In der materiellen Welt auf der Suche nach der spirituellen Welt

In der materiellen Welt auf der Suche nach der spirituellen Welt

                               Leonardo Boff

Viele haben die Nase voll von den materiellen Gütern und dem Konsumismus unserer Kultur. Als Kontrapunkt möchte ich das Thema der spirituellen Güter in den dramatischen, gefährlichen und hoffnungsvollen Kontext einordnen, in dem sich die Menschheit heute befindet, insbesondere die gedemütigte und beleidigte Menschheit im globalen Süden, die Opfer von 18 Kriegsregionen, insbesondere im Gazastreifen mit seinem Völkermord unter freiem Himmel, ohne die vielen Opfer des russisch-ukrainischen Krieges zu vergessen. Unsere Überlegungen zielen darauf ab, die Entstehung der spirituellen Welt zu erfassen und ihre dringende Relevanz angesichts der Bedrohung durch das Verschwinden der Arten und die Liquidierung der Biosphäre hervorzuheben, sei es durch einen Atomkrieg, durch übermäßige Hitze aufgrund des Klimawandels oder durch jeden anderen Ungleichgewichtsfaktor auf dem Planeten Erde selbst. Sie könnten die gemeinsame Zukunft der Erde und der Menschheit gefährden.

 In solchen dramatischen Momenten taucht der Mensch in sein Innerstes ein und stellt sich grundlegende Fragen: Was tun wir in dieser Welt? Was ist unser Platz in der Gesamtheit aller Wesen? Wie können wir handeln, um eine hoffnungsvolle Zukunft für alle und für unser gemeinsames Haus zu gewährleisten? Was können wir nach diesem Leben erwarten? Dies sind Fragen aus der geistigen Welt.

In diesem Zusammenhang müssen wir die Frage nach der geistigen Welt oder, anders ausgedrückt, nach der Spiritualität stellen. Die geistige Welt ist eine der wichtigsten Quellen, wenn auch nicht die einzige, für die Inspiration des Neuen, für die Hoffnung, für die Schaffung eines Gefühls der Erfüllung und für die Fähigkeit des Menschen zur Selbsttranszendenz. Denn der Mensch fühlt sich nur dann ganz menschlich, wenn er versucht, über sich selbst hinauszuwachsen. Der Grund dafür ist, dass er sich selbst als ein unendliches Projekt erlebt, voller Virtualitäten, die sich teilweise in der Geschichte und in ihrer Gesamtheit jenseits davon verwirklichen.

Diese Beschäftigung mit der spirituellen Welt ist in unserer Kultur allgegenwärtig, nicht nur im Rahmen der Religionen, wo sie ihren natürlichen Platz hat, sondern auch im Rahmen der menschlichen Suche von jungen Menschen, Intellektuellen, berühmten Wissenschaftlern und – zu unserer Überraschung – großen Geschäftsleuten. In den letzten Jahren habe ich im In- und Ausland mit Menschen gesprochen, die mit diesen Gruppen verbunden sind.

Die Tatsache, dass die großen Unternehmer Fragen stellen, die mit der geistigen Welt, also der Spiritualität, zu tun haben, zeugt von den Dimensionen der Krise, die uns plagt. Es bedeutet, dass die materiellen Güter, die sie produzieren, die Produktions- und Wettbewerbslogik, die sie fördern, das Universum der kommerziellen Werte (alles ist zu einer Ware geworden), das ihre Praktiken inspiriert, nicht auf die Fragen eingehen, die sie aufwerfen. Es gibt eine tiefe Leere, ein riesiges Loch in ihrem Wesen. Deshalb denke ich, dass nur die spirituelle Welt sie füllen kann.

