Wurzeln des Femizids: Die Zerschlagung des Matriarchats durch das Patriarchat

Leonardo Boff

Es gab eine Zeit, in der die historische Existenz des Matriarchats mangels Daten nicht anerkannt wurde. Die Forschungen von Bachofen, Neumann und anderen Archäologen – zusammen mit Studien aus der Tiefenpsychologie und anderen Fachgebieten – haben jedoch die Tatsache bestätigt, dass eine matriarchale Phase der Menschheit tatsächlich existiert hat.

Zunächst wurde sie im Mittelmeerraum entdeckt, später dann in fast allen Teilen der Welt. Es wurden weibliche Darstellungen der Göttlichkeit gefunden, die großen Mütter mit tausend Brüsten, die die Fruchtbarkeit der Frau symbolisieren.

Diese Gesellschaften waren zutiefst ökologisch geprägt, in die Natur eingebunden, friedlich und offen für alle.

Doch die Zeiten haben sich geändert, und mit ihnen auch die Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Wahrscheinlich ermöglichte die Entwicklung von Werkzeugen und Technologien, die bei der Beherrschung der Natur und der Nahrungsbeschaffung effektiver waren und mehr körperliche Kraft erforderten, den Männern, langsam an Bedeutung zu gewinnen. Sie nutzten diese Vorteile und entwickelten Strategien, um das Matriarchat zu verdrängen. Sie führten die Herrschaft des Mannes über die Frau und die Besetzung aller öffentlichen Räume durch den Mann ein. 

Es kam zu einem regelrechten Kampf der Geschlechter, einem Geschlechterkampf, der noch nicht beendet ist, denn er dauert bis heute an. Lassen Sie uns das anhand eines Beispiels verdeutlichen.

Bezeichnend ist die Art und Weise, wie die Sünde Adams und Evas neu interpretiert wurde. Darin offenbart sich das gesamte Bestreben des Patriarchats, das Matriarchat zu demontieren. Diese Sichtweise wurde ab 1986 vertieft, als die Internationale Akademie HAGIA gegründet wurde, die sich der kritischen Erforschung und den Erfahrungen des Matriarchats widmet. Die Gründerin Heide Göttner-Abendroht fasste die Forschungsergebnisse in zwei Bänden zusammen: „Das Matriarchat I und II“ (Stuttgart 1988 und 1991).

Für unsere Überlegungen sind die interdisziplinären Studien zweier renommierter feministischer Theologinnen von grundlegender Bedeutung: Riane Eisler (Sex Myth and Politics of the Body: New Paths to Power and Love, Harper San Francisco 1955) und Françoise Gange (Les dieux menteurs, Paris, Editions Indigo-Côtes Femmes, 1997). Sie haben auf raffinierte Weise unter Rückgriff auf Linguistik, Strukturalismus und andere verwandte Wissenschaften gezeigt, dass dem heutigen patriarchalischen Narrativ ein früheres matriarchalisches Narrativ zugrunde liegt. Dieses wurde ausgelöscht und umgeschrieben, um die patriarchalische Macht über die Frau zu rechtfertigen. Wir werden ihrer Argumentation folgen.

Die heiligen Riten und Symbole des Matriarchats werden verteufelt und in Form einer auf den Plan des Schöpfers zurückgehenden Urgeschichte auf die Ursprünge zurückprojiziert.

Die heutige Darstellung der Ur-Sünde stellt vier grundlegende Symbole der Religion der großen Muttergöttinnen in Frage.

Das erste Symbol, das angegriffen wurde, war die Frau selbst (Genesis 3,16), die in der matriarchalischen Kultur mit dem heiligen, lebensspendenden Geschlecht ausgestattet war. Als solche symbolisierte sie die Große Mutter, die höchste Gottheit.

Zweitens wird das Symbol der Schlange dekonstruiert, das als Hauptattribut der Muttergöttin gilt. Sie verkörperte die göttliche Weisheit, die sich stets erneuerte, wie die Haut der Schlange.

Drittens wurde der Baum des Lebens entstellt, der stets als eines der wichtigsten Symbole des Lebens galt. Indem er Himmel und Erde verbindet, erneuert der Baum unablässig das Leben als beste Frucht der Göttlichkeit und des Universums. Genesis 3,6 erkennt ausdrücklich an, dass „der Baum gut zu essen war, eine Freude für die Augen und begehrenswert, um weise zu handeln“. Doch über ihn liegt das Verbot, man darf ihn nicht einmal berühren, er kann den Tod bringen.

