Leonardo Boff – zum 85. Geburtstag „Löscht den Geist nicht aus!“

     Bischof Erwin Kräuter, Xingu/Amazonasgebiet

„Löscht den Geist nicht aus“ (1 Thess 5,19), schreibt Paulus im Winter 50/51 von Korinth aus an die Gemeinde von Thessaloniki, der heutigen Hauptstadt des griechischen Mazedonien. Nach Philippi ist sie die zweite von ihm gegründete christliche Gemeinde in Europa. Dieser Appell findet sich in einer Serie von fünfzehn Ratschlägen, die der Apostel als Grundlage für eine lebendige Gemeindepraxis empfiehlt.

Der Österreichische Katholikentag in Salzburg, vom 1. bis 3. Juni 1962, stand unter diesem Leitwort. Karl Rahner hielt damals eines seiner denkwürdigsten Referate. „Uns alle muss die Sorge quälen, dass wir es sein könnten, die den Geist auslöschen“[1] gab er zu bedenken.  

Warum beginne ich einen Beitrag zum 85. Geburtstag meines langjährigen Freundes Leonardo Boff mit dieser Einleitung? Was hat das Pauluswort mit ihm zu tun? Es ist schlicht meine Überzeugung, dass dieser Appell des Apostels das Werk Leonardos besser charakterisiert als irgendeine andere Überschrift. Seit Beginn seiner Publikationen in den 60er Jahren bis heute war und ist es sein Anliegen, den „Geist der Wahrheit“ zu verkünden, „in dessen Kraft ‚auch ihr Zeugnis ablegen sollt‘ (Joh 15, 27), löscht ihn nicht aus!“. So schrieb Papst Johannes XXIII an die 1962 „in Salzburg versammelten Männer und Frauen sowie die uns teure Jugend“. Und wie Karl Rahner bei seinem Referat ganz unverhohlen über einen „Konservativismus“ klagte, „der nicht Gottes Ehre und Lehre und Stiftung in der Kirche verteidigt, sondern sich selbst, die alte Gewohnheit, das Übliche, das schon Gewohnte“[2], so nahm sich auch Leonardo nie ein Blatt vor den Mund. Seine mutige Haltung entfachte allerdings, insbesondere nach dem Erscheinen seines Buches „Kirche: Charisma und Macht“ (1981), das Missfallen kirchlicher Instanzen. Einer seiner ehemaligen Lehrer belegte ihn sogar mit dem Vorwurf der Häresie. Leonardo wurde nach Rom zitiert. Die damals von Kardinal Joseph Ratzinger geleitete Glaubenskongregation verordnete ihm, für ein Jahr, Rede- und Lehrverbot. Diese Verfügung wurde mit dem Doppelwort „Bußschweigen“ umschrieben. „Buße“ und „Schweigen“! War also Leonardo nun aufgefordert, im Büßergewand ein stummes Dasein hinter den Klostermauern zu verbringen? Nicht einmal die brasilianischen Kardinäle Paulo Evaristo Arns und Aloísio Lorscheider, beide Franziskaner wie Leonardo, konnten diese Maßnahme verhindern. Leonardo zog leider Konsequenzen, die ich bis heute bedauere. Dennoch kehrte er seiner Kirche nie den Rücken. Er schrieb weiterhin Bücher und Artikel, dozierte Ethik und Spiritualität an einer Hochschule in Rio de Janeiro und stand oft und oft für Vorträge und Seminare in Brasilien und im Ausland zur Verfügung. Bis heute erhalte ich, wie auch andere Bischöfe, mehrmals im Monat per E-Mail seine Meditationen oder Kommentare zu aktuellen kirchlichen Themen und Ereignissen in Brasilien und auf Weltebene.

Befreiungstheologie und „strukturelle Sünde“

 Wer den Namen Leonardo Boff hört oder liest, verbindet ihn sofort mit der „Befreiungstheologie“, die in Lateinamerika ihren Ursprung hat[3]. Leonardo ist tatsächlich einer ihrer wichtigsten und bekanntesten Vertreter.

Die Befreiungstheologie ist biblisch, ist in der Heiligen Schrift grundgelegt. Gott hat sich als ein befreiender Gott geoffenbart. Der Name Jesu bedeutet: Gott heilt, Gott befreit, „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,21). „Erlösen“ und „befreien“ sind Synonyme. Die Befreiungstheologie will betonen, dass Gott nicht ein Gott in weiter Ferne ist: „Brüder – überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen“ meint Schiller in seiner „Ode an die Freude“, die Beethoven im vierten Satz der IX. Symphonie[4] vertont hat. Gott ist Immanu- El – Mit uns Gott! Mit uns unterwegs, an unserer Seite. „Nähme ich die Flügel des Morgenrots, ließe ich mich nieder am Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich ergreifen“ (Ps 139,9-10). Gott offenbart sich in der Geschichte, „befreit“ sein Volk aus Sklaverei und Unterdrückung (vgl. Ex 3,7-8). „Mit dir erstürme ich Wälle, / mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (2 Sam 22,30) singt David in seinem Dankgebet „Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Befreier“ (2 Sam 22,2). In der Synagoge von Nazareth zitiert Jesus den Propheten Jesaja: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe (…) damit ich die Zerschlagenen befreie und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ (Lk 4,18-19).

Bis hier alles in Ordnung, meinen die Gegner der Befreiungstheologie. Aber diese Theologie spricht von einer „strukturellen Sünde“ und vergisst dabei, dass jede Sünde eine „persönliche Sünde“ ist, so ihr Urteil. Dass Sünde ein wissentliches, entschlossenes Handeln oder Nichthandeln wider die Liebe und die Zuwendung Gottes und wider den Nächsten ist, hat die Befreiungstheologie nie bestritten. Sie will jedoch nicht einen strafenden, rächenden, mit Fluchworten bis in die dritte und vierte Generation (vgl. Ex 34,7) heimzahlenden Gott verkünden. Jesus hat uns vom „Fluch des Gesetzes“ befreit (vgl. Gal 3,13). Neben dieser „persönlichen Sünde“ existiert aber auch die Sünde, die Leonardo Boff als „strukturelle Sünde“ bezeichnet.

