Die Welt hat ihr Herz verloren

                                             Leonardo Boff

Verfolgt man den gegenwärtigen Lauf der Welt, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene, so sieht man einen regelrechten Tsunami von Hass, Lügen, Ausgrenzung, regelrechtem Völkermord und Massenvernichtung, wie im Gazastreifen, der uns ratlos macht. Wie weit kann das menschliche Böse gehen? Es gibt keine Grenzen für das Böse. Es kann bis zur Selbstauslöschung des Menschen gehen.

Wenn ich an unser Land Brasilien denke, die Todesfälle, die Morde an jungen Schwarzen in den Randbezirken, die Kinder, die Opfer verirrter Kugeln werden, sei es von der Polizei (die tötet) oder von kriminellen Vereinigungen, die täglichen Frauenmorde und die Hunderte von Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen, die Zerstückelung von Entführten, lassen eine ganze Stadt wie Rio de Janeiro ständig in Angst und Bedrohung leben. Sie verliert ihren ganzen Glanz. Dies geschieht in fast allen großen Städten unseres Landes, die Sérgio Buarque de Holanda als „herzlich“ bezeichnete (Raízes do Brasil, 1936). Die meisten Interpreten haben jedoch die Fußnote zu dem Begriff „herzlich“ nicht gelesen, in der er bemerkt: „Feindschaft kann ebenso herzlich sein wie Freundschaft, da beide aus dem Herzen geboren werden“ (Nr. 6). Brasilien zeigt also, vor allem unter der Regierung der Unwählbaren,Jair Bolsonaro, die Feindschaft zwischen Freunden und in den Familien, die Banalität des Fluchens, des schlechten Benehmens und der Lüge: alle sind „herzlich“, weil sie aus einem „herzlichen“ (perversen) Herzen geboren werden.

Auf internationaler Ebene ist das Szenario noch abscheulicher. Mit der uneingeschränkten und mitschuldigen Unterstützung der USA und der beschämenden Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft, die ihr Erbe der Bürgerrechte, der Demokratie und anderer zivilisatorischer Werte verraten hat, werden von der rechtsextremen Regierung Benjamin Netanjaus wahre Kriegsverbrechen an 40.000 Zivilisten und der unbestreitbare Völkermord an rund 1.300 unschuldigen Kindern im Gazastreifen verübt. Dies ist eine völlig unverhältnismäßige Vergeltungsmaßnahme für ein anderes, nicht weniger schreckliches Verbrechen der Terrorgruppe Hamas.  Netanhyau lässt solche Völkermorde zu, weil er kein Herz hat, weil er sich nicht in die Mütter und unschuldigen Opfer hineinversetzen kann. Es ist ihm egal, ob er, um einen Hisbollah-Führer zu töten, Dutzende anderer Menschen bei einem Bombenangriff opfern muss. Ähnliche Verbrechen finden in dem Krieg statt, den Russland gegen die Ukraine führt, mit Tausenden von Opfern, der Zerstörung einer uralten Schwesterkultur und unzähligen unschuldigen Opfern. Bleiben wir hier stehen auf diesem Kreuzweg der Schrecken, der mehr Stationen hat als der des kreuztragenden Gottessohnes.

Es stellt sich die Frage, wie dies am helllichten Tag geschehen kann, ohne dass eine anerkannte Autorität diese Ausrottung von Menschen und ganzen Städten stoppen könnte. Was ist die eigentliche Ursache für diese Ungerechtigkeit? Die Geschichte kennt Ausrottungen in der Vergangenheit, sogar im Namen Gottes, wie im schrecklichen Buch der Richter in der jüdisch-christlichen Bibel und in so vielen Kriegen der Vergangenheit. Israel hat mehr als 207 UN-Beamte getötet, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten und Moscheen bombardiert und 80 Prozent des Gazastreifens zerstört. Heute besteht die ernste Gefahr eines totalen Krieges zwischen den militaristischen Mächten, die um die Vorherrschaft in der Welt wetteifern, was das Prinzip unserer Selbstzerstörung verwirklichen würde.