 Es ist jedoch wichtig, die Dinge immer kritisch zu betrachten, denn man kann auch mit der spirituellen Welt viel Geld verdienen. Es gibt regelrechte Unternehmen, die die Diskurse der Spiritualität führen, die oft mehr zu den Geldbeuteln als zu den Herzen sprechen. Es gibt neupfingstliche Anführer, die mit ihrer Verkündigung des Evangeliums des materiellen Wohlstands und neuerdings auch der Herrschaft ein Ausdruck des Marktes sind.

Die ständigen Träger der spirituellen Welt sind jedoch Menschen, die als gewöhnlich gelten, die die Rechtschaffenheit des Lebens und den Sinn für Solidarität leben und den Raum des Heiligen kultivieren, sei es in ihren Religionen und Kirchen oder in der Art und Weise, wie sie denken, handeln, das Leben interpretieren und sich um die Natur kümmern.

Wichtig ist jedoch, dass es weltweit eine Nachfrage nach nicht-materiellen Werten gibt, nach einer Neudefinition des Menschen als ein Wesen, das Erfüllung sucht, das auf der Suche nach Werten ist, die dem Leben Freude verleihen. Überall finden wir Menschen, vor allem junge Menschen, die sich über das von der Wirtschaft bestimmte Schicksal empören, wenn es heißt, dass “es keine Alternative gibt” (TINA=There is no Alternative), das Marktsystem, unter dem zu leben wir gezwungen sind, die sich weigern, die Wege zu akzeptieren, die die Mächtigen der Menschheit aufzwingen. Diese jungen Menschen sagen: “Wir lassen nicht zu, dass sie unsere Zukunft stehlen. Wir verdienen ein besseres Schicksal, wir müssen aus anderen Quellen trinken, um ein Licht zu finden, das unseren Weg erhellt und uns Hoffnung gibt.”

Deshalb ist es wichtig, von Anfang an eine Unterscheidung zwischen der religiösen Welt, der Religion, und der spirituellen Welt, der Spiritualität, einzuführen – ohne zu trennen, aber zu unterscheiden. Der Dalai Lama hat dies auf äußerst brillante und aufschlussreiche Weise in seinem Buch Eine Ethik für das neue Jahrtausend (Sextante, Rio de Janeiro 2000) getan. Es sind Begriffe, die wir verwenden, ohne genau zu wissen, was sie bedeuten. Erlauben Sie mir, ein Thema aus dem Buch zu zitieren, das ich verstehe und mir zu eigen mache.

“Ich glaube, dass Religion (religiöse Welt) mit dem Glauben an das Recht auf Erlösung zusammenhängt, der von irgendeiner Glaubenstradition gepredigt wird, ein Glaube, der als einen seiner Hauptaspekte die Akzeptanz irgendeiner Form von metaphysischer oder übernatürlicher Realität hat, möglicherweise einschließlich einer Vorstellung vom Paradies oder Nirvana. Damit verbunden sind religiöse Lehren oder Dogmen, Rituale, Gebete etc.“

“Ich betrachte Spiritualität (geistige Welt) im Zusammenhang mit jenen Qualitäten des menschlichen Geistes – wie Liebe und Mitgefühl, Geduld und Toleranz, die Fähigkeit zu verzeihen, Zufriedenheit, Verantwortungsbewusstsein, Sinn für Harmonie -, die einem selbst und anderen Glück bringen.”

“Ritual und Gebet sowie Fragen des Nirwana und der Erlösung sind direkt mit dem religiösen Glauben verbunden, aber diese inneren Qualitäten müssen es nicht sein. Es gibt daher keinen Grund, warum ein Individuum sie nicht entwickeln kann, sogar bis zu einem hohen Grad, ohne auf irgendein religiöses oder metaphysisches System zurückzugreifen” (S.32-33).“

Wie Sie sehen, sind diese Überlegungen kristallklar, denn sie zeigen die notwendige Unterscheidung zwischen der religiösen Welt, der Religion, und der geistigen Welt, der Spiritualität. Sobald sie unterschieden sind, können sie miteinander verbunden sein und zusammenleben, ohne dass das eine notwendigerweise vom anderen abhängt.