Stattdessen wurde die Beziehung zwischen Mann und Frau zerstört, die ursprünglich den Kern der Erfahrung des Heiligen bildete. Die Sexualität war heilig, da sie den Zugang zur Ekstase und zum mystischen Wissen ermöglichte.

Die heutige Darstellung der Erbsünde hat die tiefe und wahre Bedeutung dieser Symbole völlig auf den Kopf gestellt. Sie hat sie entheiligt, verteufelt und von einem Segen in einen Fluch verwandelt.

Die Frau wird für immer verflucht sein, zu einem minderwertigen Wesen gemacht: „Der Mann wird über sie herrschen“ (Gen 3,16). Die Fähigkeit der Frau, Leben zu schenken, wurde in einen Fluch verwandelt: „Ich werde die Schmerzen der Schwangerschaft vervielfachen“ (Gen 3,16). Wie sich zeigt, war die Umkehrung vollständig und hatte äußerst negative Folgen für das spätere, von Männern geprägte Weltbild.

Die Schlange ist verflucht (Gen 3,14) und zum Symbol des versuchenden Teufels geworden. Das Hauptsymbol der Frau wurde zu ihrem erbitterten Feind: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau“ (Gen 3,15).

Der Baum des Lebens und der Weisheit steht in der heutigen patriarchalischen Lesart unter dem Zeichen des Verbots (Gen 3,3). Früher, in der matriarchalischen Kultur, bedeutete das Essen vom Baum des Lebens, sich mit Weisheit zu erfüllen. Nun bedeutet das Essen von ihm eine tödliche Gefahr, die Gott selbst angekündigt hat: „Esst nicht von der Frucht des Baumes in der Mitte des Gartens, rührt sie nicht einmal an, sonst werdet ihr sterben”(Gen 3,3).

Die heilige Liebe zwischen Mann und Frau wird verzerrt: „Unter Schmerzen wirst du Kinder gebären; deine Sehnsucht wird dich zu deinem Mann ziehen, und er wird über dich herrschen“ (Gen 3,16). 

Seitdem ist eine positive Wahrnehmung von Sexualität, Körper und Weiblichkeit unmöglich geworden. Hierin liegt die historisch-soziale Begründung für das Verbrechen des Femizids in Brasilien und weltweit. Laut UNO werden weltweit täglich 140 Frauen Opfer von Femizid. In Lateinamerika und der Karibik sind es 11, in Brasilien 4 pro Tag.

Hier zeigt sich, was durch die vollständige Dekonstruktion der früheren, weiblichen und sakralen Erzählung bewirkt wurde. Die ursprüngliche Schöpfungsgeschichte wurde neu geschrieben, um alle späteren Bedeutungen zu verfälschen. Wir alle sind, ob wir wollen oder nicht, Geiseln der adamitischen, antifeministischen und Schuld zuweisenden Erzählung.

Die Arbeit der Theologinnen Riane Eisler und Françoise Gange versteht sich bewusst als befreiend: Sie soll den konstruierten Charakter der derzeit vorherrschenden Erzählung aufzeigen, die sich auf Herrschaft, Sünde und Tod konzentriert, und eine ursprünglichere und positivere Alternative vorschlagen, in der eine neue Beziehung zum Leben, zur Macht, zum Heiligen und zur Sexualität entsteht. Und sie soll Frauenmorde unmöglich machen.

 Diese Interpretation zielt nicht darauf ab, eine vergangene Situation wiederherzustellen, sondern ein besseres Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Werten für die heutige Zeit zu finden.

Wir erleben derzeit einen Paradigmenwechsel in den Beziehungen zwischen Mann und Frau. Dieser muss durch tiefgreifendes und ganzheitliches Denken gefestigt werden, das ein größeres persönliches und kollektives Glück ermöglicht, als es unter dem patriarchalischen Regime nur unzureichend erreicht wurde. Genau das tun Feministinnen, Politikerinnen, Anthropologinnen, Philosophinnen und Theologinnen in Brasilien und weltweit mit bemerkenswerter Kreativität.

