzils 1962 fragte ein junger Mann provozierend: „Soll die antimodernisti- sche Geisteshaltung der Defensive fort- gesetzt werden, oder will die Kirche ein neues Blatt aufschlagen und in eine posi- tive Begegnung mit der Welt von heute treten?“ Wissen Sie, wer das war?
Boff: Das könnte ich gewesen sein. Aber ich weiß, dass es Joseph Ratzinger war, ich kenne jede seiner Äußerungen. Entschuldigung, wenn ich Ihnen jetzt eine Pointe verdorben habe.

SPIEGEL: Warum tickte Ratzinger als Kon- ferenzteilnehmer vor einem halben Jahr- hundert so ganz anders? Warum hat er damals vehement Reformen eingefordert,
mit einem Aufbruch der Kirche sympathisiert und unterdrückt ihn heute? Was ist mit diesem Mann passiert?
Boff: Damals war das eine Mehrheitsmei- nung unter den deutschen Bischöfen. Ich kenne ihn seit nunmehr vier Jahrzehnten, und glauben Sie mir, er war früher an- ders, zumindest intellektuell offener, zugänglicher, gar nicht doktrinär. Aber ich weiß nicht, ob Ratzinger wirklich ein Re- former war oder sich aus eher taktischen Gründen auf diese Seite schlug.

SPIEGEL: Sie haben in München bei dem Theologen Karl Rahner studiert. Profes- sor Ratzinger hat Sie bei der Veröffentlichung Ihrer Doktorarbeit unterstützt – er war ein wichtiger Mann in Ihrem Leben.
Boff: Ja, und ich habe ihm viel zu verdan- ken. Er hat meine Dissertation damals
sehr gelobt und sich dafür ein- gesetzt, dass sie gedruckt werden konnte. Ich weiß noch genau, 14 000 Mark Zuschuss, die hatte ich ihm zu verdanken. Daraus ist eine Art Kameradschaft entstan- den, wir haben uns jedes Jahr an Pfingsten getroffen.

SPIEGEL: Ist Ihr persönlicher Kon- takt dann abgebrochen, als er nach Rom ging? Boff: Nein. Als Papst Johannes Paul II. ihn 1981 zum Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan machte, habe ich ihm noch gratuliert und ihm geschrie- ben, wie froh ich über diese Er- nennung war: „Glückwunsch, endlich ein bedeutender Theolo- ge im Vatikan“. Ich setzte wirk- lich Hoffnungen in ihn.

SPIEGEL: Und dann?
Boff: Ich habe Schwierigkeiten, mir zu erklären, was am Heiligen Stuhl mit ihm passiert ist. Aber ich habe vergleichbare Rückent- wicklungen auch bei anderen be- obachtet, die nach Rom gegan- gen sind – es muss so etwas wie ein vatikanisches Virus geben, das die Leute da befällt. Ratzin- ger jedenfalls hat es zerfressen.

SPIEGEL: Kann es sein, dass Sie etwas verbittert sind?
Boff: Ach, lassen wir diese psy- chologische Ebene. Ich habe gute Gründe für meine Kritik an Rat- zinger. Er hat mich bald nicht mehr eingeladen nach Rom, son- dern mich vorgeladen.

SPIEGEL: Sie hatten den Vatikan herausgefordert und eine radikal andere Kirche verlangt. Gemeinsam mit dem peruanischen Theologen Gustavo Gutiérrez entwi- ckelten Sie die „Theologie der Befreiung“ und veröffentlichten als leitender Mitarbeiter des größten katholischen Verlags Lateinamerikas provozierende Artikel und Bücher.Ist die Befreiungstheologie nicht viel mehr eine sozialrevolutionäre Bewe- gung als eine christlich-katho- lische?
Boff: Die katholische Kirche hat sich in ihrer Geschichte prak- tisch immer sehr gut mit den Reichen verstanden, sie konnte mit der Mittelschicht noch ei- nigermaßen, doch mit den Un- terprivilegierten fand sie kaum Gemeinsamkeiten. Sie hat zu lange zu real existierenden Phänomenen wie Ausbeutung, Entrechtung und Unterdrü- ckung geschwiegen – und sich zum Komplizen der Herrschen- den gemacht. Unser Konzept der Befreiungstheologie ent- stand durch die Arbeit mit den Ärmsten auf dem Land, durch die Selbstorganisation katholi- scher Basisgemeinden. Sie müssen den Kontext sehen: Nach dem Militärputsch in Brasilien 1964 wa- ren, von den USA militärisch und öko- nomisch gestützt, fast überall in Latein- amerika Militärdiktatoren an die Macht gekommen. Wir Befreiungstheologen verstanden uns als Sprachrohr der Unterdrückten, ganz im Einklang mit dem, was in der Bibel steht.