Ein Leben in der geistigen Welt mit den vom Dali Lama aufgezeigten Werten, die auch dieselben Werte wie die des historischen Jesus sind, könnte uns Wege aus der gegenwärtigen Krise zeigen.

Leonardo Boff Theologe und Philosoph, Autor von: Spiritualität: Weg der Transformation, Rio 2001; Meditation über das Licht: Weg der Einfachheit, Vozes 2010.

Übersetzung von Bettina Goldhartnack

In the material world the search for the spiritual world

Leonardo Boff

There are many who are fed up with material goods and the consumerism of our culture. As a counterpoint, I want to place the theme of spiritual goods in the dramatic, dangerous and hopeful context in which humanity currently finds itself, especially the humiliated and offended humanity that lives in the Global South, the victims of 18 regions of war, in particular in the Gaza Strip with an open-air genocide bias, without forgetting the many victims of the Russia-Ukraine war.

Our reflection wants to capture the emergence of the spiritual world and emphasize its pressing relevance in the face of the threats of the disappearance of the species and the liquidation of the biosphere, whether due to a nuclear war, excessive heat due to climate change or any factor of imbalance on planet Earth itself. They could eventually call into question the common future of Earth and humanity.

 In such dramatic moments, human beings dive into their depths and ask themselves basic questions: What are we doing in this world? What is our place in the group of beings? How can we act to guarantee a future that is hopeful for everyone and for our Common Home? What can we expect beyond this life? These are questions from the spiritual world.

It is in this context that we must pose the question of the spiritual world, in other words, spirituality. The spiritual world is one of the primary sources, although not the only one, of inspiration for the new, of joyful hope, of generating a fulfilling sense and of the human being’s capacity for self-transcendence. Because human beings only feel fully human when they seek to overcome themselves. The reason lies in the fact that it is experienced as an infinite project, full of virtualities that, in part, take place in history and, as a whole, beyond it.

This concern for the spiritual world is recurrent in our culture, not only in the context of religions, which is its natural place, but also in the context of human searches, both by young people and intellectuals, by famous scientists and – to our surprise -, of great businesspeople. I have spoken in recent years, here and abroad, to people linked to these groups.

The fact that big businesspeople ask questions linked to the spiritual world, that is, spirituality, attests to the dimensions of the crisis that is plaguing us. It means that the material goods they produce, the productivist logics and competition they encourage, the universe of commercial values ​​(everything has become a commodity) that inspires their practices do not address the aforementioned questions. There is a deep emptiness, an immense hole inside your being. Therefore, I think, only the spiritual world can fulfill it.

It is important, however, to always maintain our critical spirit, because with the spiritual world, with spirituality, we can also make a lot of money. There are real companies that manage spirituality discourses that, often, speak more to their pockets than to their hearts. There are neo-Pentecostal leaders who are an expression of the market with their preaching of the gospel of material prosperity and, recently, of domination. They win over the faithful, religious and in good faith, to the interests of their pastors.

However, the permanent bearers of the spiritual world are people considered common, who live the righteousness of life, the sense of solidarity and cultivate the space of the Sacred, whether in their religions and churches, or in the way they think, act and interpret life. and take care of nature.

What matters, however, is that worldwide there is a demand for non-material values, for a redefinition of the human being as a being that seeks fulfilling meaning, that is looking for values ​​that provide joy in living.

Everywhere we find human beings, especially young people, indignant with the destiny previously defined in terms of economics, when it is said that “there is no alternative”(TINA), the market system, under which we are forced to live, who refuse to accept the paths that the powerful coerce humanity to follow. These young people say: “We will not allow our future to be stolen from us. We deserve a better destiny, we need to drink from other sources to find a light that illuminates our path and gives us hope.”

