Der Frieden von Papst Leo XIV.: Ist Frieden unter den heutigen Bedingungen möglich?

Leonardo Boff

Wir befinden uns immer noch im Kontext der Wahl des neuen Papstes Leo XIV., der in seiner Antrittsrede sechsmal über den Frieden sprach, ein dringendes Thema.  Doch eine globale Welle des Hasses, der Diskriminierung und des Krieges wütet überall. Nach Donald Trumps Vorrang der Gewalt vor der Diplomatie und dem Einsatz gewaltsamer Mittel, um die neue Weltordnung zu etablieren, verstehen wir die Bedeutung, die der aktuelle Papst dem Frieden beimisst.

Lassen Sie uns das Thema Frieden ein wenig näher beleuchten. Ich möchte zunächst an den Briefwechsel zwischen Einstein und Freud über Krieg und Frieden vom 30. Juli 1932 erinnern. Einstein fragte Freud: „Gibt es einen Weg, den Menschen von der Fatalität des Krieges zu befreien? Ist es möglich, die psychische Entwicklung so zu lenken, dass der Mensch fähiger wird, der Psychose des Hasses und der Zerstörung zu widerstehen?“ Freud antwortete: „Es gibt keine Hoffnung, die Aggression der Menschen direkt unterdrücken zu können.“ Nach Überlegungen, die dem Lebenstrieb und damit dem möglichen Frieden eine gewisse Hoffnung gaben, endete Freud skeptisch und resigniert mit dem berühmten Satz: „Wenn wir verhungern, denken wir an die Mühle, die so langsam mahlt, dass wir vielleicht vor Hunger sterben, bevor wir das Mehl erhalten“, mit anderen Worten: Der Frieden bleibt im Bereich der hoffnungsvollen Erwartung und muss Tag für Tag aufgebaut werden.

Trotz dieser harten Erkenntnis streben wir weiterhin nach Frieden und werden ihn niemals aufgeben, auch wenn es sich dabei nicht um einen dauerhaften Zustand handelt, der den Sterblichen verwehrt bleibt. Zumindest pflegen wir ständig einen Geist oder eine Lebensweise, die uns den Dialog der Konfrontation vorziehen lässt, die Win-Win-Strategie der Win-Lose-Strategie und die herzliche Suche nach Gemeinsamkeiten der konfliktreichen Konfrontation. Dies ist das Erbe, das uns der verstorbene Papst Franziskus hinterlassen hat und das der neue Papst erneuert.

Wir wagen es in der Hoffnung, einige Voraussetzungen zu schaffen, die den Frieden auf die eine oder andere Weise oder für einen Moment erreichbar machen. Ich sehe vier Voraussetzungen:

Die erste besteht darin, mit äußerster Ernsthaftigkeit die Polarität zwischen Sapiens und Demens, zwischen Liebe und Hass, zwischen Gut und Böse sowie zwischen Licht und Schatten als Teil der Struktur der universellen Realität und als inhärentes Merkmal der menschlichen Existenz zu akzeptieren: Wir sind die lebendige Einheit der Gegensätze. Dies stellt keinen Defekt der Evolution dar. Sondern die konkrete Situation der menschlichen Existenz, wie sie heute besteht. Dies gilt sowohl für das Persönliche als auch für das Gesellschaftliche.

Der Mensch entstand aus der ersten Singularität, einer unvorstellbaren Gewalt, dem Urknall, gefolgt von der extrem gewalttätigen Konfrontation zwischen Materie und Antimaterie, die ein Minimum an Materie übrig ließ, etwa 0,00000001 %, wodurch das heute bekannte Universum entstand. Das Geräusch dieses Knalls, eine sehr schwache magnetische Welle, die kosmische Hintergrundstrahlung, wurde 1964 von Arno Penzias und Robert Wilson entdeckt. Anhand der am weitesten entfernten Galaxie auf der Fluchtroute konnte das Alter des Universums auf 13,7 Milliarden Jahre datiert werden.