SPIEGEL: Worauf genau beziehen Sie sich?
Boff: Gott hat das Elend seines Volkes ge- sehen und „das Geschrei über ihre Be- dränger gehört“, heißt es in der Bibel. Und bei Lukas im Neuen Testament: „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.“ Ich habe die Erlösung als Zentralbegriff der biblischen Heilsbotschaft auch als eine sozialpolitische und ökonomisch revolu- tionäre Veränderung verstanden.

SPIEGEL: So interpretiert, wird Jesus zum Sozialrevolutionär. Man hat Ihnen immer vorgeworfen, Marxist zu sein.
Boff: Natürlich habe ich Karl Marx gelesen, diese Lektüre hätte auch keinem Papst geschadet. Von Marx stammen allenfalls die theoretischen Kriterien für unsere Sicht, wie es um die Gesellschaft wirklich bestellt war. Er hat uns gezeigt, dass die Armen nicht von Natur aus arm sind, sondern un- terdrückt werden. Aber natürlich sahen wir auch die Unvollkommenheit des real existierenden Sozialismus.

SPIEGEL: Sie haben nach einer Reise in die Sowjetunion anerkennende Worte über das politische System dort gefunden.
Boff: Sie müssen den Kontext sehen. Ich fand nicht die Verhältnisse im Ostblock gut, aber ich fand wichtig, dass es neben dem kapitalistischen Modell auch noch ein Gegenmodell gab. In El Salvador wurde 1980 der katholische Erzbischof und Be- freiungstheologe Oscar Romero von Schergen des Militärregimes erschossen, viele Priester und Gläubige in anderen la- teinamerikanischen Staaten starben unter Folter. Für mich war der Marxismus in der Befreiungstheologie immer eine Nebensache, Marx stand nicht Pate für unsere Sozialarbeit. Allerdings sah ich auch die praktizierte katholische Soziallehre als we- nig hilfreich an, da sie sich vor der Kon- frontation mit der Realität gedrückt hat.

SPIEGEL: Sie gerieten damit in scharfen Gegensatz zu Ratzinger und auch zu Papst Johannes Paul II., der in Polen mit dem real existierenden Sozialismus und dessen Unmenschlichkeit konfrontiert worden war. Kann es sein, dass da auch ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen eine Rolle spielten?
Boff: Möglich. Johannes Paul sagte immer: Lasst mich in Ruhe mit Marxismus, ich weiß, was Marxismus bedeutet. Für mich gab es diese Berührungsängste nicht. SPIEGEL: Für Ihre ketzerischen Thesen hat der Vatikan Sie dann abgestraft.
Boff: Anfang 1984 hat mir Ratzinger einen persönlichen Brief geschickt, mit kriti- schen Anfragen zu meinem Buch „Kirche: Charisma und Macht“. Im Septem- ber wurde ich offiziell zu einem Gespräch in den Vatikan vorgeladen. Ich musste in demselben dunklen und hässlichen „Befragungszimmer“ im Vatikan auf dem- selben Stuhl Platz nehmen wie einst Galileo Galilei.