Selbstverständlich hat die Kirche nicht die Aufgabe, zu detaillieren, wie sich die Welt in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht auszurichten hat. Die Kirche „ist von Christus gesandt, die Liebe Gottes allen Menschen und Völkern zu verkünden und mitzuteilen“ (Ad gentes, 10). Und diese Verkündigung und Mitteilung der Liebe Gottes hat die prophetische Komponente, alle Formen struktureller Sünde und Übel anzuprangern, die dieser Liebe Gottes widersprechen. „Löscht den Geist nicht aus“ bedeutet gerade hier, die prophetische Dimension der Kirche beherzt wahrzunehmen und nicht aus Furcht auszuklammern, die Kirche könnte als politische Akteurin verschrien werden. Schweigen, wenn es um die Verteidigung der Menschenrechte und -würde geht, kommt einer politischen Rechtfertigung der strukturellen Sünde gleich. Alle Märtyrer Lateinamerikas waren Opfer ihres heroischen Mutes, ihre Mitmenschen vor Unrecht und die Mit-welt vor ihrer Zerstörung zu schützen, angefangen vom heiligen Oscar Arnulfo Romero, Erzbischof von San Salvador (+ 1980) bis zu den Märtyrern unseres Bistums am Xingu Hubert Mattle (+ 1995), Ademir Alfeu Federicci (+2001), Dorothy Mae Stang (+2005).

Was ist also oder worum geht es bei dem von Leonardo Boff geprägten Begriff der „strukturellen Sünde“? Bei der II. Lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Medellín (Kolumbien) vollzogen die Kirchen Lateinamerikas 1967 einen Standortwechsel und erklärten ihre Option für die Armen. „Diese Haltung wird sich konkretisieren, wenn wir im Kampf gegen eine unerträgliche Situation, in der sich die Armen so oft befinden, Ungerechtigkeit und Unterdrückung anprangern“ (DM 14,10). In Medellín hat die Kirche nach den Ursachen der tragischen Realität gefragt. „Das Elend, als kollektive Tatsache, ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit“ (DM 1,1), heißt es im Schlussdokument bereits im ersten Absatz und erklärt die „fehlende Solidarität als Ursache wahrhafter Sünden auf individueller und gesellschaftlicher Ebene, die sich in den  für Lateinamerika charakteristischen ungerechten Strukturen zeigen“ (DM 1,2).

Armut, Not und Tod sind vielfach die Folge wirtschaftlich und politisch ungerechter Strukturen, die von Regierungen und Wirtschaftsverantwortlichen dauerhaft aufrechterhalten werden. „Sünde“ ist zwar kein soziologischer oder juridischer Begriff, aus theologischer Sicht, aber, sind ungerechte soziale und wirtschaftliche Strukturen „sündhaft“.

Wenn die Schere zwischen reichen und armen Nationen immer mehr auseinanderklafft, wenn laut Statistik der Weltbank zur globalen Armut weltweit rund 70 Millionen Menschen von extremer Armut betroffen, also vom „Festmahl des Lebens“ ausgeschlossen sind, „zu dem alle Menschen von Gott eingeladen sind“[5] ist das eine „strukturelle Sünde“.

Es ist eine „strukturelle Sünde“, wenn Brasiliens Nationalkongress Gesetze erlässt, die es Großgrundbesitzern, Bergwerksgesellschaften, Holzhändlern und Goldsuchern ermöglichen, „legal“ in indigene Gebiete einzudringen, indigene Völker von Grund und Boden zu vertreiben und sie ihrer Heimat zu berauben. Nicht „An den Flüssen Babylons“ (Ps 137,1), sondern „in den Favelas oder entlang der Hauptstraßen Lateinamerikas sitzen wir in Schmutz und Elend und weinen, wenn wir an die Heimat denken, aus der wir vertrieben wurden“. Mit „Va, pensiero“ beginnt der vom Psalm 137 inspirierte Chor aus der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi. Indigene Völker können bis heute, wie die hebräischen Sklaven im babylonischen Exil schluchzend die Worte singen: „O mia patria sì bella e perduta! O lembranza sì cara e fatal!“ [6].

Es ist eine „strukturelle Sünde“, wenn Milliarden und Abermilliarden in die Rüstungsindustrie fließen, während der Welthunger-Index die Hungerlage 2023 in 43 Ländern als ernst oder sehr ernst einstuft. Jesus identifiziert sich mit den Armen und die erste und grausamste Folge der Armut ist anhaltender Hunger (vgl. Mt 25,31-46).

Es ist die Folge einer „strukturellen Sünde“, wenn bei der 23. Klimakonferenz in Dubai der fehlende Wille der Großmächte, aber auch kleinerer Nationalstaaten, wieder einmal sichtbar wird, endlich Maßnahmen zu treffen, um der Klimaerwärmung entgegenzusteuern. Die Häufigkeit von Extremwetterereignissen sind inzwischen der untrügliche Beweis, dass es sich bei der Klimaerwärmung um ein „anthropogenes Phänomen“ (L. Boff) handelt, also um die Folge, der von Menschen bewirkten, schädigenden Eingriffe in die Natur.

Kirchliche Basisgemeinden

Medellín regte die lateinamerikanischen Kirchen an, zu „Kirchen der Armen und Unterdrückten“ zu werden. Das vom II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) entflammte neue Pfingsten fängt Feuer. Die befreiende Dimension des Evangeliums kommt zum Tragen. Unzählige kirchliche Basisgemeinden entstehen auf dem ganzen Kontinent. Die Kirche der Armen wird zur Realität. Die Befreiungstheologie übernimmt die an der Basis gelebte Praxis und Erfahrung in ihre Reflexion und vertieft ihren Glaubensgehalt. Eine Kirche entfaltet sich, die auf Dialog zwischen Glauben und Leben, zwischen Evangelium und Gerechtigkeit, gründet. Glauben und Leben sind nicht zwei Paar Schuhe!

