Faschismus versus Demokratie in Brasilien und weltweit

     Leonardo Boff

Es ist unbestreitbar, dass weltweit und auch in Brasilien autoritäre politische Verhaltensweisen der klassischen Rechten und der extremen Rechten mit deutlichen Anzeichen von Faschismus zunehmen. Die Ikone dieses autoritären und faschistoiden Aufstiegs ist zweifellos der US-Präsident Donald Trump mit seinem MAGA-Patriotismus (Make Amerika Great Again). Er verfolgt gewalttätige Methoden, wie man an seiner Unterstützung für Netanjahus Völkermordkrieg gegen die Palästinenser im Gazastreifen, den Bombardierungen des Iran und dem Angriff auf Venezuela mit der Entführung von Präsident Maduro und seiner Frau sehen kann, wodurch das Land unter US-Verwaltung gestellt wurde, als wäre es ein Protektorat.

Der Faschismus entstand und entsteht in einem bestimmten Kontext von Anomie, sozialer Unordnung und allgemeiner Krise, wie wir es in Brasilien unter der Regierung von Jair Bolsonaro und ein wenig überall auf der Welt gesehen haben. Es ist eine Tatsache, dass die Hegemonie der Vereinigten Staaten zerfällt (unipolare Welt) und andere starke Machtzentren entstehen (multipolare Welt). Die Welt mit Regeln verschwindet, die etablierten Gewissheiten schwinden. Niemand kann mit einer solchen Situation in Frieden leben.

Sozialwissenschaftler und Historiker wie Eric Vögelin (Order and History, 1956; L. Götz, Entstehung der Ordnung 1954; Peter Berger, Rumor of Angels: Modern Society and the Rediscovery of the Supernatural, 1973) haben gezeigt, dass Menschen eine natürliche Neigung zur Ordnung haben. Wo sie sich niederlassen, schaffen sie sofort eine Ordnung und ihren Lebensraum. Ein klares Beispiel dafür ist die Landlosenbewegung (MST): Wo sie Land besetzen, schaffen sie zunächst eine gewisse Ordnung, schützen die Wasserquellen, erhalten den Wald, bauen ein Gemeindezentrum und verteilen Grundstücke für Wohnraum und Produktion.

Wenn Ordnung verschwindet, wird häufig Gewalt eingesetzt, um sie wiederherzustellen. Thomas Hobbes’ „Leviathan“ von 1651 (Vozes-Ausgabe, 2020) legte den theoretischen Rahmen für dieses durch Gewalt erzeugte Ordnungsbedürfnis dar. Alle Imperien, vom Römischen über das Russische bis hin zum gegenwärtigen amerikanischen, insbesondere unter Trump, verbergen ihre Sonderstellung nicht und nähern sich dem von Hobbes beschriebenen Staatsmodell an, wobei sie stets Sicherheitsgründe anführen.

Die Nische des Faschismus findet ihren Ursprung also in dieser Unordnung. So führte das Ende des Ersten Weltkriegs zu sozialem Chaos, insbesondere in Deutschland und Italien. Der Ausweg war die Einführung eines autoritären Herrschaftssystems, das die politische Vertretung durch eine einzige, hierarchisch organisierte Massenpartei übernahm und alle Bereiche – Politik, Wirtschaft und Kultur – in eine einzige Richtung lenkte. Dies war nur durch einen Führer (Führer in Deutschland und Duce in Italien) möglich, der einen autoritären und terroristischen korporatistischen Staat organisierte.

Als symbolische Legitimation wurden nationale Mythen, Helden der Vergangenheit und alte Traditionen verehrt, meist im Rahmen großer politischer Liturgien, mit denen die Idee einer nationalen Erneuerung eingeprägt wurde. Diese Vision war so verlockend, dass sie für kurze Zeit den größten Philosophen des 20. Jahrhunderts, Martin Heidegger, in ihren Bann zog und ihn zum Rektor der Universität Freiburg i. B. machte. Vor allem in Deutschland waren Hitlers Anhänger von der Überzeugung durchdrungen, dass die weiße deutsche Rasse den anderen „überlegen” sei und das Recht habe, die minderwertigen zu unterwerfen und sogar zu vernichten.     