Ich bleibe bei der Interpretation, dass all dies möglich geworden ist, weil wir das Herz, den esprit de finesse (Pascal) und die Dimension der Anima (die Sensibilität von C.G. Jung) verloren haben. Die moderne Kultur ist auf dem Willen zur Macht als Herrschaft aufgebaut, die sich der Vernunft bedient, losgelöst von Herz und Gewissen, übersetzt in Techno-Wissenschaft für unser Wohl und mehr für kriegerische Zwecke. Wie Papst Franziskus in Laudato Sì feststellte: „Die Menschen sind nicht im richtigen Gebrauch der Macht erzogen worden, … weil sie nicht in Bezug auf Verantwortung, Werte und Gewissen begleitet wurden“ (Nr. 105). Die Vernunft hat ihre Willkür in Form des Rationalismus etabliert, indem sie andere Arten, die Wirklichkeit zu erkennen und zu empfinden, erniedrigt hat. Auf diese Weise wurde das Gefühl (Pathos) unter der falschen Annahme unterdrückt, dass es die Objektivität der Analyse behindern würde. Heute ist klar, dass es keine absolute Objektivität gibt. Das Subjekt forscht mit seinen eigenen Voraussetzungen und Interessen, so dass Subjekt und Objekt immer miteinander verwoben sind.

Tatsache ist, dass die Dimension des Herzens und der Wärme verdrängt wurde. Neben dem Reptiliengehirn, das das älteste ist, ist das limbische Gehirn unsere eigentliche Basis. Es entstand bei den Paläo-Säugetieren vor 150-200 Millionen Jahren und bei den höheren Säugetieren vor 40-50 Millionen Jahren, mit denen wir eine Wohngemeinschaft teilen. Wir sind rationale Säugetiere und daher empfindungsfähige Wesen. Das limbische Gehirn ist der Sitz unserer Emotionen, sei es Hass, Wut oder andere Negativität, aber vor allem beherbergt es die Welt der Exzellenz, der Liebe, der Freundschaft, der Empathie, der Werte, der Ethik und der Spiritualität. Das neokortikale Gehirn entstand mit dem Menschen vor 7-8 Millionen Jahren und erreichte seinen Höhepunkt vor etwa 100.000 Jahren mit der Entstehung des Homo sapiens, dessen Erben wir sind. Es ist die Welt der Vernunft, der Konzepte, der Sprache und der logischen Ordnung der Dinge.

Es war also eine späte Ankunft, aber mit seiner Entwicklung begründete es das Reich der Vernunft. Aber man darf nicht vergessen, dass wir es mit einem einzigen Gehirn zu tun haben, das diese drei Dimensionen umfasst, die immer miteinander verbunden sind (in MacLeans Version des dreieinigen Gehirns: reptilisch, limbisch, Neokortex). Die übermäßige Konzentration auf die Rationalität, mit der wir die Welt, die Frauen (Patriarchat) und die Natur auf Kosten der Gefühle beherrscht haben, hat zu sozio-historischen Missverständnissen und Fehler geführt, deren schädliche Folgen wir jetzt ernten. Es ist dringend notwendig, das neokortikale Gehirn (Vernunft/Logos) mit dem limbischen Gehirn (Herz/Pathos) zu vereinen, wobei das Herz die rationalen Projekte mit Menschlichkeit und Sensibilität bereichert und umgekehrt in die Vernunft investiert, d.h. der Welt der Gefühle und des Herzens eine Richtung und ein angemessenes Maß gibt. Weil wir das Gefühl der gegenseitigen Zugehörigkeit, dass wir ausnahmslos alle Menschen sind, ertränkt haben, sind wir zu grausamen Völkermördern (gegenüber unserer Spezies) und Umweltmördern (gegenüber der Natur) geworden. Wir haben unsere Brüder und Schwestern versklavt, unterjocht und diskriminiert.

Der westliche, liberal-kapitalistische Humanismus ist bankrott, weil wir die Dimension des Herzens, des Geistes der Finesse (Pascal), der essentiellen Sensibilität (anima) nicht gerettet haben. Die so genannte „regelbasierte Ordnung“ (die sich immer nach der Bequemlichkeit der Mächtigen richtet) hat sich als Trugschluss erwiesen.