Als ich 1985 das erste Mal dem Papst meinen „Ad limina“-Besuch abstattete, fragte mich Johannes Paul II, wie viele Priester und Ordenssleute am Xingu arbeiten. Er zeigte sich verwundert über die geringe Zahl, die ich im verriet. Da sagte ich: „Es gibt aber auch die Laien!“ Er reagierte prompt mit: „Basisgemeinden“. Ich weiß nicht, woher ich den Mut genommen habe, ihn zu korrigieren: „Santo Padre, Kirchliche Basisgemeinden, denn sie sind der Ort, an dem die Kirche lebt“. Im Laufe des 20. Jahrhunderts bis in die 60er Jahre wurden alle möglichen Impulse religiöser Vereinigungen aus Europa und Nordamerika nach Lateinamerika importiert. Wenn auch irgendwie den örtlichen Umständen angepasst, waren sie keine auf heimischen Boden gewachsene Gemeinschaften. Sie trugen alle so etwas wie ein Etikett: „Made in Spain“, „Made in Italy“, „Made in Germany“ oder „Made in USA“. Die kirchlichen Basisgemeinden sind jedoch eine genuin lateinamerikanische Art, Kirche zu sein. In Amazonien schossen sie nach dem Konzil, nach Medellín und insbesondere nach der wegweisenden Bischofsversammlung 1972 im amazonischen Santarém, wie Pilze aus dem Boden. Sie erinnern an die Apostelgeschichte: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2,42). Nur vom „Brechen des Brotes“, der Eucharistiefeier, dieser zentralen Feier einer jeden christlichen Gemeinde, sind die kirchlichen Basisgemeinden monate- wenn nicht gar jahrelang ausgeschlossen. Wir wollten bei der Amazonas-Synode[7] hier eine Wendung herbeiführen. Trotz Zweidrittelmehrheit bei der Abstimmung wurden unsere Vorschläge nicht berücksichtigt, ja im postsynodalen Schreiben des Papstes nicht einmal erwähnt. Kirchliche Basisgemeinden kennzeichnen sich durch vier Dimensionen: die samaritanische Dimension – gegenseitige Hilfe und Unterstützung, wo immer Not und Elend herrscht; die prophetische Dimension – Hinterfragen, Identifizierung und Anprangerung der „strukturellen Sünden“, Einsatz für Recht und Gerechtigkeit und Erhaltung der Schöpfung; die familiäre Dimension – die Kirche wird als Familie und nicht als eine mehr oder minder anonyme Versammlung erlebt; die feiernde, betende, kontemplative Dimension – Liturgie des sonntäglichen Wortgottesdienstes, Bibelrunden, Meditation und persönliches Gebet.

„Löscht den Geist nicht aus“ ist gerade auch im Hinblick auf die kirchlichen Basisgemeinden ein sehr aktueller Appell an die Diözesen Lateinamerikas. Die Botschaft an den Engel der Gemeinde von Ephesus im zweiten Kapitel der Offenbarung macht gerade heute einen besonderen Sinn: „Du hast ausgeharrt und um meines Namens willen Schweres ertragen und bist nicht müde geworden. Ich werfe dir aber vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast“ (Offb 2,3-4). Leider hat in den vergangenen Jahrzehnten die „Pentekostalisierung“ die kirchliche Landschaft in Lateinamerika sehr verändert. Die Priesterausbildung und die Orientierung vieler Bischöfe gehen in diese Richtung. Vor allem der junge Klerus ist anfällig für diesen Trend. Pompöse Zelebrationen mit teuren Paramenten verdrängen die einfachen Feiern der Kirche der Armen. Schade!

Lieber Leonardo,

Ich bin nur ein halbes Jahr jünger als du. Also haben wir die Geschichte unserer Kirche in den vergangenen Jahrzehnten gleichzeitig, jeder auf seine Weise, erlebt. Wir haben uns unendlich gefreut über das im II. Vatikanischen Konzil bewirkte Frühlingserwachen. Wir waren begeistert von den Aufbrüchen in unserer Kirche. Seit einigen Jahrzehnten leiden wir jedoch darunter, dass sich immer wieder Widerstand und Stagnation breitmachen und zum Rückzug geblasen wird, als ob das Konzil ein Desaster in der Kirchengeschichte gewesen wäre. Wir geben nicht auf. Es kann sein, dass wir mit unserer bereits „angehäuften Jugend“ die tatsächliche Applikation des Konzils nicht mehr erleben. Unsere Hoffnung stirbt dennoch nicht, dass die Kirche der Zukunft das wirkliche schon von Johannes XXIII erträumte  „Aggiornamento“ bewirkt, die Öffnung unserer Kirche für den Dienst an den Menschen aller Kontinente und Kulturen im Hier und Jetzt ihrer Geschichte.

Gleichzeitig möchte ich dir für deine Bücher und anderen Schriften danken, die mir stets eine Hilfe in meinem pastoralen Einsatz für die Menschen am Xingu und darüber hinaus waren.

Alles Gute und Gottes Segen zu deinem 85. Geburtstag.

Herzlichst,

Erwin Kräutler

Bischof em. vom Xingu

Altamira, 12. Dezember 2023

Fest U. L. Frau von Guadalupe


[1] Zitiert auf der Homepage von Paul M. Zulehner: Erfüllte Zeit, Pfingsten 2008, Pfingstsonntag.

[2] A. a. O.