In den USA findet die Ideologie der weißen Vorherrschaft derzeit in dieser Sichtweise ihre praktische Grundlage. In Brasilien war die Strategie der Bolsonaro-Regierung pervers: die Zerstörung einer ganzen Vergangenheit – sei es in Bezug auf Kultur, Sozial- und Umweltgesetze oder Bräuche – und die Einführung eines Regimes mit deutlichen Merkmalen voraufklärerischen Denkens, inspiriert von den dunklen Seiten der Vergangenheit.

Der Begriff Faschismus wurde erstmals 1915 von Benito Mussolini verwendet, als er die Gruppe „Fasci d’Azione Revolucionaria“ gründete. Faschismus leitet sich vom Wort „Fasci“ ab, einem Bündel eng zusammengebundener Ruten mit einer daran befestigten Axt. Eine einzelne Rute lässt sich zerbrechen, ein Bündel hingegen ist nahezu unmöglich. 1922/23 gründete Mussolini die Nationalfaschistische Partei, die bis zu ihrem Zusammenbruch 1945 Bestand hatte. In Deutschland wurde der Nationalsozialismus ab 1933 unter Adolf Hitler etabliert, der nach seiner Machtergreifung als Reichskanzler den Nationalsozialismus, die NSDAP, gründete, die dem Land harte Disziplin, Überwachung und Terror einflößte.

Der Faschismus präsentierte sich als antikommunistisch, antikapitalistisch, als eine Körperschaft, die über Klassen hinausgeht und eine geschlossene soziale Gesamtheit schafft. Überwachung, direkte Gewalt, Terror und die Auslöschung von Oppositionellen sind Merkmale des historischen Faschismus von Mussolini und Hitler  und bei uns von Pinochet in Chile, Videla in Argentinien und der Regierung von Figueiredo und Médici in Brasilien.
 

Der Faschismus ist nie gänzlich verschwunden, denn es gibt immer Gruppen, die, angetrieben vom fundamentalen Archetyp der Ordnung, diese – notfalls auch mit Gewalt – durchsetzen wollen. Im Namen dieser Ordnung hat Bolsonaros Regierung die dunkle Seite der brasilianischen Seele zum Vorschein gebracht, indem sie symbolische (Fake News) und reale Gewalt anwandte und Folter und Folterer, Homophobie und andere gesellschaftliche Auswüchse verteidigte.

Der Faschismus war schon immer verbrecherisch. Er schuf die Schoah (die Vernichtung von Millionen Juden und anderen). Er nutzte Gewalt als Mittel zur gesellschaftlichen Kontrolle, weshalb er sich nie dauerhaft etablieren konnte und wird. Er ist die größte Perversion des Sozialverhaltens, das zum Wesen des sozialen Menschen gehört. In Brasilien nahm er eine tragische Form an: Die Regierung von Jair Bolsonaro lehnte den Covid-19-Impfstoff ab, förderte Menschenansammlungen, verhöhnte das Tragen von Masken und zeigte keinerlei Empathie für die Angehörigen, da sie mehr als 300.000 der 716.626 Opfer sterben ließ.

Um seine Macht zu sichern, schmiedete Bolsonaro mit hochrangigen Militäroffizieren und anderen eine kriminelle Organisation und versuchte einen Staatsstreich mit der Ermordung höchster Würdenträger, um seine verzerrte Weltanschauung durchzusetzen. Doch sie wurden vom Obersten Bundesgericht angeklagt, verurteilt, und so wurden wir von einer Zeit der Dunkelheit und abscheulichen Verbrechen befreit.

Bei den Parlamentswahlen 2026 wird der fortbestehende Faschismus wahrscheinlich wiederkehren. Diesem Faschismus muss man mit mehr Demokratie und durch die Proteste der Bevölkerung auf der Straße entgegentreten. Wir müssen den Argumenten der Faschisten mit Vernunft und dem Mut begegnen, die Risiken, denen wir alle ausgesetzt sind, zu bekräftigen. Wir müssen entschieden gegen diejenigen kämpfen, die die Freiheit missbrauchen, um die Freiheit abzuschaffen. Wir müssen uns zusammenschließen, um Leben und Demokratie zu schützen.