SPIEGEL: Illustre Gesellschaft.
Boff: Ich hatte mir gar nicht träumen lassen, dass ein so unbedeutender Theologe aus der Peripherie dasselbe Geschick er- leiden würde wie der berühmte Galilei. Ich war auf eine intellektuelle Auseinan- dersetzung vorbereitet. Aber es gab dann unmittelbar vor der Befragung Streit, Rat- zinger war außer sich vor Empörung. Zwei brasilianische Kardinäle, Anhänger der Befreiungstheologie, hatten darauf bestanden, mich nach Rom zu begleiten, und wollten auch mitdiskutieren.

SPIEGEL: Wie wurde das gelöst?
Boff: Mit einem typisch vatikanischen Kompromiss. Ratzinger erlaubte eine ge- meinsame Gesprächsrunde. Aber in dem Inquisitionszimmer wollte er sich mich allein vorknöpfen. Es war eine sehr höf- liche, aber auch unversöhnliche Diskus- sion. Am Ende blieb der Vorwurf, meine Gedanken würden „zur Zerstörung des authentischen Sinns der Sakramente“ führen. Mir wurde ein unbefristetes „Bußschweigen“ auferlegt und der Lehrstuhl für Theologie entzogen.

SPIEGEL: Warum haben Sie das akzeptiert?
Boff: Ich wollte weiter helfen, die Kirche von innen heraus zu reformieren. Aber ich habe die Vorschrift flexibel ausgelegt: Ich habe selten so viel kommuniziert wie gerade in jenem Jahr. Ich wurde dann noch mehrfach vom Vatikan gemaßregelt, meine Bücher sollten vorzensiert werden. Mir wurde die Leitung der katholischen Zeitung „Revista Vozes“ entzogen, ich musste das von mir geführte Theologie- seminar in Petrópolis verlassen.

SPIEGEL: Der Kardinalstaatssekretär des Vatikans, Angelo Sodano, verglich Sie mit Judas, dem Verräter.
Boff: Was der Tiefpunkt war. 1992 habe ich dann die Konsequenzen gezogen. Ich trat aus dem Franziskaner-Orden aus und legte mein Priesteramt nieder. Aber na- türlich blieb ich meinen Themen treu. Ich habe die Schützengräben gewechselt, nicht die Schlacht.

SPIEGEL: Mit Papst Johannes Paul II. kam es dann noch zu einer Art Versöhnung. Boff: Er war anders als Ratzinger ein Ch rismatiker, allerdings ein schwacher Theo- loge. Er konnte auf Menschen zugehen und sich ihrer Probleme annehmen. Er hatte eben nur diese Marxismus-Phobie die er mit sich herumschleppte. Aber spä- testens nach dem Fall der Berliner Mauer spielte nicht einmal für die radikalsten der Befreiungstheologen der real existie- rende Sozialismus eine Rolle mehr. Auch Johannes Paul konnte sich eine unver- stelltere Sicht der Dinge aneignen. Bei einem Besuch brasilianischer Bischöfe in Rom sagte er dann wenige Jahre vor sei- nem Tod, er verstehe uns endlich. Und er bestätigte das gegenüber dem Kardinal Evaristo Arns: „Unter den Umständen von Unterdrückung kann die Befreiungs- theologie nicht nur nützlich, sondern so- gar notwendig sein.“
SPIEGEL: Sie wurden für die Linke weltweit zum Helden. Hatten Sie nie Angst, in- strumentalisiert zu werden? Fidel Castro beispielsweise …
Boff: : … hat mich nach Havanna eingela- den, eine ganze Woche lang begleitete er mich durchs Land, fast immer waren wir dabei allein. Ich habe ihm meine Meinung über die Unfreiheit in Kuba gesagt. Und ich habe mit ihm auf seinen Wunsch hin unter vier Augen gebetet.

SPIEGEL: Dieser Fidel Castro, der sogar Weihnachten auf der Insel verbieten ließ?
Boff: Er ist von Jesuiten erzogen worden, die Beschäftigung mit dem Glauben hat ihn nie losgelassen.

SPIEGEL: Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben beide Kuba besucht.
Boff: Fidel hat mir gesagt, er finde es verblüffend, wie gut er mit den Päpsten auskomme. Ich antwortete ihm: Warum sollten sich Vertreter autoritärer Regime nicht blendend verstehen?