Wie eine hochrangige UN-Beamtin, Chelsea Ngnoc Minh Nguyen, warnte: „Die Gewalt und Brutalität der letzten Jahre sollte uns alle – ob im Süden oder im Norden, im Osten oder im Westen – dazu veranlassen, eine ehrliche und tiefe Selbstprüfung über die Art von Welt vorzunehmen, in der wir leben wollen“ (IHU 4/10/24). Ich sehe keine andere Alternative, als das Paradigma der Zivilisation (vom dominus zum frater) zu ändern, als einen neuen Humanismus zu gründen, der in unserer eigenen Natur wurzelt. In ihm finden wir die anthropologischen Konstanten, die unserem Menschsein innewohnen: bedingungslose Liebe, essentielle Fürsorge, Kooperation, Empathie, Mitgefühl, Anerkennung des Anderen als Mitmensch, Respekt vor der Natur und der Erde, die uns alles gibt, Verzauberung durch das Schöne und Gute und Ehrfurcht vor dem Mysterium. Diese Werte wären die Grundlage einer anderen möglichen und notwendigen Welt. Andernfalls steuern wir auf das Unvorstellbare zu.

Leonardo Boff Ökotheologe, Philosoph und Schritsteller

Übersetzung von Bettina Goldharnack

Il rischio di una guerra nucleare e di un cielo bianco

Leonardo Boff

In dichiarazioni recenti, Putin riferendosi alla guerra che sta conducendo contro l’Ucraina, la quale si difende con armi sempre più potenti provenienti dagli USA e dai paesi NATO, ha dichiarato: “se ci sarà un pericolo esistenziale per il mio paese, utilizzerò armi nucleari”.

Certamente non saranno quelle strategiche con un devastante potere di distruzione. Provocherebbero una ritorsione degli USA con lo stesso tipo di armi. Ciò, probabilmente, liquiderebbe gran parte della vita umana e della biosfera.

Ma Putin utilizzerebbe le [armi nucleari] tattiche più limitate, ma lo stesso con effetti altamente distruttivi. La minaccia non sembra essere un bluff, ma una decisione presa dall’intero organismo di difesa della Confederazione russa. Ha detto bene il segretario generale dell’ONU António Guterrez, aprendo i lavori a settembre: “Ci stiamo avvicinando all’inimmaginabile: una polveriera che corre il rischio di travolgere il mondo”. Se ciò dovesse accadere, si correrebbe il grave rischio di un’escalation pericolosissima per il nostro futuro.

Alla fine, potrebbe verificarsi un inverno nucleare in cui il cielo diventerà bianco (nell’espressione di Elizabeth Kolbert: The White Sky: The Nature of Our Future, 2020) a causa delle particelle radioattive. Gli alberi riuscirebbero a malapena a svolgere la fotosintesi, garantendoci sufficiente ossigeno e la produzione di alimenti sarebbe fortemente compromessa. Una simile catastrofe metterebbe a rischio la vita umana e la biosfera.

L’argomento è troppo minaccioso per non dargli importanza. Toby Ord, un filosofo australiano che insegna a Oxford, ha scritto un libro minuzioso sui rischi attuali: Precipice: Existential Risk and the Future of Humanity (2020). Questo non è né allarmismo né catastrofismo. Ma dobbiamo essere realistici fiduciosi ed eticamente responsabili. Abbiamo già l’esperienza di quello che è stato il più grande atto terroristico della storia, quando gli Stati Uniti sotto Truman lanciarono due semplici bombe nucleari su Hiroshima e Nagasaki che decimarono duecentomila persone in pochi minuti.

Successivamente abbiamo creato armi molto più devastanti e persino il principio di autodistruzione come lo definì il compianto ed eminente cosmologo Carl Sagan. Papa Francesco, nel suo discorso alle Nazioni Unite del 25 settembre 2020, ha messo in guardia per due volte dall’eventuale scomparsa della vita umana come conseguenza dell’irresponsabilità nei nostri rapporti con la Madre Terra e dello sfruttamento eccessivo della natura. Nell’enciclica Fratelli tutti (2020), afferma con severità: «siamo tutti sulla stessa barca, o ci salviamo tutti o non si salva nessuno» (n.32).

Il premio Nobel, Christian de Duve, nella sua famosa Poeira Vital (1997) attesta che “in un certo senso, il nostro tempo ricorda una di quelle importanti rotture dell’evoluzione, segnate da estinzioni di massa” (p.355). Anticamente erano le meteore radenti a minacciare la Terra; oggi la meteora radente si chiama essere umano, dando origine ad una nuova era geologica, l’antropocene e nella sua fase più acuta, l’attuale pirocene (i grandi incendi).