Leonardo Boff schreibt für die Zeitschrift LIBERTA des Instituto Conhecimento Liberta (ICL: https://www.revistaliberta.com.br); gemeinsam mit Rose Marie Muraro verfasste er außerdem das Buch „Feminino e Masculino: uma nova consciência para o encontro das diferenças“ (Weibliches und Männliches: ein neues Bewusstsein für die Begegnung der Unterschiede), erschienen bei Editora Vozes 2012 (https://www.leonardoboff.org).

Übersetzt von Bettina Goldhartnack

La corrupción naturalizada, finalmente  es desenmascarada: el banco Master


         Leonardo Boff

            La liquidación oficial del Banco Master, cuyo principal propietario era Daniel Vorcaro, desenmascaró una cadena de corrupciones que involucra prácticamente a las principales instituciones nacionales, según algunos, incluso a la suprema corte judicial.

            Como el tema es de máxima actualidad, retomo un pequeño estudio realizado hace tiempo, con las actualizaciones necesarias.

            Consideremos el concepto de corrupción y su origen histórico-social. La palabra corrupción tiene su origen en la teología. Antes de hablarse de pecado original, expresión que no aparece en la Biblia, se decía que el ser humano concreto vive en una situación de corrupción. Pero fue San Agustín (354-430), obispo de Hipona, hoy Argelia, quien en el año 416, en un intercambio de cartas con San Jerónimo, creó la expresión pecado original, transmitido por el acto sexual, pecado que corrompe al ser humano desde su nacimiento. Allí utiliza la expresión corrupción general. Explica la etimología: corrupción es tener un corazón (cor) roto (ruptus) y pervertido. El filósofo Immanuel Kant no decía otra cosa: “somos una madera torcida de la cual no se pueden sacar tablas rectas”.

            En otras palabras: existe en nosotros una fuerza negativa que nos impulsa al desvío que es la corrupción. Ella no es fatal. Puede ser controlada y superada, según San Agustín, por las virtudes y por la gracia divina; de lo contrario sigue su tendencia.

            ¿Cómo se explica la corrupción en Brasi y en general en el mundo? Identifico, junto con otros analistas, tres razones básicas entre otras: la histórica, la política y la cultural.

            La razón histórica: somos herederos de una perversa herencia colonial y esclavista que marcó nuestros hábitos. La colonización y la esclavitud son instituciones objetivamente violentas y deshumanas. Entonces las personas subordinadas, para sobrevivir, eran llevadas a corromper, es decir: sobornar, conseguir favores mediante intercambios, peculado o nepotismo.

            Por ejemplo, existe corrupción sistemática en la evasión de impuestos y en las contribuciones al INSS. El Sindicato Nacional de los Procuradores de la Hacienda Nacional, en su “Sonegômetro”, denunció que en los últimos años la evasión anual rondaría los 158 mil millones. Eso es mucho más que el “Petrolão” en apenas cinco meses (cf. Tomás Rigoletto Pernías en Brasil Debate del 25/04/2017). Muchos corrompen a los procuradores o estos se dejan corromper.

            La razón política: en palabras del sociólogo Jessé Souza: “La corrupción política es la legitimación de la élite brasileña para manipular a la sociedad y convertir al Estado en su banco particular. La captura del Estado por los propietarios, obviamente, es la verdadera corrupción”.

            Además, importa reconocer que el capitalismo, ahora bajo el nombre de neoliberalismo, pero siempre como modo de producción depredador de la naturaleza y opresor de los trabajadores y, peor aún, como cultura del capital, aquí y en el mundo es un sistema, en su lógica interna, corrupto, aunque socialmente aceptado. Simplemente impone la dominación del capital sobre el trabajo y de la tecnología sobre la naturaleza, devastándola sin tomar en cuenta las externalidades dejadas bajo la responsabilidad del Estado. El capitalismo instalado en Brasil es periférico y salvaje, aunque no en todos los casos, y nunca pasó por un proceso de humanización.

            Por eso el capitalismo es por naturaleza antidemocrático, pues la democracia supone una igualdad básica de los ciudadanos y derechos garantizados, aquí permanentemente violados.

            Queriendo ser representativa de los electores, en verdad representa los intereses de las élites atrasadas, dominantes, y de aquellos que financiaron sus campañas electorales, y no los intereses generales de la nación. Es el caso de la actual Cámara de Diputados, la peor de nuestra historia.