Die zweite besteht darin, den positiven und leuchtenden Pol dieses Widerspruchs auf jede erdenkliche Weise zu verstärken, sodass er den negativen Pol unter Kontrolle halten, begrenzen und in den positiven integrieren kann und so für einen Moment einen fragilen, aber möglichen Frieden herbeiführen kann, der jedoch immer von der Auflösung bedroht ist. Am 12. Mai sprach Papst Leo XIV. zu Journalisten und brachte seine klare Aussage zum Ausdruck: „Der Frieden beginnt bei jedem Einzelnen von uns, in der Art und Weise, wie wir andere betrachten, ihnen zuhören und über sie sprechen.“

Die dritte besteht darin, den natürlichen Vertrag mit der Natur, der verletzt wurde, wiederherzustellen und die Beziehungsmatrix zu retten, die zwischen allen Wesen besteht und uns zu Beziehungswesen in allen Richtungen macht. Wir sind nur in dem Maße verwirklicht, wie wir diese Beziehungen leben und erweitern. Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass „dieses Wesen, der Mensch, sehr kreativ, unruhig, aggressiv und nicht sehr maßliebend ist. Aus diesem Grund wird er das Gesicht des Planeten verändern, aber er ist dazu bestimmt, ein kurzes Leben auf der Erde zu haben“, sagt der ökologische Ökonom Georgescu-Roegen (The entropy law and the economic process. Cambridge: Harvard Univ.Press, 1971, S.127).

Trotz dieses „historischen Scheiterns“ müssen wir anerkennen, dass aus dieser geretteten Beziehungsstruktur Frieden entstehen kann, so wie es die Erd-Charta in ihrer berühmten Definition verstanden hat: „Frieden ist die Fülle, die aus richtigen Beziehungen mit sich selbst, mit anderen Menschen, anderen Kulturen, anderem Leben, mit der Erde und mit dem großen Ganzen, von dem wir ein Teil sind, entsteht“ (Nr. 16 b). Der Friede hat also seine Grundlage in unserer eigenen Beziehungswirklichkeit, wie zerbrechlich und fast immer zerbrochen sie auch sein mag. Beachten Sie, dass der Friede nicht aus sich selbst heraus existiert. Er ist das Ergebnis richtiger Beziehungen, soweit sie für die erniedrigten Söhne und Töchter von Adam und Eva möglich sind.

Die vierte Bedingung ist die Gerechtigkeit. Was die Beziehungsstruktur am meisten stört, ist Ungerechtigkeit.  Ethik ist im Grunde Gerechtigkeit. Sie bedeutet: das Recht und die Würde eines jeden Menschen und jedes Wesens in der Schöpfung anzuerkennen und entsprechend dieser Anerkennung zu handeln. Mit anderen Worten: Gerechtigkeit ist jenes Minimum an Liebe, das wir dem anderen und den anderen widmen müssen, ohne das wir uns von allen anderen Wesen trennen und damit Ungleichheiten, Hierarchien, Ausgrenzung und Unterwerfung einführen und zu einer Bedrohung für andere Arten werden. In einer Gesellschaft der Ungerechtigkeit wird es niemals Frieden geben. Diejenigen, denen Unrecht widerfährt, reagieren, rebellieren und führen Kriege auf der Mikro- und Makroebene.

Wie der mexikanische Revolutionär Emilio Zapata warnte: „Wenn es keine Gerechtigkeit gibt, sollte man der Regierung keinen Frieden geben.“ Brasilien wird niemals Frieden haben, solange es eine der ungleichsten, d. h. ungerechtesten Gesellschaften der Welt bleibt.

Dieser Weg des Friedens wurde von wenigen Menschen beschritten und von den besten gegenwärtigen spirituellen Führern wie Gandhi, Papst Johannes XXIII., Dom Helder Câmara, Martin Luther King Jr. und Papst Franziskus bezeugt. Der gegenwärtige Papst Leo XIV. hat ihn nachdrücklich wieder aufgegriffen, ganz zu schweigen von anderen in der Geschichte, insbesondere von Franz von Assisi.

In der Theologie heißt es oft, dass der Friede ein eschatologisches Gut sei, das heißt, dass er hier seinen Ursprung hat, aber erst dann wirklich verwirklicht wird, wenn die Geschichte ihren Höhepunkt erreicht. Lassen Sie uns daher weiterhin diesen Samen eines möglichen Friedens säen.