Théodore Monod, forse l’ultimo grande naturalista moderno, ha lasciato come testamento un testo di riflessione dal titolo: E se a aventura humana vier a falhar (2000)? . Afferma: “siamo capaci di una condotta insensata e demente; d’ora in poi si potrà temere tutto, tutto, compreso l’annientamento del genere umano” (p. 246). E aggiunge: “sarebbe il giusto prezzo per la nostra follia e le nostre crudeltà” (p.248).

Se prendiamo sul serio il dramma mondiale, sanitario e sociale e il crescente riscaldamento, nell’era del pirocene, questo scenario di orrore non è impensabile.

Edward Wilson, grande biologo, attesta nel suo stimolante libro The Future of Life (2002): “L’uomo fino ad oggi ha svolto il ruolo di assassino planetario… l’etica della conservazione, sotto forma di tabù, totemismo o scienza, quasi sempre è arrivata troppo tardi (121).

Vale la pena citare anche un nome di tutto rispetto, James Lovelock, il formulatore dell’ipotesi/teoria della Terra come Super-organismo vivente, Gaia, con un titolo che dice tutto: Gaia’s Revenge (2006). Durante la sua visita in Brasile, ha dichiarato alla rivista Veja: “entro la fine del secolo, l80% della popolazione umana scomparirà. Il restante 20% vivrà nell’Artico e in alcune oasi di altri continenti, dove le temperature saranno più basse e ci sarà un poco di pioggia…quasi tutto il territorio brasiliano sarà troppo caldo e secco per essere abitato” (Paginas Amarelas del 25 ottobre 2006).

Ha ben valutato, consapevole del rischio planetario, il più grande pensatore del XX secolo, Martin Heidegger, in un testo pubblicato 15 anni dopo la sua morte: “Solo un Dio può salvarci” (Nur noch ein Gott kann uns retten).

Non basta aspettare Dio, perché Egli non è un tappa-buchi di fronte all’irresponsabilità umana, ma piuttosto prendersi cura dell’essere umano impazzito, porre limiti a una ragione divenuta irrazionale al punto da forgiare mezzi per autodistruggersi. Confidiamo che, di fronte a questa catastrofe, ci sia un minimo di saggezza e moderazione tra quanti prendono le decisioni.

Dopo che abbiamo ucciso il Figlio di Dio che si è fatto uomo, nulla è impossibile. Ma Dio, non i detentori di armi di distruzione di massa è il signore della storia e del destino umano. Egli dalle rovine può creare un nuovo cielo e una nuova Terra, abitati da esseri umani trasfigurati, che si prendono cura e siano amici di tutta la vita. È la nostra fede e speranza.

Leonardo Boff ha scritto Terra madura: uma ética da vida, Planeta 2023; Cuidar da Casa Comum: pistas para protelar o fim do mundo, Vozes 2024

(Traduzione dal portoghese di Gianni Alioti)

O risco de uma guerra nuclear e de um céu branco

Leonardo Boff
Em declarações recentes, Putin com referência à guerra que move contra a Ucrânia que se defende com cada vez mais armas potentes dos USA e da OTAN, declarou: “se houver um perigo existencial para meu país, usarei armas nucleares”.

Certamente não serão as estratégicas com devastador poder de destruição.Provocaria uma retaliação dos USA com o mesmo tipo de armas. Isso, provavelmente, liquidaria grande parte da vida humana e da biosfera.

Mas Putin usaria as táticas, mais limitadas, mas também com efeitos altamente  destrutivos. A ameaça não parece ser um blefe, mas uma decisão tomada por todo o corpo de defesa da Confederação Russa.Bem disse o Secretário Geral da ONU António Guterrez,ao abrir em setembro os trabalhos: “Estamos nos aproximando do inimaginável – um barril de pólvora que corre o risco de engolir o mundo”. Se isso vier ocorrer, surge o grave risco de uma escalada perigosíssima para o nosso futuro.