That is why it is important, from the beginning, to introduce a distinction – without separating, but distinguishing – between the religious world, religion and the spiritual world, spirituality. In fact, the Dalai Lama did so in an extremely brilliant and enlightening way in the book Ethics for the New Millennium (2000). These are terms that we use without knowing exactly what they mean. I allow myself to quote a topic from the book whose understanding I participate in and make my own.

“I believe that religion (religious world) is related to the belief in the right to salvation preached by any faith tradition, a belief that has as one of its main aspects the acceptance of some form of metaphysical or supernatural reality, including possibly an idea of paradise or nirvana. Associated with this are religious teachings or dogmas, rituals, prayers, and so on.”

I consider spirituality (spiritual world) to be related to those qualities of the human spirit – such as love and compassion, patience and tolerance, ability to forgive, contentment, notion of responsibility, notion of harmony – that bring happiness both to the person himself and to the others”.

“Ritual and prayer, along with questions of nirvana and salvation, are directly linked to religious faith, but these inner qualities need not be. There is therefore no reason why an individual cannot develop them, even to a high degree, without resorting to any religious or metaphysical system” (p.32-33).

As can be seen, these reflections are crystal clear as they show the necessary distinction between the religious world, religion and the spiritual world, spirituality. Once distinct, they can relate and coexist, but without one necessarily depending on the other.

Experiencing the spiritual world can show paths that take us out of the crisis of current times.

Leonardo Boff,  brazilian theologian and philosopher wrote: Spirituality: path of transformation, Rio 2001; Light meditation: path of simplicity, Petropolis 2010.

 No mundo material a busca do mundo espiritual

                               Leonardo Boff

Há muitos que estão fartos de bens materiais e do consumismo de nossa cultura.Como contraponto quero situar o tema dos bens espirituais no contexto dramático, perigoso e esperançador,em que se encontra atualmente a humanidade, especialmente, a humanidade humilhada e ofendida que vive no Sul Global, as vítimas de 18 regiões de guerra,em particular na Faixa de Gaza com viés de genocídio a céu aberto, sem esquecer as muitas vítimas da guerra Rússia-Ucrânia. Nossa reflexão  quer captar a emergência do mundo espiritual e enfatizar sua premente atualidade face às ameças de desaparecimento da espécie e da liquidação da biosfera seja por uma guerra nuclear, por um excessivo calor devido à mudanças climática ou qualquer fator de desequilíbrio do próprio planeta Terra. Poderiam eventualmente pôr em xeque o futuro comum da Terra e da humanidade.

 Em momentos assim dramáticos, o ser humano mergulha em seu Profundo e se coloca questões básicas: O que estamos fazendo nesse mundo? Qual é o nosso lugar no conjunto dos seres? Como agir para garantirmos um futuro que seja esperançador para todos e para nossa Casa Comum?O que podemos esperar para além dessa vida?São questões do mundo espiritual.

É nesse contexto que devemos colocar a questão do mundo espiritual, em outras palavras, da espiritualidade. O mundo espiritual é uma das fontes primordiais, embora não única, de inspiração do novo, de esperança alviçareira, de geração de um sentido plenificador e de capacidade de auto- transcendência do ser humano. Pois o ser humano só se sente plenamente  humano quando busca se auto-superar. A razão reside no fato de vivenciar-se como projeto infinito, repleto de virtualidades que, em parte, se realizam na história e, no todo, para além dela.

Essa preocupação pelo mundo espiritual é recorrente em nossa cultura, não só no âmbito das religiões, que é o seu lugar natural, mas também no âmbito das buscas humanas tanto dos jovens, quanto dos intelectuais, de famosos cientistas e – para surpresa nossa -, de grandes empresários. Tenho falado nos últimos anos, aqui e fora do país, para pessoas ligadas a esses grupos.