Leonardo Boff, Autor von: Dass ich liebe, wo man hassst Das Friedensgebet des Franz von Assisi, Topos 2018.

Übersetzt von Bettina Goldhartnack

Leo XIV.: Die große Herausforderung,die Entwestlichung und Entpatriarchalisierung der Kirche

            Leonardo Boff

Ich muss gestehen, dass ich von der Ernennung des nordamerikanisch-peruanischen Kardinalprobstes zum obersten Pontifikat der Kirche überrascht war. Dies lag an meiner Unwissenheit. Als ich später besser informiert war und mir YouTube-Videos und seine Reden vor den Menschen ansah, wie er mitten in einer Überschwemmung in einer peruanischen Stadt stand und wie er sich besonders um die indigene Bevölkerung (die Mehrheit der Peruaner) kümmerte, wurde mir klar, dass er wirklich die Garantie für die Kontinuität des Erbes von Papst Franziskus sein kann. Er wird nicht über dessen Charisma verfügen, aber er wird er selbst sein, zurückhaltender und schüchterner, aber sehr konsequent mit seinen gesellschaftlichen Positionen, einschließlich der Kritik an Präsident Trump und seinem Vizepräsidenten. Nicht ohne Grund hat Papst Franziskus ihn aus seiner Diözese der Armen in Peru abberufen und ihm eine wichtige Rolle in der vatikanischen Verwaltung übertragen. Leo XIV. verbrachte einen Großteil seines Lebens außerhalb der Vereinigten Staaten, viele Jahre als Missionar und dann als Bischof in Peru, wo er zweifellos umfangreiche Erfahrungen mit einer anderen Kultur und der schlechten sozialen Lage der Mehrheit der Bevölkerung sammelte. Er bekannte ausdrücklich, dass er sich mit diesen Menschen so sehr identifizierte, dass er sogar peruanischer Staatsbürger wurde.

Seine erste öffentliche Rede widersprach meinen anfänglichen Erwartungen. Es war eine fromme Rede und für das interne Publikum der Kirche bestimmt. Das Wort „arm“ kam nie vor, geschweige denn Befreiung, Bedrohung des Lebens und der ökologische Aufschrei. Das wichtige Thema war der Frieden, insbesondere „entwaffnet und entwaffnend“, eine sanfte Kritik an dem, was heute auf dramatische Weise geschieht, wie etwa der Krieg in der Ukraine und der offene Völkermord an Tausenden unschuldiger Kinder und Zivilisten im Gazastreifen. Es scheint, als liege dem neuen Papst all dies nicht auf dem Gewissen. Aber ich glaube, dass all dies bald wiederkehren wird, denn solche Tragödien waren in den Reden von Papst Franziskus, seinem großen Freund, so stark vertreten, dass sie dem neuen Papst noch immer in den Ohren klingen müssen.

Papst Franziskus verfügte als Jesuit über ein seltenes Gespür für Politik und Machtausübung und zwar durch die berühmte „Unterscheidung des Geistes“, eine zentrale Kategorie der ignatianischen Spiritualität. Ich gehe davon aus, dass er den Kardinalpropst als möglichen Nachfolger ansah. Er gehörte nicht zum alten und bereits dekadenten europäischen Christentum, sondern kam aus dem Großen Süden und verfügte über pastorale und theologische Erfahrungen, die er an der Peripherie der Kirche gesammelt hatte, insbesondere in Peru, wo mit Gustavo Gutiérrez die Befreiungstheologie geboren wurde und sich entwickelte.

Mit seiner sanften Art und seiner Vorliebe für das Zuhören und den Dialog wird er sicherlich die von Papst Franziskus übernommenen Herausforderungen und Neuerungen weiterführen, die hier nicht aufgezählt werden sollen.