No limite, pode ocorrer um inverno nuclear no qual o céu ficará branco (na expressão de Elizabeth Kolbert:O céu branco: a natureza de nosso futuro,2020) por causa das partículas radioativas. As árvores mal poderiam fazer a fotossíntese, garantindo-nos o necessário oxigênio e a produção de alimentos seria altamente afetada. Tal catástrofe poria em risco a vida humana e a biosfera.

O assunto é por demais ameaçador para não lhe darmos importância. Toby Ord,filósofo australiano lecionando em Oxford, escreveu um livro minucioso sobre os riscos presentes:Precipice:Existencial Risk and the Future of Humanity (2020). Isso não é alarmismo nem catastrofismo.Mas devemos ser realistas esperançosos e eticamente responsáveis. Já temos a experiência do que tem sido o maior ato terrorista da história, quando os USA sob Truman lançaram duas bombas nucleares simples sobre Hiroshima e Nagasaki que dizimaram em minutos duzentas mil pessoas.

Depois criamos armas muito mais devastadoras e ainda o princípio de autodestruição como o chamou o falecido e eminente cosmólogo Carl Sagan. O Papa Francisco em sua alocução na ONU no dia 25 de setembro de 2020, advertiu por duas vezes da eventualidade do desaparecimento da vida humana como consequência da irresponsabilidade em nosso trato com a Mãe Terra e com a natureza superexploradas. Na encíclica  Fratelli tutti (2020) afirma com severidade:”estamos todos no mesmo barco,ou nos salvamos todos ou ninguém se salva(n.32).

O prêmio Nobel, Christian de Duve,  em seu conhecido Poeira Vital (1997) atesta que “de certa forma, nosso tempo lembra uma daquelas importantes rupturas na evolução, assinaladas por extinções maciças”(p.355). Antigamente eram os meteoros rasantes que ameaçavam a Terra; hoje o meteoro rasante se chama ser humano dando origem a uma nova era geológica,o antropoceno e na sua fase mais aguda, o atual piroceno (as grande queimadas).

Théodore Monod, talvez o último grande naturalista moderno, deixou como testamento um texto de reflexão com esse título: E se a aventura humana vier a falhar (2000)? Assevera: “somos capazes de uma conduta insensata e demente; pode-se a partir de agora temer tudo, tudo mesmo, inclusive a aniquilação da raça humana” (p. 246). E acrescenta: “seria o justo preço de nossas loucuras e de nossas crueldades”(p.248).

Se tomarmos a sério o drama mundial, sanitário, social e o aquecimento crescente, na era do piroceno, esse cenário de horror não é impensável.

Edward Wilson, grande biólogo, atesta em seu instigante livro O futuro da vida (2002): “O homem até hoje tem desempenhado o papel de  assassino planetário…a ética da conservação, na forma de tabu, totemismo ou ciência, quase sempre chegou tarde demais (121).

Vale ainda citar  um nome de grande respeitabilidade James Lovelock, o formulador da hipótese/teoria da Terra como Super-organismo vivo, Gaia,com um título que diz tudo: A vingança de Gaia (2006). Em sua passagem pelo Brasil declarou à Veja:” até o fim do século 80% da população humana desaparecerá. Os 20% restantes vão viver no Ártico e em alguns poucos oásis em outros continentes, onde as temperaturas forem mais baixas e houver um pouco de chuva…quase todo o território brasileiro será demasiadamente quente e seco para ser habitado ” (Paginas Amarelas de 25 de outubro de 2006).

Bem ponderou o maior pensador do século XX Martin Heidegger,num texto publicado 15 anos após sua morte, consciente do risco planetário:”Só um Deus nos pode salvar”(Nur noch ein Gott kann uns retten).

Não basta esperar em Deus, pois ele não é um tapa-buraco face às irresponsabilidades humanas, mas sim, cuidar do ser humano enlouquecido, pôr limites a uma razão que virou irracional a ponto de forjar meios de se autodestruir. Confiamos que face à esta catástrofe, haja um mínimo de sabedoria e de contenção nos tomadores de decisões.

Depois que matamos o Filho de Deus que se fez homem, nada é impossível. Mas Deus, não os detentores de armas de destruição em massa é o senhor da história e do destino humano.Ele pode das ruínas criar um novo céu e uma nova Terra, habitada por seres humanos transfigurados, cuidadores e amigos de toda vida.É a nossa fé e esperança.