Leonardo Boff: Artikel veröffentlicht in der Zeitschrift LIBERTA des Instituts Conhecimento Liberta – São Paulo.

Fascismo contro democrazia in Brasile e nel mondo

Leonardo Boff

Innegabilmente, nel mondo e anche in Brasile, si sta verificando una tendenza crescente a comportamenti politici autoritari, dalla destra classica all’estrema destra, con chiari segni di fascismo. L’icona di questa ascesa autoritaria e fascistoide è senza dubbio il presidente degli Stati Uniti Donald Trump, con il suo sciovinismo MAGA (Make America Great Again). Trump adotta metodi violenti, come dimostra il suo sostegno alla guerra genocida di Netanyahu contro i palestinesi nella Striscia di Gaza, i bombardamenti dell’Iran e l’attacco al Venezuela con il rapimento del presidente Maduro e di sua moglie, ponendo il paese sotto l’amministrazione statunitense, come se fosse un protettorato.

Il fascismo è nato e nasce in un contesto specifico di anomia, disordine sociale e crisi generalizzata, come abbiamo visto in Brasile sotto il governo di Jair Bolsonaro e, in una certa misura, in tutte le parti dell mondo. È un dato di fatto che l’egemonia degli Stati Uniti si sta sgretolando (mondo unipolare), con l’emergere di altri forti centri di potere (mondo multipolare). Il mondo con regole sta scomparendo, le certezze consolidate si stanno indebolendo. Nessuno può vivere in pace in una situazione del genere.

Sociologi e storici come Eric Vögelin (Order and History, 1956); L. Götz, Entstehung der Ordnung 1954; Peter Berger, Rumor of Angels: Modern Society and the Rediscovery of the Supernatural, 1973), hanno dimostrato che gli esseri umani hanno una naturale tendenza all’ordine. Ovunque si stabiliscano, creano rapidamente un ordine e il loro habitat. Un chiaro esempio ce lo fornisce il Movimento dei Lavoratori Senza Terra (MST): ovunque occupino terre, stabiliscono, in primo luogo, un certo ordine, preservando le fonti d’acqua, conservando la foresta esistente, costruendo un centro comunitario e distribuendo appezzamenti di terreno per abitazioni e produzione.

Quando questo ordine scompare, si usa comunemente la violenza per imporre l’ordine. L’opera di Thomas Hobbes del 1651, “Leviatano”, ha elaborato il quadro teorico di questa esigenza di ordine creata dall’uso della forza. Tutti gli imperi, da quello romano a quello russo e all’attuale impero americano, soprattutto sotto Trump, non nascondono la loro eccezionalità e si avvicinano allo Stato descritto da Hobbes, citando sempre ragioni di sicurezza.

La nicchia del fascismo, quindi, trova la sua origine in questo disordine. Così, la fine della Prima Guerra Mondiale generò il caos sociale, soprattutto in Germania e in Italia. Il suo superamento fu l’istituzione di un sistema autoritario di dominio che ha catturato la rappresentanza politica attraverso un unico partito di massa, organizzato gerarchicamente, inquadrando tutte le istanze – politiche, economiche e culturali – in un’unica direzione. Ciò fu possibile solo attraverso un capo (il Duce in Italia e il hrer in Germania) che organizzò uno Stato corporativo autoritario e fondato sul terrore.

Come forma di legittimazione simbolica, si sono coltivati i miti nazionali, gli eroi del passato e le antiche tradizioni, generalmente all’interno di un contesto di grandi liturgie politiche che inculcavano l’idea di una rigenerazione nazionale. Questa visione era così tentatrice che catturò, per un certo tempo, il più grande filosofo del XX secolo, Martin Heidegger, che divenne rettore dell’Università di Friburgo in Brisgovia. Soprattutto in Germania, i seguaci di Hitler abbracciarono la convinzione che la razza bianca tedesca fosse “superiore” alle altre, con il diritto di sottomettere e persino eliminare le razze inferiori.