Aber er wird meines Erachtens noch andere Herausforderungen zu bewältigen haben, die durch die Interventionen früherer Päpste nie ernst genommen wurden: Wie kann die katholische Kirche angesichts der neuen Phase der Menschheit entwestlicht und entpatriarchalisiert werden? Diese ist gekennzeichnet durch die Vollendung der Menschheit (nicht nur im wirtschaftlichen Sinne, der jetzt durch Trump gestört wird), die sich in politischer, sozialer, technologischer, philosophischer und spiritueller Hinsicht in immer schnellerem Tempo vollzieht. In diesem beschleunigten Prozess erscheint die katholische Kirche in ihrer Institutionalisierung und in ihrer hierarchischen Struktur als eine Schöpfung des Westens. Das ist unbestreitbar. Dahinter steht das klassische römische Recht, die Macht der Kaiser mit ihren Symbolen, Riten und ihrer Art der Machtausübung, die in einer höchsten Autorität, dem Papst, zentralisiert ist, „mit gewöhnlicher, höchster, voller, unmittelbarer und allgemeiner Macht“ (Kanon 331), Attribute, die in Wahrheit nur Gott zukommen. Darüber hinaus ist er in Glaubens- und Moralfragen unfehlbar. Weiter konnte man nicht gehen. Papst Franziskus hat sich bewusst von diesem Paradigma entfernt und hat begonnen, ein anderes Modell einer einfachen, armen Kirche, die in die Welt hinausgeht, einzuführen.

Das hat nichts mit dem historischen Jesus zu tun, dem Armen, dem Prediger eines absoluten Traums, des Reiches Gottes, und dem scharfen Kritiker aller Macht. Aber genau das ist passiert: Mit dem Niedergang des Römischen Reiches übernahmen die Christen, die zu einer Kirche wurden und über ein hohes Moralbewusstsein verfügten, die Neuordnung des Römischen Reiches, was Jahrhunderte lang andauerte. Aber das ist eine Schöpfung der westlichen Kultur. Die ursprüngliche Botschaft Jesu, sein Evangelium, erschöpft sich nicht in dieser Art von Inkarnation und wird auch nicht mit ihr identifiziert, denn die Botschaft Jesu ist eine Botschaft der totalen Offenheit gegenüber Gott als Abba (lieber Vater), der grenzenlosen Barmherzigkeit, der bedingungslosen Liebe auch zu den Feinden, des Mitgefühls für die Gefallenen auf den Straßen des Lebens und des Lebens als Dienst am Nächsten. Der derzeitige Papst Leo XIV. wird sich dieser Herausforderung nicht entziehen können. Wir wollen seinen Mut und seine Tapferkeit, sich den Traditionalisten entgegenzustellen und Schritte in diese Richtung zu unternehmen, sehen und unterstützen.

Eine große, immense Herausforderung für jeden Papst besteht darin, diese Art der Organisation des Christentums zu relativieren, damit es in den verschiedenen menschlichen Kulturen neue Gesichter annehmen kann. Papst Franziskus hat große Schritte in diese Richtung unternommen. Der derzeitige neue Papst hat in seiner Antrittsrede zu diesem Dialog aufgerufen. Solange diese Entwestlichung nicht fest im Gange ist, wird das Christentum für viele Länder immer eine westliche Angelegenheit sein. Es war mitschuldig an der Kolonialisierung Afrikas, Amerikas und Asiens und wird von den Geheimdiensten der kolonisierten Länder noch immer als Komplize betrachtet.

Eine weitere, nicht geringere Herausforderung ist die Entpatriarchalisierung der Kirche. Dies wurde oben bereits erwähnt. In der Führung der Kirche gibt es ausschließlich Männer, die im Zölibat leben und das Sakrament der Weihe (vom Priester bis zum Papst) empfangen haben. Der patriarchalische Faktor zeigt sich in der Verweigerung des Weihesakraments für Frauen. Sie stellen bei weitem die Mehrheit der Gläubigen dar und sind die Mütter und Schwestern der anderen Hälfte, der Männer der Kirche und der Menschheit. Dieser sexistische Ausschluss schadet der Kirche und stellt die Universalität der Kirche in Frage. Solange sie den Frauen nicht, wie in fast allen Kirchen geschehen, den Zugang zum Priesteramt eröffnet, zeigt sich darin das tief verwurzelte Patriarchat und die Prägung eines Westens, der sich in der Weltgeschichte immer mehr als ein Zufall/Unfall herausstellt.