Leonardo Boff escreveu Terra madura:uma ética da vida,Planeta 2023; Cuidar da Casa Comum: pistas para protelar o fim do mundo, Vozes 2024.

Das Pyrozän könnte die menschliche Spezies bedrohen

Leonardo Boff                                           

Insbesondere seit 2023/24 wird die Erde von gewaltigen Hitzewellen heimgesucht. Im Jahr 2024 ereigneten sich die verheerendsten Brände in Brasilien, in einem Teil des Amazonas, im Pantanal, im Cerrado und in mehreren Gemeinden im Südosten. Der Rauch machte die Luft in São Paulo und Brasilia fast unerträglich. Der Rauch breitete sich fast über den gesamten Süden des Landes aus.

Diese Ausbreitung des Feuers über fast den gesamten Planeten wird von den Wissenschaftlern als Zeitalter des Feuers, als Pyrozän (griechisch pyros: Feuer) bezeichnet. Seit jeher haben die Menschen diese Naturgewalt direkt unter ihre Kontrolle gebracht. Sie lernten, das Feuer zu beherrschen. Heute beherrscht uns das Feuer. Die Ursachen sind vielfältig: El Niño, die Anreicherung von CO2, Methan und Stickstoffdioxid in der Atmosphäre, lange Dürreperioden, leicht entzündliche Gräser, organisches Material im und unter dem Boden. Allein im Jahr 2023 wurden 37,5 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen, die dort für etwa hundert Jahre verbleiben werden.

Seit der vorindustriellen Ära (1850-1900) wurden Milliarden Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre freigesetzt, so dass sich insgesamt mehr als zwei Billionen Tonnen angesammelt haben.

Feuer hat eine lange Geschichte. Wenn man an die Entstehung der Erde vor 4,5 Milliarden Jahren zurückdenkt, weiß man, dass die Erde 800 Millionen Jahre lang eine unermessliche Feuerblase war, geschmolzen wie eine dicke, vor Hitze brodelnde Suppe. Sie war ein riesiges Meer aus geschmolzener, extrem heißer Lava. Dämpfe und Gase bildeten riesige Wolken. Über Millionen von Jahren verursachten diese Wolken ununterbrochen sintflutartige Regenfälle, die zusammen mit den riesigen Eismeteoriten, die den Planeten jahrhundertelang torpedierten, zur Abkühlung der Erde beitrugen. Sie erhöhten das Wasservolumen so stark, dass die Erde heute zu 70 Prozent aus diesem Element besteht.

Die Lava verfestigte sich und ließ den ersten Boden mit allen Arten von Bergen entstehen. Das ursprüngliche Feuer nistete sich in flüssiger Form im Herzen der Erde ein, was sich in Vulkanausbrüchen und Erdbeben zeigte. Doch an der Oberfläche blieb es als grundlegende Energie bestehen.

Die derzeitige globale Erwärmung, die über die für 2030 prognostizierten 1,5 Grad Celsius hinausgeht, wurde bereits vorhergesehen und erreicht mancherorts 2 und sogar 3 Grad Celsius. „Ich bin entsetzt“, sagte unser bester Klimaforscher Carlos Nobre. Die Ursache für diese Erwärmung ist die Art und Weise, wie der Produktions- und Industrialisierungsprozess in den letzten Jahrhunderten mit der Erde umgegangen ist. Sie wurde als zwecklos betrachtet, als eine bloße Schatztruhe von Ressourcen, die dem Menschen zur Verfügung stehen. Man könnte sagen, dass ein regelrechter Krieg gegen die Erde geführt wurde, in dem wir ihr alles weggenommen haben, was wir konnten.

Seit den 1970er Jahren haben Lovelock und Margulis im Rahmen ihrer Forschungen auf dem Gebiet der Erd- und Biowissenschaften die Hypothese aufgestellt, dass die Erde ein lebendes Überwesen ist, das alle für das Leben wesentlichen Elemente systematisch so zusammensetzt, dass sie immer lebendig bleibt und unzählige Lebensformen hervorbringt: die biologische Vielfalt. Sie nannten es Gaia, eine der griechischen Bezeichnungen für das Leben auf der Erde, die heute von der wissenschaftlichen Gemeinschaft weitgehend akzeptiert wird.