SPIEGEL: Nach Ihrem Abschied aus dem Amt ging es mit der Befreiungstheologie abwärts.
Boff: Während seiner Zeit als Leiter der Glaubenskongregation hat Ratzinger mehr als hundert Theologen verurteilt. Und als Papst wurde die Bewegung für ihn erst recht eine Obsession. Er hat fast alle Bastionen der Befreiungstheologie geschleift und nur Konservative seiner Denkschule in wichtigen Positionen ver- ankert. Aber wir Befreiungstheologen haben eher gewonnen als verloren.”Ich wünsche der Kirche nur das Beste“

SPIEGEL: Wieso?
Boff: Die Befreiungstheologie hat tief in die Politik und das Leben der Menschen hineingewirkt. 2003 ist der Gewerk- schaftsführer Lula da Silva Präsident un- seres Landes geworden, seit 2011 ist die Ex-Guerillera Dilma Rousseff seine Nach- folgerin. Beide sind von unserer Art des christlichen Denkens beeinflusst, ich habe gute Kontakte in Brasília.

SPIEGEL: Sie haben den Kapitalismus immer als ein System des Bösen an- geprangert, das zwangsläufig zur Aus- beutung führen müsse, zur Akkumulation des Superreichtums, zur Verar- mung der Massen. Lula und Rousseff be- treiben eine industriefreundliche Politik und sind nur dadurch in der Lage, ein- drucksvolle Sozialprogramme zu finan- zieren.
Boff: Ja, das stimmt. Ihr sozialdemokratischer Weg zeigt sich als der richtige, wenngleich noch viel zu tun ist. Vor allem in den Favelas. Und eines hat sich nicht verbessert, in Brasilien nicht, im Rest der Welt womöglich noch weniger: der Raub- bau an der Natur. Für mich ist die Öko- logie zum Hauptthema der Menschheit geworden.

SPIEGEL: Ihre neuen Bücher handeln vor allem von ökologischer Spiritualität. Bleiben Sie da nicht notwendigerweise – ähn- lich wie der Dalai Lama – oft im Unge- fähren, im Esoterischen?
Boff: Nein, das glaube ich nicht. Ich ver- suche, konkrete Anleitungen zu geben. Wir brauchen eine neue Ethik, die den verzweifelten Schrei der Erde hört.

SPIEGEL: Sie haben den organisierten Katholizismus hinter sich gelassen. Erfüllt es Sie manchmal nicht mit klammheim- licher Freude, wenn Sie von den Schwie- rigkeiten des Vatikans hören, etwa von den offensichtlich nicht zu bewältigenden Missbrauchsskandalen?
Boff: Ich bitte Sie. Die katholische Kirche ist meine spirituelle Heimat. Ich wünsche ihr nur das Beste. Aber was die zahlrei- chen Fälle von Pädophilie angeht: Ich denke, das hat mit unterdrückter Sexua- lität zu tun.

SPIEGEL: Sie sehen einen Zusammenhang von Zölibat und Pädophilie?
Boff: Ja. Und ich finde es beschämend, wie halbherzig der Vatikan mit der Auf- arbeitung dieses Skandals umgeht.

SPIEGEL: Wie sähe Ihre ideale Kirche aus?
Boff: Der Papst betrachtet die Kirche wie ein Schiff, das fest verankert im Hafen liegt, das kontrolliert werden muss. Er ist besessen von Kontinuität und sucht nicht die Wahrheit, sondern nur die Si- cherheit. Für mich ist die Kirche ein Schiff, das gebaut ist, um es draußen auf dem Meer mit den Wellen aufzunehmen und sich, wenn nötig, einen neuen Kurs zu suchen.

SPIEGEL: Herr Professor, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

DER SPIEGEL 50/2012 155
RAFAEL SANCHEZ FABRÉS / DER SPIEGEL

Der Weg als Archetyp der menschlichen Existenz

Wege faszinieren mich ganz besonders, vor allem Landstraßen, die beschwerlich den Berg hinaufführen und in den bewaldeten Kurven verschwinden. Und die von buntem Herbstlaub bedeckten Wege in den süddeutschen Alpen, auf denen ich als Student an grauen Herbstnachmittagen spazieren ging.