         O fato de grandes empresários colocarem questões ligadas ao mundo espiritual, vale dizer, à espiritualidade atesta as dimensões  da crise que nos assola. Significa que os bens materiais que eles produzem, as lógicas produtivistas e concorrenciais que incentivam, o universo de valores comerciais (tudo virou mercadoria) que inspira suas práticas não dão conta das interrogações referidas. Há um vazio profundo, um buraco imenso dentro do seu ser. Por isso, penso, que só o mundo espiritual pode preenchê-lo.

 É importante, no entanto, manter sempre nosso espírito crítico, porque com o mundo espiritual, com a espiritualidade também se pode fazer muito dinheiro. Há verdadeiras empresas que manejam os discursos da espiritualidade que, não raro, falam mais aos bolsos do que aos corações. Há líderes neopentecostais que são expressão do mercado com sua pregação do evangelho da prosperidade material e, recentemente, do domínio.Conquistam para os interesses de seus pastores os fiéis, religiosos e de boa fé.

Entretanto, os portadores permanentes do mundo espiritual são as pessoas consideradas comuns, que vivem a retidão da vida, o sentido da solidariedade e cultivam o espaço do Sagrado, seja em suas religiões e igrejas, seja no modo como pensam, agem, interpretam a vida e cuidam da natureza.

O que importa, porém, é que mundialmente há uma demanda por valores não materiais, por uma redefinição do ser humano como um ser que busca sentido plenificador, que está à procura de valores que propiciam alegria de viver. Em toda parte encontramos seres humanos, especialmente jovens, indignados com o destino previamente definido em termos de economia, quando se diz que “não há outra alternativa”(TINA=There is no Alternative), o sistema de mercado, sob a qual somos obrigados a viver, que se recusam a aceitar os caminhos que os poderosos coagem a humanidade a trilhar. Esses jovens dizem: “Não permitiremos que nos roubem o futuro. Merecemos um destino melhor, precisamos beber de outras fontes para encontrar uma luz que ilumine nosso caminho e nos dê esperança”.

Por isso resulta importante, desde o início, introduzir uma distinção  – sem separar, mas distinguir – entre o mundo religioso, a religião e o mundo espiritual, a  espiritualidade. Aliás, o Dalai Lama o fez de uma forma extremamente brilhante e esclarecedora no livro Uma Ética Para o Novo Milênio (Sextante, Rio de Janeiro 2000). São termos que usamos sem saber ao certo o que significam. Permito-me citar um tópico do livro de cuja compreensão participo e faço minha.

“Julgo que religião (mundo religioso) esteja relacionada com a crença no direito à salvação pregada por qualquer tradição de fé, crença esta que tem como um de seus principais aspectos a aceitação de alguma forma de realidade metafísica ou sobrenatural, incluindo possivelmente uma idéia de paraíso ou nirvana. Associados a isso estão ensinamentos ou dogmas religiosos, rituais, orações e assim por diante”.

“Considero que espiritualidade (mundo espiritual) esteja relacionada com aquelas qualidades do espírito humano – tais como amor e compaixão, paciência e tolerância, capacidade de perdoar, contentamento, noção de responsabilidade, noção de harmonia – que trazem felicidade tanto para a própria pessoa quanto para os outros”.

“Ritual e oração, junto com as questões de nirvana e salvação, estão diretamente ligados à fé religiosa, mas essas qualidades interiores não precisam ser. Não existe portanto nenhuma razão  pela qual um indivíduo não possa desenvolvê-las, até mesmo em alto grau, sem recorrer a qualquer sistema religioso ou metafísico”(p.32-33).

Como se depreende, essas reflexões são cristalinas pois mostram a distinção necessária entre o mundo religioso, a religião e o mundo espiritual, espiritualidade. Uma vez distintas, podem se relacionar e conviver, mas sem uma depender necessariamente da outra.

Viver o mundo espiritual com os valores apontados pelo Dali Lama que são também os mesmos valores do Jesus histórico poderá apontar caminhos que nos mostram uma eventual saída da crise dos tempos atuais.