Darüber hinaus radikalisiert die gesetzlich verankerte Zölibatspflicht (die zum Gesetz gemacht wurde) den patriarchalischen Charakter noch weiter und begünstigt den in weiten Teilen der kirchlichen Hierarchie spürbaren Antifeminismus. Da es sich lediglich um ein menschliches und historisches Gesetz und nicht um ein göttliches handelt, steht seiner Abschaffung und der Zulassung des optionalen Zölibats nichts im Wege.

Der neue Papst wird sich diesen und vielen anderen Herausforderungen stellen müssen, da der evangelische Sinn für Partizipation (Synodalität) und die gleiche Würde und Rechte aller Menschen, Männer und Frauen, immer mehr im Bewusstsein der Gläubigen wächst. Warum sollte es in der katholischen Kirche anders sein?

Diese Überlegungen sollen eine ständige Herausforderung für diejenigen sein, die für den höchsten Dienst der Belebung des Glaubens und der Lenkung der Wege der christlichen Gemeinschaft auserwählt wurden, wie zum Beispiel die Person des Papstes. Es wird die Zeit kommen, in der die Kraft dieser Veränderungen so groß wird, dass es dazu kommen wird. Dann wird es ein neuer Frühling der Kirche sein, die umso universeller wird, je mehr sie sich universeller Fragen annimmt und ihren Beitrag zu humanisierenden Antworten leistet.

Leonardo Boff  Theologe, Autor von: Eclesiogênese:a reinvenção da Igreja, Record 2008.

Übersetzt von Bettina Goldhartnack

La pace di Papa Leone XIV: è possibile la pace nelle condizioni attuali?

Leonardo Boff

Siamo ancora nel contesto dell’elezione del nuovo papa Leone XIV, il quale, nel suo discorso inaugurale, ha parlato per ben 6 volte della pace, un tema urgente. Tuttavia, in tutto il mondo si sta verificando un’ondata di odio, discriminazione e ci sono diversi luoghi in cui si combatte. Dopo che Donald Trump ha anteposto la forza alla diplomazia e all’uso di mezzi violenti per stabilire il nuovo ordine mondiale, comprendiamo l’importanza che l’attuale Papa attribuisce alla pace.

Approfondiamo un po’ il tema della pace. Inizio con un ricordo dello scambio di lettere tra Einstein e Freud sulla guerra e la pace il 30 luglio 1932. Einstein chiede a Freud: “Esiste un modo per liberare gli esseri umani dalla fatalità della guerra? Esiste la possibilità di orientare l’evoluzione psichica al punto da rendere gli esseri umani più capaci di resistere alla psicosi dell’odio e della distruzione?” Freud risponde: “Non c’è la speranza di poter sopprimere in modo diretto l’aggressività degli esseri umani”. Dopo alcune considerazioni che davano una qualche speranza alla pulsione di vita e quindi alla possibile pace, Freud conclude con scetticismo e rassegnazione con la celebre frase: “affamati pensiamo al mulino che macina così lentamente, che potremmo morire di fame prima di ricevere la farina“. In altre parole, la pace si colloca nell’ambito della speranza fiduciosa (esperança esperante) e deve essere costruita giorno per giorno.

Nonostante questa dura constatazione, continuiamo a ricercare la pace e non vi rinunceremo mai, anche se non si tratta di uno stato permanente, negato ai mortali. Almeno coltiviamo costantemente uno spirito o un modo di essere che ci fa preferire il dialogo allo scontro, la strategia win-win a quella win-lose, e la ricerca cordiale di punti in comune rispetto al confronto conflittuale. È l’eredità lasciataci dal defunto Papa Francesco e rinnovata dal nuovo Papa.

Osiamo, nella speranza, stabilire alcune precondizioni che renderebbero la pace, in qualche modo o in alcuni momenti, raggiungibile.

Vedo quattro precondizioni:

La prima è accettare, con la massima serietà, la polarità sapiens/demens, amore-odio, bontà-malvagità, luce-ombra, come appartenenti alla struttura della realtà universale e insiti, anche, nella condizione umana: noi siamo l’unità vivente degli opposti. Ciò non ha costituito un difetto dell’evoluzione. Ma la situazione concreta della condizione umana così come esiste oggi. Ciò vale sia per la sfera personale che per quella sociale.