[3] Als „Vater der Befreiungstheologie“ wird der peruanische Priester Gustavo Gutierrez O.P. bezeichnet. Er feierte am 8. Juni 2023 seinen 95 Geburtstag. In seinem Buch „Teologia de la liberación, Perspectivas“ entwickelte er die Befreiungstheoiogie. Der Begriff Theologie der Befreiung oder Befreiungstheologie wurde von ihm in einer Vorlesung von 1968 verwendet und geprägt:”Hacia una teología de la liberación”.

[4] Friedrich Schiller „Ode an die Freude“ aus dem Jahr 1785 wurde von Ludwig van Beethoven im Finale des 4. Satzes der am 7. Mai 1824 in Wien uraufgeführrten iX. Synphonie vertont.

[5] Johannes Paul II, Enzyklika „Sollicitudo Rei Socialis“, 39

[6] „O meine Heimat, du schöne, verlorene! O Erinnerung, du teure, verhängnisschwere!“ Der Text stammt von Temistocle Solera. Der Dichter inspirierte sich am Psalm 137 „An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten, als wir dein gedachten, Zion“. Die Oper Nabucco von Giuseppe Verdi wurde am 9. März 1842 in der Mailänder Scala uraufgeführt. 

[7] Sondersynode im Vatikan vom  6. bis 27. Oktober 2019 mit dem Thema „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie”.

Teses sobre o decrescimento para a sobrevivência da humanidade

                      

Por MICHAEL LÖWY*é um dos pensadores que mais se preocupa pelo futuro de nossa civilização e da humanidade. Apresenta alternativas viáveis, caso quisermos realmente mudar o rumo de nossa história e sobreviver sobre este planeta. Vem sob o nome e ecosocialismo e decrescimento dos países  industrializados  e capitalistas, os mais responsáveis que aquecimento global e pela emissão de gases de efeito estufa e um crescimento sustentável e ecológico para os países pobres que precisam da infraestrutura para sobreviver. O tempo é urgente de devemos agir logo antes que entremos num caminho sem retorno. LBoff

Sem ilusões sobre um “capitalismo limpo”, é preciso tentar ganhar tempo, e impor, aos poderes constituídos, algumas medidas elementares de decrescimento

1.

A crise ecológica já é a questão social e política mais importante do século 21, e se tornará ainda mais importante nos próximos meses e anos. O futuro do planeta e, por conseguinte, da humanidade, será decidido nas próximas décadas. Como explica o IPCC, se a temperatura média ultrapassar a do período pré-industrial em 1,5°, há o risco de desencadear-se um processo de mudanças climáticas irreversível e catastrófico. Quais seriam as consequências disso?

Apenas alguns exemplos: a multiplicação de mega-incêndios que destruiriam a maior parte das florestas; o desaparecimento dos rios e o esgotamento das reservas subterrâneas de água; o aumento da seca e da desertificação das terras; o degelo e o deslocamento das placas polares e a elevação do nível do mar, que levaria à inundação das principais cidades da civilização humana – Hong Kong, Calcutá, Veneza, Amsterdã, Xangai, Londres, Nova Iorque, Rio.

Alguns destes eventos já estão acontecendo: a seca ameaça com a fome milhões de pessoas na África e na Ásia; o aumento da temperatura no verão atingiu níveis insuportáveis em algumas áreas do planeta; as florestas estão ardendo por todos os lugares em extensões cada vez maiores; poderíamos multiplicar os exemplos.

De certa forma, a catástrofe já começou – mas se tornará muito pior em poucas décadas, muito antes de 2100. Até que ponto a temperatura pode subir? A que temperatura a vida humana neste planeta estará ameaçada? Ninguém tem uma resposta para estas perguntas. Trata-se de riscos dramáticos sem precedentes na história da humanidade. Seria necessário voltar até o Plioceno, há alguns milhões de anos, para encontrar condições climáticas similares às que poderão tornar-se realidade no futuro, devido às alterações climáticas.

2.

Quem é responsável por esta situação? É a ação humana, respondem os cientistas. A resposta está correta, mas um pouco estreita: os seres humanos vivem na Terra há milhares de anos, mas a concentração de CO2 na atmosfera só começou a acumular-se após a Revolução Industrial, e apenas a partir de 1945 começou a tornar-se perigosa para a vida.

Como marxistas, a nossa resposta é: a culpa é do sistema capitalista. Sua lógica absurda e irracional de expansão e acumulação infinitas, seu produtivismo obcecado pela busca do lucro a qualquer preço são responsáveis por levar a humanidade à beira do abismo.

A responsabilidade do sistema capitalista na catástrofe iminente é amplamente reconhecida. O Papa Francisco, em sua encíclica Laudato Si, sem mencionar a palavra “capitalismo”, manifestou-se contra um sistema estruturalmente perverso de relações comerciais e de propriedade baseado exclusivamente no “princípio da maximização do lucro” como responsável tanto pela injustiça social como pela destruição de nossa casa comum, a natureza.

Uma palavra de ordem entoada universalmente em todo canto do mundo nas manifestações ecológicas é “Mudar o sistema, não o clima!”. A atitude dos principais representantes deste sistema, defensores dos negócios como de costume – bilionários, banqueiros, “especialistas”, oligarcas, políticos –, pode ser resumida pela frase atribuída a Luís XV: “Depois de mim, o dilúvio”. O fracasso total das dezenas de Conferências COP da ONU sobre mudanças climáticas em tomar as medidas mínimas necessárias para parar o processo ilustra a impossibilidade de uma solução para a crise nos limites do sistema vigente.

3.

O “capitalismo verde” pode ser uma solução? As empresas capitalistas e os governos podem estar interessados no desenvolvimento (lucrativo) de “energias sustentáveis”, mas o sistema é dependente das energias fósseis (carvão, petróleo, gás) nos últimos três séculos, e não mostra qualquer sinal de interesse em abandoná-las. O capitalismo não pode existir sem crescimento, expansão, acumulação de capital, mercadorias e lucros, e o crescimento não pode continuar sem uma utilização estendida das energias fósseis.