Attualmente negli Stati Uniti, il suprematismo della razza bianca trova in questa visione la sua base pratica. In Brasile, la strategia del governo Bolsonaro è stata perversa: distruggere un intero passato, sia nella cultura e nella legislazione sociale e ambientale, sia nei costumi, e attuare un regime con chiari indicatori di pensiero pre-illuminista, ispirato dal lato oscuro della storia.

Il termine fascismo fu usato per la prima volta da Benito Mussolini nel 1915, quando creò il gruppo “Fasci d’Azione Rivoluzionaria“. Il termine fascismo deriva dal fascio di verghe (fasci), strettamente legate tra loro, con un’ascia attaccata a un lato. Una verga può essere spezzata, un fascio, è quasi impossibile. Nel 1922/23 fondò il Partito Nazionale Fascista, che durò fino alla sua sconfitta nel 1945. In Germania, fu fondato nel 1933 con Adolf Hitler che, una volta diventato cancelliere, creò il Nazionalsocialismo, il partito nazista che impose al paese una dura disciplina, sorveglianza e terrore.

Il fascismo si presentò come anti-comunista, anti-capitalista, come una corporazione che trascende le classi e crea una totalità sociale chiusa. La sorveglianza, la violenza diretta, il terrore e lo sterminio degli oppositori sono caratteristiche del fascismo storico di Mussolini e di Hitler e, nel nostro caso, di Pinochet in Cile, di Videla in Argentina e nel governo di Figueiredo e Medici in Brasile.

Il fascismo non è mai scomparso del tutto, poiché ci sono sempre stati gruppi che, spinti dall’archetipo fondamentale dell’ordine, vogliono imporlo, anche con la violenza. In nome di quest’ordine, il governo Bolsonaro ha fatto emergere il lato oscuro della nostra anima brasiliana, usando la violenza simbolica (fake news) e reale, difendendo la tortura e i torturatori, l’omofobia e altre forme di distorsioni sociali.

Il fascismo è sempre stato criminale. Ha creato la Schoah (eliminazione di milioni di ebrei e altri). Ha usato la violenza come mezzo per relazionarsi con la società, motivo per cui non ha mai potuto e non potrà mai consolidarsi a lungo. È la più grande perversione della socialità che appartiene all’essenza dell’essere umano sociale. In Brasile, ha assunto una forma tragica: il governo di Jair Bolsonaro si è opposto al vaccino contro il Covid-19, ha incoraggiato gli assembramenti di persone, ha ridicolizzato l’uso delle mascherine e non ha mostrato alcuna empatia per i familiari, lasciando morire più di 300 mila delle 716.626 vittime.

Volendo perpetuare il suo potere, Bolsonaro ha forgiato un’organizzazione criminosa con alti ufficiali militari e altri, tentando un colpo di stato con l’eventuale assassinio delle massime autorità per imporre la sua cruda visione del mondo. Ma furono denunciati, processati e condannati dalla Corte Suprema Federale, e così ci siamo liberati da un periodo di oscurità e crimini efferati.

Nelle elezioni generali del 2026, probabilmente emergerà il fascismo che sussiste. Questo fascismo si combatte con più democrazia e con il popolo in piazza. Dobbiamo affrontare le ragioni dei fascisti con una ragione sensata e con il coraggio di riaffermare i rischi che tutti corriamo. Dobbiamo lottare duramente contro coloro che usano la libertà per eliminare la libertà. Dobbiamo unirci per preservare le vite e la democrazia.

Leonardo Boff: articolo pubblicato sulla rivista LIBERTÀ dell’Instituto Conhecimento Libertà – San Paolo.

(Traduzione dal portoghese di Gianni Alioti)

Hat die Menschheit noch eine Zukunft?

Leonardo Boff  

Es ist üblich, am Ende eines jeden Jahres Bilanz zu ziehen – eine Art oberflächliche Betrachtung, die nur das Wesentliche erfasst. Es gäbe zu viele Dinge, an die man sich erinnern müsste. Wir stellen lediglich fest, dass sich unsere Art, die Erde zu bewohnen, langsam, aber unaufhaltsam verschlechtert. Die globale Erwärmung nimmt jährlich zu und zeigt bereits weltweit ihre katastrophalen Auswirkungen in Form von schweren Überschwemmungen, Taifunen und verheerenden Waldbränden. In Rio Grande do Sul erlebten wir eine verheerende Flut, die Teile ganzer Städte zerstörte und zudem die Landwirtschaft schwer schädigte.