L’essere umano ha origine dalla prima singolarità, da una violenza inimmaginabile, il big bang, seguito dallo scontro violentissimo tra materia e antimateria, lasciando un minimo di materia, qualcosa come lo 0,00000001% che ha dato origine all’universo attualmente conosciuto. Il rumore di questa esplosione, un’onda magnetica bassissima, la radiazione cosmica di fondo, potè essere rilevata nel 1964 da Arno Penzias e Robert Wilson. Prendendo come riferimento la galassia più distante sulla via di fuga, è stato possibile datare l’età dell’universo a 13,7 miliardi di anni.

La seconda è di rafforzare in modo tale e in tutti i modi il polo positivo e luminoso di questa contraddizione affinché possa mantenere sotto controllo, limitare e integrare il polo negativo nel positivo e realizzare così, per un momento, una pace fragile ma possibile, ma sempre minacciata di dissoluzione. Il 12 maggio, Papa Leone XIV parlando ai giornalisti è stato chiaro: “La pace comincia da ognuno di noi, dal modo in cui guardiamo gli altri, ascoltiamo gli altri e parliamo degli altri”.

La terza è quella di rifare il contratto naturale con la natura che è stato violato e riscattare la Matrice Relazionale che esiste tra tutti gli esseri e che ci rende esseri di relazione in tutte le direzioni. Ci realizziamo solamente nella misura in cui viviamo e ampliamo queste relazioni. La storia, tuttavia, ha dimostrato che “questo essere, l’umano, è altamente creativo, agitato, aggressivo e poco amante della moderazione. Per questo motivo, modificherà il volto del pianeta, ma è destinato ad avere una vita breve sulla Terra”, come ha detto Georgescu-Roegen, economista ecologista (The entropy law and the economic process, Cambridge: Harvard Univ. Press, 1971, p. 127).

Nonostante questo “fallimento storico”, dobbiamo riconoscere che è da questa struttura relazionale riscattata che può nascere la pace, come l’ha intesa la Carta della Terra in una celebre definizione: “la pace è la pienezza che risulta da relazioni corrette con se stessi, con le altre persone, con le altre culture, con le altre vite, con la Terra e con il Tutto più grande di cui siamo parte” (n. 16 b). La pace si fonda, pertanto, sulla nostra realtà relazionale, per quanto fragile e quasi sempre interrotta. Si noti che la pace non esiste di per sé. È il risultato di relazioni giuste, nella misura in cui sono possibili per i figli e le figlie degradati di Adamo ed Eva.

La quarta precondizione è la giustizia. Ciò che più rompe la struttura relazionale è l’ingiustizia. L’etica è fondamentalmente giustizia. Significa: riconoscere il diritto e la dignità di ogni essere umano e di ogni essere creato e agire in conformità a questo riconoscimento. In altre parole: la giustizia è quel minimo di amore che dobbiamo dedicare all’altro e agli altri, senza cui ci separiamo da tutti gli altri esseri e introduciamo immediatamente disuguaglianze, gerarchie, emarginazioni e sottomissioni e ci trasformiamo in una minaccia per le altre specie. Non ci sarà mai pace in una società ingiusta. Chi subisce un torto reagisce, si ribella, muove guerra a livello micro e macro.

Il rivoluzionario messicano Emilio Zapata ammoniva: “Se non c’è giustizia, non si può dare la pace al governo”. Il Brasile non avrà mai pace finché rimarrà una delle società più diseguali, cioè più ingiuste del mondo.

Questo cammino di pace è stato tentato da pochi nell’umanità e testimoniato dai suoi migliori leader spirituali attuali come Gandhi, Papa Giovanni XXIII, Dom Helder Câmara, Martin Luther King Jr, Papa Francesco e ripreso con forza dall’attuale Papa Leone XIV, senza menzionare altri nella storia, in particolare Francesco d’Assisi.

La teologia ha l’abitudine di dire che la pace è un bene escatologico, vale a dire che inizia qui in modo seminale, ma si realizza veramente solo quando la storia giunge al suo culmine. Continuiamo, quindi, a seminare questo seme di pace possibile.