As pseudossoluções do capitalismo verde, como os “mercados de carbono”, os “mecanismos de compensação” e outras manipulações da chamada “economia de mercado sustentável” revelaram-se perfeitamente inúteis. Enquanto a “maquiagem verde” não para, as emissões de CO2 disparam e a catástrofe fica cada vez mais próxima. Não há solução para a crise ecológica no marco do capitalismo, um sistema inteiramente dedicado ao produtivismo, ao consumismo e à luta feroz por “fatias de mercado”. Sua lógica intrinsecamente perversa conduz inevitavelmente à ruptura do equilíbrio ecológico e à destruição dos ecossistemas. Como afirma Greta Thunberg, “é matematicamente impossível resolver a crise ecológica no marco do atual sistema econômico”.

A experiência soviética, independentemente de seus méritos ou limitações, também se baseou na lógica do crescimento, fundamentada nos mesmos recursos fósseis do Ocidente. E grande parte da esquerda, durante o século passado, compartilhou a ideologia do crescimento, em nome do “desenvolvimento das forças produtivas”. Um socialismo produtivista, que ignora a crise ecológica, é incapaz de responder aos desafios do século XXI.

4.

A reflexão sobre o decrescimento e o movimento que surgiu nas últimas décadas deram uma grande contribuição para uma ecologia radical, opondo-se ao mito de um “crescimento” ilimitado num planeta limitado. Mas o decrescimento em si não é uma perspectiva econômica e social alternativa: ele não define que tipo de sociedade substituirá o sistema atual. Alguns proponentes do decrescimento ignorariam a questão do capitalismo, concentrando-se apenas no produtivismo e no consumismo, e definindo o culpado como “O Ocidente”, “Iluminismo” ou “Prometeísmo”. Outros, que representam a esquerda do movimento anti-crescimento, designam claramente o sistema capitalista como responsável pela crise e reconhecem a impossibilidade de um “decrescimento capitalista”.

Nos últimos anos, tem havido uma aproximação crescente entre ecossocialismo e decrescimento: cada lado tem se apropriado dos argumentos do outro, e a proposta de um “decrescimento ecossocialista” começou a ser adotada como uma base comum.

5.

Os ecossocialistas aprenderam muito com o movimento do decrescimento. O ecossocialismo está, portanto, adotando cada vez mais a necessidade do decrescimento no processo de transição para uma nova sociedade socialista ecológica. Uma razão óbvia para isso é que a maioria das energias renováveis, como a eólica e a solar, (a) precisam de matérias-primas que não existem em escala ilimitada e (b) são intermitentes, dependendo das condições climáticas (vento, sol).

Por conseguinte, elas não podem substituir inteiramente as energias fósseis. Logo, é inevitável uma redução substancial do consumo de energia. Mas a questão tem um caráter mais geral: a produção da maioria dos bens é baseada na extração de matérias-primas, muitas das quais (i) estão se tornando cada vez mais limitadas e/ou (ii) criam sérios problemas ecológicos no processo de extração. Todos esses elementos apontam para a necessidade do decrescimento.

O decrescimento ecossocialista inclui a necessidade de redução substancial da produção e do consumo, mas não se limita a essa dimensão negativa. Ele inclui o programa positivo de uma sociedade socialista, baseada no planejamento democrático, na autogestão, na produção de valores de uso em vez de mercadorias, na gratuidade dos serviços básicos e no tempo livre para o desenvolvimento dos desejos e das capacidades humanas. Uma sociedade sem exploração, dominação de classe, patriarcado e todas as formas de exclusão social.

6.

O decrescimento ecossocialista não tem uma concepção puramente quantitativa do decrescimento como uma redução da produção e do consumo. Ele propõe distinções qualitativas. Algumas produções – por exemplo, energias fósseis, pesticidas, submarinos nucleares, publicidade – não devem ser reduzidas, mas suprimidas. Outras, como carros particulares, carne e aviões, devem ser substancialmente reduzidas. E outras, como alimentos orgânicos, meios de transporte públicos e moradias neutras em carbono, devem ser desenvolvidas.

A questão não é o “consumo excessivo” em abstrato, mas o modo de consumo predominante, baseado na aquisição conspícua, no desperdício em massa, na alienação mercantil, na acumulação obsessiva de bens e na compra compulsiva de pseudonovidades impostas pela “moda”. É preciso acabar com o monstruoso desperdício de recursos no capitalismo, baseado na produção, em larga escala, de produtos inúteis e/ou nocivos: a indústria de armamentos é um bom exemplo, mas grande parte dos “bens” produzidos no capitalismo – com sua obsolescência embutida – não tem outra utilidade a não ser gerar lucro para as grandes corporações.

Uma nova sociedade orientaria a produção para a satisfação de necessidades autênticas, começando por aquelas que poderiam ser descritas como “bíblicas” – água, comida, roupas, moradia – mas incluindo também os serviços básicos: saúde, educação, transporte, cultura.

Como distinguir as necessidades autênticas das artificiais, facciosas e provisórias? Estas últimas são induzidas pela manipulação mental, ou seja, pela publicidade. Embora a publicidade seja uma dimensão indispensável da economia de mercado capitalista, ela não teria lugar numa sociedade em transição para o ecossocialismo, em que seria substituída por informações sobre bens e serviços fornecidos por associações de consumidores.

O critério para distinguir uma necessidade autêntica de uma artificial é sua persistência após a supressão da publicidade (Coca Cola!). É claro que, durante alguns anos, os velhos hábitos de consumo persistiriam, e ninguém tem o direito de dizer às pessoas quais são suas necessidades. A mudança nos padrões de consumo é um processo histórico, bem como um desafio educacional.

7.