Es heißt, wir seien in ein neues geologisches Zeitalter eingetreten, das Anthropozän. Das bedeutet, der Meteor, der die Natur zerstört, sei niemand anderes als die Menschheit selbst. Andere gehen noch weiter und sprechen vom Nekrozän, dem Zeitalter des massenhaften Artensterbens, in dem laut dem bekannten Biologen Edward Wilson 70.000 bis 100.000 Arten aussterben. In letzter Zeit hat die Zahl der Brände weltweit so stark zugenommen, dass bereits vom Pyrozän (griechisch: pyros = Feuer) die Rede ist, der fortgeschrittensten und gefährlichsten Phase des Anthropozäns. Hinzu kommt die perverse soziale Ungleichheit: Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt mehr Vermögen als mehr als die Hälfte der Menschheit (4,7 Milliarden Menschen) – eine Schande und eine Verhöhnung der Menschlichkeit.

Angesichts dieses Ausmaßes an allgemeiner Degradierung, das vor dem Auftreten des Menschen im Evolutionsprozess noch nie zuvor gesehen wurde, fragen sich viele, darunter auch große Namen der Wissenschaft, ob wir nicht kurz vor dem möglichen Ende der menschlichen Spezies stehen. Und das zu Recht, denn es handelt sich nicht um Hirngespinste, sondern um beunruhigende Anzeichen. Der Nobelpreisträger für Biologie von 1974, Christian de Duve, behauptet in seinem ausführlichen Buch „Poeira Vital, a vida como imperativo cósmico” (Campus 1997), dass heutzutage „die biologische Evolution in rasantem Tempo auf eine gravierende Instabilität zusteuert; In gewisser Weise erinnert unsere Zeit an einen dieser bedeutenden Brüche in der Evolution, die durch Massensterben gekennzeichnet sind.” Der Wissenschaftler Norman Myers hat berechnet, dass allein in Brasilien in den letzten 35 Jahren täglich vier Arten ausgestorben sind. Théodore Monod, ein bedeutender Naturforscher, hinterließ als Vermächtnis einen Text mit dem Titel „Et si l’aventure humaine devait échouer” (2000)? Er behauptet: „Wir sind zu sinnlosem und wahnsinnigem Verhalten fähig; von nun an kann man alles befürchten, wirklich alles, sogar die Auslöschung der Menschheit”.

Seitdem der Mensch vor über zwei Millionen Jahren als Homo habilis auftrat, hat er sein Verhältnis zur Natur gestört. Bis vor 40.000 Jahren waren die ökologischen Schäden geringfügig. Doch ab diesem Zeitpunkt begann ein systematischer Angriff auf die Biosphäre. Innerhalb weniger Jahrhunderte rotteten Jäger Mammuts, Riesenfaultiere und andere prähistorische Säugetiere aus. Im Industriezeitalter (ab 1850) wurden Instrumente entwickelt, die die Beherrschung und Zerstörung der Natur ermöglichten. Heute hat sich dieser Prozess so weit verschärft, dass die neun Elemente (planetaren Grenzen), die das Leben erhalten, rapide zusammenbrechen und die Zivilisation letztlich unmöglich machen.

Seit 2 Millionen Jahren befinden wir uns in der Eiszeit. Die aktuelle Warmzeit begann vor 11.400 Jahren (Holozän). Nach den Mustern der Vergangenheit sollten wir nun in eine neue Kaltzeit eintreten. Allerdings hat unsere Spezies die Beschaffenheit der Atmosphäre tiefgreifend verändert. Verschiedene Treibhausgase wie CO2, Methan und andere wichtige Gase erwärmen den gesamten Planeten. Bis 2030 dürften wir zwei Grad nicht erreichen, da dies für einen Großteil der Menschheit und für die Natur katastrophal wäre. Bereits 2025 haben wir 1,77 °C erreicht.