Leonardo Boff ha scritto escreveu A oração de São Francisco,uma mensagem de paz para o mundo atual, Vozes 2014.

(traduzione dal portoghese di Gianni Alioti)

Leone XIV: la grande sfida, la de-occidentalizzazione e la de-patriarcalizzazione della Chiesa

Leonardo Boff

Confesso che sono rimasto sorpreso dalla nomina del Cardinale nordamericano-peruviano Prevost al supremo pontificato della Chiesa. Ciò per mia ignoranza. In seguito, quando mi sono informato meglio, guardando i video su YouTube e i suoi discorsi tra la gente, stando in mezzo a un’alluvione in una città peruviana e la sua particolare attenzione per la popolazione indigena (la maggioranza dei peruviani), ho capito che lui può davvero essere la garanzia di continuità con l’eredità di Papa Francesco. Non avrà il suo carisma, ma sarà se stesso, più riservato e timido ma molto coerente con le sue posizioni sociali, comprese le critiche al presidente Trump e al suo vice. Non a caso Papa Francesco lo ha chiamato dalla sua diocesi dei poveri in Perù e lo ha chiamato a ricoprire un ruolo importante nell’amministrazione del Vaticano. Leone XIV ha vissuto gran parte della sua vita fuori dagli Stati Uniti, per molti anni come missionario e poi come vescovo in Perù, dove certamente ha acquisito una vasta esperienza di un’altra cultura e della difficile situazione sociale povera della maggior parte della popolazione. Confessò esplicitamente di essersi identificato con quelle persone al punto di naturalizzarsi peruviano.

Il suo primo discorso al pubblico è stato contro le mie aspettative iniziali. E’ stato un discorso pio e rivolto all’interno della Chiesa. Non è stata citata la parola “poveri”, tanto meno liberazione, minacce alla vita e il grido ecologico. Il tema forte è stato la pace, in particolare “disarmata e disarmante”, una critica delicata a quanto sta accadendo oggi in modo drammatico, come la guerra in Ucraina e il genocidio, a cielo aperto, di migliaia di bambini e civili innocenti nella Striscia di Gaza. E’ sembrato che gli atri temi non fossero nella coscienza del nuovo Papa. Ma credo che torneranno presto anche quelli, perché tali tragedie erano così forti nei discorsi di Papa Francesco, suo grande amico, che devono ancora risuonare nelle orecchie del nuovo Papa.

Papa Francesco, in quanto gesuita, aveva un raro senso della politica e dell’esercizio del potere, attraverso il famoso “discernimento dello spirito”, una categoria centrale della spiritualità di Sant’Ignazio. La mia supposizione è che egli ha visto nel Cardinale Prevost un suo possibile successore. Non apparteneva alla vecchia e già decadente cristianità europea, proveniva dal Grande Sud, con un’esperienza pastorale e teologica maturata nella periferia della Chiesa, nel suo caso il Perù, dove con Gustavo Gutiérrez è nata e si è sviluppata la teologia della liberazione.

Sicuramente, con il suo modo di fare gentile e la sua predisposizione all’ascolto e al dialogo, porterà avanti le sfide assunte e le innovazioni affrontate da Papa Francesco, che non è il caso qui di elencarle.

Ma, dal mio punto di vista, ci saranno altre sfide, mai prese sul serio dagli interventi dei papi precedenti: come de-occidentalizzare e de-patriarcalizzare la Chiesa cattolica di fronte alla nuova fase dell’umanità. Essa è caratterizzata dalla mondializzazione dell’umanità (non solo in senso economico, ora turbato da Trump) che, anzi, si sta realizzando a ritmi sempre più rapidi in termini politici, sociali, tecnologici, filosofici e spirituali. In questo processo accelerato, la Chiesa Cattolica nella sua istituzionalizzazione e nella forma come si è strutturata gerarchicamente, appare come una creazione dell’Occidente. Questo è innegabile. Dietro a tutto, c’è il diritto romano classico, il potere degli imperatori con i suoi simboli, riti e modalità di esercizio del potere accentrati in un’autorità massima, il Papa, «con potestà ordinaria, massima, piena, immediata e universale» (canone 331), attributi che, in verità, spetterebbero solo a Dio. A ciò si aggiunge la sua infallibilità in materia di fede e morale. Non si potrebbe andare oltre. Papa Francesco si è consapevolmente allontanato da questo paradigma e ha iniziato a inaugurare un altro modello di Chiesa semplice e povera in uscita per il mondo.