Leonardo Boff, teólogo e filósofo escreveu:Espiritualidade:caminho de transformação,Rio 2001; Meditação da luz:caminho da simplicidade, Vozes 2010.

Dall’attuale caos planetario è possibile un nuovo ordine?

Leonardo Boff

L’articolo precedente “Lattuale caos distruttivo e il caos generativo come soluzione salvifica” sarà completato dalla seguente riflessione fatta un anno fa, che qui estende la precedente.

Come poche volte nella storia generale dell’umanità, la crisi sistemica e diffusa regala segnali apocalittici che vanno sotto il nome di antropocene (gli esseri umani sono la grande meteora che minaccia la vita), di necrocene (morte di massa di specie viventi) e ultimamente di pirocene (i grandi incendi in varie regioni della Terra), tutti dovuti all’azione irresponsabile dell’uomo. Inoltre ci sono le conseguenze del nuovo regime climatico, considerate irreversibili e, non ultimo, il rischio di un’ecatombe nucleare – fino allo sterminio di ogni vita umana – a proposito della guerra Russia-Ucraina e le potenze occidentali. Putin ha già avvertito che se ci fossero forze militari occidentali in Ucraina potrebbe usare armi nucleari tattiche. Distruggono meno, ma lasciano l’intera atmosfera contaminata.

La situazione generale nel mondo non suscita ottimismo, ma piuttosto sconforto e perfino pessimismo e seria preoccupazione per la possibile fine della nostra specie. Molti giovani si rendono conto che, se l’attuale corso della storia continua, non avranno un futuro attraente. Alcuni si rassegnano, come ha recentemente denunciato Steven Rockfeller in un libro impressionante: gran parte della gioventù nordamericana è disinteressata ai valori tradizionali e democratici della nazione (cfr Spiritual Democracy and Our Schools, 2022). Altri si impegnano coraggiosamente in un movimento ormai planetario per salvaguardare la vita e il futuro della nostra Casa Comune, come fa la giovane Greta Thunberg.

Suona ancora forte il monito di Papa Francesco nella sua enciclica Fratelli tutti (2020): «[…] una comunità mondiale che naviga sulla stessa barca […] nessuno si salva da solo […] ci si può salvare unicamente insieme» (n.32).

È in questo contesto che cerchiamo qualche speranza in uno dei più grandi scienziati moderni già scomparso, il russo-belga Ilya Prigogine, premio Nobel per la chimica nel 1977, soprattutto nel suo libro in “The End of Certainty: Time, Chaos, and the New Laws of Nature”, 1996. Lui e il suo team hanno creato una nuova scienza, la fisica dei processi di non equilibrio, cioè in una situazione di caos.

Nella sua opera sfida la fisica classica con le sue leggi deterministiche e mostra che la freccia del tempo non torna indietro (irreversibilità) e punta alle probabilità e mai alle certezze. L’evoluzione propria dell’universo è caratterizzata da fluttuazioni, deviazioni, biforcazioni, situazioni caotiche, come la prima singolarità del big bang, generatore dell’universo. Enfatizza che il caos non è mai solo distruttivo. Contiene un ordine nascosto che, date determinate condizioni, irrompe e dà inizio a un altro tipo di ordine. Il caos, quindi, può essere generativo, perché la vita è nata dal caos, come ha mostrato nella sua opera classica (Order out of Chaos, 1984).

In questo scienziato, che era anche un grande umanista, troviamo riflessioni che non sono soluzioni, ma ispirazioni per sbloccare il nostro orizzonte oscuro e catastrofico. Può generare qualche speranza nonostante la pericolosa disputa per l’egemonia del processo storico, unipolare (USA) o multipolare (Russia, Cina e i BRICS).