            Razón cultural: la cultura dicta reglas socialmente reconocidas. Roberto Pompeu de Toledo escribió en 1994 en la revista Veja: “Hoy sabemos que la corrupción forma parte de nuestro sistema de poder tanto como el arroz y los frijoles de nuestras comidas”.

            Los corruptos son vistos como astutos y no como criminales, que de hecho lo son. Como regla general podemos decir: cuanto más desigual e injusta es una sociedad, más se crea un caldo cultural que permite y tolera la corrupción y la impunidad.

            Especialmente en quienes poseen poder se manifiesta la tendencia a la corrupción. Quien vio claramente esta conexión entre poder y corrupción fue Lord John Emerich Edward Dalberg-Acton (1848-1902). Católico y de familia aristocrática anglo-italo-alemana, fue profesor de historia en Cambridge. El 5 de abril de 1887 escribió una carta a su colega Mandell Creighton en la que decía: “El poder tiende a corromper y el poder absoluto tiende a corromper absolutamente”.

            No sé si por pesimismo o por realismo afirmaba también: “Mi dogma es la maldad general de los hombres con autoridad; son los que más corrompen”. En Brasil eso parece verificarse.

            El desarrollo del proceso contra Vorcaro y el ex Banco Master seguramente revelará una estremecedora cadena de corrupción, involucrando políticos de todos los matices y a la familia Bolsonaro en su intento de producir una película exaltatoria sobre el condenado golpista expresidente.

            ¿Cómo superar la corrupción? En principio, confiar siempre desconfiando del ser humano, porque nunca es inmune a abusar del poder del dinero. Nada de dar cheques en blanco. Después, evitar la concentración de poder. La división de poderes fue pensada para evitar la corrupción posible. A continuación, el control de la sociedad utilizando especialmente los multimedios. Exigir siempre transparencia en todos los procedimientos. Finalmente, castigar a los corruptos con penas severas por haber cometido un crimen grave que lesiona el bien común.

Leonardo Boff escribe para la revista ICL LIBERTA y también escribió Transparencia en las personas e instituciones, Vozes, 2025.

A corrupção naturalizada, em fim desmascarada: o banco Master

Leonardo Boff

       A liquidação oficial do Banco Master, cujo dono principal era Daniel Vorcaro,desmascarou uma cadeia de corrupções envolvendo praticamente as principais instituições nacionais,segundo alguns, até  a suprema corte judicial.

       Como o tema é atualíssimo, retomo um pequeno estudo, feito há tempos,com as atualizações necessárias.

       Consideremos o conceito de corrupção e sua origem histórico-social. A palavra corrupção tem sua origem na teologia. Antes de se falar em pecado original,  expressão que não consta na Bíblia,  se dizia que o ser humano concreto vive numa situação de corrupção. Mas foi Santo Agostinho (354-430), bispo de Hipona, hoje Argélia, no ano 416 numa troca de cartas com São Jerônimo que criou a palavra pecado original,transmitido pelo ato sexual,pecado que corrompe o  ser humano desde o seu nascimento. Ai usa a palavra corrupção geral. Ele explica a etimologia: corrupção é ter um coração (cor)  rompido (ruptus) e pervertido. O filósofo Immanuel Kant não dizia outra coisa:“somos um lenho torto do qual não se podem tirar tábuas retas”.

       Em outras palavras: há uma força do negativo em nós que nos incita ao desvio que é a corrupção. Ela não é fatal. Pode ser controlada e superada, segundo Santo Agostinho, pelas virtudes e pela graça divina, senão segue sua tendência.

        Como se explica a corrupção no Brasil? Identifico, com outros analistas, três razões básicas entre outras: a histórica, a política e a cultural.

         A razão histórica: somos herdeiros de uma perversa herança colonial e escravocrata que marcou nossos hábitos. A colonização e a escravidão são instituições objetivamente violentas e desumanas. Então as pessoas subalternas para sobreviverem, eram levadas a corromper, quer dizer: subornar, conseguir favores mediante trocas, peculato ou nepotismo.