Questo non ha nulla a che vedere con il Gesù storico, povero, predicatore di un sogno assoluto, il Regno di Dio e critico severo di ogni potere. Ma è proprio quello che è successo: con l’erosione dell’Impero romano, i cristiani, diventati Chiesa con un alto senso morale, si sono fatti carico della riorganizzazione dell’Impero romano che ha attraversato secoli. Ma questa è una creazione della cultura occidentale. Il messaggio originario di Gesù, il suo Vangelo, non si esaurisce né si identifica con questo tipo di incarnazione, perché il messaggio di Gesù è quello di una totale apertura a Dio come Abba (Padre caro), di misericordia illimitata, di amore incondizionato persino per i nemici, di compassione per coloro che sono caduti lungo le strade della vita e di vita come servizio agli altri. L’attuale papa Leone XIV non sarà immune a questa sfida. Vogliamo vedere e sostenere il suo coraggio e la sua forza nell’affrontare i tradizionalisti e nel compiere passi in quella direzione.

Una grande, immensa sfida per qualsiasi Papa è relativizzare questo modo di organizzare il cristianesimo affinché possa acquisire nuovi volti nelle diverse culture umane. Papa Francesco ha compiuto grandi passi in questa direzione. L’attuale nuovo Papa ha accennato a questo dialogo nel suo discorso inaugurale. Finché non ci muoveremo con fermezza verso questa de-occidentalizzazione, per molti paesi il cristianesimo sarà sempre una cosa dell’Occidente. E’ stato complice della colonizzazione dell’Africa, delle Americhe e dell’Asia e ancora oggi è visto così dalle intelligenze dei paesi che furono colonizzati.

Un’altra sfida non meno importante è la de-patriarcalizzazione della Chiesa. Ne abbiamo già parlato sopra. Nella guida della Chiesa ci sono solo uomini, celibi e ordinati con il sacramento dell’Ordine (da sacerdote a Papa). Il fattore patriarcale è visibile nella negazione alle donne del sacramento dell’Ordine. Loro costituiscono, di gran lunga, la maggioranza dei fedeli e sono le madri e le sorelle dell’altra metà, degli uomini della Chiesa e dell’umanità. Questa esclusione maschilista fa male al corpo ecclesiastico e mette in discussione l’universalità della Chiesa. Fintanto che non si apre alla possibilità per le donne, come è accaduto in quasi tutte le chiese, di accedere al sacerdozio, si dimostra il suo radicato patriarcato, segno di una cultura occidentale sempre più un accidente nella storia universale.

Oltre a ciò, l’obbligo di mantenere il celibato (convertito in legge) rende ancora più radicale il carattere patriarcale, favorendo l’anti-femminismo che si nota in alcuni strati della gerarchia ecclesiastica. Poiché si tratta solo di una legge umana e storica e non divina, nulla impedisce che venga abolita e che venga consentito il celibato facoltativo.

Queste e molte altre sfide dovranno essere affrontate dal nuovo Papa, mentre nella coscienza dei fedeli cresce sempre più il senso evangelico della partecipazione (la sinodalità) e dell’uguaglianza in dignità e diritti di tutti gli esseri umani, uomini e donne. Perché dovrebbe essere diverso nella Chiesa cattolica?

Queste riflessioni vogliono essere una sfida permanente da essere affrontata da chi è stato scelto per il servizio più alto per animare la fede e orientare i cammini della comunità cristiana, come la figura del Papa. Verrà il tempo in cui la forza di questi cambiamenti diventerà così esigente che essi si realizzeranno. Allora sarà una nuova primavera della Chiesa, che diventerà tanto più universale quanto più si farà carico di questioni universali e offrirà il suo contributo per risposte umanizzanti.

Leonardo Boff è un teologo e ha scritto: Eclesiogênese: a reinvenção da Igreja, Record 2008. (Traduzione dal