Prigogine se ne va dicendo che il futuro non è determinato. “La creazione delluniverso è innanzitutto una creazione di possibilità, alcune delle quali si realizzano, altre no”. Ciò che può accadere è sempre potenziale, in sospensione e in uno stato di fluttuazione. Cosi è accaduto nella storia delle grandi decimazioni avvenute milioni di anni fa sul pianeta Terra. Specialmente in alcune epoche, come quando la rottura della Pangea (l’unico super-continente), dividendola in parti, originò i vari continenti. Circa il 75% del carico biotico scomparve. La Terra ebbe bisogno di alcuni milioni di anni per ricostruire la sua biodiversità.

Vale a dire, da quel caos è emerso un nuovo ordine. Ciò è avvenuto con l’ultima grande estinzione di massa avvenuta 67 milioni di anni fa, che si portò via tutti i dinosauri ma risparmiò il nostro antenato che si evolse fino a raggiungere l’attuale stadio di sapiens sapiens o, realisticamente, sapiens e demens.

Prigogine sviluppò quello che ha chiamato “strutture dissipative” come abbiamo spiegato nell’articolo precedente. Esse dissipano il caos, cioè gli scarti si trasformano in nuovi ordini. Così, nel linguaggio popolare, dalle scorie del sole – i raggi che si disperdono e ci raggiungono – nasce quasi tutta la vita sul pianeta Terra, soprattutto dalla fotosintesi delle piante che ci forniscono l’ossigeno senza il quale nessuno può vivere. Queste strutture dissipative trasformano l’entropia in sintropia. Ciò che viene lasciato da parte come caotico è rielaborato fino a formare un ordine nuovo. In questo modo, non andremmo incontro alla morte termica, ad un collasso totale di tutta la materia ed energia, ma verso ordini sempre più complessi e superiori fino ad un ordine supremo, il cui significato ultimo ci è sconosciuto. Prigogine rifiuta l’idea che tutto finisca nella polvere cosmica. Chissà, potrebbe essere la tanto sognata noosfera (sfera del pensiero umano) di Pierre Teilhard de Chardin.

Di conseguenza, Prigogine è ottimista di fronte al caos attuale, in quanto inerente al processo evolutivo. In questa nostra fase, spetta agli esseri umani la responsabilità di – conoscendo il dinamismo della storia aperta – assumere decisioni che diano prevalenza al caos generativo e rafforzare le strutture dissipative che pongano un freno all’azione letale del caos distruttivo. Il nostro destino è nelle nostre proprie mani.

Spetta alluomo così com’è oggi, con i suoi problemi, dolori e gioie, far sì che sopravviva nel futuro. Il compito è trovare la stretta via tra la globalizzazione e la preservazione del pluralismo culturale, tra la violenza e la politica, e tra la cultura della guerra e quella della ragione”. L’essere umano appare come un essere libero e creativo e può trasformarsi e trasformare il caos in cosmo (ordine nuovo).

Questa sembra essere la sfida attuale di fronte al caos che ci affligge. O prendiamo coscienza che su di noi ricade la responsabilità di voler continuare su questo pianeta o permettere, a causa della nostra irresponsabilità, un armageddon ecologico-sociale. Sarebbe la tragica fine della nostra specie.

Alimentiamo con Prigogine la speranza umana (e anche teologica) che il caos attuale rappresenti una sorta di parto, con i dolori che l’accompagnano, di un nuovo modo di organizzare l’esistenza collettiva della specie umana all’interno dell’unica Casa Comune, inclusa l’intera natura. Se il rischio è grande, diceva un poeta tedesco, grande è anche la possibilità di salvezza. O con le parole delle Scritture: «[…] dove era abbondante il peccato (caos), ancora più abbondante fu la grazia (ordine nuovo)”, dalla “Lettera ai Romani 5, 20”. Cosi speriamo e cosi Dio lo vuole.

Leonardo Boff ecoteologo e filosofo ha scritto: Abitare la terra. Quale via per la fraternità universale?, Castelvecchi 2021; O doloroso parto da Mãe Terra, Vozes 2021.

(traduzione dal portoghese di Gianni Alioti)