Zu diesen Problemen kommt der Mangel an Trinkwasser (nur 3 % sind Süßwasser) und die Überbevölkerung der Menschheit hinzu, die bereits 83 % des Planeten besiedelt und ihn ausbeutet. Können Menschen in einem gemeinsamen Zuhause zusammenleben? Wir sind keine friedlichen Wesen, sondern extrem aggressiv, unfähig zu Kooperation und Rücksichtnahme. Der britische Astronom Sir Martin Rees schätzt in seinem Buch „Die letzte Stunde: Umweltkatastrophen bedrohen die Zukunft der Menschheit“ (2005), dass wir, wenn sich die Dinge nicht ändern, in diesem Jahrhundert ausgelöscht werden könnten.

Trotz dieser düsteren Aussichten Ende 2025 bewahre ich die Hoffnung, dass die Menschheit mit ihrer Intelligenz, ihrem mitfühlenden Verstand und ihrem Überlebensinstinkt sich für den Fortbestand des Lebens auf diesem Planeten und nicht für den kollektiven Selbstmord entscheiden wird.

Natürlich müssen wir Geduld mit der Menschheit haben. Sie ist noch nicht so weit. Sie hat noch viel zu lernen. Im Verhältnis zur kosmischen Zeit (13,7 bilionen Jahre) hat sie weniger als eine Minute zu leben. Doch mit ihr hat die Evolution einen Sprung vom Unbewussten zum Bewussten gemacht. Und mit dem Bewusstsein kann sie über ihr eigenes Schicksal entscheiden. Aus dieser Perspektive stellt die gegenwärtige Situation eher eine Herausforderung als eine Katastrophe dar, eine Reise zu einer höheren Ebene und kein Sturz in die Selbstzerstörung.

Nun liegt es an uns, die Liebe zum Leben in seiner majestätischen Vielfalt zu zeigen, Mitgefühl für alle Leidenden zu haben, rasch für soziale Gerechtigkeit zu sorgen und die Große Mutter Erde zu lieben. Die jüdisch-christlichen Schriften ermutigen uns: „Wähle das Leben, so wirst du leben“ (5. Mose 30,28). Lasst uns schnell handeln, denn wir haben nicht viel Zeit zu verlieren.

Leonardo Boff
29.12.2025
Autor von: Homem: satã ou anjo bom, Record 2008;Cuidar da Casa Comum:pistas para protelar o fim do mundo, Vozes 2024.

Natale: l’umanizzazione di Dio

Leonardo Boff

La tradizione teologica ha accentuato esageratamente il significato della incarnazione del Figlio di Dio, celebrata nel Natale, come la divinizzazione dell’essere umano. In verità, teologicamente, ciò che si vuole enfatizzare è un fatto ancora maggiore: l’incarnazione è l’umanizzazione di Dio. Tutte le Scritture affermano come San Giovanni apostolo: “Dio nessuno l’ha mai visto: proprio il Figlio unigenito, che è nel seno del Padre, lo ha rivelato.” (1,18). Dio, attraverso Gesù di Nazareth, ha fatto sua la nostra umanità, qualcosa di veramente inaudito. Pertanto, c’è qualcosa di Divino nel nostro essere umano, uomo e donna, che non può mai essere distrutto. È la nostra suprema dignità: portatori e portatrici di Dio. Per questo motivo, non può esserci tristezza quando la vita divina nasce in noi.

Il Natale è la celebrazione di questo evento benedetto. I Vangeli chiamano Gesù il Sole di Giustizia. La nascita di Gesù coincideva esattamente con la festa romana del Giorno del Sole Invitto (Sol Invictus). Questo giorno, per l’emisfero nord, è il più corto dell’anno e con la notte più lunga. Gli antichi temevano che il sole non sarebbe più sorto. Quando nasceva nuovamente, si celebrava la sua vittoria sulle tenebre. Gesù è presentato come il Sole invincibile che sconfiggerà tutte le tenebre della vita.