O principal esforço, num processo de decrescimento planetário, deve ser feito pelos países do Norte industrializado – América do Norte, Europa, Japão – responsáveis pela acumulação histórica de CO2 desde a Revolução Industrial. São também as áreas do mundo onde o nível de consumo – especialmente entre as classes privilegiadas – é claramente insustentável e perdulário. Os países “subdesenvolvidos” do Sul – Ásia, África, América Latina –, onde as necessidades básicas estão muito longe de serem satisfeitas, precisarão de um processo de “desenvolvimento” – construção de ferrovias, sistemas de água e esgoto, transporte público e outras infraestruturas.

Mas não há razão para que isso não possa ser feito com um sistema produtivo que não agrida o meio ambiente e seja baseado em energias renováveis. Esses países precisarão cultivar grandes quantidades de comida para alimentar sua população faminta, porém isso pode ser alcançado por uma forma melhor – como os movimentos camponeses organizados em todo o mundo na rede da Via Campesina vêm argumentando há anos –, através de uma agricultura biológica camponesa baseada em unidades familiares, cooperativas ou fazendas coletivistas, em vez dos métodos destrutivos e antissociais do agronegócio industrializado, baseados no uso intensivo de pesticidas, produtos químicos e OGMs.

Atualmente, a economia capitalista desses países baseia-se na produção de bens para suas classes privilegiadas – carros, aviões, artigos de luxo – e de commodities exportadas para o mercado mundial: soja, carne, petróleo. Um processo de transição ecológica no Sul, como argumentam os ecossocialistas do Tricontinental, reduziria e/ou suprimiria esse tipo de produção e, ao contrário, visaria a soberania alimentar e o desenvolvimento de serviços básicos, como saúde e educação, que precisam, acima de tudo, de trabalho humano em vez de mais mercadorias.

8.

Quem poderia ser o sujeito na luta por um decrescimento ecossocialista? O dogmatismo trabalhista/industrialista do século passado não é mais atual. As forças que agora estão na dianteira dos confrontos socioecológicos são os jovens, as mulheres, os povos indígenas e os camponeses. A resistência das comunidades indígenas no Canadá, EUA, América Latina, Nigéria e em outros lugares aos campos de petróleo, oleodutos ou minas de ouro capitalistas está bem documentada; ela decorre de sua experiência direta da dinâmica destrutiva do “progresso” capitalista e da contradição entre sua espiritualidade e cultura e o “espírito do capitalismo”.

As mulheres estão muito presentes na resistência indígena, bem como no formidável levante juvenil lançado pela convocação de Greta Thunberg – uma das grandes fontes de esperança para o futuro. Como explicam as ecofeministas, essa participação em massa das mulheres nas mobilizações deve-se ao fato de que elas são as primeiras vítimas dos danos causados pelo sistema ao meio ambiente.

Os sindicatos estão começando, aqui e ali, a se envolver também. Isso é importante, porque, em última análise, não podemos superar o sistema sem a participação ativa dos trabalhadores urbanos e rurais, que constituem a maioria da população. A primeira condição, em cada movimento, é associar metas ecológicas (fechamento de minas de carvão ou poços de petróleo, ou usinas elétricas movidas a carvão, etc.) com a garantia de emprego para os trabalhadores envolvidos. Os sindicalistas com mentalidade ecológica argumentaram que há milhões de “empregos verdes” que seriam criados num processo de transição ecológica.

9.

O decrescimento ecossocialista é, ao mesmo tempo, um projeto para o futuro e uma estratégia para a luta aqui e agora. Não se trata de esperar que “as condições estejam maduras”. É necessário provocar a convergência entre as lutas sociais e ecológicas e combater as iniciativas mais destrutivas dos poderes a serviço do “crescimento” capitalista. Propostas como o Green New Deal fazem parte dessa luta, em suas formas radicais, que exigem efetivamente a renúncia às energias fósseis, mas não naquelas limitadas à reciclagem do sistema.

Sem ilusões sobre um “capitalismo limpo”, é preciso tentar ganhar tempo, e impor, aos poderes constituídos, algumas medidas elementares de decrescimento, começando com uma redução drástica na emissão de gases de efeito estufa. Interromper um oleoduto XXL, uma mina de ouro poluente, uma usina a carvão, faz parte de um movimento de resistência maior chamado Blockadia por Naomi Klein. Igualmente significativas são as experiências locais de agricultura orgânica, energia solar cooperativa e gerenciamento comunitário de recursos.

Essas lutas em torno de questões concretas de “decrescimento” são importantes, não apenas porque as vitórias parciais são bem-vindas em si mesmas, mas também porque contribuem para aumentar a consciência ecológica e socialista e porque promovem a atividade e a auto-organização a partir de baixo: ambas são pré-condições decisivas e necessárias para uma transformação radical do mundo, ou seja, para a Grande Transição para uma nova sociedade e um novo modo de vida.

*Michae Löwy é diretor de pesquisa em sociologia no Centre nationale de la recherche scientifique (CNRS). Autor, entre outros livros, de O que é o ecossocialismo (Cortez).

Tradução: Fernando Lima das Neves.

Um Papa que ama ao modo de Jesus

                                            Leonardo Boff

No dia 13 de março a Igreja celebrou 10 anos de pontificado do Papa Francisco. É a primeira vez na história da Igreja que um Papa é eleito fora da galáxia do cristianismo europeu. E com razão, pois a vitalidade da mensagem evangélica se enraizou nas culturas não-europeias nas quais numericamente vive a maioria dos católicos. Enfatizamos algumas características de seu pontificado.

A mais importante delas foi a nova atmosfera criada dentro da comunidade cristã a nível mundial. Saímos de um inverno, dos últimos Papas, e inaugurou-se uma primavera.Predomina não mais a doutrina, mas a vida concreta da fé. Já não há medo e condenações, mas grande liberdade de expressão e de participação,especialmente de mulheres em cargos importantes dentro do Vaticano.