Por exemplo, vigora corrupção sistemática na sonegação de impostos e nas contribuições ao INSS. O Sindicato Nacional dos Procuradores da Fazenda Nacional, em seu “Sonegômetro” denunciou, que nos últimos anos, a sonegação anual seria por volta de 158 bilhões. Isso é muito mais do que o “Petrolão” em apenas 5 meses (cf. Tomás Rigoletto Pernías em Brasil Debate de 25/04/2017). Muitos procuram corromper procuradores ou estes se deixam corromper.

       A  razão política: nas palavras do sociólogo Jessé Souza: “A “corrupção política, é a legitimação da elite brasileira para manipular a sociedade e tornar o Estado seu banco particular. A captura do Estado pelos proprietários, obviamente, é a verdadeira corrupção”.

Ademais, importa reconhecer que o capitalismo,agora sob o nome de neoliberalismo, mas sempre como modo de produção depredador da natureza e opressor dos trabalhadores e, pior, como cultura do capital, aqui e no mundo é, um sistema,em sua lógica interna, corrupto, embora aceito socialmente. Ele simplesmente impõe a dominação do capital sobre o trabalho e da tecnologia sobre a natureza devastando-a sem tomar em conta as externalidades deixadas à responsabilidade do Estado.O capitalismo instalado no Brasil é periférico e selvagem,mas não em todos,  e nunca passou por um processo de humanização.

       Por isso, o capitalismo é por natureza antidemocrático, pois  a democracia supõe uma igualdade básica dos cidadãos e direitos garantidos, aqui permanentemente violados. Querendo ser representativa dos eleitores, na verdade, representa os interesses das elites do atraso, dominantes, e daqueles que financiaram suas campanhas eleitorais e não os interesses gerais da nação.É o caso da atual Câmara dos Deputados, a pior de nossa história.

         Razão Cultural: A cultura dita regras socialmente reconhecidas. Roberto Pompeu de Toledo escreveu em 1994 na Revista Veja: “Hoje sabemos que a corrupção faz parte de nosso sistema de poder tanto quanto o arroz e o feijão de nossas refeições”.

       Os corruptos são vistos como espertos e não como criminosos que de fato são. Via de regra podemos dizer:  quanto mais desigual e injusta é uma sociedade, mais se cria um caldo cultural que permite e tolera a corrupção e a impunidade.

       Especialmente nos portadores de poder se manifesta a tendência à corrupção. Quem viu claro esta conexão entre poder e corrupção foi o Lord John Emerich Edward Dalberg-Acton (1848-1902). Católico e de família aristocrática anglo-italo-alemã, foi professor de história em Cambridge. Na data de 5 de abril de  1887 escreveu uma carta a seu colega Mandell Creighton em que dizia:O poder tem a tendência a se corromper e o absoluto poder a se corromper absolutamente”.

Não sei se por pessimismo ou por realismo afirmava também: ”Meu dogma é a geral maldade dos homens com autoridade; são os que mais corrompem”. No Brasil isso parece se verificar.

       O encaminhamento do processo contra Vorcaro e o ex-banco Master vai,seguramente, revelar uma estarrecedora corrente de corrupção,  envolvendo políticos de todos os matizes e a família Bolsonaro no seu intento de forjar um filme exaltatório sobre o condenado golpista ex-Presidente.

Como superar a corrupção? De princípio, sempre confiar-desconfiando do ser humano porque nunca é imune de abusar do poder do dinheiro. Nada de dar cheques em branco. Depois, evitar a concentração de poder. A divisão dos poderes foi pensada para evitar a corrupção possível. Em seguida, o controle da sociedade usando especialmente a multimídia. Exigir sempre transparência em todos os procedimentos. Por fim punir os corruptos com penas pesadas por terem cometido um crime grave que lesa o bem comum.

Leonardo Boff escreve para a revista do ICL LIBERTA (https://www.revistaliberta.com.br; escreveu também Transparência nas pessoas e instituições Vozes 2025 (https://www.leonardoboff.org).