Tatsächlich tragen wir diese Wege in unserem Innern. Wir müssen die Wege befragen, warum es solche Entfernungen gibt, warum sie manchmal so gewunden, so mühsam und schwierig zu begehen sind. Sie hüten das Geheimnis der Füße derer, die auf ihnen gingen, das Gewicht ihrer Traurigkeit oder die Leichtigkeit ihrer Freude über das Wiedersehen mit einem geliebten Menschen.

Der Weg stellt einen der ursprünglichsten Archetypen der menschlichen Psyche dar. Der Mensch bewahrt in sich die Erinnerung an alle während der 13,7 Milliarden Jahre des evolutionären Prozesses begangenen Wege. Insbesondere trägt er die Erinnerung an das erste Auftauchen unserer Vorfahren in sich: der Zweig der „Wirbeltiere“, die Klasse der Säugetiere, die Kategorie der Primaten, die Familie der Hominiden, das Genre Homo, die aktuelle Spezies sapiens/demens.

Angesichts dieses unermesslichen Gedächtnisses erscheint der Weg des Menschen sehr komplex und oftmals unbegreiflich. Auf dem Weg jedes Einzelnen sind die Millionen und Abermillionen Erfahrungen, die zahllose Generationen vor ihm auf dem langen Weg gemacht haben, noch immer am Werk. Jeder Mensch hat die Aufgabe, diesen Weg zu erweitern, sodass er den ihm überlassenen Weg dadurch verbessert und vertieft, begradigt, was gewunden war, und den künftigen Reisenden einen Weg hinterlässt, der durch seine Fußspuren bereichert ist.

Der Weg war schon immer und ist immer noch eine richtungweisende Erfahrung, die gleichzeitig das Ziel angibt und den Weg, über den dieses Ziel erreicht wird. Ohne einen Weg fühlen wir uns sowohl innerlich als auch äußerlich verloren. Dunkelheit und Verwirrung breiten sich in uns aus. So wie heute, da die Menschheit sich ziellos und im Blindflug bewegt, ohne Kompass oder Sterne als Orientierungshilfe in finsterer Nacht.

Jedes menschliche Wesen ist ein Homo viator, ein Wanderer auf den Pfaden des Lebens. Wie der argentinische indigene Poet und Sänger Atahualpa Yupanqui sagt: „Der Mensch ist die wandernde Erde“. Wir empfangen keine perfekte Existenz. Wir müssen sie selbst errichten. Und dazu müssen wir aus unseren Wegen ausbrechen, die Wege, die vor uns gegangen wurden, verlassen und neue Wege gehen. Aber auch damit wird unser persönlicher Weg nie komplett abgeschlossen. Er muss mit Kreativität und frei von Angst erschlossen werden. Wie der spanische Poet Antonio Machado sagt: „Wanderer, es gibt keinen Weg; der Weg entsteht beim Wandern“.

In der Tat sind wir stets auf dem Weg zu uns selbst. Im Grunde genommen verwirklichen oder verlieren wir uns selbst darauf. Daher gibt es auch zwei Wege, wie es im ersten Psalm der Bibel heißt: den Weg des Gerechten oder den Weg des Gottlosen, den Weg des Lichts oder den Weg der Dunkelheit, den Weg des Egoismus’ oder den Weg der Solidarität, den Weg der Liebe oder den Weg der Gleichgültigkeit, den Weg des Friedens oder den Weg des Konflikts. Kurz gefasst: den Weg, der zu einem guten Ausgang führt, oder den Weg, der zum Abgrund führt.

Doch Vorsicht: in der konkreten Conditio Humana existieren immer beide Wege, und manchmal kreuzen sie sich. Innerhalb des guten Wegs versteckt sich auch der schlechte, und im schlechten der gute. Beide durchqueren unser Herz. Darin besteht unser Drama, das zu einer Krise und sogar zu einer Tragödie werden kann.