O Papa Francisco deu corpo a um novo modo de ser Papa. Já não vive no palácio pontifício, mas numa casa de hóspedes, Santa Marta. Recusa qualquer privilégio. Vive em seu quarto de hóspedes. Outro é reservado para receber pessoas. Entra na fila ao servi-se nas refeições. Com humor, pensando em fatos do passado, diz, “assim é mais difícil que me envenenem”. Vive uma pobreza franciscana, despojando-se de todos os símbolos de poder.

Abriu uma perspectiva nova para a Igreja. Se antes era um castelo fortificado contra os erros do mundo, agora é “uma Igreja-hospital-de-campanha” que acolhe a todos, sem perguntar sua origem ou seu estado moral. Como enfatiza: “é uma Igreja em saída para as periferias existenciais”, colando seu ouvido ao grito dos sofredores deste mudo.

Conferiu centralidade aos pobres. Escolheu o  nome de Francisco para resgatar a figura de São Francisco, o poverello de Assis. Em sua primeira aparição disse claramente: quero uma Igreja de pobres e uma Igreja com os pobres.Pouco importa se o pobre é cristão ou muçulmano: lava-lhes os pés da Quinta-Feira Santa. Sua inspiração maior é o Jesus histórico, artesão, contador de histórias, defensor de todos os que menos vida têm, curando-os de suas doenças, enxugando-lhes as lágrimas e até ressuscitando mortos. Chama Deus de Abbá=”paizinho querido” sentido-se seu Filho bem-amado. Ama a todos no modo desse Deus-Abbá, bem expresso no evangelho de São João:”se alguém vem a mim eu não o mandarei embora”(Jo 6,37). Podia ser uma adúltera,um teólogo angustiado como Nicodemos que o procura à noite, ou um mulher estrangeira sírio-fenícia ou um oficial romano. A todos acolhe afetuosamente.

Deixou muitas vezes claro que Jesus não veio criar uma nova religião, mas veio ensinar-nos a viver: o amor incondicional, a solidariedade, a compaixão e o perdão. As doutrinas estão aí e não há por que não dar-lhe importância. Mas só com elas não  se chega ao coração do ser humano. Precisa-se ternura e amor.

O que convence as pessoas e as deixa até fascinadas é sua pregação ininterrupta sobre a  importância dessa ternura que abraça o outro e que se aplica também à política,como claramente o diz em sua encíclica Fratelli tutti.

Mas para ele, a culminância de sua pregação é a misericórdia. É a característica pessoal de Jesus e se enraíza na essência de Deus mesmo. Ninguém pode pôr limites à misericórdia de Deus que alcança até o pior dos pecadores. Deus não pode perder nenhum filho ou filha que criou com amor. Ele não pode perder nunca. Por isso assevera que a condenação é somente para esse mundo. Todos são destinados, por causa da ilimitada misericórdia, a participar do Reino bem-aventurado da Trindade, do Pai, do Filho e do Espírito Santo.

A mensagem de Jesus não é somente boa na perspectiva da vida eterna. Mas também  deve ser boa para esta vida e para a própria Mãe Terra. Sua encíclica “como cuidar da Casa Comum: Laudato Sì (2015) o coloca, conforme notáveis ecólogos, na ponta de reflexão ecológica mundial. Não se trata de uma ecologia verde, mas de um ecologia integral: abarca o ambiental, o político, o social,o cultural, a vida cotidiana e a vida do espírito. Não se trata de uma técnica de sanar as feridas no corpo da Mãe Terra, mas de uma arte de viver em comunhão com ela e com todas as demais criaturas, abraçadas como irmãs e irmãos. É tão preocupado pelo futuro da vida que diz com palavras severas em sua outra encíclica Fratelli tutti (2020) “ou nos salvamos todos ou ninguém se salva”.

Não obstante as nuvens escuras que encobrem nosso futuro, mostra-se esperançoso.Confia na esperança como aquele princípio ou melhor, aquele motor que trabalha sempre dentro de nós, buscando melhores caminhos, projetando utopias viáveis e desanuviando a obscuridade de nossa história. Ela se expressa por estas palavras no final de sua encíclica “Como cuidar da Casa Comum”: “Caminhemos cantando, que as nossas lutas e a preocupação por este planeta não nos tirem a alegria da esperança”.

Em fim, estamos diante de uma figura de especial densidade humana, testemunha de uma fé e de uma esperança inabaláveis de que atravessaremos os sombrios tempos atuais rumo a uma biocivilização na qual possamos nos irmanar entre todos, a natureza incluída, dentro da mesma grande Casa Comum, cuidada e amada.

Leonardo Boff é teólogo e filósofo e escreveu: Francisco de Assis-Francisco de Roma: a irrupção da primavera, Rio, Mar de Ideias 2012.

Lo nuevo normal climático – el fin de la especie y la salvación cristiana: respuesta a un desafío

Leonardo Boff/Pedro de Oliveira

Un entrañable amigo, reconocido sociólogo, Pedro Ribeiro de Oliveira de Juiz de Fora:MG, tal vez el único que lee todo lo que escribo, me critica y mejora mis ideas, se dejó impactar (helás!)con mi reciente artículo “Lo nuevo normal climático es amenazador” que trata del cambio irreversible del régimen climático de la Tierra que podrá poner en peligro el futuro de la vida humana. Como es un cristiano crítico y serio me escribió esta provocación que supongo será la de muchos lectores y lectoras. Me permito transcribir su email en su forma coloquial y después mi respuesta.

Pregunta de Pedro Ribeiro de Oliveira:

Leonardo, mi hermano,

Acabo de leer tu texto “Lo nuevo normal es amenazador” soltando los perros sobre la inevitable catástrofe climático-ambiental que se está abatiendo sobre la Tierra y quiero sugerirte/pedirte una reflexión teológica sobre la Salvación. ¿Es que ni Jesús puede salvar a la humanidad? ¿Es que su Evangelio del Reino se quedó en nada? ¿Que Él sólo consigue salvar almas? ¿Será que el Hijo del Hombre, después de resucitado por el Espíritu, acabó muriendo por nada?