Se Gesù è Dio che si è fatto uomo, potremmo pensare che sia nato in un luogo ben sistemato, come in un palazzo, in una dimora molto confortevole o in un famoso reparto maternità. In definitiva, sarebbe un omaggio a qualcuno che è Dio, come facciamo con le persone importanti che ci visitano, come presidenti, celebrità famose e il Papa stesso.

Dio non ha voluto nulla di tutto ciò. Dobbiamo rispettare e amare il modo in cui Dio ha voluto entrare in questo mondo: nascosto, partecipando al destino di chi bussa alla porta di notte, al freddo, con una donna incinta, che tiene nel suo grembo il bambino che sta per nascere e che deve sentire queste dure parole: “non c’è posto per voi”.

Così Giuseppe e Maria se ne vanno e occupano, nell’urgenza, una stalla vicina. Lì c’era paglia, una mangiatoia, un bue e un asinello il cui respiro riscaldava il fragile e tremante corpo del neonato.

Dio, dunque, entrò in questo mondo silenziosamente, dalla porta di servizio. Chi viveva nella capitale, a Roma o a Gerusalemme, e altre persone importanti non lo sapevano nemmeno.

C’è una lezione da imparare da questo: quando Dio vuole manifestarsi non usa spettacoli grandiosi, ma il semplice silenzio delle piccole cose. Dobbiamo, quindi, capire che lui è venuto per tutti, ma in modo speciale, partendo dai poveri e dai semplici, perché era povero e povero è rimasto per tutta la vita, nella semplicità e nella privazione. Se fosse nato tra i ricchi, avrebbe lasciato fuori i poveri. Nascendo tra i poveri, è sempre vicino a loro, e a partire da loro può raggiungere anche chi si trova in una posizione migliore nella società. In questo modo, nessuno è escluso dall’essere toccato dalla presenza di Dio.

Al momento della nascita del bambino Gesù non c’erano solo persone comuni come i pastori, considerati spregevoli per il continuo contatto con gli animali. I Vangeli narrano che dall’Oriente vennero i re Magi. I primi cristiani conclusero che i Magi fossero uomini saggi, i cui nomi sono stati tramandati: Baldassarre, Melchiorre e Gaspare. Melchiorre era di razza bianca, Gaspare di razza gialla e Baldassarre di razza nera. Così loro rappresentavano tutta l’umanità.

I doni che offrirono sono simbolici. L’oro significa che riconobbero Gesù come re. L’incenso significa che Gesù è divino. La mirra esprime il dolore e la sofferenza. Il significato è il seguente: Gesù è un vero re, ma non come i re di questo mondo che dominano le persone. Gesù, al contrario, si prende cura di loro. Gesù è una persona divina che non deve essere esaltata e proclamata al punto da essere allontanata da noi. Al contrario, è un Dio con noi – Emmanuele – che vuole convivere e camminare al fianco di ogni essere umano.

La mirra amara esprime la modalità con cui Gesù fu re, dando la sua vita per il popolo e come abbia vissuto la sua divinità accettando la morte in croce per amore di tutti gli esseri umani.

Il grande poeta Manuel Bandeira ha espresso bene questa logica del Natale nella sua poesia

Racconto di Natale

Il nostro Bambino

È nato a Betlemme

È nato semplicemente

Per volere il bene.

È nato sulla paglia

Il nostro Bambino

Ma sua Madre sapeva

Che Lui era divino

Viene per soffrire

La morte in Croce.

Il nostro Bambino

Suo nome è Gesù.

Per noi Lui accetta

L’umano destino:

Lodiamo la gloria

Di Gesù Bambino.

A Natale abbiamo il diritto di essere pieni di gioia, perché non siamo più soli. Dio cammina con noi, soffre con noi e gioisce con noi. È il dono più grande che Dio Padre potesse farci. Per questo ci scambiamo doni tra di noi per ricordare sempre questo dono che il Padre Celeste ci ha fatto, donandoci Gesù, il suo amato figlio.

Leonardo Boff è un teologo e ha scritto: O Sol da Esperança: Natal, Histórias, Poesias e Símbolos, Rio 2007; Natal: a humanidade e a jovialidade de nosso Deus, Petrópolis 1976.

(Traduzione dal portoghese di Gianni Alioti)