Da es schwierig ist, die Spreu vom Weizen zu trennen, d. h. den guten Weg vom schlechten, sind wir gezwungen, eine grundlegende Entscheidung für einen der beiden zu treffen: für den guten Weg, selbst wenn dies für uns Verzicht bedeuten oder Nachteile mit sich bringen kann. Zumindest verschafft uns das ein gutes Gewissen und das Gefühl, das Richtige zu tun. Und dann gibt es Menschen, die sich für den schlechten Weg entscheiden: Dies ist der leichtere Weg; er engt nicht ein, denn alles ist recht, solange es Vorteile bringt. Doch dies hat seinen Preis: ein bohrendes Gewissen und das Risiko, bestraft oder gar vernichtet zu werden.

Diese fundamentale Entscheidung verleiht dem Weg des Menschen eine ethische Qualität. Entscheiden wir uns für den guten Weg, werden kleine Fehlschritte oder ein Stolpern nicht den ganzen Weg und seine Richtung zerstören. Was für das Gewissen und für Den, Der in Gerechtigkeit richtet, wirklich zählt, ist die fundamentale Entscheidung, die wir treffen.

Aus diesem Grund muss in der vorherrschenden christlichen Morallehre die Rede von lässlichen Sünden oder Todsünden ersetzt werden durch eine Ausdrucksweise, die eher in Einklang mit dem Konzept vom Weg des Menschen steht: Treue oder Untreue zur fundamentalen Entscheidung. Die Taten des Einzelnen dürfen nicht isoliert und losgelöst von seiner fundamentalen Entscheidung beurteilt werden. Es geht vielmehr darum, die grundlegende Haltung und das fundamentale Projekt, das sich in seinen Handlungen widerspiegelt und die Gesamtrichtung seines Lebens bestimmt, zu erkennen und anzuerkennen.

Entscheidet sich jemand in Beständigkeit und Treue für das Gute, so wird dies seinen Handlungen mehr oder weniger Güte verleihen trotz der Schwankungen, die immer wieder einmal auftreten, ohne jedoch einen guten Weg zu zerstören. Solche Menschen leben im Zustand der Gnade. Doch da gibt es noch diejenigen, die sich für den Weg des Bösen entschieden haben. Sie werden den strengen Blick Gottes aushalten müssen, wenn es darum gehen wird, ob sie Seine Barmherzigkeit finden.

Wir kommen nicht darum herum: Wir müssen uns entscheiden, welchen Weg wir erschließen und gehen wollen, wissend, dass „es gefährlich ist zu leben“ (Guimarães Rosa). Doch wir sind nie allein. Viele sind mit uns auf dem Weg und teilen solidarisch unser gemeinsames Schicksal in Begleitung von Jemandem namens „Emmanuel, Gott mit uns“.

Übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

El camino como arquetipo

Tengo especial fascinación por los caminos, especialmente por los caminos del campo que suben penosamente la montaña y desaparecen en la curva del bosque. O los caminos cubiertos de hojas multicolores en las tardes grises de otoño, por los cuales andaba en mis tiempos de estudiante en los Alpes del sur de Alemania. Y es que los caminos están dentro de nosotros. Hay que preguntar a los caminos el porqué de las distancias, por qué a veces son tortuosos, y cansan o son difíciles de recorrer. Ellos guardan los secretos de los pies de los caminantes, el peso de su tristeza, la ligereza de su alegría al encontrar a la persona amada.

El camino constituye uno de los arquetipos más ancestrales de la psique humana. El ser humano guarda la memoria de todo el camino seguido a lo largo de los 13,7 miles de millones de años del proceso de la evolución. Guarda especialmente la memoria de cuando surgieron nuestros antepasados: la rama de los vertebrados, la clase de los mamíferos, el orden de los primates, la familia de los homínidos, el género homo, la especie sapiens/demens actual.