No sé… Si toda la especie humana, y un montón de otras que van con ella, está condenada a desaparecer, la promesa del Reinado de Dios fue solo una Esperanza que ayudó a una parte (pequeña) de la humanidad a vivir momentos felices anticipándolo en la historia. ¿Dónde está la salvación que Jesús prometió y las Iglesias cristianas han anunciado durante siglos? 

Sólo nos queda el consuelo de que, no habiendo Reinado de Dios en la historia y estando nuestros cuerpos condenados a morir, tendremos una vida eterna y etérea para nuestras almas. Pero si es así, mucha gente hizo el tonto, incluso el mismo Jesús de Nazaret: podía haber enseñado la salvación de las almas sin enfrentarse al Imperio, el Templo y la Cruz.

Como teólogo, te propongo escribir una reflexión sobre la Salvación teniendo como tema de fondo la catástrofe de la vida humana en la Tierra.

Un afectuoso abrazo 

Pedro

Pedro Ribeiro de Oliveira, sociólogo y articulador del Movimiento Fe y Política.

Respuesta de Leonardo Boff

Pedro, amigo-hermano,

Yo creo que Jesús no vino a cambiar el curso de la evolución. 

Si te cuento la historia de la vida te darás cuenta de que al formarse los continentes (a partir del único gran continente Pangea) hace 230 millones de años, entre el 75-95% de todas las especies de seres vivos desaparecieron. Pero la Tierra guardó semillas (los quintillones y quintillones de micoroorganismo escondidos en el suelo y a salvo de cualquier amenaza). La Tierra se demoró 10 millones de años para rehacer la biodiversidad. La rehizo y enfrentó otras grandes extinciones posteriores, como aquella de hace 67 millones de años que hizo desaparecer todos los dinosaurios después de haber vivido más de 130 millones de años sobre la Tierra, y tantas otras. Pero la vida, como una especie de plaga siempre sobrevivió. 

Nada impide que nuestra especie, que apareció la última en el proceso de la evolución, violenta y asesina desde el principio del mundo, llegue a su clímax y desaparezca. Pero no desaparece el Principio creador de Dios-Trinidad, de comunión y de amor. De las ruinas hará un nuevo cielo y una nueva tierra,como lo promete el Apocalipsis.

Recuerda el Viernes santo. Todos los apóstoles huyeron o le abandonaron. Sólo las mujeres, las generadoras de vida, no le abandonaron y se quedaron al pie de la cruz. El Viviente murió entre gritos de desesperación hasta entregarse, confiado, diciendo: “en tus manos entrego mi espíritu” (Lc 23,46: mi principio de vida). La resurrección, testimoniada primero por una mujer, María Magdalena, fue una insurrección contra aquella justicia y aquel mundo de muerte que lo condenó. Pero es mucho más: la resurrección anticipó el fin bueno de la historia humana y del universo. Surgió el “novísimus Adán” (1Cor 15,45).

Yo creo que el misterio pascual (vida-muerte-resurrección), especialmente el viernes santo, no sólo inspiró a Hegel para para la creación de la dialéctica (que él llama“viernes santo teórico”) sino que también nos puede inspirar a nosotros.

Podemos pasar por el viernes general y terrenal con todas sus agonías como las de Jesús. Pero no es el fin. Irrumpirá, pronto después, lo nuevo que es la resurrección. No como reanimación de un cadáver como el de Lázaro, sino como realización de todas las potencialidades escondidas en nosotros y como la irrupción realmente de aquello que el Apocalipsis atestigua: un nuevo cielo y una nueva tierra. Ellas vendrán de lo alto, es decir, de otra fuente de vida y de otra naturaleza. 

Bien dice Ernst Bloch: el verdadero génesis no está al comienzo, sino al final. Solo entonces Dios, “mirando todo lo que había hecho, halló que todo era muy bueno” (Gn 1,31). Ahora no todo es bueno, pues hay tanta maldad y desastres incomprensibles, como el de São Sebastião-SP y bajada del nivel de agua de los canales de Venecia que están prácticamente secos. Pero el fin será bueno.

Como dice el poeta portugués, Fernando Pessoa: “soñamos con un mundo que aún no experimentamos”. Ahora al final del nuevo régimen climático, el terrible piroceno (del fuego), vamos a explosionar e implosionar hacia dentro de Dios como le gustaba imaginar a Teilhard de Chardin. Experimentaremos un mundo nunca vivido antes.

Nuestra esperanza vale para la situación calamitosa actual. Reside en la resurrección de Jesús que solo comenzó pero no acabó todavía porque sus hermanos y hermanas que somos todos nosotros, no hemos llegado a la situación de él. La resurrección de Jesús es un proceso no terminado porque sus hermanos y hermanas aún no han resucitado como él.  Como lo dice san Pablo “es en la esperanza que somos salvos” (Rom 8,24).

Me gusta el evangelio original de San Marcos. Termina diciendo Jesús: “id a Galilea, allí me veréis”(16,7). Así acaba el texto. Los milagros agregados, es consenso entre los exegetas que son un añadido posterior. 

Por lo tanto, estamos todos en el camino a Galilea cuando entonces veremos al Resucitado, el Nuevo Ser se manifestará y hará de nosotros también nuevos seres, hombres y mujeres resucitados.

Esta es mi esperanza frente a las turbulencias mortales de la historia, sobre todo de la historia reciente. Lo nuevo, Cristo resucitado, acabará de resucitar y entonces se mostrará como el Cristo cósmico que llena todos los espacios de la Tierra y del universo. Y nosotros participaremos de esta novedad.

Un grande y fraterno abrazo 

Leonardo

Escribí un libro La resurrección de Cristo: nuestra resurrección en la muerte, Sal Terrae, 26ª edición, 2005.