„In seinem Land scheint das Leben nichts wert zu sein: Man tötet schon wegen eines Handys.“

Leonardo Boff

       Dieser Satz stammt nicht von mir. Er geht auf einen der größten Humanisten unseres Kontinents zurück: den ehemaligen uruguayischen Präsidenten Pepe Mujica. Nach einem langen Gespräch über das Schicksal unserer Länder – der Welt und des Kapitalismus (der sich in eine Kultur verwandelt hat, die uns alle umgibt) – gestand er an einer Stelle: „In Brasilien scheint das Leben nichts wert zu sein; die Menschen töten für ein Mobiltelefon. In Uruguay – einem ‚winzigen‘ kleinen Land – erfährt früher oder später jeder davon, wenn ein ähnliches Verbrechen geschieht.“ In seinem Land jedoch bleibt der Fall schlichtweg ungeklärt – weil das Opfer schwarz ist.

Am Ende umarmten wir uns, und die Harmonie in unserem Gespräch war so tief, dass er zu mir sagte: „Wir sind Geistesverwandte.“ Überrascht verstummte ich, um nicht in Tränen auszubrechen, und – mit vor Emotionen belegter Stimme – sagte ich ihm schlicht: „Es gibt zwei Menschen auf dieser Welt, die ich bewundere: Papst Franziskus und Sie, Pepe Mujica.“ Er umarmte mich fest, und ich sah, wie eine verstohlene Träne aus seinen müden Augen rann.

       Er sagte die Wahrheit. Ein Bekannter aus einer marginalisierten Gemeinschaft im Großraum Rio erzählte mir: „Ich sprach mit einem Militärpolizisten, der früher regelmäßig auf unserem kleinen öffentlichen Platz verkehrte, und er sagte zu mir: ‚Mensch, ich bin jetzt schon seit zwei Stunden hier und habe immer noch keinen einzigen jungen Schwarzen  getötet.‘“ Viele junge schwarze Männer im Alter zwischen 15 und 18 Jahren werden getötet – durch Kopfschüsse –, gestützt auf die Behauptung: Entweder sind sie in den Drogenhandel verwickelt, oder sie stehen kurz davor, sich ihm anzuschließen. Und so findet die „Auslese“ statt (ein Begriff, der von einem inhaftierten ehemaligen Gouverneur geprägt wurde).

In der heutigen Welt scheint das Leben wahrlich wertlos zu sein. Man muss nur auf das Gemetzel und den Völkermord blicken, die unter Netanjahus Befehl im Gazastreifen verübt werden – auf die Ermordung von Kindern im Sudan –, ganz zu schweigen von den Tausenden, die in der Ukraine und im Iran inmitten der Bombardements getötet wurden: auf der einen Seite durch die Russen und auf der anderen durch die Amerikaner und Israelis, die dabei sogar Künstliche Intelligenz einsetzen.

Der Leiter des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten erklärt: „Die Kosten für 14 Tage Krieg würden 87 Millionen Menschenleben retten“ (O Globo, 22. April 2026, S. 19). Warum entscheiden wir uns nicht für das Leben, sondern ziehen stattdessen den Tod vor? Dies ist das Rätsel unserer condition humaine – ein Rätsel, das sich als grausam und gnadenlos erweist.

Ich habe etwas Erschreckendes gelesen, das bereits in Betrieb ist und bis 2027 fertiggestellt sein wird: eine Super-Künstliche Intelligenz, die Billionen von Algorithmen verwaltet, die aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden. Sie ist nicht mehr von menschlichen Entscheidungen abhängig. Sie könnte sich letztlich dazu entschließen, jegliches menschliche Leben auszulöschen. Prof. HOC, einer unserer seriösesten Geopolitiker, hat ihre Funktionsweise auf seinem YouTube-Kanal detailliert beschrieben: „Der Kampf, der über die Zukunft der Menschheit entscheiden könnte: Anthropic IA und die amerikanische Regierung“ (geben Sie einfach diesen Titel bei Google ein).

       In diesem bedrohlichen Kontext geziemt es uns, – solange noch Zeit ist – über die Vortrefflichkeit des Lebens nachzusinnen. Die althergebrachten Antworten lauten, dass sie von Gott herrührt oder von etwas Geheimnisvollem, das uns unzugänglich ist.

Doch unsere Sichtweise änderte sich radikal, als James Watson und Francis Crick im Jahr 1953 die Struktur eines Desoxyribonukleinsäure-Moleküls (DNA) entschlüsselten, das die Bauanleitung für die Entstehung des Menschen enthält. Das DNA-Molekül besteht aus zahlreichen Kopien einer einzigen Grundeinheit – dem Nukleotid –, das in vier Formen vorkommt: Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C).