Untersuchungen über den Zustand der Erde ab 1968 (Club of Rome), die die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt und die Art der Entwicklung, die fast dem gesamten Planeten aufgezwungen wurde, berücksichtigten, kamen zu dem Schluss, dass die Erde krank ist. Dem als unbegrenzt angesehenen Wachstum wurden Grenzen gesetzt, ohne dass man sich der Grenzen des Planeten bewusst war, der nicht in der Lage war, unbegrenztes Wachstum zu tragen. Das zeigt der Earth Overshoot Day (Erdüberlastungstag), der jährlich von der UNO festgestellt wird.

Das produktivistische System, ob in der kapitalistischen oder in der alten sozialistischen Ordnung, war und ist jedoch so manipuliert, dass es sich nicht aufhalten lässt. Die Folgen waren schon früh zu spüren, vor allem aber ab den 1970er Jahren bis heute: unkontrollierter Ausstoß von Treibhausgasen, Zerstörung von Ökosystemen, Erosion der Artenvielfalt, zunehmende Wüstenbildung, Abholzung großer Wälder, Verseuchung von Boden und Wasser mit Giftstoffen.

Dieser Krieg, den der Produktionsprozess (produzieren, konsumieren, wegwerfen) gegen Gaia führt, ist eine verlorene Schlacht. Die allgemeine Verschlechterung des Lebenssystems, der Anstieg von CO2 und Methan in der Atmosphäre, die als unumkehrbar geltende Erwärmung mit ihren extremen Ereignissen und die perverse soziale Ungleichheit haben das Gewissen vieler geweckt: Entweder wir ändern unseren Lebensstil und unsere Beziehung zur Natur, oder wir werden von Mutter Erde nicht mehr geliebt.

Wenn sich eine Art in einem Ökosystem unkontrolliert so weit entwickelt, dass sie die anderen bedroht, organisiert sich die Erde im Allgemeinen selbst so, dass sie diese Art einschränkt oder eliminiert. Auf diese Weise können die anderen Arten überleben und sich im globalen Prozess der Erdentstehung weiter entwickeln. Vielleicht ist dies die gegenwärtige Situation der menschlichen Spezies im Zeitalter des Anthropozäns, auch wenn die überwiegende Mehrheit immer noch unbewusst und leugnend ist.

Der von Wissenschaftlern geprägte Ausdruck Anthropozän würde den Menschen als den Meteor bezeichnen, der die Biosphäre am meisten bedroht. Anstatt die Rolle des Pflegers zu übernehmen, sind wir zu ihrem Vernichtungsengel geworden. Das Pyrozän wäre die gefährlichste und zerstörerischste Form des Anthropozäns. Die zunehmende globale Erwärmung, die die unkontrollierte Ausbreitung von Feuer und Mega-Bränden begünstigt, könnte den Planeten unbewohnbar machen. Die akute Trinkwasserknappheit, die Frustration der Nahrungsmittelproduktion und das überhitzte Klima würden die menschliche Spezies langsam zum Aussterben bringen. Wie alles, was in der Evolution beginnt, sich entwickelt, seinen Höhepunkt erreicht und verschwindet. So ist es mit Galaxien, Sternen und Lebewesen. Warum sollte es bei der menschlichen Spezies anders sein? Wir sind auf der Erde erschienen, als sie zu 99,98 Prozent bereits besiedelt war. Die Erde brauchte unsere Anwesenheit nicht, um ihre immense biologische Vielfalt zu entwickeln. Ohne uns würde das Leben der Billionen von Billionen von Mikroorganismen, die im Untergrund der Erde arbeiten, das Projekt des Lebens weiterführen. Die Erde würde sich weiterhin um die Sonne drehen, unter ihrem wohltuenden Licht, aber ohne uns.

Diejenigen, die den Glaubenssprung wagen, würden sagen, dass nur die irdische Phase des Menschen unverantwortlich abgeschlossen ist. Eine neue würde auf einer anderen Ebene beginnen. Nach der Zeit käme die Ewigkeit, in der er in einer Form weiterleben würde, die uns unaussprechlich bleibt. Aber das Leben würde fortbestehen.

Leonardo Boff Autor u. a. von:  Cuidar da Terra:pistas para protelar o fim do mundo, Vozes 2024; Vida para além da morte, Vozes, muitas edições, 2023.

Übersetzt von Bettina Goldharnackt