Debido a esta inconmensurable memoria, el camino humano se presenta tan complejo y a veces indescifrable. En el camino de cada persona trabajan siempre millones y millones de experiencias de caminos pasados y recorridos por incontables generaciones. La tarea de cada uno es prolongar este camino y hacer su camino de tal forma que mejore y profundice el camino recibido, enderece lo torcido y legue a los futuros caminantes un camino enriquecido con su pisada.

El camino ha sido y sigue siendo una experiencia de rumbo que indica la meta y simultáneamente es el medio por el cual se alcanza la meta. Sin camino nos sentimos perdidos, interior y exteriormente. Nos llenamos de oscuridad y de confusión. Como hoy la humanidad, sin rumbo y en un vuelo ciego, sin brújula y sin estrellas para orientar las noches tenebrosas.
Cada ser humano es homo viator, un caminante por los caminos de la vida. Como dice el poeta cantante indígena argentino Atahualpa Yupanqui «el ser humano es la Tierra que camina». No recibimos la existencia acabada. Debemos construirla. Y para eso hay que abrir camino, a partir y más allá de los caminos andados que nos precedieron. Incluso así, nuestro camino personal nunca está dado completamente. Tiene que ser construido con creatividad y sin miedo. Como dice el poeta español Antonio Machado: «caminante, no hay camino, se have camino al andar».

Efectivamente, estamos siempre en camino a nosotros mismos. Fundamentalmente o nos realizamos o nos perdemos. Por eso hay básicamente dos caminos como dice el primer salmo de la Biblia: el camino del justo y el camino del impío, el camino de la luz o el camino de las tinieblas, el camino del egoísmo o el camino de la solidaridad, el camino del amor o el camino de la indiferencia, el camino de la paz o el camino del conflicto. En una palabra: el camino que lleva a un fin bueno o el camino que lleva a un abismo.

Pero prestemos atención: la condición humana concreta es siempre coexistencia de los dos caminos, que suelen entrecruzarse. En el buen camino se esconde también el malo, y en el malo, el bueno. Ambos atraviesan nuestro corazón. Este es nuestro drama que puede transformarse en crisis e incluso en tragedia.

Como es difícil separar totalmente la cizaña del trigo, el camino bueno del camino malo, estamos obligados a hacer una opción fundamental por uno de ellos: por el bueno, aunque nos cueste renuncias o incluso pueda traernos desventajas, pero por lo menos nos da paz de conciencia y la percepción de que estamos en lo correcto. Y están los que optan por el camino del mal: éste es más fácil, no impone ninguna limitación, pues todo vale con tal de que nos beneficie. Pero cobra un precio: la acusación de la conciencia, riesgos de castigos y hasta de ser eliminado.
La opción fundamental confiere cualidad ética al camino humano. Si optamos por el buen camino, los pequeños pasos equivocados o los tropiezos no destruirán el camino y su rumbo. Lo que cuenta realmente frente a la conciencia y ante Aquel que a todos juzga con justicia es esta opción fundamental.

Por esta razón, la tendencia dominante en la teología moral cristiana es sustituir el lenguaje de pecado venial o mortal por otro más adecuado a esta unidad del camino humano: fidelidad o infidelidad a la opción fundamental. No hay que aislar los actos y juzgarlos desconectados de la opción fundamental. Se trata de captar la actitud básica y el proyecto de fondo que se traduce en actos y que unifica la dirección de la vida. Si ésta opta por el bien, con constancia y fidelidad, conferirá mayor o menor bondad a los actos, no obstante los altibajos que ocurren siempre pero que no llegan a destruir el camino del bien. Este vive en estado de gracia. Pero hay también los que optan por el camino del mal. Ciertamente pasarán por la severa clínica de Dios en caso de encontrar misericordia a sus maldades.

No hay escapatoria: tenemos que escoger qué camino construir y cómo seguir por él, sabiendo que «vivir es peligroso» (Guimarães Rosa). Pero nunca lo hacemos solos. Con nosotros caminan multitudes, solidarias en el mismo destino, acompañadas por Alguien llamado: “Emmanuel, Dios con nosotros”.