Dieses aus vier Buchstaben bestehende Alphabet entfaltete sich zu einem weiteren Alphabet aus zwanzig Buchstaben – den Proteinen. Gemeinsam bilden sie den genetischen Code, der sich in Form einer Doppelhelix-Struktur – zweier molekularer Stränge – manifestiert. Dieser Code ist bei allen Lebewesen identisch. Deshalb sind wir alle miteinander verwandt. Den Wissenschaftlern Watson und Crick zufolge ist „das Leben nichts weiter als eine immense Anordnung koordinierter chemischer Reaktionen; das ‚Geheimnis‘ dieser Koordination liegt in einem komplexen und atemberaubenden Satz von Anweisungen, die chemisch in unserer DNA eingeschrieben sind“ (vgl. *DNA: The Secret of Life*, Companhia das Letras, 2005, S. 424). Doch es ist weit mehr als das: Für andere Kosmologen bewirkte eine liebevolle und mächtige Hintergrundenergie, dass alle Elemente zusammenfanden, um genau diesen Satz von Anweisungen zu bilden – Jemand, der als die Quelle allen Lebens hervortritt. Wer ist Er?

Somit wurde das Leben in den globalen Prozess der Evolution integriert. Nach der gewaltigen Explosion des Urknalls vor 13,7 Milliarden Jahren dehnten sich die freigesetzte Energie und Materie aus, verdichteten sich und gewannen an Komplexität, wobei sie im Zuge ihrer Entwicklung neue Ordnungen schufen. Sobald ein hohes Maß an materieller Komplexität erreicht war, entstand das Leben als kosmischer Imperativ (vgl. Joël de Rosnay, *A aventura da vida*, Vozes 1992).

Das Leben stellt somit eine Möglichkeit dar, die in primordialen Energien und Urmaterie angelegt ist. Materie ist nicht „materiell“, sondern vielmehr ein hochgradig interaktives Feld kondensierter Energien. Dies ist die Auffassung prominenter Persönlichkeiten aus Quantenphysik, Biologie und Kosmologie.

Das Leben existiert seit 3,8 Milliarden Jahren. Es ist die urzeitliche – und ursprüngliche – Eva aller Lebewesen. Wir Menschen sind ein Unterkapitel jenes grundlegenden Kapitels, das das Leben selbst ist. Wir sind jener Teil der Erde, der eines Tages – inmitten extremer Komplexität – begann zu fühlen, zu denken, zu lieben und zu verehren. So entstand der Mensch.

Schließlich wage ich es, zu wiederholen, was ich bereits in einem früheren Artikel geschrieben habe: Verschiedenen Biologen und Kosmologen zufolge wäre das Universum ohne Leben unvollständig. Sobald ein bestimmtes Maß an Komplexität erreicht ist, entsteht Leben – überall im Universum – als ein kosmischer Imperativ. Dies ist die These von Christian de Duve – einem Nobelpreisträger der Biologie – sowie des indischen Quantenphysikers Amit Goswami.

Deshalb müssen wir unsere Sicht auf das Universum erweitern und es nicht als etwas Lebloses betrachten, sondern als etwas, das voller Leben ist – auf Billionen von Planeten in mehreren Milliarden Galaxien. Unsere Milchstraße ist der Träger dieses kostbaren Juwels, das das Leben ist. In uns hat es sich widergespiegelt und ist bewusst geworden, mit der Fähigkeit, der Geschichte eine Richtung zu geben.

Doch gerade jetzt haben wir in unserer unverantwortlichen Kühnheit eine künstliche Superintelligenz geschaffen, die uns vernichten könnte. Wir hegen die Hoffnung, dass das Leben immer triumphieren wird, so wie es alle fünfzehn großen Massensterben der Vergangenheit überstanden hat.

Leonardo Boff schreibt für die Zeitschrift LIBERTA des ICL (https:// www.revistaliberta.com.br); gemeinsam mit dem Kosmologen M. Hathaway verfasste er das Werk „Das Tao der Befreiung“, das 2010 in den USA mit der Goldmedaille für neue Wissenschaft und Kosmologie ausgezeichnet wurde; vgl. auch „Ethik des Lebens“, Record 2006.

(https://www.leonardoboff.org).