Traducción por María José Gavito

The Path as Archetype

I have a special fascination for paths, especially for the country roads that climb painfully up the mountain and disappear into the jungle curves. Or the paths in the Alps of Southern Germany, covered by multicolor leaves, that I walked on gray autumn afternoons in my student days. These paths are within us. We must ask the paths why there are such distances, why they are sometimes difficult to follow, or so tortuous that they tire us out. They hold the secrets of the walkers’ feet, the weight of their sadness or the lightness of their joy at having found their beloved.

The path constitutes one of the most ancestral archetypes of the human psyche. Humans keep the memory of all the paths followed throughout the 13.7 billion years of the evolutionary process. It especially keeps the memory of when our ancestors appeared: a branch of the vertebrates, class of the mammals, order of the primates, family of the hominids, the genre homo, the present sapiens/demens species.

Given this incommensurable memory, the human path appears very complex and often indecipherable. In each person’s path, the millions and millions of experiences of long gone paths, walked by countless generations, are still at work. Each person is tasked with lengthening this path, doing so in a way that improves and deepens the path that was received, straightens what was twisted and leaves to future travelers a path enriched by their footsteps.

The path has always been and still is an experience in direction, that indicates the goal and simultaneously the way that goal is reached. Without a path we feel lost, inward and outwardly. We become filled of darkness and confusion. As today, humanity is without direction, and in blind flight, with neither compass nor stars for orientation in the gloomiest nights.

Each human being is a homo viator, a walker through the paths of life. As Argentinean Native poet and singer Atahualpa Yupanqui says: «the human being is the Earth who walks». We do not receive our existence ready made. We must build it. And to that end, we must open the path, starting with and going beyond the paths that preceded ours, and have already been walked. Even so, our personal path is never completely given. It must be built with creativity and without fear. As the Spanish poet Antonio Machado says: «walker, there is no path; the path is made by walking».

In effect, we are always on the way to our own selves. At bottom, either we realize ourselves, or we are lost. Therefore, there are basically two paths, as the First Psalm of the Bible says: the path of the just or the path of the impious, the path of light or the path of darkness, the path of selfishness or the path of solidarity, the path of love or the path of indifference, the path of peace or the path of conflict. In a word: the path that leads to a good end or the path that leads to the abyss.

But let’s pay attention: in the concrete human condition the two paths always coexist, and sometimes cross each other. Within the good path is also hidden the bad, and in the bad, the good. Both cross our hearts. This is our drama that could be transformed into crisis, and even into tragedy.

Since it is difficult to fully separate the chaff from the wheat, the good path from the bad, we are obliged to make a fundamental option in favor of one of them: for the good path, even though it may cost us renunciations or bring us disadvantages, but at least it gives us peace of conscience and the perception that we are correct. And there are those who opt for the path of evil: this is the easier path, it imposes no limitations, because all is fair so long as it is beneficial. But there is a price: the accusation of the conscience, the risk of punishment, and even of being eliminated.

This fundamental option confers an ethical quality on the human path. If we opt for the good path, the small mistaken steps or blunders will not destroy the path and its direction. What really counts to the conscience and to The One who with justice judges all, is the fundamental option we make.

For this reason, the dominant tendency in Christian moral theology is to substitute the language of minor or mortal sins with another, more in keeping with this unity of the human path: fidelity or infidelity to the fundamental option. One’s actions must not be isolated and judged apart from the fundamental option. It is a question of capturing the basic attitude and the fundamental project that is reflected in actions, and unifies life’s direction. If one opts for the good, with constancy and fidelity, it will confer more or less goodness to the actions, in spite of the ups and downs that always occur but which will not destroy a good path. They will certainly pass through the severe clinic of God if they find pity for their wickedness.

There is no escape: we have to choose the path to build and how to follow it, knowing that «living is dangerous» (Guimarães Rosa). But we never do it alone. Multitudes walk with us, solidarians in the same destiny, accompanied by Someone named: “Emmanuel, God with us”.
Leonardo Boff

Translation by Melina Alfaro, alfaro_melina@yahoo.com.ar